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Pacific Rim: Uprising

Originaltitel: Pacific Rim: Uprising__Herstellungsland: USA/China/Japan/Großbritannien__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Steven S. DeKnight__Darsteller: John Boyega, Scott Eastwood, Cailee Spaeny, Jing Tian, Max Zhang Jin, Adria Arjona, Charlie Day, Burn Gorman, Rinko Kikuchi, Shyrley Rodriguez, Dustin Clare u.a.
Pacific Rim: Uprising

Beim Sequel “Pacific Rim: Uprising” führte nicht mehr Guillermo del Toro, sondern Steven S. DeKnight Regie

Pacific Rim“ war anno 2013 ein spezieller Fall: In den USA und vielen anderen Ländern lief er mau bis okay, in Asien dagegen war das Roboter-contra-Monster-Spektakel so erfolgreich, dass es den Film insgesamt in die schwarzen Zahlen hievte und der Weg für ein Sequel bereitet war, das dann 2018 mit „Pacific Rim: Uprising“ konkrete Gestalt annahm.

Die Handlung spielt im Jahre 2035, also zehn Jahre nach dem Erstling, und lässt den Protagonisten Jake Pentecost (John Boyega), Sohn des im Vorgänger heldenhaft verstorbenen Stacker, kurz die Lage erklären. Nach Bannung der Kaiju-Gefahr und Verschluss des Dimensionsriss baut die Menschheit die Erde wieder auf und entwirft Sicherheitsmaßnahmen wie den Dauerbetrieb einer Flotte der bekannten Riesenroboter, Jäger genannt. Andere, wie Jake, feiern Party in den Ruinen (oder auch in Kaiju-Skeletten) und finanzieren das Leben durch Schwarzmarkthandel mit Jäger-Technologie, denn die Reste dieser Maschinen finden sich zuhauf in den verwüsteten Teilen der Erde. Bei einer seiner Suchaktionen trifft Jake auf die junge Tüftlerin Amara Namani (Cailee Spaeny), die einen kleinformatigen Jäger gebaut hat, den sie allein steuern kann, im Gegensatz zu den großen Modellen, die immer zwei Piloten benötigen.

Als die Behörden jedoch auf Jake, Amara und deren illegalen Jäger Marke Eigenbau stoßen, werden die beiden nach einer Verfolgungsjagd verhaftet und zum Trainingszentrum der Jäger-Einheiten gebracht. Jake war hier einst gefeierter Pilot, sein Weggang hinterließ viel Unmut, gerade bei seinem alten Kumpel Nate Lambert (Scott Eastwood). Nun soll Jake seine Schuld als Ausbilder gutmachen, andernfalls droht Knast, während Amara als Pilotin ausgebildet wird. Gleichzeitig stellt sich die Frage, ob das Jäger-Programm noch lange Bestand haben wird, denn der Konzern Shao Corporations arbeitet an einer neuen Drohnentechnologie, mit deren Hilfe die Jäger ferngesteuert werden können. Wer jetzt allerdings erwartet, dass „Pacific Rim: Uprising“ zumindest minimal etwas zum Thema Drohnenkrieg zu sagen hat wie beispielsweise das „RoboCop“-Remake, der ist schief gewickelt.

Doch während die Vorbereitungen des Konzern noch laufen, greift ein Jäger unbekannten Ursprungs eine Versammlung an, bei der Jakes Halbschwester Mako Mori (Rinko Kikuchi) sprechen soll. Trotz des Einsatzes von Jake und Nate kommt Mako dabei ums Leben, doch sie hinterlässt den Piloten noch eine Spur bezüglich des unbekannten Angreifers…

Pacific Rim: Uprising

Jake Pentecoast (John Boyega) und Nate Lambert (Scott Eastwood) müssen sich zusammenraufen

