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Navy Seals

Originaltitel: Navy Seals__Herstellungsland: Hongkong, USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: Lewis Teague__Darsteller: Charlie Sheen, Michael Biehn, Joanne Whalley, Bill Paxton, Rick Rossovich, Cyril O’Reilly, Dennis Haysbert u.a.
Navy Seals

Michael Biehn und Charlie Sheen im längsten Armywerbespot der Welt: “Navy Seals”

Ein Mann hockt mit Tarnfarben bemalt hinter seinem Sofa und verharrt in absoluter Stille. In der Hand hält er zwei Kabelbinder. Da kommt seine Frau zur Tür herein, in der Hand eine Pretty Woman DVD. Sie wendet sich dem DVD Player zu. Der Mann nutzt den Moment der Unachtsamkeit, entfleucht seiner Deckung, nähert sich über die Stationen Fernsehsessel und Couchtisch dem Feind. Fällt ihn von hinten an, fesselt ihn mit den Kabelbindern und legt ihn so auf die Couch, dass er das, was jetzt passieren wird, mit ansehen muss: Der Mann nimmt die Pretty Woman DVD aus dem Laufwerk und zerbricht sie! Dann legt er den Film ein, von dem er alle gerade angewendeten Taktiken gelernt hat. Und schon geht es los:

1962 glaubte Präsident Kennedy, dass zukünftige Kriege geringfügige Konflikte sein würden, wie Guerillakriege und Terrorismus und schuf eine Elite-Einheit für den Kampf auf Feindesterritorium. Sie sind Experten zu Lande, zu Wasser und in der Luft und heißen … Navy Seals!

Navy Seals

Charlie Sheen, bei dessen Figur sich seltsame Parallelen zu aktuellen Geschehnissen auftun.

Bei dem Versuch eine in Not befindliche Schiffsbesatzung eines Treibstofftankers zu retten, wird ein Navy Hubschrauber von einem feindlichen Kanonenboot unter Beschuss genommen und stürzt ab. Ein Navy Seals Team, das sich gerade auf der Hochzeit eines Teammitgliedes befindet, wird abberufen, noch bevor wirklich geheiratet werden kann. Der Auftrag ist klar. Die abgeschossenen und verschleppten Soldaten müssen zurückgeholt werden … Blitzschnell werden die Bad Asses ausgeschaltet und die Kameraden befreit, doch Heißsporn Hawkins (der schon mal ohne Not aus fahrenden Autos springt, um dann 10 Meter tiefer in den Fluss einzutauchen, der unter der Brücke verlief, die man gerade überfahren hat) gefährdet mit einem Alleingang die ganze Mission. Als er dazu verdonnert wird, ein Ablenkungsmanöver zu starten, stolpert er zufällig über ein Lager mit Lenkflugraketen. Leider kann er diese nicht zerstören.

Die weitere Marschrichtung ist jetzt klar. Die Waffen müssen zerstört werden, bevor sie gegen die USA oder die restliche „freie“ Welt eingesetzt werden können. Die Jagd nach den Raketen führt die Seals an verschiedene Brennpunkte des Terrors.

Jau, mehr Story braucht es auch nicht wirklich für den längsten Werbespot der Welt. Nur würde jeder Armywerbespot aussehen wie dieser, die Rekrutierungsbüros könnten sich vor Bewerbern sicher nicht retten. Navy Seals ist einer der ersten und besten Vertreter des „Spezialteam begibt sich in einen Einsatz gegen Lumpenhunde, die die Welt bedrohen“ Filmes. Einen großen Anteil daran hat die realistische Inszenierung der Action. Vor allem zu Beginn sind die Schusswechsel kurz und präzise und auch verhältnismäßig blutig. Die Handhabe der Waffen gefällt und auch die Taktiken des Teams gemahnen an lustige Bundzeiten. Der Showdown in Beirut ist dann Straßenkampf pur, in dem es ums reine Überleben geht. Hier rücken dann die kurzen knackigen Aktionen in den Hintergrund und es wird richtig draufgehauen. Panzerfäuste, Panzerwagen, dicke Wummen und Stingerraketen sorgen dafür, dass man im Libanon die Seals nicht so schnell vergessen wird.

