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Parker

Originaltitel: Parker__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Taylor Hackford__Darsteller: Jason Statham, Jennifer Lopez, Michael Chiklis, Wendell Pierce, Clifton Collins Jr., Carlos Carrasco, Micah A. Hauptman, Emma Booth, Nick Nolte, Daniel Bernhardt u.a.
Parker

Jason Statham kickt Daniel Bernhardt in “Parker”

Wir folgen einem graumelierten Priester über einen Jahrmarkt. Doch der Geistliche ist offensichtlich nicht hier, um unter den Amüsiersüchtigen den Glauben an Gott zu verbreiten. Dazu sondiert er alles viel zu genau. Nichts scheint seinem Blick entgehen zu können. Da, ein konspiratives Nicken zu einem zwielichtig wirkenden Mann. Plötzlich Ablenkung. Ein Budenbesitzer bittet den Geistlichen herbei, er möge doch mit Dartpfeilen ein paar Luftballons zum Zerplatzen bringen, damit ein quengelndes Kind vor seiner Bude einen Preis bekomme. Wie nebenbei bringt der Geistliche mit jedem Dartpfeil einen Ballon zum Zerplatzen und wendet sich wieder seiner eigentlichen Intention zu. Er schreitet zu einem Gebäude und klopft an. Ihm wird geöffnet und er stellt eine unverfängliche Frage. Wieder erfasst sein Blick die gesamte Situation. Die Anzahl der Wachmänner, ihre Bewaffnung … hier muss das auf dem Jahrmarkt eingenommene Geld lagern. Da taucht ein Mann durch eine Bodenluke inmitten des Raumes auf und bedroht die Wachmänner. Auch der Geistliche drängt sein Gegenüber beiseite, stürmt forschen Schrittes in die Zahlstelle und zückt eine Waffe. Schnell werden die Tresore ausgeräumt. Ein gelegtes Feuer sorgt für Ablenkung und die Diebe entfleuchen dem Zugriff der Ordnungshüter.

Nach dem Coup sitzt der „Geistliche“, nennen wir ihn Parker, mit seinen vier Kumpanen in einem Fahrzeug. Man scherzt herum und ist dennoch angespannt. Da verkündet Melander, ein bulliger, glatzköpfiger Typ, er wolle das erbeutete Geld als Investition für einen viel größeren Coup nutzen, bei dem es um Millionen ginge. Doch Parker will davon nichts wissen, er will seinen Anteil und seines Weges ziehen. Doch Parker erhält seinen Anteil in Form von blauen Bohnen, denn seine Kumpanen nieten den Querulanten kurzerhand um. Aber der überlebt und schwört, dass er sich zum einen seinen Anteil zurückholen und zum anderen Rache üben werde…

Parker

Hat alles im Griff: Jason Statham als Parker

Parker, eine Figur, die vor allem durch ihre ausgesprochene Prinzipientreue und einen strengen Ehrenkodex gekennzeichnet ist, geht zurück auf den Autor Donald E. Westlake, der 1962 seine erste Story um den Meisterdieb in „The Hunter“ zu Papier brachte. Dem Bestseller folgten über einen Zeitraum von 46 Jahren (wobei der Autor 1974 eine 23igjährige!!! Pause einschob) zwei Dutzend weitere Abenteuer in Romanform. Darunter auch „Flashfire“, mit dem Westlake seine lange Parker-Schaffenspause 1997 beendete und die Vorlage für den inzwischen vierten filmischen Auftritt der Kult-Krimiikone lieferte: „Point Blank“, „Full Contact“ und „Payback“ – mit Mel Gibson – hießen die ersten Versuche, mit denen man Parker auch einem Kinopublikum schmackhaft machen wollte und die jeweils sehr lose auf dem Parker-Romandebüt „The Hunter“ basierten. Eben jener Roman hätte einst beinahe dafür gesorgt, dass es Parker nie zu der Bekanntheit geschafft hätte, die er heute inne hat, denn ursprünglich sollte Parker in „The Hunter“ bereits das Zeitliche segnen, da man damals einen Bösewicht in Romanen einfach nicht überleben lassen durfte – das ließen die damaligen Moralvorstellungen nicht zu. Doch Westlake folgte einer Eingebung seines Verlegers und der Rest ist Geschichte …

