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Mortal Kombat: Legacy

Originaltitel: Mortal Kombat: Legacy__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2011__Regie: Kevin Tancharoen__Darsteller: Johnson Phan, Ian Anthony Dale, Kim Do Nguyen, Darren Shahlavi, Andrew Chin, Samantha Win, Aleks Paunovic, Michael Jai White, Kevan Ohtsji, Jeri Ryan, Jolene Tran u.a.
Mortal Kombat: Legacy mit Michael Jai White Blu-ray Cover Webserie

Die Webserie “Mortal Kombat: Legacy” ist eine Entdeckung wert.

Als der Spielautomatenhersteller Williams sah, wie erfolgreich „Street Fighter 2“ von der Konkurrenz Capcom war, wollte er ein Konkurrenz-Game auf den Markt bringen. Das war der Startschuss für die Entwicklung von „Mortal Kombat“, dem Kampfspiel, das mit seiner Gewaltdarstellung für Furore sorgte. Spätestens 1995 war klar, dass mit dem Game etwas von popkulturellem Wert geschaffen worden war, weshalb der Release von Teil 3 mit einem Kinofilm begleitet wurde.

„Mortal Kombat“ von Paul Anderson sammelte wahrlich nicht die besten Kritiken ein, war mit einem Einspielergebnis von 122 Millionen Dollar aber überraschend erfolgreich. Diesen Erfolg konnte John R. Leonetti, Kameramann von „Mortal Kombat“, mit seiner wirklich miesen Fortsetzung „Mortal Kombat 2: Annihilation“ nicht wiederholen. Die Serie „Mortal Kombat: Conquest“ versuchte 1998, das Spielfranchise fürs TV aufzubereiten. Doch es blieb bei einer Staffel. Mehr und mehr häuften sich die Stimmen, „Mortal Kombat“ einen weiteren Kinorun zu gewähren.

Doch so mancher Plan zerschlug sich und es sollte bis 2021 dauern, dass ein neuer „Mortal Kombat“ Film das Licht der großen Leinwand erblickte. Dazwischen ergriff ein echter „Mortal Kombat“-Fanboy das Heft des Handelns. 2010 drehte Kevin Tancharoen einen mehrminütigen Kurzfilm, der Warner Bros. pitchen sollte, wie er sich einen Film für sein Lieblingsfranchise vorstellte.

Konzept-Kurzfilm mit Michael Jai White, Matt Mullins und Lateef Crowder

Die Initiative kam an, jedoch entstand infolgedessen kein neuer Film, sondern eine neunteilige Webserie: „Mortal Kombat: Legacy“. Die neun- bis zwölfminütigen Episoden widmeten sich den Origin-Storys der ikonischsten Spielfiguren. Manche orientierten sich dabei an den Vorgaben aus dem Spiel, andere gingen ganz eigene Wege.

Schaut in die Webserie „Mortal Kombat: Legacy“ mit Michael Jai White und Darren Shahlavi hinein

Episode 1&2: Jax, Sonya & Kano Part I and II

Lump Kano will eine Ladung High Tech verschiffen, doch die Cops Major Jackson Briggs alias Jax und Sony Blade wollen ihm gewaltig in die Suppe spucken. Als Kano Sonya gefangen nimmt und ordentlich durchfoltert, wird Jax in seinen Methoden rüder.

Die beiden Episoden spielen rundweg im Setting einer gewaltigen Fabrikanlage, die ausführlichst bespielt wird. Eine große Einführung der Figuren gibt es dabei, im Gegenteil zu den folgenden Episoden, nicht. Im Grunde ist diese Episode die Origin-Story von Kano. Der wird von Darren Shahlavi („Ip Man 2“) gegeben, der mit Michael Jai White („Welcome to Sudden Death“) als Jax einen coolen Fight hinlegen darf, in dem vor allem Michael Jai White ungeheuer wuchtig hinlangt.

In dem Fight und bei einigen hübsch choreografierten, aber leicht hüftlahm inszenierten Baller-Einlagen zelebriert „Mortal Kombat: Legacy“, was die Filme bis dahin ausblendeten: Die Gewalttätigkeit der Spielvorlage. Blut spritzt, Körper werden mit Kugeln durchsiebt und aus dem Schädel geschlagene Augen klatschen gegen die Kamera. Die knallbunt bebilderten Episoden haben neben einem hohen Tempo Jeri Ryan („Star Trek Voyager“) als Sony Blade aufzubieten und können als Serienauftakt nur als sehr gelungen bezeichnet werden.

