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Paranormal Island

Originaltitel: Paranormal Island__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Marty Murray__ Darsteller: Randy Wayne, Ben Elliott, Briana Evigan, Lance Henriksen, Sarah Karges, Ashley Lobo, Eddie J. Fernandez Jr., Ben Marten, Joe Farina, …
Das niederländische DVD-Covermotiv.

Das niederländische DVD-Covermotiv.

 

Normalerweise würde ich einen Film mit einem solch einfallslos-öden Titel wie „Paranormal Island“ ja einfach unbeachtet belassen – allerdings habe ich ihn mir letzten Endes dann doch mal angeschaut, und zwar nahezu einzig und allein aufgrund der Mitwirkung von Lance Henriksen („Jennifer 8“) und Briana Evigan („the Devil´s Carnival“), welche ich seit jeher immerzu ganz gern in ihren jeweiligen Veröffentlichungen erblicke. Für zirka zwei Millionen Dollar ursprünglich als „the Caretaker“ erdacht und in Szene gesetzt, bevor er irgendwann die entsprechende Umbenennung erfuhr, markierte dieser aus dem Jahre 2014 stammende Horror-Streifen sowohl das Drehbuch- als auch Regie-Debüt Marty Murrays – seines Zeichens in erster Linie ein Hollywood-erfahrener Stuntman (bei Werken wie „Domino“ oder „Divergent“) sowie Produzent so einiger B-Movies (unter ihnen „Dead Drop“ und „Misfire“)…

Abweichend von der auf dem Covermotiv abgebildeten Insel – komplett mit Sandstrand und Palmen – spielen sich die Ereignisse im Vorliegenden auf einer künstlich über einer Untiefe auf hölzernen Pfählen inmitten des Grass Lakes in Illinois errichteten, den Namen „Blarney Island“ tragenden (real existierenden) Event-Location ab, die heutzutage vor allem für Partys und Wassersport-Veranstaltungen genutzt wird. Für seine erzählte Geschichte hat Murray einige authentische historische Fakten übernommen und diese in eine fiktive „Spuk-Mythologie“ mit eingebunden: Ihm zufolge heißt es, der Besitzer der damals u.a. gern von Kriminellen genutzten Örtlichkeit habe 1927 Selbstmord gegangen, nachdem er die Kneipe im Zuge einer Poker-Partie an seinen schärfsten Rivalen verlor – worauf es fortan immer wieder zu „mysteriösen Vorfällen“ gekommen war, die seinem „rastlosen Geist“ zugesprochen werden…

Der das zuvor geschilderte Ereignis aufzeigende, in einem Sepia-Farbton dargereichte Prolog kommt nicht nur ziemlich lahm und „steril“ anmutend daher, sondern verärgert einen überdies auch mit einem echt merk- bzw. denkwürdigen Filmfehler – denn die Hand des unterlegenen Kartenspielers (Flush) ist eigentlich besser als die seines Widersachers (Straight)! Erstaunlich, dass weder jemand beim Lesen des Skripts noch direkt am Set diesen Patzer bemerkt hat. Tja, im Anschluss daran vollzieht sich jedenfalls ein „Sprung in die Gegenwart“ und der geneigte Zuschauer erfährt, dass an dem besagten See mehrfach schon Leute ertrunken oder „frei jeder Spur verschwunden“ sind. Angesichts fehlender Beweise halten sich die (zudem um ein potentielles Ausbleiben der Touristen besorgten) Behörden in der Sache bedeckt – wohingegen viele Ansässige tatsächlich von etwas in der Art eines „Fluchs“ überzeugt sind…

Im Zentrum des Hauptgeschehens stehen die College-Studenten Mike (Randy Wayne), Lori (Sarah Karges) und Jerry (Ben Elliot), welche angereist sind, um den Sommer über an der Bar sowie im Service-Bereich zu jobben. Am Ufer werden sie von ihrer künftigen Kollegin Ivy (Evigan) und dem Bootsführer Carl (Henriksen) in Empfang genommen, der ihnen auf der Überfahrt sogleich einige zu beachtende Dinge erläutert – u.a. dass „Blarney Island“ stets um Mitternacht schließt sowie möglichst zeitnah von allen verlassen wird. Mike jedoch ist einer, dem etliche der Storys vertraut sind – laut denen sich die „rätselhaften Vorkommnisse“ bislang immerzu spät nachts ereignet haben sollen – und während seines Aufenthalts gedenkt er nun zu beweisen, dass an eben jenen angeblichen „übernatürlichen Phänomenen“ in Wirklichkeit absolut nichts dran ist…