„Stiehl niemals von den Armen, töte nur, wenn es nicht anders geht und rechne immer mit deinen Feinden ab.“ Diesem Grundsatz folgt nun Jason Statham („Safe“, „The Transporter“) in der neuesten Parkerverfilmung und ihm steht die Figur des coolen Meisterdiebs, der seine Raubzüge minutiös durchplant, wie ein zweiter Anzug. Statham ist nun einmal der, der gerufen wird, wenn es um smarte und gleichzeitig knallharte Figuren geht. Doch Parker ist nicht ganz die typische Statham Rolle, denn Parker ist verdammt menschlich angelegt. Er ist kein Einzelgänger, er schützt die Menschen, die ihm nahe stehen, er ist verdammt verletzlich (im Grunde ist Statham den halben Film damit beschäftigt, zu bluten und vor Schmerzen zu stöhnen) und er hat da diesen klaren Ehrenkodex, der einerseits irgendwie wundervoll aus der Zeit gefallen scheint und andererseits Grundlage für heftige Gewalteruptionen ist, die man dem Streifen so gar nicht zugetraut hätte.

Parker

Amüsante Highlights des Filmes: Parker verkleidet sich als neureicher Texaner.

Denn über weite Strecken fährt Taylor Hackford einen ziemlich relaxten, sehr witzigen Ansatz. Hier beweist Statham eine gehörige Portion komödiantischen Timings, denn seine Sprüche sitzen auf den Punkt. Und auch die Optik – Parker spielt in Palm Beach, Florida – ist eher die eines coolen Gaunerstückes. Einzig der immer mal wieder düster dräuende, ansonsten erfrischend andere (vor allem das Heavy Metal Thema von „Parker“ rockt wie Sau!) Score von David Buckley deutet an, was den Zuschauer bei „Parker“ noch erwarten könnte. Und diese latente, immer irgendwo mitschwingende Gewalttätigkeit bricht sich in diversen Momenten Bahn. Dabei sticht vor allem der brachiale, im Ton fast schon gar nicht mehr zu dem Film passende Fight von Jason Statham gegen unseren schweizerischen Landsmann Daniel Bernhardt hervor, in dem sich die beiden Kampfsportmaestros rüde, brutal und ohne echte Martial Arts Moves gegenseitig zu Fleischhaufen schlagen. Überhaupt haben die Stathamschen Kampfsporteinlagen weitgehend Pause. Hier und da blitzen sie zwar kurz auf, aber im Großen und Ganzen hält Hackford seinen Star ganz schön an der kurzen Leine.

Parker

Jennifer Lopez sorgt für ein wenig Eyecandy und Erotik, ist ansonsten aber arg überflüssig.

Leider kann man das in Sachen Jennifer Lopez nicht so ganz behaupten. Zwar wird ihre Figur der Leslie ziemlich schlitzohrig und durchaus witzig eingeführt, doch dann fällt weder Drehbuch noch Regisseur irgendetwas ein, um die Figur weiterhin interessant zu halten. Stattdessen nervt die Maklerin in den unpassendsten Momenten mit seltsamem Provisionsblabla und wirkt mit zunehmender Laufzeit immer störender. Das geht soweit, dass sie am Ende sogar dem Showdown im Weg steht. Und irgendwie wird man auch das Gefühl nicht los, dass Frau Lopez mit Statham nicht wirklich harmonieren will. Da ist es nur konsequent, dass man sich eine Romanze zwischen Parker und Leslie komplett schenkt. Auch deshalb hätte man Leslie nicht gebraucht und angesichts der Laufzeit von fast zwei Stunden, die definitiv zu lang ausfallen, wäre es um ihre Figur auch niemals schade gewesen. La Lopez wirkt unter diesen Voraussetzungen von ihrer Rolle auch ziemlich überfordert. Wie schade, dass anscheinend niemand am Set ihren coolen, zu Beginn recht ähnlich anmutenden Auftritt in „Out of Sight“ gesehen hat, in dem sie zeigt, wie eine Frau gleichzeitig tough und sexy sein kann.

