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Mortal Kombat

Originaltitel: Mortal Kombat__Herstellungsland: Australien, USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Simon McQuoid__Darsteller: Joe Taslim, Hiroyuki Sanada, Jessica McNamee, Josh Lawson, Lewis Tan, Tadanobu Asano, Ludi Lin, Mehcad Brooks, Chin Han, Sisi Stringer, Max Huang u.a.
Mortal Kombat Poster

“Finish Him” – Die Neuverfilmung von “Mortal Kombat” ist kein Kind von Traurigkeit.

Über den Entstehungsweg bis zu dem neuen „Mortal Kombat“-Kinofilm hatte ich schon in meiner Review zu „Mortal Kombat: Legacy“ alles gesagt und verlinke an dieser Stelle nur dahin. Das große Kinocomeback des Videospiel-Franchises fiel dann dank Corona leider ziemlich ins Wasser. Irgendwo aufgerieben zwischen Streaming-Veröffentlichung und Stolperkinostart kamen bislang gerade einmal 80 Millionen Dollar zusammen. Fraglich ob dies für eine Fortsetzung reicht.

Der Film erzählt folgende Mär: Die Menschheit hat bereits neun Mortal-Kombat-Turniere verloren. Geschieht dies auch beim zehnten Durchlauf, hat die Outworld unter der Führung von Shao Kahn und Shang Tsung das Recht, die Erde zu unterwerfen. Während Donnergott Lord Raiden alles versucht, die besten Kämpfer der Erde für das Turnier zu vereinen, ist auch Shang Tsung nicht untätig.

Der fürchtet nämlich das Wahrwerden einer alten Prophezeiung, wonach ein Kämpferteam, vereint unter der Blutlinie der Familie Hanzo, Outworld stürzen könnte. Dementsprechend entsendet er schon vor dem Turnier seine besten Kämpfer, um die Fighter von Lord Raiden Mann für Mann abzuschlachten. Auf der Liste steht auch der wenig erfolgreiche MMA-Fighter Cole – der immer wieder von eigentümlichen Träumen rund um einen Kerl namens Hanzo gequält wird.

Schaut in den Actionfilm mit Joe Taslim und Hiroyuki Sanada hinein

Ich denke, wir müssen uns hier nichts vormachen: Die Story ist der altbekannte Mumpitz. Mehr noch: Anstatt einfach nach Paul Anderson’schem Vorbild reinrassigen Trash auf der Leinwand zu entfesseln, machen es sich die Macher um Regiedebütant Simon McQuoid gleich doppelt schwer, indem sie einerseits satten Fanservice betreiben wollen (man achte auf die zig eingestreuten Easter-Eggs im Film) und andererseits dann doch zu befürchten schienen, dass sich viele Leute im Kino einfinden könnten, die von „Mortal Kombat“ noch nie etwas gehört haben. Ergo sind sie gezwungen, all ihre Charaktere noch einmal eingehend einzuführen.

Lews Tan muss in Mortal Kombat die Welt retten

Lews Tan muss in Mortal Kombat die Welt retten.

Und da man auf ein recht umfangreiches Roster zurückgreift, entstehen so auch mal eben knapp zwei Stunden Laufzeit. Während die Einführung der Charaktere noch flott vonstattengeht, haut der Film dann im Mittelteil komplett die Bremse rein. Hier werden die Charaktere dann nochmal vertieft, es wird viel trainiert, noch mehr Mumpitz gelabert und irgendwie beginnt sich der Film mehr und mehr in eine Richtung zu verrennen, die andeutet, dass die Macher die ganze Chose VIEL zu ernst genommen haben.

Wäre da nicht Josh Lawson („House of Lies“), der mit seinem genial humorig angelegten Kano dem Film mehrmals den Hals rettet, „Mortal Kombat“ würde in diesem Abschnitt formvollendet untergehen. Auch weil das Setting dieser Episode unvermutet trashig gerät und das ernste Getue der Darsteller gar nicht verträgt. Allen voran ein lächerlich chargierender Ludi Lin als Liu Kang und ein vollkommen uncharismatischer Tadanobu Asano („Thor – Tag der Entscheidung“) als Lord Raiden. Dass man dann final nicht einmal ein „Mortal Kombat“-Turnier geboten bekommt, macht das Drehbuch-Vollversagen richtig rund.

Hiroyuki Sanada und Joe Taslim in Mortal Kombat

Scorpion (Hiroyuki Sanada) und Sub-Zero (Joe Taslim) sind in ewiger Feindschaft vereint.

Action hat es dennoch eine Menge. Gleich zu Beginn begeistert die Vorstellung des ewigen Konfliktes zwischen Scorpion und Sub-Zero mit wilden Blutfontänen und ebensolchem Schwertgeschlitze in einem wunderschönen Setting. Zudem deutet sich an, dass rund um Sub-Zero ein paar steile Effekte möglich sein werden. Und mit Hiroyuki Sanada („47 Ronin“) und Joe Taslim („The Night comes for us“) sind obendrein zwei Könner am Werk, die sich ordentlich eine einschwenken. Joe Taslim ist als Sub-Zero sowieso der große Gewinner dieses Reboots. Der Mann hat richtig Charisma. Und wenn er nicht vollkommen hinter seiner Maske versteckt wird, spielt er es auch formvollendet aus.

