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Piggy Banks

Originaltitel: Piggy Banks__ Herstellungsland: USA__ Erscheinungsjahr: 2005__ Regie: Morgan J. Freeman__ Darsteller: Jake Muxworthy, Lauren German, Gabriel Mann, Tom Sizemore, Kelli Garner, Joel Michaely, Dylan Sprouse, Drew Osborne, Lin Shaye, …

Born Killers

In den USA “Born Killers”…

Piggy Banks

…hierzulande “Piggy Banks”

“Piggy Banks” (2005) dürfte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit viele von einer fehlerhaften Erwartungshaltung geleitete Zuschauer “auf dem falschen Fuß erwischen”, da einige der gewählten Cover-Motive, Inhaltsangaben, Trailer und Taglines (á la “Where blood spills, cash flows.” oder “Life is cheap, death is profitable.”) durchaus den Anschein erwecken, es würde sich bei dem Werk um etwas in der Art eines “blutrünstig-reißerischen Serienkiller-Flicks” handeln. In den USA wurde der Titel sogar hin zu “Born Killers” geändert, als der Streifen seine dortige Veröffentlichung erfuhr. Dieser möglicherweise heraufbeschworene Eindruck ist so jedoch falsch – denn stattdessen entpuppt sich dieser kleiner “Indie” relativ zügig als ein ebenso ruhiges wie “abgründig-düsteres” Psycho-Drama, das einen erfreulich anderen “Pfad” beschreitet, als einem die Vermarktung im Vorfeld offenbar glauben lassen möchte…

Nach dem Tod ihrer Mutter, mit dem sie sich in ihrer Kindheit konfrontiert sahen, wurden die Brüder Michael und John Vanderslip von ihrem nach neun Jahren zu ihnen wiedergekehrten Vater (Tom Sizemore) aufgezogen: Einem mehrfachen Raub-Mörder, der ihnen regelmäßig “nicht ganz neuwertige” Geschenke überreichte, auf denen gelegentlich noch die Namen der “unglückseligen Vorbesitzer” zu finden waren. Gemeinsam zogen sie fortan durchs Land – nisteten sich stets in irgendwelche Häuser ein, deren Eigentümer man sich kurzerhand “entledigte”. Seinen Nachwuchs “formte” Dad dabei gemäß seiner eigenen “Philosophie”, die er ihnen nachhaltig einprägte sowie tagtäglich vorlebte, und welche besagt, dass Menschen wie “Sparschweine” anzusehen seien: Wenn man etwas benötigen würde – wie z.B. Dollar, Nahrungsmittel oder eine Unterkunft – müsse man nur einen von ihnen “aufschlagen” und “das Vorgefundene” entsprechend nutzen…

Heute sind beide in ihren ’20ern und handeln getreu ihrer Erziehung: Ein Leben ist ihnen nichts wert – das Töten ist für sie zur Routine geworden. Seit ihr Vater vor einigen Monaten allein zu einem seiner Trips aufgebrochen war und nicht mehr zurückkam, reisen sie zu zweit umher. Während Michael (Gabriel Mann) impulsiv handelt, Kontakte sucht und zum Teil sichtliches Vergnügen an den Taten findet, ist John (Jake Muxworthy) dagegen abschätzender, distanzierter, meidet das Risiko und mordet “nur wenn nötig” (ihnen also das Geld ausgegangen ist oder so). Eines Tages treffen sie auf ein Mädel namens Archer (Kelli Garner), welches dank ihres “Freigeists” etwas in beiden erweckt, das ihnen bis dato fremd war. Obgleich sie sie dennoch töten, lässt diese Begegnung speziell in John ungewohnte Emotionen sowie “reflektierende Gedanken” erkeimen – worauf es wenig später zu einer Auseinandersetzung zwischen ihnen kommt, am Ende derer er Michael erschießt…