Viel schlimmer ist jedoch, dass man zugunsten von Leslie und ihrer nervenden Mutter die Bösewichter komplett vernachlässigt. Was umso trauriger ist, da sich hier in den Aktivposten mit Michael Chiklis („The Shield“) und Clifton Collins Jr. (in „Crank 2“ bereits an Stathams Seite) zwei echte Charaktervisagen tummeln, die jedem Film normalerweise richtig gut stehen würden. Doch Hackford verschenkt das Potential wüst wütender Bäddies vollkommen. Da bleibt selbst Chiklis nur das Aufrufen seiner „The Shield Böseguck Routine“ und das war es dann auch. Schade. Dafür habe ich bei den drei prägnanten Auftritten von Daniel Bernhardt gut in mich hineingeschmunzelt. Reden darf er zwar nicht großartig, dafür herumrennen und Leute verkloppen oder abstechen. Erwähnen sollte man noch Emma Booth als eigentlichen Love Interest von Parker. Sie macht ihre Sache gut, hat aber mit der farblosen Anlage ihrer Figur sehr zu kämpfen. Und Nick Nolte war definitiv nicht länger als zwei Tage am Set, schwitzte dabei viel herum, nuschelte in seinen nicht vorhandenen Bart und hat das Catering geplündert. Als Schauspiel kann man seine sparsamen und irgendwie auch seltsam überflüssigen Auftritte nicht wirklich bezeichnen.

Parker

Mag es rüde: Jason Statham als Parker.

„Parker“ ist ein Film der verschiedenen Tonalitäten. Das relaxte Spiel seines Hauptdarstellers, der immer wieder aufblitzende Humor, die aufgefahrene Optik und die – abgesehen vom eher störenden Lesliepart – recht charmant, wenn auch komplett überraschungsfrei erzählte Rachestory werden kontrastiert von blutigen Durchschüssen, in Hälse gerammten Messern und Waffenmagazinen!, gebrochenen Knochen und teils extrem kompromisslos agierenden Figuren. Diese beiden Pole bringt Hackford nicht in allen Momenten wirklich schlüssig zusammen. Hier und da gelingt es ihm, die Brutalitäten mit Humor zu brechen, ab und an lässt er einen aber auch ordentlich durchschnaufen ob des Gezeigten. Doch sein cooler Star hält „Parker“ mühelos zusammen und genießt es sichtlich, sowohl ein wenig verletzbarer als auch ein wenig komischer (seine herrlich seltsamen Auftritte als reicher Texaner sind schon sehr amüsant) rüberzukommen. Nichtsdestotrotz ist „Parker“ freilich kein Befreiungsschlag für Jason Statham – wenn man sich denn von dem ewigen und teils arg überzogenen Gejammer seiner Kritiker beeindrucken lässt, er spiele ja immer nur die gleiche Rolle -, dafür aber vielleicht der Beginn einer Parkerreihe, denn diese Figur ist trotz ihres miesen Abschneidens an den US-Kinokassen einfach zu reizvoll, um sie erneut einfach so für Jahre fallen zu lassen. Und da der Autor der Reihe selbst zugibt, dass Parker vor seiner 23jährigen Schaffenspause deutlich kälter und härter war, wäre vielleicht ein filmischer Rückblick zu den Wurzeln der Figur extrem reizvoll. Vielleicht dann gleich komplett in dem düsteren Ton gehalten, den Hackford in „Parker“ ja durchaus auch anzuschlagen vermag …

Parker ist seit 11. Juli 2013 von Constantin Film auf DVD und Blu-ray erhältlich. Freigegeben ab 16 Jahren ist der Film uncut. DVD und Blu-ray enthalten einige nette weiterführende Specials zum Film, die kurz und knackig hinter die Kulissen des Streifens blicken und auch die Romanfigur Parker thematisieren.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film Verleih GmbH__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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