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Muscle Heat

Originaltitel: Masuuruhiito__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 2002__Regie: Ten Shimoyama__Darsteller: Kane Kosugi, Sho Aikawa, Masaya Kato, Makoto Takenaka, Noboru Kaneko, Ikkei Watanabe, Joe Lee Yiu Ming, Ken Lo, Shinya Hashimoto u.a.
Muscle Heat mit Kane Kosugi DVD Cover

Kane Kosugi haut in “Muscle Heat” amtlich einen raus.

Heat, L.A. Heat, Highway Heat, Blue Heat, Big Heat, Red Heat, Moscow Heat – alles derb männliche Filmtitel. Doch was ist denn bitte „Muscle Heat“ für ein Titel? Bitte einmal alle melden, für die dieser Titel NICHT nach „Brokeback Mountain II“ klingt. Doch obwohl hier vornehmlich eingeölte Männer aufeinanderprallen, hat dieser Film wirklich nichts mit irgendwie gearteten Outings zu tun.

2009. Ein japanischer Geheimagent wird in den USA eingesetzt, um mitzuhelfen, eine Firma auszuhebeln, von der es heißt, sie ziehe die Fäden hinter der neuen Wunderdroge Blood Heat. Dabei überschreitet Joe seine Kompetenzen und wandert ein. Die japanische Regierung holt ihn umgehend aus dem Amiknast heraus und beordert ihn zurück gen Japan. Das leidet unter einer nunmehr 20jährigen Rezession und infolgedessen unter einer nie gekannten Armut und einer wahren Kriminalitätsflut.

Ein willkommener Zeitvertreib – und eine gute Möglichkeit für Glücksspieler – sind die Todesarenen. Von jeden Regeln befreite, wenige Quadratmeter große und von einem Drahtkäfig umgebene Boxringe, in denen jeder Kampf theoretisch tödlich enden kann.

Joe nimmt mit seinem Freund und Partner Katsuragi kurz nach seiner Heimkehr die Ermittlungen gegen die Hintermänner im Blood-Heat-Geschäft auf japanischem Boden auf. Dabei kommt er einer chinesischen Verbrecherorganisation gefährlich nahe. Bei dem Versuch, die Bande auszuhebeln, wird sein Partner gefangen genommen und gezwungen, an den Kämpfen in der Todesarena Muscle Dom teilzunehmen.

So wird Joe live Zeuge, wie sein bester Freund vom Champion des Muscle Dom im TV ordentlich verzimmert wird. Joe lässt sich nun von niemandem – weder Polizei noch Bad Asses – davon abhalten, seinem Kumpel Katsuragi zu Hilfe zu eilen.

Schaut in den Martial-Arts-Actioner mit Kane Kosugi hinein

Ich denke, es wird klar, dass die Story von „Muscle Heat“ nur dazu dient, Joe in die Todesarena zu bugsieren. Das ganze Blood-Heat-Konstrukt drumherum ist nicht viel mehr als ein Katalysator, um die Dinge zum Laufen zu bringen. Zum Ende hin wird versucht, über die Blood-Heat-Storyline einen Gesellschaftsumbruch zu lancieren. Doch dieser verläuft zu beiläufig, um wirklich zu funktionieren. Aber ganz ehrlich, selten war die Geschichte unwichtiger als hier. Denn all das, was zwischen den egalen „Handlungsszenen“ passiert, ist schlichtweg grandios geraten.

Kane Kosugi („Ninja – Pfad der Rache“), Sohn von Sho Kosugi („Die Herrschaft der Ninja“), einer wahren Ikone des frühen Martial-Arts-Filmes, wirbelt hier, dass einem die Kinnlade permanent gen halb Acht knallt. Der junge Kerl verfügt über eine unglaubliche Körperbeherrschung und grandiose Schnellkraft. Unterstützt wird er von Jackie Chans Stuntteam, das ihm grandiose Fights auf den Leib schneiderte, die krachledern hart daherkommen und das Wirework wirklich nur für die spektakuläreren Moves auffahren, um das Ganze noch eleganter wirken zu lassen.

