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Ohne Ausweg

Originaltitel: Nowhere to Run__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1993__Regie: Robert Harmon__Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Rosanna Arquette, Kieran Culkin, Ted Levine, Tiffany Taubman u.a.
Ohne Ausweg

Van Damme versucht sich als Kuschelbär in “Ohne Ausweg”

Wie hat sich denn Monsieur Van Damme hier rein verirrt? Der Kickbox-Adonis versuchte sich 1993 zum ersten Mal in einer “anspruchsvollen” Rolle in einem Drama. Das er vorher nur kloppen und ballern durfte wie die üblichen Haudraufs dieser Zeit, hat ihm nicht gereicht, also versuchte er berechtigterweise das Publikum mal mit einer “guten” darstellerischen Leistung zu überraschen. Die schauspielerischen Fähig- keiten würde er damit weiter ausbauen und kurzerhand zu den ganz großen Schauspiel-Assen in Hollywood aufschließen. Wer’s glaubt!

Den Weg zum Oscar erhoffte sich Van Damme mit der Rolle des Sträflings Sam. Dieser entpuppt sich als Bankräuber und wird deswegen in einem Gefängnisbus zu seinem Ort der Bestimmung gebracht. Glück- licherweise befreit ihn ein bewaffneter Freund, der eigentlich mit ihm in dem Gefängnisbus sitzen müsste, es nach dem gemeinsamen Coup jedoch geschafft hatte, mit der Beute zu entkommen. Bei der gemeinsamen Flucht wird er allerdings getötet und so steht Van Damme alleine mit dem erbeuteten Geld da. Nun ist er ein Flüchtling und lebt zunächst am Arsch der Welt in einem kleinen Zelt.

In der Nähe liegt ein einsames Bauernhaus, welches er sich aus Neugier näher betrachtet. Dort scheint eine Mutter mit ihren zwei Kinder zu leben. Knasti Sam lässt es sich nicht nehmen, die Dame beim Duschen zu bespannen. Frecherweise erlaubt er es sich auch, mit gezogener Waffe das Haus zu betreten, nur um sich den Salzstreuer zu stibitzen, damit sein Frühstückssteak am Grill besser schmeckt!

Schon bald jedoch bemerkt er, dass die Frau mit dem Namen Clydie Probleme mit einigen finsteren Männern in Smokings hat. Als diese sie bedrängen, gibt er sich am Ort des Geschehens als Parkwächter Sam aus, welcher den bösen Buben ein paar Knochen bricht und ihnen auch anderweitig wehtut. Der Grund für den Übergriff auf Clydie ist, dass ein großer Finanzguru das Grundstück sein Eigen nennen und somit die Dame zum Verkauf zwingen will. Da Sam ihr geholfen hat, bietet Clydie diesem einen Schlafplatz in der Scheune an. Fortan steht er den skrupellosen Finanzmonstern im Wege, welche es nun auch auf ihn abgesehen haben…

Und, wie sieht es nun mit den schauspielerischen Qualitäten aus? Nun, Van Damme versucht es zumindest. Dabei schien Jean-Claude wohl etwas falsch verstanden zu haben. Eine ernste, emotionale Rolle bedeutet nicht, die ganze Zeit mit einem Stone-Face durch die Gegend zu laufen. Doch genau das tut er leider. Emotionen lassen sich in dem Gesicht nicht einmal erahnen, selbst dann nicht, wenn sein Freund neben ihm im Auto stirbt. Da scheint wohl auch ein skeptischer Blick zu reichen… Aber immerhin macht Van Damme ein überraschtes Gesicht, als ihn ein kleines Mädchen beim Nacktbaden am See erwischt. Und immerhin überzeugt er auch in der Sexszene gegen Ende, was aber wohl eher seinen männlichen Trieben als seinem Schauspieltalent zuzuschreiben ist.

Ohne Ausweg

Bankräuber Sam hilft einer Familie in Nöten.

Letztlich handelt sich es bei dieser Rolle um einen gutgemeinten Versuch von Van Damme, doch der scheitert letztlich daran, dass er seinen ernsten Charakter einfach nur erblassen lässt, anstatt diesem eine richtige Tiefe zu geben. Dementsprechend funktioniert auch die Beziehung zwischen Sam und Clydie (Rosanna Arquette aus „The Divide“) nicht so richtig. Das sich die Witwe, die ihren Mann über alles liebte, nun ohne weiteres in Sam verliebt, wurde nicht ausführlich genug herausgearbeitet. Eigentlich wurde es so gut wie gar nicht herausgearbeitet. Es stand eben nur so im Drehbuch… Peinlich wird es, wenn die Dame mit Sam auf den Treppen sitzt, sagt, wie sehr sie ihren Mann vermisst, und schließlich Sam fragt, ob dieser nicht in ihrem Zimmer schlafen wolle. Anscheinend hat sie wohl nur den Sex vermisst. Dennoch ist ihre Leistung noch ganz passabel, genauso wie die der anderen Beteiligten. Nur Van Damme schwächelt ganz schön, dafür hat er aber auch die “anspruchsvollste” Rolle im Film…