Navy Seals

Michael Biehn als schnittiger Seal …

Doch nicht nur der Actionteil passt. Auch der Mittelteil, der ein kleines Defizit an Action hat, wird nicht langweilig, weil es Regisseur Lewis Teague (Wedlock) gelungen ist, einen recht interessanten Cast für den Film zusammenzustellen. Rick Rossovich kennt man als Mountainbike Cop aus der Serie Pacific Blue. Hier hat man ihn sicher wegen seines recht imposanten physischen Äußeren gecastet. Joanne Whalley Kilmer, die Ex Frau vom Val, stört ein wenig den Fluss der Geschichte, da die romantische Liaison ihrer Figur etwas unpassend wirkt. Bill Paxton als God sorgt für ein Highlight im Film, das schon beim ersten Mal sehen von mir mit einem Whohooooo bedacht wurde: Er ist der Scharfschütze, der von einem sicheren Punkt aus die Arbeit der Jungs absichert. Punktgenau setzt er seine Treffer, wenn es sein muss, dank Infrarot und Mörderkaliber, sogar durch meterdicke Wände! (eine Idee, die von dem Streifen Black Berets kopfwegsplatternd weiterentwickelt wurde). Präsident Palmer aus 24 leistete offenbar auch Dienst bei den Seals, wie sonst ist der Auftritt von Dennis Haysbert hier zu erklären? Charlie Sheen spielt den Heißsporn Hawkins, der das unrealistischste Element des ganzen Filmes darstellt, denn ich glaube nicht, dass ein solcher Adrenalinjunkie wirklich in einem Team wie den Seals etwas zu suchen hat. Gut, er hat kein Gewissen und kann alles töten, aber er ist im Grunde das größte Risiko für das ganze Team. Wäre ich sein Chef, ich würde ihm in den Rücken schießen. Ungelogen (Inzwischen hat sich Sheen ja sogar im Reallife zu solch einem „Vollidioten“ entwickelt). Der Chef der kleinen Einheit ist Michael Biehn, der trotz Freundschaft zu James Cameron und beeindruckenden Rollen in Terminator oder Abyss nie der Star geworden ist, der er eventuell hätte werden können. Denn der Mann hat Charme und Ausstrahlungskraft, was auch schwächere darstellerische Leistungen immer kaschieren kann.

Navy Seals

Patriotisch geht’s freilich auch zu in “Navy Seals”

Was bei einem Film wie diesem verwundert, ist, wie wenig mit den Säbeln gerasselt wird. Es gibt kaum patriotisch angehauchte Szenen und selbst wenn Biehn einmal meint: „Uns Seals geht es nicht ums Geld“ und man als Zuschauer schon mit den Augen rollt, kommt dann im Nebensatz: „Wir machen es, weil wir uns wahrscheinlich selbst etwas beweisen wollen“. Und das ist ja nun mal mehr als unerwartet, denn was haben wir in solchen Situationen nicht schon alles zu hören bekommen?

Navy Seals ist ein Klassiker des Actiongenres, auch wenn es letztendlich sogar recht wenig Action gibt, der einen ganzen Rattenschwanz an Nachahmern auf den Plan gerufen hat und das Subgenre des Söldner- und Spezialeinheitenfilmes mitbegründete.

Und um den Bogen zum Beginn zu schlagen. Der Film hat letztendlich sogar der Frau zugesagt. Ist halt ein duftes Ding und ihr hat die Liebesgeschichte sogar gefallen …

Die Fox holte auch diesen Actioner vom Index und veröffentlicht ihn ungeschnitten auf einer ihrer “Action Cult Uncut” DVDs, herabgestuft auf eine FSK 16 Freigabe!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Twentieth Century Fox Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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