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One Shot – Mission außer Kontrolle

Originaltitel: One Shot__Herstellungsland: Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: James Nunn__Darsteller: Scott Adkins, Ashley Greene, Ryan Phillippe, Emmanuel Imani, Dino Kelly, Jack Parr, Waleed Elgadi, Terence Maynard, Jess Liaudin, Lee Charles, Andrei Maniata, Dan Styles u.a.

Unser freeman hat „One Shot“ für euch in einer ausführlichen Video-Rezension besprochen. Seine Eindrücke von dem schnittlos gereichten Actionfilm findet ihr fortfolgend! Wer seine Kritiken lieber schriftlich niedergeschrieben mag, für den haben wir eine Kritik von McClane direkt unter der Videokritik.

Videokritik: Echtzeitaction mit Scott Adkins in „One Shot“

„One Shot – Mission außer Kontrolle“ mit Scott Adkins

One Shot

“One Shot” ist die dritte Kooperation von Actionstar Scott Adkins und Regisseur James Nunn

„One Shot“ ist bereits die dritte Kooperation von Scott Adkins („Castle Falls“) und James Nunn („The Marine 6“): Zuvor hatten der Actionstar und der Regisseur zusammen „Hooligans 3“ und „Eliminators“ gedreht.

Es geht direkt ins Geschehen, wenn Navy-Seal-Anführer Jack Harris (Scott Adkins) und CIA-Analystin Zoe Anderson (Ashley Greene) beim Landeanflug auf eine entlegene Insel über ihre Mission sprechen: Einen Gefangenen namens Amin Mansur (Waleed Elgadi) aus einer CIA-Blacksite abholen, da dieser wichtige Infos zu einem drohenden Terroranschlag hat. Das Eiland weckt Erinnerungen an Guantanamo, der Chef des Inselknastes, Jack Yorke (Ryan Phillippe), will ein zweites 9/11 verhindern und die Verhörtechniken an den Gefangenen entspringen den Berichten über Folter in CIA-Gefängnissen. „One Shot“ sucht eine gewissen Realismusgrad in Sachen Thematik und Inszenierung, auch durch diese Referenzen an reale Begebenheiten, nutzt das aber nur als Hintergrundrauschen, will sich politisch nicht groß dazu positionieren oder die bewusste Deutungsoffenheit eines „Zero Dark Thirty“ zu wählen.

Alle Politik ist eh schnell passé, als eine Söldnertruppe unter der Führung von Hakim Charef (Jess Liaudin) das Gelände attackiert und sich Zutritt verschafft. Sie wollen ebenfalls Mansur und machen kurzen Prozess mit allen, die ihnen im Weg stehen. Für Harris und seine Schutzbefohlenen beginnt ein Überlebenskampf…

One Shot

Jack Harris (Scott Adkins) ist der furchtlose Anführer eines Navy-Seal-Teams

Das Gimmick des Films steckt schon im Titel: „One Shot“ wurde so gedreht, dass er aussieht wie in einer Einstellung gefilmt, wenn auch mit unsichtbaren Schnitten. Actionszenen ohne sichtbare Cuts sind seit einer Weile in, von „Children of Men“ über die „John Wick“-Reihe bis hin „Tyler Rake: Extraction“. Auch One-Take-Filme wie „Cocktail für eine Leiche“ oder „1917“ gab es immer wieder, wobei nur Ausnahmen wie der deutsche „Victoria“ tatsächlich in einem Rutsch gefilmt wurden. Einen derartigen Aufwand kann sich „One Shot“ angesichts seines Budgets und seines Actiongehalts nicht leisten, doch Nunn und sein Schnittmeister Liviu Jipescu verbergen ihre Cuts gut und machen „One Shot“ so zu einem ambitionierten, formal interessanten B-Actionfilm.

Allerdings bringt das auch Probleme mit sich, denn der nüchterne One-Take-Stil versagt dem Film in seinen Actionszenen Akzentuierungen durch Stilmittel wie Zeitlupe oder Gegenschnitte, außerdem muss die Handlung sich allein auf die zugegeben eher triste Location der Blacksite-Insel konzentrieren. Zumal der Film doch um einen stilistischen Bruch nicht herumkommt: Anfangs dominiert eher realistische Action, wenn sich große Gruppen von Blacksite-Bewachern und Söldnern in Massengefechten beharken, man sich hinter Panzersperren oder in engen Gängen eingräbt und taktisch vorgeht. Je weiter das Figureninventar jedoch dezimiert wird, desto mehr muss Harris zum kaum überwindlichen Einzelkämpfer werden, der die Schurken gleich im Mehrpack umholzt.

