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Open Fire – Ein Kickboxer will Vergeltung

Originaltitel: Open Fire__Herstellungsland: Mexiko, USA__Erscheinungsjahr: 1988__Regie: Roger Mende__Darsteller: David Carradine, Ashley F. Brooks, Christine Lunde, Wanda Acuna, Bruce Ly, Jerry Baxter, Hugo Stiglitz, Jorge Reynoso, Alejandra Peniche, Myrrah Saavedra u.a.
Open Fire mit David Carradine

“Open Fire” hat Methode in dem Actioner mit David Carradine.

Der Gouverneur von Wyoming, Joe Rourke, ist in San Carlos unterwegs. Hier will er von seiner anstrengenden Präsidentenkandidatur ausspannen und seine Ex-Frau sowie die gemeinsame Tochter wiedersehen. Beide sind mit einem Friedenschor auf Tour in dem Land. Leider hat der Rebellenführer Pecos keinerlei Sinn für derartige Familienzusammenführungen und er überfällt das Städtchen, in dem sich Rourke und seine Familie treffen wollen.

Pecos entführt Rourkes Ex und Tochter und ballert dem Präsidentschaftskandidaten in den Rücken. Dessen Buddy Master Ly spielt daraufhin mit dem Gedanken, die Entführten zu befreien. Also aktiviert er eine ganz besondere Squad, die ausschließlich aus rauflustigen und Martial-Arts-versierten Ladys besteht. Als es Pecos auch noch gelingt, Master Ly zu killen, drehen die Ladys richtig auf.

Sie sehen es als ihre Pflicht an, das Werk ihres Meisters zu vollenden. Und wenn sie dafür den halben Dschungel von San Carlos roden müssen, muss es eben so sein! Klimawandel hin oder her!

Schaut in den Actionfilm mit David Carradine hinein

Sonderlich viel Komplexität darf man sich von der Geschichte von „Open Fire“ nicht erwarten. Gut und Böse sind schnell installiert und die Motive, sich gegenseitig an die Kehle zu wollen, funktionieren. Dass dann ausgerechnet die handlungsbestimmende Ladys-Squad kein Stück vertieft und einem keine einzige der holden Maiden irgendwie vorgestellt – geschweige denn beim Nacktduschen präsentiert – wird, verwundert allerdings schon. Und macht freilich offenkundig, dass die dürre Story mal wieder nur der Kitt sein soll, der die Action halbwegs zusammenhält.

Dass so keinerlei Spannung aufkommt, wird von Regisseur Roger Mende, der mit „Open Fire“ sein Regiedebüt gab und danach nur noch zwei Filme inszenieren durfte, billigend in Kauf genommen. Zumal er insofern fair bleibt, dass auch alle anderen Figuren, vor allem aber die Bösewichter, keinerlei Vertiefung erfahren. Obendrauf noch viele dumme Dialoge und fertig ist der B-Holzer vom Reißbrett.

Da der Film über die Handlung keinerlei Punkte machen wird, bleibt freilich die Frage, ob die Action die Kastanien für „Open Fire“ aus dem Feuer holen kann. Bedingt. Rein von der Quantität kann man sich in keinster Weise beklagen. „Open Fire“ steigt mit Geballer, Explosionen, platzenden Bloodpacks und einer knalligen Verfolgungsjagd stark ein. Wuchtet sich dann an eine Art Viadukt mit Seelage, wo es nochmal amtlich scheppert und die Lumpen dutzendweise ins Gras beißen.

Direkt danach steht dann auch schon der Showdown ins Haus, der ewig langgezogen gereicht wird, gefühlt hunderte Lumpen das Leben kostet und in einem netten Setting gereicht wird, das von unterirdischen Gängen bis zu großräumigen Hallen einiges zu bieten hat und ausführlich bespielt wird. Zudem gefällt, dass die Action prinzipiell sehr vielfältig geraten ist. Es wird geballert, gefightet, fette Explosionen zerreißen die Sets, eine geile Feuerwand darf vor sich hin lodern und sogar eine Verfolgungsjagd gibt es zu bestaunen.

Doch, ihr ahnt es: Es gibt ein ganz fettes „Aber“. Die Action mutet häufiger nicht nur schludrig inszeniert an, sie ist auch katastrophal montiert. Zahlreiche Actionmomente bekommt man infolgedessen immer und immer wieder auf die Augen gebrannt. Aus anderen Perspektiven zwar, aber immer mit soviel zeitlichem Versatz, dass man annehmen muss, der Film wolle dem Zuschauer die immer gleichen Szenen als verschiedene Actioneinlagen verkaufen. Und das geht einem alsbald tierisch auf den Zünder. Zumal die ohnehin zu langen Actionszenen so erst recht kein Ende nehmen wollen.