Episode 3 von „Mortal Kombat: Legacy“: Johnny Cage

Johnny Cage ist ein Actionschauspieler, der seine besten Zeiten längst hinter sich hat und eher durch Skandale denn neue Projekte von sich reden macht. Sein Studio kanzelt ihn zunehmend ab und die Medien wollen herausgefunden haben, dass Johnny seine Kampfszenen allesamt nicht selbst bestritten habe. Als mal wieder einer seiner Pitches für eine neue Serie eiskalt abgeschmettert wird und er erfahren muss, dass sein Konzept an eine gerade aufstrebende Schauspielerin verhökert werden soll, dreht Johnny durch…

Diese Episode gehört dem ungemein sympathischen Matt Mullins („Bloodfist 2050“), der in den Actionszenen ordentlich aufdrehen darf und sowohl den ausrangierten Actionstar als auch den zurückschlagenden Betrogenen sauber zu verkörpern vermag. Es gehört zum Konzept der Serie, jede einzelne Charakter-Story anders aussehen zu lassen. Diesmal spielen Live-Einspieler und eine an Reality-TV gemahnende, eher triste Optik die Hauptrolle. Als Schauplatz fungiert eine große Halle, die zu einem Filmset umgebaut wurde. In einer Nebenrolle dabei: Sexy Erica Cerra („The Stranger“).

Episoden 4&5: Kitana & Mileena Part I and II

Die beiden Episoden um Kitana und Mileena spielen in Edenia, einer Welt, die den „Mortal Kombat“ zehnmal gegen Shao Kahn verloren hat und deshalb von ihm und seinen Vasallen überrannt wird. Kahn nimmt Edenias Königin Sindel zur Frau und adoptiert deren Tochter Kitana. Während sich Kahn in die Königin verliebt, hat die nur Hass für ihn übrig. Da Kahn befürchtet, auch Kitana könne sich irgendwann gegen ihn richten, belügt er sie nach dem Tod ihrer Mutter über ihre Herkunft und kreiert einen beinahe identischen Klon von ihr: Mileena.

Die Episoden 4 und 5 von „Mortal Kombat: Legacy“ sind hinsichtlich der eingesetzten Stilmittel die beeindruckendsten Beiträge zu der Miniserie. Immerhin werden sie ungefähr zur Hälfte in eindrücklichen, ungemein blutigen Animationssequenzen gereicht. Immer wieder gehen die Real- und die Animationsszenen übergangslos ineinander über.

Die gedeckten Farben und die harten Kontraste der insgesamt sehr düster gehaltenen Episoden geben ihr einen sehr künstlichen, stimmigen Look. Die über die Bilder transportierte Story hingegen mag nicht sonderlich zünden. Hier und da trüben Logiklöcher die Erzählung. Und zudem kommt die Action zu kurz.

Episode 6 von „Mortal Kombat: Legacy“: Raiden

Eines Tages findet die Patientin einer Psychiatrie bei ihrem Rundgang einen in einer Grube liegenden Mann. Der bezeichnet sich selbst als Donnergott Raiden und wird dementsprechend direkt zum Insassen der Einrichtung. Hier beginnen sich die seltsamen Vorkommnisse zu häufen.

„Raiden“ ist sicherlich die kontroverseste Episode der gesamten Miniserie, da sie den Beschützer der Erde mal ganz anders zeigt. Wenig göttlich als Patienten eines Psychiaters, der zunehmend heftigere Behandlungsmethoden auffährt, um Raiden von seinem „Gottsein“ zu „heilen“.

Eine eindrückliche, düstere und wirklich starke Episode, die durch die extrem reduzierte Farbigkeit und den enorm gritty Look in ihrer verstörenden Wirksamkeit nur verstärkt wird. Das starke Spiel von Ryan Robbins zieht noch mehr in diese „alternative Geschichtserzählung“ hinein. Das Schmuckstück der Miniserie. In einer Nebenrolle dabei: Tracy Spiridakos („Revolution“).