Per Zufall entdeckt er im Folgenden verschiedene von seinem Bruder versteckte Schriftstücke, aus denen hervorgeht, dass Michael scheinbar heimlich Kontakt zu ihrem Dad hatte sowie auf diese Weise sogar in Erfahrung bringen konnte, dass jener offensichtlich ein Doppelleben führte, im Zuge dessen er sogar eine Tochter mit einer anderen Frau als ihrer Mom zeugte. Schlagartig ist seine zuletzt verspürte “existenzielle Orientierungslosigkeit” verschwunden: Sein Ziel wird es, seine Halbschwester Gertie (Lauren German) zu töten. Nach einigen Recherchen klopft er schließlich bei ihr an der Haustür und gibt sich als Mormone aus, um so Einlass gewährt zu erhalten und sein Vorhaben umzusetzen. Nicht bloß da Gertie ihn von Fotos her wiedererkennt, kommt es allerdings ganz anders: Augenblicklich fühlen sie sich wie “zueinander hingezogene Seelenverwandte” – woraus eine leidenschaftliche Liebesbeziehung entsteht…

Im Grunde unterteilt sich “Piggy Banks” in zwei Hälften: Die erste beinhaltet primär das Aufzeigen der “Vanderslip-Vorgehensweisen” und entfaltet sich partiell non-linear in ihrer Struktur – in die Kindheit zurückreichende Flashbacks sowie einzelne unchronologisch angeordnete Sequenzen mit inbegriffen – während die zweite deutlich gradliniger und ruhiger daherkommt sowie sich vorrangig auf die “zwischenmenschlichen Drama-Anteile” der Story konzentriert. Ein Voiceover gestattet dem Publikum dabei Einsichten ins “Innenleben” des Haupt-Protagonisten: Einerseits betrachtet John die Morde aus einer sehr rationalen, nüchtern kommentierten Perspektive, da sie seit klein auf zu seinem in dieser Hinsicht pervertiert darwinistisch geprägten Alltag gehören – auf der anderen fördern sie seine Unsicherheiten zutage, die letztlich in einem Prozess resultieren, der ihm zu einem neue Möglichkeiten und Anschauungen gewährenden “Blick über den bisherigen Tellerrand hinaus” befähigt. Michael´s und seine Ansichten weichen in speziellen Aspekten merklich voneinander ab – was irgendwann zum unausweichlichen Bruch zwischen ihnen führt, der “radikal” vollzogen wird und einen klaffenden “Spalt” innerhalb seines Daseins hinterlässt. Es ist Gertie, die jenen mit einem unerwarteten, in einer unklaren Form allerdings herbeigesehnten “Sinn” füllt und einen sogar an so etwas wie eine “Chance auf Wandlung bzw. Läuterung” für ihn denken lässt – unabhängig des Wissens, dass er sie eigentlich in keiner Weise verdient…

Die Charaktere – inklusive all ihrer Facetten, Eigenheiten und Entwicklungen – bilden die maßgebliche Stärke dieses entsprechend auch bewusst so ausgerichteten Films. Eingangs lernen wir John als einen Menschen kennen, der zu anderen Personen als zu seinem Bruder meist eine “eisige Distanz” hält. Jene sind für ihn im Prinzip nur “Mittel zum Zweck”, auf die man nach Bedarf zurückgreift. Aus diesem Grund sind ihm seine Taten egal – obgleich ihm vollkommen bewusst ist, was er da tut. Diese größtenteils “anerzogenen Merkmale” werden aber von in ihm aufsteigenden Gefühlen überlagert, als er – inzwischen von Michael losgelöst – Gertie trifft und ihr näherkommt: Eingangs genießt er sie – denn er kann sich auf angenehme Weise “in ihnen verlieren” – doch als es dann mal (so wie in jeder Beziehung) “komplizierter” wird, beginnt er an den auf ihn einwirkenden ungewohnten Empfindungen (wie z.B. die Angst davor, dieses gefundene Glück wieder verlieren zu können) zu “zerbrechen”. Dass uns das – seiner zuvor begangenen Verbrechen zum Trotz – als Zuschauer nicht “egal” ist, liegt nicht unerheblich an dem Nuancen-reichen Spiel Jake Muxworthys (“Borderland”), der weitestgehend die nötige “emotionale Bandbreite” aufbietet und somit das Gebotene glaubhaft vermittelt. Ihm zur Seite steht der ebenso überzeugend agierende Gabriel Mann (“Psych: 9“), der Michael – welchem weiterführende Überlegungen fremd sind und dem seine Handlungen durchaus “Freude” bereiten, da ihm diese ja stets Vorteile verschaffen – die nötige Dosis “bedrohlich-impulsive Energie” verleiht, die ihn derart beängstigend erscheinen lässt…