An ihrem Arbeitsplatz angelangt, folgt eine Einweisung sowie ihre erste Schicht, welche sie akzeptabel hinter sich bringen – doch beginnt Mike auf Anhieb bereits „nebenbei“ mit seinen Nachforschungen und zeigt Jerry eher ein stärkeres Interesse für die zugegenen Girls und den verfügbaren Alkohol. Resultierend aus schlechtem Timing und einem Missverständnis verpassen sie (samt Ivy und einem anderen Unglückseligen) nach Dienstende dann allerdings (ungewollt) das letzte Boot zurück ans Festland: Im Grunde „halb so wild“, denkt sich das Trio – nicht aber Ivy, die sich in Anbetracht der Situation (zu Recht) relativ beunruhigt zeigt. Von dem Vernehmen seltsamer Geräusche über das Erblicken „gespenstischer Erscheinungen“ bis hin zu dem Erfahren physischer Gewalteinwirkungen: Rasch wird ihnen bewusst, dass sie in konkreter Lebensgefahr schweben…

„Paranormal Island“ ist ein schwacher, unaufregender Streifen, der bloß spärlich positiv Erwähnenswertes zu bieten hat. Am besten gefiel mir noch der Schauplatz: Eine nette, knapp eine Meile fern des Ufers gelegene, von Bootsanlegestegen umschlossene Lokalität zum Essen, Trinken, Feiern und Abhängen, welche durchaus als Ziel eines Trips in Frage kommen würde, sollte ich mich eines Sommers mal in der Nähe von Antioch (Illinois) aufhalten. Nach Sonnenuntergang und dem Abschalten des Hauptstroms ist allerdings ein Großteil des Reizes dahin: Draußen sieht man die Landschaft rings herum nicht mehr – nur Dunkelheit und Wasser – und drinnen sind es im Prinzip ja nichts weiter als Räumlichkeiten der gewohnten Art (u.a. einige Flure und Vorratskammern, ein Büro, Umkleidezimmer sowie Tanzfläche und Theken-Zone). Es kommt halt stark darauf an, was man im Ganzen so daraus macht…

Im Einstiegsdrittel werden einem die zentralen Protagonisten vorgestellt, bei denen es sich primär um solche junge Erwachsene handelt, die man regelmäßig in Werken dieser Gattung Schrägstrich Beschaffenheit antrifft – also nur bedingt sympathische, oberflächlich gestrickte Charaktere, die nicht allzu clever agieren und deren Schicksale einem von daher auch weitestgehend egal verbleiben. Jerry reißt ständig dumme Sprüche und ist vorrangig auf Schnaps und Mädels fixiert, über Lori erfährt man beinahe überhaupt nichts und Mike wirkt (dank seines „zielstrebigen Auftretens“) in manchen Momenten ein wenig zu fest von sich eingenommen. Überdies lässt sich keine ergiebige „Chemie“ zwischen den drei Freunden registrieren und empfand ich es schon als verwunderlich, dass sich die Jungs im Rahmen der über sie hereinbrechenden Notlage nicht inniger um Lori kümmern…

Dies ist nicht der erste maue Horror-Flick, an dem Briana Evigan und Lance Henriksen im Laufe ihrer Karrieren beteiligt waren – siehe beispielsweise „the Seamstress“ in seinem sowie „Mine Games“ in ihrem Fall – und obgleich sie hier darstellerisch ebenso eher belanglose Performances abliefern wie ihre Co-Stars Randy Wayne („Honey 2“), Ben Elliot (TV´s „the Lying Game“) und Sarah Karges („Tag“), bereichern sie die Produktion dennoch (zumindest ein kleines Stück weit) mit ihrer Anwesenheit. Ivy ist zufrieden mit ihrem Job und Alltag – und das unabhängig dessen, dass ihre Familie vor einigen Jahren unter nie geklärten Umständen im See ertrank – wohingegen Carl ein tendenziell abweisend auftretender, schwer einzuschätzender sowie „kryptische Warnungen“ aussprechender Zeitgenosse ist. Zweifellos hätte ein kompetenterer Skriptautor nicht nur aus ihren Rollen eine Menge mehr herausholen können…

