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Pay Day

Originaltitel: The Debt Collector__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Scott Adkins, Michael Paré, Tony Todd, Vladimir Kulich, Louis Mandylor, Robert Rusler, David William No, Selina Lo, Nihan Gur, Marshal Hilton u.a.
Pay Day Deutsches DVD Cover

Scott Adkins begibt sich in Jesse V. Johnsons “Pay Day” auf Prügeltour.

„Pay Day“ stellt nach „Pit Fighter“, „Savage Dog“ und „Accident Man“ die vierte Zusammenarbeit von Regisseur Jesse V. Johnson und Actionstar Scott Adkins dar. Nach den guten Reaktionen der Actionfans auf „Savage Dog“ und vor allem „Accident Man“ scheinen beide Filmschaffende einander blind zu vertrauen. Immerhin steht mit „Triple Threat“ die fünfte gemeinsame Produktion bereits in den Startlöchern – und wartet mit einem irren Cast (Adkins, Michael Jai White, Tony Jaa, Iko Uwais und Tiger Chen auf!) auf. Doch bis dahin ist es noch eine Weile hin. Zeit genug, um uns der vierten Produktion aus der Johnson/Adkins-Schmiede zu widmen…

French, Inhaber eines Dojos, steht finanziell vollkommen am Abgrund. Weder kann er das Geld zum weiteren Betrieb des Dojos auftreiben noch um seine eigene Miete zu bezahlen. Er sieht keinen anderen Ausweg mehr, als Schuldeneintreiber Alex, ein Typ, der bei ihm die Kampfkünste erlernen will, um Rat und vielleicht sogar um einen Job zu fragen. Alex, der French aufgrund seiner eigenen Erfahrungen als Schuldeneintreiber vehement von diesem Vorhaben abrät, vermittelt ihm dennoch ein Bewerbungsgespräch bei dem Kredithai Tommy.

Der sieht in dem kampfstarken French echtes Potential und bietet ihm tatsächlich einen Job an. Um in seine zukünftigen Aufgaben hineinzufinden, schickt Tommy French mit seinem besten Mann Sue in die Spur. Gemeinsam arbeiten die beiden ein Wochenende lang eine Liste von Schuldnern ab, nur um am dritten Tag urplötzlich mit dem Rücken zur Wand stehen, weil sie beschlossen haben, das Richtige zu tun…

Schaut in “Pay Day” von Jesse V. Johnson und mit Scott Adkins hinein

Kredithaien und deren Handlangern kommen in Actionfilmen zumeist nur Nebenrollen zu. Dank ihrer häufiger am Rande der Legalität verorteten Tätigkeiten und ihres zumeist zweifelhaften Images lösen sie gerne mal Handlungen von Actionfilmen aus, erschweren dem Helden sein Tun oder geraten ihm bei seinen Ermittlungen in die Quere. Als Helden für einen actionreichen Thriller nutzt man Kredithaie und Schuldeneintreiber eher selten. Das Drehbuch zu „Pay Day“ hat das erkannt, besetzt diese Lücke und schickt zwei Schuldeneintreiber eines Kredithais auf eine echte Tour de Force.

Dabei steigt Jesse V. Johnson zunächst durchaus locker in seinen Film ein. Scott Adkins darf im Dojo seines Charakters French einem Konkurrenten den Staub aus dem Anzug prügeln, lernt hernach Tommy kennen und startet mit dem abgehalftert wirkenden Sue in die eigentliche Handlung des Filmes durch. Diese wird in drei Kapitel unterteilt, die den Namen des jeweiligen Tages tragen.

Am Freitag lernt French auf die harte Tour sein neues Business kennen. Voller Elan und im Anzug in den Tag gestartet, spürt er am Abend all seine Knochen und der teure Zwirn fällt ihm in Fetzen vom Körper. Sue hat nämlich großen Spaß daran, French in immer neue Prügeleien zu verwickeln.

Pay Day mit Scott Adkins und Louis Mandylor

Scott Adkins und Louis Mandylor prügeln sich durch L.A.s Schuldnergemeinschaft.

In diesen darf Adkins zeigen, was er drauf hat. Allerdings sollten seine Fans keine allzu spektakulären Manöver von ihm erwarten. „Pay Day“ geht es sichtlich darum, effektive und glaubwürdige Fights zu lancieren, die eher rau und grobschlächtig rüberkommen. Dementsprechend gibt es maximal mal einen Drehkick von Adkins, der ansonsten vornehmlich auf seine Fäuste setzt. Die bodenständigen Fights sind dabei topp choreographiert und zerstören nebenbei gerne mal ganze Büroräume oder befördern die Kombattanten durch Wände und Co. Die Fights werden dabei in langen Einstellungen dargereicht, ohne Schnittgewusel oder ständige Perspektivwechsel.

Abseits der Prügeleien sind die Charaktere Sue und French am Freitag noch dabei, einander abzuchecken. Die durchweg guten, sehr schimpfwortlastigen Dialoge sind eher von Gefrotzel geprägt und Sue genießt seine Vormachtstellung gegenüber French schon ziemlich.