In Rückblenden ist der in den vergangenen Jahren ja beruflich wie privat ein ziemliches Stück weit “abgerutschte” Tom Sizemore (“Atomica“) zu sehen, der hier allerdings anschaulich beweist, dass er seinen Job eigentlich noch immer prima beherrscht. Die von ihm gewohnte Herangehensweise passt perfekt zu dem Part: Geradezu locker anmutende, einer verqueren Logik folgende Sprüche mit “tiefen Abgründen” dahinter; die “Grenze zwischen Ruhe und Sturm” hauchdünn. Leider ist seine Screen-Time begrenzt – was angesichts seiner “Präsenz” schade ist. Erneut weiß Kelli Garner (“Horns“) in Gestalt einer ansprechenden Performance zu gefallen: Ihre prägnante Verkörperung Archers bleibt nicht bloß John nachhaltig im Gedächtnis haften – und das weit über eine illustrative Demonstration, warum lesbischer Sex wesentlich intensiver ist als heterosexueller, hinaus. Wahrlich herausragend tritt jedoch Lauren German (“the Divide“) in Erscheinung, welche ihre komplexe Figur bündig “mit Leben ausfüllt”: Gertie ist clever, sexy, tough sowie auf der Suche nach Geborgenheit und ihrem eigenen “Seelenfrieden” – und Lauren vereint und vermittelt die verschiedenen Ausprägungen ihres Charakters schlichtweg anstandslos. Sie ist quasi das “Licht” in dieser ungemein düsteren Geschichte, welches selbst bis in John´s “innerste Dunkelheit” vorzudringen vermag. Ohne seiner starken Besetzung – zu der übrigens auch noch Lin Shaye (“Abattoir“) zählt – wäre “Piggy Banks” nur halb so gut, denn jene holt das Beste aus Newcomer Kendall Delcambre´s (generell als “solide” einzustufendes) Drehbuch heraus…

Regisseur Morgan J. Freeman (“Homecoming”) hat alles “nüchtern” in Szene gesetzt – verließ sich also auf eine realistische, nicht irgendwie “künstlich arrangierte” Atmosphäre. In Sachen Gewaltdarstellung näherte er sich der Materie gleichermaßen inspiriert an: Die betreffenden Gräueltaten finden weitestgehend “off Screen” (unmittelbar außerhalb der gewählten Perspektive) statt – werden nie direkt ins Blickfeld gerückt und demzufolge meist nur angedeutet. Effektiv bleiben die blutigen Details der Vorstellung überlassen: Der “wahre Horror” wird nicht durch die Präsentation von “Exploitation-Material” erzeugt – sondern indem man sich unweigerlich eigenständige Gedanken über diese gestörten Individuen macht, die regungslos töten und dabei keinerlei Reue verspüren. Besonders als Gertie die Bildfläche betritt und der Verlauf die erwähnte veränderte Richtung einschlägt, wird die subjektive Meinungsbildung umso stärker angesprochen: Wie man Elemente wie die inzestuöse Beziehung der Halbgeschwister für sich selbst aufnimmt, hängt von der jeweiligen Betrachtungsweise ab. Ihre Gefühle füreinander werden wie die eines normalen Paares präsentiert: Zart, warmherzig, ehrlich und “fragil” sowie viele typische partnerschaftliche Momente aufweisend, die von Picknicks bis hin zu leidenschaftlichen Geschlechtsverkehr reichen. Gewiss werden sich einige daran stören – ebenso wie eventuell am “fehlenden” Gore oder dem Bestreben, John (vorwiegend im finalen Drittel) wie ein “echtes menschliches Wesen” zu portraitieren, statt nur als einen “seelenlosen Mörder” – aber genau das ist es, was dieses Werk eher in die “Tradition” solcher á la “Henry: Portrait of a Serial Killer” eingliedert…