Während sich der Betrachter damit abfinden muss, dass ihm wohl nicht einmal eine Sex-Szene „zugestanden“ wird – und das trotz einer süßen Kollegin (Ashley Lobo aus der Serie „the Playboy Club“), mit der Jerry prompt ‘rumzumachen anfängt – sehen sich die auf sich allein gestellten Zurückgelassenen zunehmend mit „übernatürlichen Geschehnissen“ (á la eine sich von selbst bewegende Flasche oder der Anblick Ivy´s toter Schwester) konfrontiert, bevor sich die Bedrohung weiter verschärft und einzelne (der Reihe nach) ihres Lebens beraubt werden – und das meist hinfortgerissen seitens einer „unsichtbaren Macht“ (frei blutiger Details oder sonstiger Grausamkeiten). Zu allem Überfluss kommt es in diesem Kontext gar auch zu einer unabsichtlich komischen Situation, in der Mike urplötzlich „in die Luft gehoben“ wird – er in letzter Sekunde aber gerade noch so gerettet zu werden vermag…

Diverse Set-Pieces wurden mit der Absicht konzipiert und arrangiert, Suspense zu erzeugen, eine creepy Stimmung heraufzubeschwören sowie dem Publikum einen Schrecken einzujagen – allerdings scheiterte die zugehörige Umsetzung kläglich: Anschaulich zeugt das Präsentierte davon, dass es Regie-Neuling Murray und seinem Team an einem inspirierten Gespür für die Materie mangelte. Da kann der Score noch so vordergründig eingesteuert werden – wirklich gruselig oder den Puls in die Höhe treibend ist nichts an dem Film. Preisgünstige CGI-Effekte sowie eine unoriginelle, punktuell dargereichte Variante der aus Sam Raimi´s „the Evil Dead“ bekannten (sich in hoher Geschwindigkeit bewegenden) „Demon Vision“-Kameraperspektive tun ihr übriges, um den vermittelten Eindruck „limitierter Handwerkskunst“ und „umfassender Ideenarmut“ zusätzlich zu bekräftigen…

Alles in allem ist „Paranormal Island“ arg unambitioniert, wartet mit Dialogzeilen wie „No wonder they say this place is haunted: It really is!”, vielen der inzwischen leider gängigen Genre-Klischees (kein Handy-Empfang, undurchdachte Entscheidungen und Handlungen etc.) sowie keinerlei erkennbarer „Leidenschaft“ auf – weder in inhaltlicher noch stilistischer Hinsicht. Dass der „Geist“ des ehemaligen (in den Selbstmord getriebenen) Besitzers für den ganzen Spuk verantwortlich ist, wird zügig offenbart. Warum der allerdings unschuldige Leute tötet – und das ausschließlich nach Mitternacht – wird dagegen an keiner Stelle thematisiert. Zusätzliche Logik-Schwächen gehen unmittelbar vorm Einsetzen des Abspanns noch aus einem nachgeschobenen Epilog hervor – doch dann ist es endlich vorüber, und dieses belanglos-lahme B-Movie kann schnell wieder „in der Versenkung verschwinden“…

U.a. in Holland, Großbritannien und den USA ist der Film bereits auf DVD erschienen. Infos hinsichtlich einer deutschen Veröffentlichung liegen mir bis heute (08/15) indes noch keine vor…

Stefan SeidlParanormal Island

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Paranormal Island

Copyright des Covermotivs und der Pics: VMI Worldwide / Cinedigm (US) / Excesso Ent. (NL) / High Fliers Films (GB)__ Infos zur holländischen VÖ: Freigabe: 16__ Geschnitten: nein__ DVD/BluRay: ja/nein__

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