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Paranoia – Riskantes Spiel

Originaltitel: Paranoia__Herstellungsland: Frankreich, USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Robert Luketic__Darsteller: Liam Hemsworth, Gary Oldman, Amber Heard, Harrison Ford, Lucas Till, Embeth Davidtz, Julian McMahon, Josh Holloway, Richard Dreyfuss, Angela Sarafyan, William Peltz u.a.
Paranoia-Riskantes Spiel

Harrison Ford und Gary Oldman setzen die Akzente in einem Thriller nach 0815 Schema.

Es gab eine Zeit, da waren Nicolas Wyatt und Jock Goddard Freunde, die gemeinsam die Welt der Kommunikation revolutionierten und diverse Innovationen in Sachen Handy und Co. auf den Weg brachten. Doch irgendwann trennten sich die Wege der beiden im Streit. Vor allem Wyatt fasste diese Trennung immer als abgekartetes Spiel seines ehemaligen Freundes auf. Da kommt ihm der ehrgeizige Emporkömmling Adam Cassidy gerade recht. Dieser versenkte aufgrund seines aufbrausenden Temperaments in einem Meeting mit Wyatt seine eigene Vorstellung von moderner Kommunikation mitsamt seiner Karriere und wurde von Wyatt gefeuert…

Doch Wyatt hat in Wirklichkeit viel vor mit Adam. Der will sich zunächst in einer Kurzschlussreaktion an seinem ehemaligen Chef rächen, indem er mit seinen ebenfalls gefeuerten Kollegen auf einer Party ordentlich Firmengeld verprasst … und sich dadurch erpressbar macht. Wyatt ergreift die Gelegenheit und zwingt Adam, sich von Goddard anheuern zu lassen und dort dessen neuestes Produkt auszuspionieren. Adam willigt widerwillig ein, wird in Sachen Wirtschaftsspionage trainiert und tatsächlich von Goddard eingestellt. Hier erarbeitet er sich schnell das Vertrauen des mentorartig agierenden Goddards, hat aber immer auch seinen Auftrag vor Augen…

Paranoia – Riskantes Spiel

Wyatt “überredet” Adam, für ihn zu spionieren.

Die Welt der Industriespionage, also die Beschaffung von Know-How und Waren durch konkurrierende Unternehmen, ist ein erstaunlich selten besetztes Thema in Hollywood. „Paycheck“ fiele sicherlich jedem als Sci-Fi-lastigere Herangehensweise ein, doch dann wird es schon deutlich schwerer, Filme zum Thema zu benennen. Durchmengt mit einer ordentlichen Portion „gläserner Mensch“ Paranoia und viel Social Media Geblubber nimmt sich nun also Robert Luketic des Themas an, wirkt aufgrund seiner filmischen Vergangenheit („Das Schwiegermonster“, „Kiss & Kill“, „Die nackte Wahrheit“) aber nicht wirklich wie die erste Wahl für einen spannenden Wirtschaftsthriller. Und tatsächlich biedert sich der Film eher an ein junges Publikum an, statt kritische Akzente gegen den Turbokapitalismus und die im Film formvollendet vorexerzierte Plagiatsindustrie zu setzen.