Neben einigen wirklich gelungenen Dialogzeilen injizierte das Skript einzelnen Situationen einen unaufdringlichen “pechschwarzen” Humor, der ersprießlich zum bisweilen doch “tendenziell bizarr” anmutenden Inhalt passt. Unabhängig der Eigenschaften, die sich in die Rubrik “Ansichtssache” einordnen lassen (siehe die oben genannten), gibt es allerdings auch einige kleinere Schwächen, die leider jeweils mehr oder minder offensichtlich ins Auge fallen: Man nehme da nur mal die Tatsache, dass die Cops der Familie in all den Jahren anscheinend nicht einmal ansatzweise auf die Spur gekommen sind – und das trotz der zig Leichen bzw. verschwundenen Personen. Zudem hätte ich gern mehr über den Vater der Jungs und seine Hintergründe erfahren – wogegen ich auf das erneute Einbinden des Schachspiels als eine offenbar bevorzuge “Freizeitbeschäftigung” von Soziopathen durchaus hätte verzichten können. Zum Glück überwiegen “unterm Strich” die positiven Faktoren mehrheitlich, zu denen diverse einprägsam-eindringliche Szenen zählen – unter ihnen eine mit Sizemore, in der er einem seiner Film-Söhne verschiedene “Verwendungsmöglichkeiten” für Gürtel erläutert, ein Hinweis Johns in Richtung einer Mutter, ihren Sohn beim Shopping besser nie unbeaufsichtigt im Wagen zu lassen, oder Michael, wie er (blutüberströmt von einem gerade begangenen Mord) infolge der Nachricht, dass ein Homosexueller das Portemonnaie seines Bruders gestohlen hat, einen zügellosen Lachanfall erleidet. Und so bleibt mir abschließend jetzt im Grunde bloß noch zu erwähnen, dass mir die zweite, also die ruhigere Hälfte besser gefiel als die erste, u.a. da sie den Streifen letzten Endes erfreulich von der Mehrheit artverwandter “Genre-Massenware” abhebt…

Fazit:  “Piggy Banks” (aka “Born Killers”) ist ein düsteres, ungemütliches, gut gespieltes und ordentlich inszeniertes Psycho-Drama – eine kleine Independent-Produktion, die nicht primär auf Blut und Gewalt setzt, sondern vorrangig auf ihre Charaktere und die “abgründige” Geschichte, innerhalb derer eben jene agieren…

Hierzulande ist “Piggy Banks” seit 2007 auf DVD erhältlich – wogegen mir bis heute (05/2019) generell noch keine BluRay-Veröffentlichung des Streifens bekannt ist...

Stefan Seidl

Piggy Banks

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Piggy Banks

Copyright der “Piggy Banks” Covermotive und Screenshots der britischen DVD: Hudson River Entertainment / SHRINK Media Inc. / American World Pictures / Lionsgate (US) / In2film, Metrodome (GB) / Sunfilm Entertainment (D)__ Infos zur dt. VÖ:__ Freigabe: FSK-16__ DVD/BluRay: ja/nein__

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Categorised in: Sonstige Highlights, the Horror Pit

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