„Pacific Rim“ war kein überkomplexer Film, doch Guillermo del Toro (der das Sequel noch nur als Produzent und Visual Consultant betreute) verstand sein Roboter-contra-Monster-Sujet: Die Handlung verband die Monsterattacken sinnig und lieferte eine einfache, aber nachvollziehbare Begründung, warum diese immer schneller und mit immer stärkeren Gegner erfolgten, während dazwischen ein Weltenrettungsplan geschmiedet wurde. Viele von diesen Qualitäten lässt „Pacific Rim: Uprising“ vermissen, den Stephen S. DeKnight (Creator der „Spartacus“-Serie auf Starz) als Regisseur und Co-Autor federführend betreute. Erster schwerer Film des Ganzen: Es ist ein Kaiju-vs.-Jäger-Film, in dem über weite Strecken keine Kaiju vorkommen. War bei ursprünglichen Sequelideen mal angedacht gewesen eine Jäger-Truppe in die Alien-Dimension zu schicken, so spielen große Teile von „Pacific Rim: Uprising“ zu einer Zeit, in der beide Welten sauber getrennt sind.

So gibt es in den ersten zwei Dritteln, die eh nicht übermäßig actionreich sind, nur Kämpfe zwischen Riesenrobotern und die konnte man in den „Transformers“-Filmen meist formschöner bestaunen. Erst im letzten Drittel ist dann die große Schlacht der Jäger gegen außerirdische Feinde angesagt: Drei Kaiju randalieren in Tokio und verbinden sich später zu einem Mega-Kaiju, während ihnen mehrere Jäger Paroli bieten. Da kann „Pacific Rim: Uprising“ das Flair des Vorgängers aufleben lassen, denn die Schlacht ist mit schicken Effekten, einiger Wucht und kreativen Waffen bzw. Kampfmethoden auf beiden Seiten gesegnet. Einzig und allein in einer Hinsicht fällt das Sequel dabei ab: Bei del Toros Vorgänger hatte man immer glaubwürdig das Gefühl, dass da tonnenschwere, haushohe Kampfmaschinen aufeinandertreffen, während sich die Jäger bei DeKnight manchmal eine Spur zu leichtfüßig bewegen. Auch die sonstige Roboteraction durchaus gelungen in Szene gesetzt, aber meist von kurzer Dauer und, wie bereits erwähnt, eben nicht die Hauptattraktion des Films.

Pacific Rim: Uprising

Die Jäger bereit zum Einsatz

Wesentlich größere Abstriche im Vergleich zum Vorgänger muss man dagegen bei der Story machen. Die Schnitzeljagd um die Suche nach dem Geheimnis der Angriffe des unbekannten Roboters wirkt eher versucht komplex als tatsächlich und die Drehbuchvolten, die der Film schlägt, um zu erklären, warum die Kaijus am Ende doch wieder eine Gefahr sind und zurückkehren, gehen schon in den Bereich des unfreiwillig Komischen. Vor allem aber bleibt da wenig Zeit für die Figuren. Auch der Erstling war schon kein Charakterdrama, schuf aber mit klaren Pinselstrichen markante Charaktere. Bei „Pacific Rim: Uprising“ bleiben dem Zuschauer sämtliche Protagonisten fremd. Die Traumata von Jake und Amara (der eine wollte sich seinem Vater beweisen, die andere verlor ihre Familie als Kind bei einem Kaiju-Angriff) stinken nach reinen Plotfunktionen, der Konflikt zwischen Nate und Jake wirkt ebenso unglaubwürdig wie dessen spätere Beilegung. Noch dicker kommt es bei der adretten Jules Reyes (Adria Ajorna), die als potentielles Love Interest (und daher auch als Zankapfel) für sowohl Jake als auch Nate eingeführt wird und beiden entsprechende Signale gibt: Nicht nur hat sie kaum wahrnehmbare weitere Eigenschaften, „Pacific Rim: Uprising“ löst noch nicht einmal auf, ob und für wen der beiden Heroen sie sich entscheidet.