Grandioserweise werden die Fights von dem Kameraass Hideo Yamamoto („Audition“, „Hana Bi“) immer passend eingefangen und nicht durch Kameragewackel oder schnelle Schnitte entstellt. Yamamoto sucht sich effektive, teils verblüffende Perspektiven, aus denen er die gesamte Urgewalt mehrerer Tritte und Schläge ungefiltert auf den Zuschauer einprasseln lässt.

Auch für die restliche Action in „Muscle Heat“ findet Yamamoto immer die bestmögliche Optik und trimmt das ganze ordentlichst auf Hochglanz. Die edlen Zeitlupeneinlagen lassen dann kein noch so blutiges Detail untergehen, denn insbesondere in den Shootouts spiegelt sich die japanische Unbekümmertheit im Umgang mit Blutfontänen und massivster Bleivergiftung. Auch sonst ist der Film nicht ohne: Erneut erweisen sich Essstäbchen als tödliche Waffe und wird erstochen und erhängt, dass sich der Jugendschutz wohl am liebsten einen anderen Beruf suchen würde.

Kane Kosugi agiert abgesehen von den Actioneinlagen eher verhalten. Er ist in erster Linie Kampfsportler und weniger Schauspieler. Da sich Regisseur Ten Shimoyama dieses Problems voll bewusst gewesen zu sein scheint, spendiert er Kane auch nur extrem wenige Dialogzeilen und sorgt in ausreichendem Maße dafür, dass Kane so häufig wie irgendmöglich seine Fäuste sprechen lassen kann. Allerdings wirkt Kane Kosugi sehr sympathisch und er machte in den Folgejahren ja auch seinen Weg als Actionheld. Ein wenig unter dem Radar zwar, aber immerhin höhlte er stetig den Stein.

Sein Partner Katsuragi wird von dem Miike Spezi Sho Aikawa („Dead or Alive I-III“, „Gozu“) gegeben, der hier, wie bei Miike auch, beständig zwischem coolen Understatement und Overacting hin und her laviert, was teils ein wenig befremdlich wirkt. Der Rest des Castes agiert ordentlich und gefällt schon alleine aufgrund der Tatsache, dass er sich in seiner Darstellung deutlich am westlichen Mainstreamkino orientiert und sich nicht in diese teils arg emotionslose japanische Schauspieltechnik flüchtet, die die japanischen Streifen immer ein wenig kalt wirken lässt.

Das Setting und die Ausstattung von „Muscle Heat“ transportieren recht gelungen das Bild eines vollkommen kaputten Japans. Ein oder zwei Mal gibt es allerdings auch einige Abstecher ins Trashige. Die Lederkluft des Muscle-Dom-Champs oder die Interieurs des Muscle Doms seien genannt. Die bereits erwähnte Hochglanzoptik bügelt das aber mühelos aus und lässt den Film deutlich teurer wirken als er wirklich war.

Untermalt wird all das von einem immer absolut stimmigen, teils grandios pathetischen Soundtrack. Der verknüpft rockige und beatlastige Sounds, ohne sich dabei irgendwie auf eine Musikrichtung festlegen zu lassen. So wird zum Beispiel der Showdown (die beiden Kontrahenten gehen mit Vorschlaghämmern aufeinander los!) mit spanischen Klängen untermalt!

„Muscle Heat“ ist ein Volltreffer

Im Ergebnis ist „Muscle Heat“ ein Actionfrontalbrett mit Defiziten in Story und Schauspielführung, dafür mit grandioser Optik, tollem Score und bar jeder Hemmungen, was spektakuläre Fightchoreographien angeht.

Hochverdiente:

08 von 10

Vorsicht beim „Muscle Heat“-Kauf. Splendid spendierte dem Film zwei DVD-Varianten. Dabei sollte man möglichst einen riesigen Bogen um die verhunzte FSK-18-Version machen. Der fehlen ganze fünf Minuten. Dementsprechend Augen auf nach der schwer zu findenden SPIO/JK-Fassung. Diese präsentiert den Film in hervorragender Bildqualität, lässt allerdings in den Ballereien tonal etwas Bassfundament missen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: Spio/JK__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Nein/Ja

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