Nicht nur bekommt ihr jede aufwändige Szene zigmal dargeboten, auch spektakulärere Lumpentode werden so mehrfach verbraten. Und wenn die Helden gegen Ende durch ein Tor in die Freiheit stürzen, machen sie das mal eben drei Mal – jeweils mit mehreren Minuten Versatz. Einmal ist einfach nicht genug. Mit zunehmender Laufzeit platzen dann auch keine Bloodpacks mehr und das ewig gleiche Schnitt-Gegenschnitt-Geballer lässt einen irgendwann schier verzweifeln. Vor allem rund um David Carradines Figur wird dieses Stilmittel so brachial oft eingesetzt, dass man das Gefühl bekommen muss, er wäre bei den aufwändigeren Actionszenen nie vor Ort gewesen und wurde nur durch die Montage Teil der Szenerien.

Dabei macht Carradine („P.O.W – Die Vergeltung“) gar keine üble Figur in „Open Fire“. Immer mal wieder kickt er einige Gegner um oder verpasst ihnen herzhafte Schellen. Schauspielerisch wird er null gefordert. Zumeist liegt er nur halluzinierend in seinem Bett und schreit beim Aufwachen die Namen seiner entführten Frau und Tochter. Auch Henry Yu Yung, der hier als Bruce Ly auftritt (der Künstlername deutet an, mit welchem Superstar der Bruceploitation-Schauspieler assoziiert werden möchte), wirkt seltsam in den Film hineinmontiert. Vor allem seine Actioneinlagen muten an, als seien sie aus anderen Filmen importiert.

Und die Ladys der Kampftruppe sehen bedeutend besser aus, als sie schauspielern oder die physischen Parts ihrer Rollen ausfüllen. Die Kampfmaschinen nimmt man den immer perfekt gestylten Damen niemals ab. Erstaunlich auch, dass die Martial-Arts-Meisterinnen immer wieder vergessen, dass sie ja eigentlich Kampfsport beherrschen. Apropos: Der deutsche Untertitel „Ein Kickboxer will Vergeltung“ ist an Absurdität nicht zu überbieten. Es gibt keine Kickboxer in dem Film. Carradine und Ly sind klassische Kung-Fu-Fighter. Nunja…

Ein Highlight in negativer Hinsicht ist Alexander Markousky als Lump Pecos. Der Typ streichelt den ganzen Film über nur seinen Vogel. Nope, das ist kein Code für etwas Versautes, sondern Tatsache. Der Typ trägt die ganze Zeit einen Greifvogel mit sich herum, dem er permanent den Bauch streichelt. Für typische Bösewicht-Verhaltensweisen bleibt da keine Zeit. Kansas Anne Carradine, die Tochter von David, gab in dem Film im Übrigen ihr Leinwanddebüt – als Töchterchen von Carradines Figur.

In technischer Hinsicht bietet „Open Fire“ solide DtV-Ware. Dabei gefällt am meisten, dass die Settings (gedreht wurde in Mexiko) durchweg angenehm unverbraucht wirken und mit ihrer Exotik auch kaschieren, dass das Budget des Streifens eher niedriger Natur war. Die Legende will im Übrigen, dass weder Cast noch Crew für den Film bezahlt wurden. Der Komponist der Musik ist dabei vollkommen zu recht leer ausgegangen.

„Open Fire“ langweilt trotz Daueraction

„Open Fire“ ist ein weiterer Vertreter jener Filme, die es schaffen, trotz Daueraction ziemlich zu langweilen. Beständig kracht und rummst es auf dem Screen, wirklich unterhalten wird man davon aber nicht. Die Heldenladys rocken einfach nicht, die Bösewichter sind durch die Bank Luftpumpen, die Story ist egal, Spannung hat es keine und je länger der Film läuft, umso schludriger fällt die gebotene Action aus. Wenn selbige dann auch noch zu mindestens einem Drittel aus Wiederholungen der etwas aufwändigeren Szenen besteht, ist der Ofen endgültig aus.

4 von 10

Die deutsche DVD zum Film erschien Mitte Mai 2022 von dem Label Maritim Pictures / Cargo Records. Die brachten den Streifen mit zwei verschiedenen Coverbildern, jeweils auf 500 Stück limitiert. Vorlage war eine okaye VHS. Also keine Bildwunder erwarten. Das Ganze ist mit einer FSK 18 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Maritim Pictures / Cargo Records__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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