Immerhin gelingt es Nunn die Action stets zu variieren. Es dominieren natürlich die Feuergefechte zwischen den Parteien, die manchmal etwas von Videospielen haben, wenn die Hauptfiguren von Deckung zu Deckung sprinten und reihenweise Terroristen erledigen. Zwischendrin gibt es aber auch eine Stealth-Passage, in der sich Harris mit einem Messer durch ein Gebäude voller Terroristen kämpft, die er lautlos einen nach dem anderen erledigen will, einige Martial-Arts-Einlagen, in denen der Navy Seal ganz besonders hartnäckige Schurken erledigt und natürlich der große Bossfight gegen den fiesen Obermöpp Charef. Mit Blick auf die angestrebte Lebensnähe gibt es keine spektakulären Sprung- und Kickeinlagen von Adkins in den Nahkämpfen, aber gut choreographiert sind sie auf jeden Fall, sodass die Action trotz gelegentlicher Wiederholungen Laune macht.

One Shot, Scott Adkins

Jack Yorke (Ryan Phillippe) leitet den CIA-Inselknast

Merklich eintöniger dagegen die Story, die irgendwann nur noch auf den reinen Überlebenskampf reduziert wird. Da werden Hintergründe angesprochen, etwa dass Yorke seine Frau durch Terroristenhand verlor, aber haben dann doch keine Bewandtnis für den Film. Die Frage, ob Amin tatsächlich der Gesuchte oder das Opfer einer Verwechslung ist, spielt kurze Zeit eine Rolle, wird dann aber doch recht schnell aufgelöst. Und der drohende Terroranschlag wird zwar stets als handlungstreibender Motor erwähnt, mit weiteren Details spart der Film, wodurch er sich etwas an Spannung und Flair nimmt.

Zumindest auf formaler Ebene kann Nunn durchaus Spannung aufbauen, etwa in einer Passage, in der man einer Figur beim Verstecken vor den Schurken zuschaut. „One Shot“ bleibt nämlich nicht nur bei Harris, sondern springt zwischen den Charakteren, folgt auch mal Amin oder sogar den Terroristen, um dem Publikum alle relevanten Informationen zum Kampfgeschehen zukommen zu lassen. Ebenfalls stark ist „One Shot“ dann, wenn er das Echtzeitformat und die Nähe zum Geschehen für intensive Szenen einsetzt, etwa wenn die Seals verzweifelt versuchen einem schwer verwundeten Kameraden mit Notversorgung das Leben zu retten oder Charef einen seiner Leute als Selbstmordattentäter in die Schlacht schickt und die Kamera die Anspannung und die widerstrebenden Gefühle im Gesicht des jungen Mannes einfängt. Überraschend gnadenlos geht der Film mit mancher Figur um, denn hier gehen auch Leute drauf, die anderen Werken dieses Kalibers überlebt hätten.

Hauptdarsteller der Show ist natürlich Scott Adkins („The Intergalactic Adventures of Max Cloud“), hier in seiner Paraderolle als bärbeißige No-Nonsense-Kampfsau, die er mit Präsenz und Charisma souverän auszufüllen weiß. Ryan Phillippe („The 2nd“) hat zwar eine Top-Nennung im Vorspann, dafür aber relativ wenig Screentime und bleibt eine Randerscheinung. Stark dagegen ist Ashley Greene, der bereits in „Accident Man“ an der Seite von Adkins spielte. Weitere Akzente setzen Waleed Elgadi („The 355“) als Objekt der Begierde und der an Tony Todd erinnernde Terence Maynard („Edge of Tomorrow“) als Yorkes rechte Hand. Jess Liaudin („Anna“) und Lee Charles („Never Back Down: Revolt“) sind bullig und gucken ordentlich fies, sodass ihre Schurken noch einen gewissen Eindruck hinterlassen, obwohl sie von der Drehbuchseite her absolut farblos bleiben.

So ist „One Shot“ eine formal interessante Arbeit, die hoher Actionmenge, einem souveränen Hauptdarsteller und intensiven Einzelmomenten zu überzeugen weiß, jedoch nicht ohne Schwächen daherkommt: Das Script ist leider unterentwickelt und verschenkt Potential, gelegentlich wird das Treiben etwas eintönig, wenn sich die Actionszenen – trotz gewisser Variationen – ein wenig wiederholen. Ein mehr als solider B-Actionfilm ist „One Shot“ aber allemal und den Ambitionen von Nunn kann man nur Beifall zollen – Luft nach oben wäre aber noch da gewesen.

Starke:

Leonine veröffentlicht „One Shot“ am 27. Mai hierzulande auf Blu-Ray und DVD, ungekürzt ab 16 Jahren freigegeben. In Sachen Bonusmaterial gibt es Featurettes und Trailer.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Leonine__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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