Nun aber ist JCVD in dieser Rolle nicht nur fehlbesetzt, sondern auch verschenkt. Denn egal, was Van Damme auch tut. Action gibt es dennoch. Und wo Van Damme draufsteht, besteht diese meistens aus anständigen Tritten in die Fresse und spektakulären Roundhouse Kicks. Nur leider hier nicht. Was Van Damme hier abliefert, könnte ich genauso vollbringen wie jeder andere auch, der schonmal die Hände zu Fäusten geballt hat. Van Damme hebt nicht einmal das Bein (höchstens um aufs Motorrad zu steigen) und Faustschläge finden sich nur vereinzelt, gehen aber im unvorteilhaften Schnitt wieder unter.

Martial-Arts-Kämpfe gibt es hier nicht. Diese wären bei diesem Film aber vielleicht auch etwas unangebracht gewesen. Aber man kann noch nicht einmal von einer halbwegs flüssigen und erkennbaren Choreographie sprechen. Van Dammes Kampf gegen den Kartentrick-Zauberer ist auch etwas nervig ausgefallen. Nicht nur dass man hier keine ordentliche Fighting-Action geboten bekommt, nein, Van Damme gebärdet sich hier auch noch extrem lahmarschig und hat unglaubwürdigerweise große Schwierigkeiten, den Kerl mit bloßer Körpergewalt kampfunfähig zu machen. Schließlich gewinnt er doch: Mit einer Pistole, mit der er voll krass in Zeitlupe herum hechtet.

Ohne Ausweg

Sams Schutzbefohlene.

Was wird sonst an Action geboten? Der Anfang ist da definitiv das Beste, denn dieser war wirklich von anständiger Qualität: Etwa wenn der Gefängnisbus umkippt oder die Kugel, die (direkt mit der Kamera begleitet) über die Straße fegt, das Hinterfenster durchbricht und schließlich Van Dammes Freund den Tod auf dem Beifahrersitz bringt. Aber das war es dann auch. Sämtliche Kämpfe langweilen auf ganzer Linie. Die kaum vorhandenen Shootouts sind nicht der Rede wert. Die kurze Verfolgungsjagd, bei der Van Damme mit dem Motorrad flüchtet, ist maximal als “nett” zu bezeichnen. Und die brennende Scheune hätte zusammen mit den Gastanks zwar eine ordentliche Explosion bieten können, doch da wohl zum einen kein Geld da war und zum anderen Sam laut Drehbuch der Retter des Tages sein sollte, muss das Feuer kurzerhand von Sam persönlich gelöscht werden, indem er mit einem Bagger einen Wasservorratsbehälter umstößt.

Was den Film dann aber doch noch etwas rettet, ist der kleine Anflug von Humor, welcher sich über den Film zieht. Obwohl „Ohne Ausweg“ nun keine Komödie ist, wurden doch geschickt einige lustige Einfälle eingebaut, die glücklicherweise nicht daneben wirken. Wenn etwa Sams „neue Familie“ am Tisch sitzt, brav das Mittagessen verputzt und die kleine Tochter plötzlich ein “er hat einen großen Penis” in den Raum wirft, dann wird sich wohl keiner das Lachen verkneifen können. Die Mutter beendet das Thema geschickterweise mit einem “er hat einen normalen Penis und nun will ich nichts mehr über Penisse hören, klar?” Schon war meine Müdigkeit – erzeugt von der vorherigen Langeweile – erst einmal verflogen. Somit ist eher die zweite Hälfte von Langeweile befallen, da an dieser Stelle langsam die Hoffnung schwindet, dass doch noch etwas wirklich Aufregendes passieren wird. Oder dass das, was aufregend sein soll, zumindest ordentlich inszeniert ist. Aber leider Fehlanzeige.

Van Dammes erster Ausflug ins Land der dramatischen Rollen war eine Bruchlandung. Danach widmete sich Van Damme schnell wieder Rollen, die ihm deutlich besser zu Gesicht standen. So die Rolle des Chance in “Harte Ziele“, auf die kurz darauf der Karriere-Knick folgte, der mit “Derailed” den absoluten Tiefpunkt in Van Dammes Karriere verzeichnete. Mit Filmen wie “Wake of Death” kämpfte sich Van Damme dann zurück ins Rampenlicht und lieferte nebenbei seine wohl beste schauspielerische Leistung überhaupt ab. Mit dieser Weiterentwicklung vor Augen könnte es Van Damme in einem Remake von „Ohne Ausweg“ noch einmal versuchen. Allerdings nur mit einem besseren Regisseur, der fetzigere Action zusammenbasteln kann.