Lump: Du willst mit mir kämpfen?
French: Ich mach euch alle drei platt!
Lump: Wie im Kung-Fu-Film?
French: Genauso, Mann! Wie in einem verfickten Kung-Fu-Film!

Am Samstag sind die beiden durch die Ereignisse des Vortags deutlich relaxter im Umgang miteinander. Man beginnt mehr auf den anderen einzugehen, wenngleich ein frotzelnder Unterton beibehalten wird und kerniger Humor immer mitschwingt.

Pay Day mit Scott Adkins

Scott Adkins am Freitag seiner Probearbeitszeit: Der Anzug ist noch halbwegs heile…

Derweil beginnt Jesse V. Johnson ganz leicht den Unterton des Filmes zu verschieben. Vor allem French beginnt mehr und mehr das Tun in seinem neuen Job zu hinterfragen. Obendrein wird beiden Männern eine Aufgabe aufgebrummt, die mit dem Eintreiben von Schulden nichts mehr zu tun hat. Ein von Tony Todd („Sabotage – Dark Assassin“) gegebener Charakter namens Barbosa macht sie nämlich zu gedungenen Schlägern. Eine Entwicklung, die auch Sue nicht unbedingt frohlocken lässt.

Mit Anbrechen des Sonntags sind Sue und French längst gute Freunde geworden und beide einig, dass der aktuelle Job für Barbosa nichts ist, was sie jemals wieder tun wollen. Zwar werfen sie sich in den Fall, aber mit jeder weiteren Erkenntnis, die sie machen, widerstrebt es ihnen mehr, Barbosas Befehlen Folge zu leisten. Das mündet letzten Endes in einen brechend brutalen Showdown, in dem Jesse V. Johnson die Waffen sprechen und die übervollen Bloodpacks platzen lässt. Die Stimmung des Filmes ist derweil auch finster genug, um längst nicht alle „Helden“ ungeschoren davonkommen zu lassen.

Dieses ereignisreiche Wochenende funktioniert für den Zuschauer einfach prima. Die Figuren werden mit Schwung etabliert, die Chemie zwischen Scott Adkins als French und Louis Mandylor („Daylight’s End“) als Sue ist einfach genial. Die Dialoge zwischen ihnen haben Verve, Witz und sind alles andere als dumpfer Genre-Durchschnitt. Zudem groovt der Film dank cooler Musiknummern ordentlich und hat insgesamt einen guten Flow, ohne jetzt als besonders rasant oder vorwärtstreibend wahrgenommen zu werden.

Pay Day mit Scott Adkins in Action

Scott Adkins lässt in “Pay Day” als French die Fäuste kreisen…

Die Jobs der Geldeintreiber und was um sie herum passiert, sind zudem abwechslungsreich genug, dass „Pay Day“ nicht in einer repetitiven Nummernrevue endet. Einzig gegen Ende geht auf einmal alles ein wenig zu schnell und tauchen – wenig logisch konstruiert – zum großen Showdown alle wichtigen Figuren des Filmes am Ort des Geschehens auf. Hier hätte „Pay Day“ noch etwas Feinschliff vertragen.

“Training Day” im Schuldeneintreiber-Milieu ergibt “Pay Day”

Ansonsten macht dieser „Training Day“ für Schuldeneintreiber erstaunlich viel Laune. Die Darsteller (darunter noch Michael Pare („100 Feet“) und Vladimir Kulich („Cracker Jack“)) sind sichtlich engagiert bei der Sache. Die optisch sehr ansprechende Umsetzung von „Pay Day“ überzeugt und macht einen angenehm wertigen Eindruck. Und auch wenn „Pay Day“ nun kein spektakuläres Actionfeuerwerk sondergleichen geworden ist, weiß die sauber und profund in Szene gesetzte Action durchweg zu gefallen. Kleinere Ungereimtheiten gegen Ende hätte man aufgrund der sonstigen Qualitäten des Filmes sicherlich gerne übersehen, doch leider hat Jesse V. Johnson etwas überambitioniert noch einen Stolperstein in seinen Film eingebaut. In Schwarzweiß gereichte Bilder von zunächst glücklich weidenden Kühen, die im Verlauf des Filmes ihrem Schicksal zugeführt werden, sollen metaphorisch den annähernd ähnlichen Weg unserer Helden unterstreichen. Keine Ahnung, warum der Regisseur meinte, diese überflüssigen Momente einbauen zu müssen. Sehen will man zugehörige Bilder nicht unbedingt. Und helfen wollen sie seinem Film auch nicht.

Nach dem viel gelobten “Accident Man” dürfte “Pay Day” so manchen Scott-Adkins-Fan enttäuschen. “Pay Day ist nicht annähernd so comicesk und mitreißend in seinen Actionszenen. Eher erinnert der Streifen an deutlich frühere Werke seines Regisseurs. An “The Butcher” oder “Charlie Valentine“. Nur dass “Pay Day” lockerer ist, leichter, grooviger und zugänglicher.

7 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 26. April 2018 von dem Label Black Hill Pictures und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Neben ultrakurzen geschnittenen Szenen hat man auch den Soundtrack zum Film auf den Scheiben abgelegt! Sehr löblich!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Black Hill Pictures__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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