Episoden 7&8: Scorpion & Sub-Zero Part I and II

Die Episoden 7 und 8 von „Mortal Kombat: Legacy“ widmen sich den Fanlieblingen Scorpion und Sub-Zero. General Hasashi wird eines Tages zum Shogun bestellt. Er folgt der Weisung, muss auf dem Weg zum Shogun aber feststellen, dass er von Sub-Zero in eine Falle gelockt wurde. Als Hasashi wieder bei seiner Familie ankommt, ist es zu spät: Sie wurden von Sub-Zero und seinen Mannen getötet. Aus dem rachedurstigen General wird Scorpion…

Scorpion und Sub-Zero erhalten eine absolut würdige Story, die mit einem in Schnee getauchten Japan auch atmosphäretechnisch enorm zu punkten versteht. Die kalten Bilder gehen durch Mark und Bein. Und die Fights zwischen Scorpion und Sub-Zero machen ebenfalls viel Spaß. Vor allem, wenn beide ihre Spezialfähigkeiten auspacken.

Der aus Hawaii 5-O bekannte Ian Anthony Dale spielt seinen Scorpion auf den Punkt, vom Sub-Zero-Darsteller Kevan Ohtsji bekommt man nicht viel mit, da dies in erster Linie Scorpions Origin-Story ist. Die beiden Episoden haben mithin den zynischsten Tod eines Charakters zu bieten, wenn dieser erst tiefgefroren und dann durch einen gegen ihn geschmetterten Charakter zum Zerbersten gebracht wird. „Mortal Kombat“ eben…

Episode 9: Cyrax & Sektor

Die Charaktere Cyrax und Sektor sind ursprünglich zwei Assassinen eines Ninjaclans, die sich in kybernetische Kampfmaschinen umwandeln lassen.

In dieser Episode ist noch einmal Darren Shahlavi als Kano zu erleben. Er ist dabei, wenn die beiden Hauptfiguren in ihre Kampfanzüge eingepasst werden und dann gegen einen dritten kybernetischen Krieger losschlagen. In der Folge protzt diese Episode in erster Linie mit einer Art „Transformers“-Keile, in der sich „Roboter“ gegenseitig Dellen ins Blech hauen.

Dank Motion Capturing ist das alles andere als grobmotorisch anzusehen, sondern viel eher ungeheuer filigran, elegant und gleichzeitig sehr brachial. Die Effekte stimmen, das Tempo auch. Macht Laune! Als Stuntman dabei: Tim Man („Accident Man“).

Ernsthaft, dunkel, hart: „Mortal Kombat: Legacy“

Der Blick von Kevin Tancharoen auf „sein“ „Mortal Kombat“ gefällt. Weil er das Franchise und seine Figuren ernstnimmt und gleichzeitig nicht in Götzenanbetung verfällt. Das zeigt schon die großartige „Raiden“-Story, die alles andere als Mortal-Kombat-Kanon darstellt. Bei den beliebtesten Figuren steckt Tancharoen zwar ein wenig zurück, liefert aber auch hier interessante Geschichten.

Das Gesamtprojekt funktioniert derweil wie eine Anthologie, deutlich zu erkennen an dem Ansatz, jeder Story einen eigenständigen Look und Feel mitzugeben. Überschneidungen in den Geschichten gibt es so gut wie keine. Das ist auch ein wenig ein Makel an dieser Anthologie. Man hätte sich schon ein paar Berührungspunkte mehr zwischen den Episoden gewünscht. Erzähltechnisch ist „Raiden“ die beste Episode, optisch ist es die Geschichte um Kitana und Mileena.

Wie bei jeder Anthologie gibt es am Ende in der Wahrnehmung des Zuschauers gute und weniger gute Episode. Für mich bilden jene um Raiden sowie um Scorpion und Sub-Zero die Highlights. Auch die Episode um Jax, Sonya und Kano geht gut runter. Dagegen wirken die technisch aufwändigeren Episoden um Kitana und Mileena sowie die um Cyrex und Sektor letztlich total ziellos und leer.

Im Großen und Ganzen aber überzeugt die Miniserie und funktionierte gut genug, um eine zweite Staffel zu bewilligen. Diese sollte nun mehr auf das eigentliche Mortal-Kombat-Tournament abgestellt sein.

06 von 10

Über eine deutsche Veröffentlichung ist mir nichts bekannt. Warner Bros. veröffentlichte die erste Staffel (104 Minuten Laufzeit) auf DVD und Blu-ray im nordamerikanischen Raum. Zumindest die Blu-ray hat keinen Regionalblocker aufgespielt, läuft also auch auf deutschen Playern. Zum gut verständlichen Englisch können auch englische Untertitel zugeschaltet werden.

In diesem Sinne:
freeman

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