© Sir Jay



Ohne Ausweg

Die miesen Lumpen wollen an Clydies Haus ran!

Nach seiner spektakulären Flucht aus einem Gefängnisbus sucht Bankräuber Sam (Jean-Claude Van Damme) Unterschlupf. Er findet ihn auf einer einsamen Farm, bei der jungen, attraktiven Witwe Clydie (Rosanna Arquette). Doch die Landidylle trügt. Skrupellose Finanzhaie tyrannisieren Clydie, wollen sie mit brutaler Gewalt zum Verkauf ihres Grundstücks zwingen. Sam handelt sofort. Zwischen dem Ausbrecher, den ihn jagenden Cops und dem Finanz-Syndikat entbrennt ein erbarmungsloser Kampf.

“The best Van Damme movie ever!” – Naja, nicht ganz…

Als erstes muss gesagt werden, dass mich die Szenerie knallhart an diverse Folgen von „Knight Rider“ oder dem „A-Team“ erinnerte. Arme Rancherin/Familie muss gegen böse Industriebarone bestehen. Nur kamen hier nicht Michael und sein Wunderauto zum Einsatz. Ausgebaut von einer 45-minütigen Episode auf die doppelte Spieldauer wurde der Faktor Gewalt ein wenig erhöht, ein FSK-18 Siegel draufgepappt und ein wenig nackte Haut gezeigt – et voilà! Fertig war’s.

Regisseur Robert Harmon (“Hitcher – Der Highway Killer“) fängt die Atmosphäre der Story ziemlich gut ein. Viel Wüste, viel Wald, etwas See, ein wunderbarer Ausflug aufs Land quasi, unterstützt von einigen wirklich tollen Kamerafahrten. Doch deshalb schaue ich keinen Van Damme-Streifen. Der Faktor Action ist entscheidend. Und zu Beginn verspricht “Nowhere to run” einiges an Action. Die Flucht aus dem Gefängnisbus, der Tod von Sams Kumpel – ein rasanter Einstieg. Doch leider kann der Film in Folge dieses Level an Action nicht halten. Viele ruhige Szenen schließen sich an: Van Damme beim Zelten, Van Damme beim Nacktbaden (Ha, die wollten wohl noch ein paar Frauen in die Kinos locken), Van Damme beim Grillen (Ha, die wollten wohl noch ein paar Grillmeister… ach, lassen wir das..). Und seien wir doch ehrlich: Dem Actionhelden beim Würzen von Fleisch zuschauen, ist nicht das, was ich mir von einem Actionfilm erhoffe (Ich bin ja nicht Steven Seagal… *g*).

Ohne Ausweg

Van Damme als Kindernarr in “Ohne Ausweg”

Nun, unser Belgier darf schon bald seine Camp-Gegend während einer Nachttour unsicher machen. Die Farm, in der Licht brennt, zieht den Prügelmann an wie eine Motte. Rosanna Arquette, die sich natürlich rein zufällig extra vor dem Fenster ganz nackig auszieht, lässt den Belgier ein wenig sabbern. Tags darauf zieht Jean-Claude schon in der Farm ein und darf sich fortan ein wenig mit den Bösen prügeln. Einer der Bad Guys wird übrigens gespielt von Ted Levine, besser bekannt als Capt. Stottlemeyer in der TV-Serie „Monk“. Und er hat hier in „Ohne Ausweg“ keinen schlechten Auftritt hingelegt. Rosanna Arquette kommt zwar sexy rüber, ist jedoch eine quietschende Nervensäge. Deren Gekreische war wirklich kaum zum Aushalten. In „Pulp Fiction“ gefiel mir die Dame wesentlich besser. Ach ja, ebenfalls erwähnenswert, Kieran Culkin, Bruder von Macaulay “Kevin allein zu Haus” Culkin, spielt Arquettes Sohn.

Doch leider muss man letzten Endes die Action in „Ohne Ausweg“ wirklich mit der Lupe suchen. Mal eine kleine Klopperei da, dann wieder blablaknutschknutsch, irgendwie fehlte es hier gewaltig an Drive. Schade, denn aus diesem Szenario hätte man einen weitaus actionhaltigeren Film machen können. Soll heißen: Ich habe schon für größeren Quatsch meine Zeit verschwendet. “Ohne Ausweg” ist vielleicht kein großer Wurf, aber definitiv ein Ansehen wert. Einige Schauwerte hat der Film allemal.

Der Film ist auf DVD schon längere Zeit von Sony Pictures Home Entertainment erhältlich und mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Am 3. April 2014 erscheint der Jean-Claude Van Damme Streifen im Rahmen einer großen B-Movie-Aktion des Labels auch auf Blu-ray!

© DomPatHug

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Copyright aller Filmbilder/Label: Sony Pictures Home Entertainment__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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