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MovieCon Sonderband: Predator

MovieCon Sonderband Predator

Der MovieCon Sonderband Predator ist eine seltsame Mogelpackung.

Anfang 2022 bin ich im Kiosk meines Vertrauens über eine Zeitschrift namens „MovieCon Magazin“ gestolpert. Irrigerweise nahm ich an, dass sich diese den in Deutschland aktuell erstarkenden Conventions wie der Comic Con widmen würde. Tatsächlich aber arbeitete sich das Magazin an Kinofilmen, populären Franchises und Serien ab. Auf der Familienedition der Comic Con 2022 lief mir „MovieCon“ dann erneut über den Weg.

Der Verlag des Heftes hatte hier einen eigenen Stand und stellte neben den Magazinen auch umfangreiche Bücher zu verschiedenen Filmreihen wie „Freitag der 13.“, „Mad Max“ oder „Saw“ vor. Mein Interesse war geweckt. Zwar schleppte ich keinen der Wälzer mit heim, nahm mir aber vor, die Internetpräsenz des Verlages mal genauer zu beschnuppern.

Dabei gönnte ich mir drei sogenannte Sonderbände: „Mad Max“, „Action Heroes“ und „Predator“. Diese bietet der Colla & Gen Verlag komplett in Eigenregie an und nimmt beispielsweise nicht den Umweg über Amazon.

Alle drei Bücher kamen topp verpackt bei mir an und hatten wirklich ein amtliches Gewicht. Ich stürzte mich zunächst auf den „MovieCon Sonderband: Predator“, der mir inhaltlich am Vielversprechendsten erschien. Der Band stammt von Markus Brüchler, seines Zeichens Herausgeber und Mitgründer des „Convention Magazins“, aus dem 2020 das „MovieCon Magazin“ hervorging. Brüchler arbeitet sich wie folgt durch das Franchise:

„MovieCon Sonderband: Predator“: Der Inhalt

Zunächst stellt er die Yautia, eine außerirdische Spezies, die wir gerne als Predator bezeichnen, vor. Dazu wirft er alle Fakten, die zu den Yautia aus den verschiedensten medialen Erscheinungsformen wie Filmen, Büchern, PC-Games und Comics bekannt sind, zusammen. Hernach fokussiert er auf deren liebste Beschäftigung: Die Jagd.

Dann schwenkt er zu dem Schwarzenegger-Klassiker über. Hält Fakten zum Inhalt, zur Entstehung und zur zeitgenössischen Rezeption bereit. Danach geht er auf Deleted Scenes ein und ergründet, wie diese „Predator“ hätten erweitern können. Ähnlich verhält es sich bei den Informationen zum Drehbuch zum Film, das auf Unterschiede zur Verfilmung hin abgeklopft wird. Ein Verfahren, dass sich beim Blick auf den Roman zum Film wiederholt. Informationen über die Charaktere des Actionklassikers mit Horroreinschlag runden den Part rund um „Predator“ ab.

Genauso verfährt der Autor bei den Kapiteln zu „Predator 2“, „Predators“, „Predator Upgrade“, „Alien vs. Predator“ und „Aliens vs. Predator 2“. Einen zwischen „Upgrade“ und „Alien vs. Predator“ angeordneten Abschnitt über „Prey“ muss Brüchler aufgrund der Nichtverfügbarkeit des Filmes zum Redaktionsschluss sehr kurz halten. Auch weil rund um den neuesten Predator-Film im Vorfeld kaum nennenswerte Details durchgesickert waren.

Mit Ausführungen über einige Computerspiele und Comics zum Franchise schließt der „MovieCon Sonderband: Predator“ seine Rundreise zum Thema ab.

Kritik zum Buch über den beliebten Jäger

Ich hatte mit dem Sonderband zum wohl beliebtesten Alien der Actionfans meine liebe Not. Der Aufbau des Buches erschien mir zwar logisch, die versprochenen Einblicke in Drehbücher, Games und Comics zum Franchise klangen vielversprechend und der reine textliche Umfang des Bandes haute mich auf den ersten Blick schier aus den Socken, aber die Aufbereitung gefällt mir gar nicht.

Layouttechnisch sagt mir der „MovieCon Sonderband: Predator“ überhaupt nicht zu. Der Leser wird mit Text förmlich erschlagen. Zwar gibt es zahlreiche Bilder, die sind aber allesamt reichlich klein geraten. Manche weisen zudem keine sonderlich gute Druckqualität auf. Auf mindestens zwei Bildern erkennt man gar nicht, was abgebildet sein soll. Es fehlt durchwegs an Auflockerung in den Textwüsten. Man wünscht sich ganzseitige Bildmotive, coole Poster-Abbildungen, allgemein mehr Pressematerial oder vielleicht bislang unveröffentlichtes Bildmaterial von den Dreharbeiten. Doch hier heißt es: Pustekuchen.

Rein formal gibt es zudem diverse Rechtschreibfehler, Zeichensetzungsprobleme, im Nichts endende Sätze und grammatikalisch und ausdruckstechnisch teils abenteuerliche Konstrukte zu bemängeln. Doch hier gilt freilich das „Wer fehlerlos ist, der werfe den ersten Stein“-Motto. Ein Lektorat wäre trotzdem nicht verkehrt gewesen. Dieses hätte dann vielleicht auch einen meines Erachtens wirklich großen Kritikpunkt am Buch angemahnt.

Der Sonderband ist nämlich gefühlt der totale Grind. Zahlreiche Informationen bekommt man im Buch immer wieder aufs Auge gebrannt. Und jedes Mal klingt es, als sei das jetzt etwas vollkommen Neues. Die Informationen zu den Yautia etwa, die das Buch eröffnen, liest man im Sonderband verteilt immer und immer wieder. Das mag kleinlich klingen, allerdings sprechen wir hier nicht von einem oder zwei sich wiederholenden Sätzen, wir sprechen von ganzen Absätzen!