Bei den Jäger-Kadetten, die allesamt im Teenageralter sind, sieht es nicht viel besser auf. In der Akademie trifft Amara das übliche Standardpersonal aus Figuren wie dem Kumpeltypen, der die Neue im Team freundlich einführt, dem Angsthasen und der hartgesottenen Griesgram-Kriegerin. Dass es hier Kiddies sind, die militärisch gedrillt werden, kann man befremdlich finden, aber ähnlich wie im geistigen Vorbild „Neon Genesis Evangelion“ erklärt „Pacific Rim: Uprising“ dies dahingehend, dass kindliche Geister prädestiniert für das Steuern der Riesenroboter sind. Viel eher zeigt sich an der Kadettenbelegschaft, dass der Film überdeutlich auf ein Jugendpublikum abzielt. Das merkt man auch daran, dass Jake sich zwecks Frustverarbeitung nicht etwa zünftig einen ansäuft, sondern sich einen Mega-Eisbecher mit Streuseln und allem Pipapo zusammenstellt.

Pacific Rim: Uprising

Wissenschaftler Hermann Gottlieb (Burn Gorman) ist eine von den Figuren aus dem Erstling, die erneut mit an Bord sind

Der Soundtrack von Lorne Balfe („Gemini Man“) ist okay, kann aber bei weitem nicht an den Vorgänger heranreichen: Die musikalisch einprägsamsten Stellen sind jene, in denen das grandiose „Pacific Rim“-Main-Theme von Ramin Djawadi erklingt. Eine Übernahme aus dem Vorgänger, die deutlich weniger gut klappt, ist das erneute Einbauen der Wissenschaftler Hermann Gottlieb (Burn Gorman) und Newton Geiszler (Charlie Day): Als Comedic Sidekicks werden sie kaum verwendet, während ihre Rolle als Plotfunktion etwas bemüht wirkt. Dabei hatte gerade das Zusammenspiel der beiden im Erstling für Laune gesorgt. Hier agieren sie dagegen vor allem getrennt, da Gottlieb bei den Streitkräften blieb, während Geiszler zu Shao Corporations wechselte. Der Einbau des Konzerns ermöglicht die Besetzung von Nebenrollen mit chinesischen Stars wie Jiang Tin („Police Story – Back for Law“) und Max Zhan Jing („Master Z: The Ip Man Legacy“), mithilfe derer die Macher von „Pacific Rim: Uprising“ im zweiten Anlauf noch deutlicher auf dem dortigen Markt punkten wollten.

Jedoch bleiben diese bessere Staffage, ähnlich wie die aus dem ersten Teil zurückkehrende Rinko Kikuchi („47 Ronin“), deren Figur früh das Zeitliche segnet. Am ehesten gelingt es noch Charlie Day („Bad Company – Die Welt ist in guten Händen“) und Burn Gorman („In a Valley of Violence“) in den bekannten Nebenrollen Akzente zu setzen, so wenig das Drehbuch ihnen dabei eine Hilfe ist. Die Darsteller, denen das Script dagegen die meiste Screentime zuschlägt, können diese nicht ganz so dankbar nutzen. John Boyega („Star Wars: Das Erwachen der Macht“) ist schon okay, bräuchte aber noch mehr Leading-Man-Charisma, Scott Eastwood („Snowden“) ist ein Sunnyboy-Typ, dem die Ausstrahlung seines Vaters (noch) abgeht und Cailee Spaeny („Bad Times at the El Royale“) ist das rebellische Wunderkind vom Dienst, das auch kaum anders spielt als andere rebellische Wunderkinder in anderen Filmen.

„Pacific Rim: Uprising“ ist immer noch mittelmäßiges leidlich unterhaltsames Krawallkino, denn die vorhandene Action macht Laune, gerade bei der ausgiebigen Finalschlacht in Tokio, die Effekte sind von hoher Qualität und Aspekte wie der Verwendung des Main-Themes des Vorgängers sorgen für gute Laune. Jedoch ist das Sequel auch eine mäßig geplottete Materialschlacht, deren Reißbrettfiguren kaum Profil erlangen und das in jeder Hinsicht ein bisschen oder sogar deutlich schwächer als Erstling ist – aber hinter dem steckte eben auch ein Visionär wie Guillermo del Toro.

Universal hat „Pacific Rim: Uprising” auf DVD und Blu-Ray veröffentlicht, ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. Das Bonusmaterial umfasst entfallene Szenen, Featurettes und einen Audiokommentar von Steven S. DeKnight.

© Nils Bothmann (McClane)

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