„Es gibt weder Recht noch Unrecht, nur gewinnen oder verlieren…“

Keine Frage, vor allem in Persona der beiden souveränen Altstars Gary Oldman (Wyatt) und Harrison Ford (Goddard) verirren sich auch einige Spitzen gegen die heutige Moral der großen Industrieunternehmen in den Film und gerade im Aufeinandertreffen der von Ford und Oldman gespielten Wirtschaftsmagnate sind die Dialoge durchaus scharf geschliffen, das volle Potential der Geschichte wird aber niemals erschlossen. Stattdessen schauen wir Adam beim Feiern zu, erfahren von seiner dramatischen Vergangenheit und sind dabei, wie er in Goddards Firma aufsteigt, ohne irgendwie den Anschein zu erwecken, als würde er tatsächlich arbeiten. Stattdessen geht er gut essen und pimpert die Marketingdame der Firma. Obendrein ist Liam Hemsworth („The Expendables 2“) als Adam viel zu blass und zu langweilig, um den Zuschauer zu erreichen. Von seiner viel zu lang ausgespielten Beziehung zu Amber Heard („Machete Kills“) als Marketingdame Emma Jennings ganz zu schweigen. Heruntergebrochen bedeutet die gnadenlos am Zielpublikum entlang konzipierte Liebesgeschichte im Übrigen folgendes: Hippster trifft auf Karrierezicke. Romantisch geht definitiv anders. Zumindest spielt Frau Heard etwas einnehmender als Herr Hemsworth, kommt aber nie wirklich gegen die Sinnlosigkeit ihrer Rolle an.

Paranoia – Riskantes Spiel

Goddard (Harrison Ford) wird zu Adams neuen Mentor.

Den beiden Jungdarstellern stellte man ein sehr überzeugendes Ensemble an die Seite. Diese werden letztlich zwar in kleinen und Kleinstrollen verheizt, bringen aber trotzdem viel Souveränität in den Film. So Richard Dreyfuss („Piranhas 3D“) als Adams Vater, Embeth Davidtz („Schindlers Liste“) als Adams „Ausbilderin“, Julian McMahon („Fire with Fire“) als aalglatter und fieser Henchmen von Wyatt und Josh Holloway („Lost“) als FBI Agent. Die eigentlichen Stars aber sind Harrison Ford („Blade Runner“) und Gary Oldman („The Dark Knight“). Während Oldman Gift und Galle spucken darf, gibt Ford den gewohnt charismatischen, ruhigen Gegenpol, überrascht im weiteren Verlauf aber auch mit einigen fiesen Seiten, die man dem eigentümlich frisierten Ford gerne abnimmt.

„Macht ist etwas Köstliches, gewöhnen sie sich an den Geschmack.“

Luketic inszeniert seinen „Paranoia – Riskantes Spiel“ modern und sehr dynamisch. Die treibende Filmmusik von Junkie XL gibt dabei den Takt für Schnitt und Kamerabewegungen vor und wird mehr und mehr zum Motor des Filmes. Dieser kommt in der Folge sehr flott rüber, verzichtet dabei aber komplett auf kleinere Actionhighlights. Eine kurze Zufußverfolgungsjagd ist im Grunde schon alles an Action in „Paranoia“.

Paranoia – Riskantes Spiel

Das langweilige Liebespaar steht sympathisch für einen glatten, harmlosen Film.

Ein großes Problem von „Paranoia – Riskantes Spiel“ ist die Tatsache, dass es weder Regie noch Drehbuch schaffen, Situationen zu erzeugen, in denen sich die Schlinge um den Hals von Adam zuzieht. Adam findet immer wieder viel zu leicht einen Ausweg aus der jeweiligen Misere und vor allem sein finaler Schachzug ist doch arg naiv in Anspruch und Ausführung. Die Folge ist eine weitgehende Abwesenheit von Spannung und es kommt auch nie das Gefühl auf, dass Adams Tarnung jemals gefährdet wäre. Im Grunde ist der Film wie sein Hauptcharakter: Blass, belanglos und ohne Biss. Etwas Schärfe bekommt der Film nur bei den prägnanten Auftritten der eigentlichen Stars von „Paranoia – Riskantes Spiel“. Wenn Ford und Oldman loslegen, gewinnt der Film und zeigt immer mal wieder auf, was er in versierteren Händen wirklich hätte sein können. So bleibt ein offensichtlich auf die eigentliche Zielgruppe zugeschnittener Thriller, der für den einmaligen Genuss durchaus gut unterhält, aber leider niemandem wehtut.

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Studiocanal und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Studiocanal__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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