Immer wieder denkt man beim Lesen: Das habe ich doch gerade schonmal gelesen. Satz für Satz, Buchstabe für Buchstabe. Von den beachtlichen 212 Seiten Umfang kann man gefühlt 20 Seiten aufgrund der Redundanzen streichen. Was Platz genug für zum Beispiel größere Bilder geboten hätte.

Nichts anfangen konnte ich mit viel zu vielen Abschnitten in dem Buch, die 1:1 (sogar die Reihenfolge der Fakten blieb unverändert!!!) von bestehenden Websites zum Thema entlehnt wurden. So wurden beispielsweise die Inhalte dieser Website einfach nur ins Deutsche übersetzt und bilden nun in dem Sonderband einen Abschnitt, in dem die Unterschiede zwischen dem Roman zum Film und „Predator 2“ abgehandelt werden.

Allgemein wurde die Gesamt-Website Xenopedia umfassend zu Rate gezogen. Kein Lizenzverstoß, da es sich um ein wiki mit entsprechenden Freigaben handelt. Aber wenn diese Inhalte – von der Übersetzung abgesehen – nahezu unverändert übernommen werden, ohne dass irgendeine Quellenangabe erfolgt oder zumindest die Arbeit der originalen Autoren gewürdigt wird und dann auch noch der eigene Name unter dem Gesamtwerk als Schöpfer prangt, empfinde ich das als schlechten Stil.

Vor allem, wenn das Ergebnis auch noch mit 30 Tacken und mehr zu Buche schlägt. Die kann man sich im Übrigen auch sparen, wenn man einfach nur Google die genannte Website übersetzen lässt. Dann hat man im Grunde das ganze Buch vorliegen (mit allen bereits genannten Fehlern in Sachen Grammatik, Rechtschreibung und Ausdruck – wie das Buch wohl entstanden sein mag?), INKLUSIVE korrekter Zitation. Letztere wird im Sonderband einfach durchweg weggelassen, wodurch es wirken muss, als habe Brüchler all die Zitate selbst irgendwo live aufgeschnappt und niedergeschrieben. Dann hätte er eigentlich gleich noch geile Fotos für “sein” Buch schießen können.

Das widerspruchslose Copy and Pasten der originalen Website erklärt auch den bereits erwähnten Grind, denn freilich ist eine Website anders aufgebaut als ein Buch. Da sind manche Informationen für mehrere Filme passend und werden dementsprechend mehrfach genutzt. Da ein Internetnutzer vermutlich niemals brav alles zu “Predator” UND “Predator 2” lesen wird, werden ihm die Dopplungen nie auffallen. In einem Buch ist das dann doch etwas anders. Für selbiges hätte man die sich doppelten Informationen zumindest anders aufbereiten sollen/müssen.

Inhaltlich muss ich zugeben, dass ich irgendwann bestimmte Abschnitte übersprungen habe. Vor allem die Ausführungen zu den Charakteren haben mir gar nichts gegeben. Da das Buch – wie die Website – tatsächlich NUR die Charaktere vorstellt. Nicht aber deren Schauspieler. Eine seltsame Entscheidung für ein Werk, das zu über 80 Prozent auf die Filme fokussiert. Auch die eigentlichen Macher spielen keine wirkliche Rolle für das Werk. Stattdessen bekommen wir irgendwelche Hintergründe der in den jeweiligen Filmen auflaufenden Predatoren. Was leider total unspannend ist.

„MovieCon Sonderband: Predator“: Von Fans für Fans?

Mit meinem Hauptkritikpunkt an dem Sonderband zum Thema Predator möchte ich meine Kritik abschließen. „Von Fans für Fans“ lautet das Credo der Macher hinter den MovieCon-Veröffentlichungen und damit auch des Autors Markus Brüchler. Doch genau davon merkt man in DIESEM Buch NICHTS. Der „MovieCon Sonderband: Predator“ wirkt wie eine zwar umfangreiche, aber seelenlose Sammlung von Fakten.

Der Autor lässt nicht in einer Zeile durchscheinen, wie er den jeweiligen Film findet. Klar mag man annehmen, dass wer einen solchen Band veröffentlicht, das Franchise liebt, aber die nicht grundlos an Wikipedia-Artikel erinnernden Faktensammlungen lassen davon nichts erkennen. Immer wieder gerät das Leseerlebnis extrem trocken, redundant und ununterhaltsam. Und das Buch schaffte es zumindest bei mir nicht, dass ich nach dem Lesen die Filme unbedingt noch einmal mit neuen Informationen im Hinterkopf neu entdecken wollte. Und das, wo ich „Predator“ und „Predator 2“ liebe! Eine echte Bankrotterklärung, die maximal als Offline-Version der abgerippten Informationssammlung eine Existenzberechtigung hat.

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Informationen zur Veröffentlichung

Das Predator Buch kann auf der Seite des Verlages bestellt werden. Ihr habt die Wahl zwischen vier unterschiedlich bepreisten Angeboten: Das Buch als Softcover, als Hardcover, als Hardcover mit Fadenbindung und als Hardcover mit Fadenbindung und Lesezeichenband.

MovieCon Sonderband: Predator
Autor: Markus Brüchler
212 Seiten, großformatig Din A4, vollfarbig
1. Auflage; Colla & Gen Verlag und Service UG
ISBN: 978-3-98578-046-4 (Hardcover)
ISBN: 978-3-98578-047-1 (Softcover)

In diesem Sinne:
freeman

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