Danach gibt es weitere hübsche Fight-Einlagen. Alle zunächst noch stärker geerdet und gut choreografiert. Mit zunehmender Laufzeit mischen sich allerdings immer mehr Specal Effects unter die Fights. Werden Feuerbälle und scharfe Hüte geworfen, wird das Wirework umfangreicher, geraten die Bewegungsabläufe immer surrealer und fliegen die Kontrahenten nach Treffern gerne mal meterweit durch die Luft. Die Fights selbst sind um Abwechslung bemüht und steigen in immer neuen Settings. Wobei die Location Scouts des in Australien gedrehten Filmes wirklich einige eindrucksvolle Schauplätze aufgetrieben haben. Schöner Nebeneffekt: Das Filmteam musste seltener auf CGI-Landschaften zurückgreifen.

Josh Lawson und Jessica McNamee im Reboot des Videospiels

So nah kommt Kano Sonya Blade nur zu gerne. Selbst wenn es Schmerzen bedeutet.

Mit zunehmender Laufzeit geraten dann auch die Effekte rund um Sub-Zero immer steiler! Der Mann sprengt Arme, wirft Eisbomben, friert abgeschossene Schrotkugeln direkt an der Gewehrmündung ein (geiler Effekt), erzeugt Eiswände, durch die er Gegner krachen lässt, und sorgt am Ende für ein eisiges Showdownsetting, das richtig Spaß macht.

Was ebenfalls Spaß macht, ist, dass „Mortal Kombat“ deutlich mehr Freude an der Brutalität der Spielvorlagen transportiert als die bisherigen Streifen. Infolgedessen darf es einige Male herzhaft splattern. Highlight ist ein Flawless Victory, der auch genauso benannt wird und kaum derber hätte ausfallen können. Obendrein platzen hier Schädel, werden Herzen aus Körpern gerissen, werden aus Körpern fußballgroße Teile herausgestanzt und gibt es immer wieder blutig saftende Verletzungen durch Hieb- und Stichwaffen. Und wo wir gerade bei Effekten sind: Goro, im originalen „Mortal Kombat“ noch ein Handmade-Effekt mit lustlos herum baumelndem zweiten Armpaar, ist in dem Reboot einfach nur fett getrickst und wird top in einen Kampf zur Geltung gebracht.

Sub-Zero in Mortal Kombat

Cold as Ice: Sub-Zero sorgt für starke Momente.

Darstellerisch wirkt der Film immer mal wieder reichlich unbedarft. Die weitgehend erstaunlich jungen Darsteller mühen sich, sind aber immer dann am besten, wenn sie die Fresse halten und kämpfen. Ausnahmen bilden die bereits lobend erwähnten Darsteller Sanada, Taslim und Lawson. Ein Film rund um die beiden erstgenannten Darsteller und ihre Charaktere hätte mir persönlich vollkommen ausgereicht. Immerhin sind Scorpion und Sub-Zero ohnehin die Fanlieblinge und haben eine eindrückliche Feindschaft miteinander aufgebaut.

„Mortal Kombat“ sitzt zwischen allen Stühlen

Stattdessen hat man nun einen „Mortal Kombat“-Film, bei dem es an einigen Stellen überdeutlich hakt. Das Hauptproblem: Der Film nimmt sich selbst viel zu ernst. Dadurch verlaufen die teilweise sehr gewollt wirkenden, trashigen Einspritzer unfreiwillig komisch bis unpassend. Dazu kommt eine unrunde Dramaturgie, die den Einstieg noch hochtourig gestaltet, im Mittelteil dann aber beinahe komplett absäuft, nur um gegen Ende den Zuschauer wieder etwas mehr Entertainment zu bieten. Der Rest ist eine eigentümliche Melange aus Fanservice und wir erklären dem Rest der Welt, was „Mortal Kombat“ ist. Allerdings ohne ein entsprechendes Turnier auf die Kette zu bekommen.

Dazu gesellen sich reichlich uncharismatische Figuren. Sowohl bei den Helden als auch bei den Fieswichten. Shang Tsung etwa gerät extrem waschlappig. Man versteht gar nicht, warum irgendwelche Welten vor diesem Kerl Angst haben sollten. Auf der Gegenseite bleibt Lewis Tan als Cole aber auch brutal blass. Was Laune macht, sind die Action, die harten Finisher, die gezündeten Effekte und die wirklich coolen CGI-Charaktere Reptile und Goro. Diese sind im Vergleich zum Original um 1000 Prozent besser umgesetzt. Leider hat der Score zum Film nicht ansatzweise den Kultcharakter wie jener von Paul Andersons Streifen. Dafür ertönt wenigstens die kultige Maintheme im Abspann.

Wenn man sich angesichts des doch krassen Mixes aus positiven und negativen Punkten das Making-of zum Film anschaut, in dem sich alle Beteiligten als „Mortal Kombat“-Fans outen und genau ausführen können, wann sie mit welchem Charakter welchen Finishing Move durchgeführt haben, entsteht sofort der Eindruck, dass hier verdammt nochmal deutlich mehr drin war. Zumindest in Hinblick auf die inzwischen weitgehend unansehnlichen „Mortal Kombat“ (1995) und „Mortal Kombat: Annihilation“ ist das Reboot ein echter Schritt nach vorne.

5 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film kommt von Warner Brothers und ist mit einer FSK 18 ungeschnitten. Die Datenträger halten ein Making-of und weitere Specials zum Film bereit. Darunter auch ein Koreographie-Special (exakt so geschrieben).

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Brothers Home Entertainment__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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