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Pompeii

Originaltitel: Pompeii__Herstellungsland: Deutschland, USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Paul W.S. Anderson__Darsteller: Kit Harington, Carrie-Anne Moss, Emily Browning, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Jessica Lucas, Jared Harris, Kiefer Sutherland, Rebecca Eady, Jean Frenette, Currie Graham u.a.
Pompeii

Paul W.S. Anderson lässt “Pompeii” vom Vesuv einäschern.

Nordbritannien im Jahre 62. Die Kelten lehnen sich gegen die römische Besatzung auf. Darunter auch der Reiterstamm des kleinen Milo. Als die Römer den Aufstand brutalst niederschlagen, metzeln sie auch den Stamm von Milo nieder – einschließlich seiner Eltern. Der Junge, der Zeuge des Gemetzels wird, entkommt, indem er sich tot stellt. Doch kurz darauf wird er von Sklavenhändlern gefunden, nach London verbracht und verkauft. Fortan wird er über Jahre hinweg zum Gladiator ausgebildet und beeindruckt die Massen mit seinen Fähigkeiten. Als ein römischer Präfekt den Kelten in der Arena wüten sieht, nimmt er ihn und andere fähige Gladiatoren mit zu sich nach Pompeii, wo sie das Volk „bespaßen“ sollen.

Schon auf dem Weg nach Pompeii kreuzen sich erstmals die Lebenswege von Milo und der jungen Adligen Cassia. Deren Vater ist ein reicher Kaufmann Pompeiis, der seine Heimatstadt gerne zu einem zweiten Nabel der Welt ausbauen würde. Genau dafür braucht er auch die neuen Gladiatoren, denn wenn er die Zustimmung Roms für seine Bauvorhaben haben will, muss er die römischen Abgesandten mit perfekten Spielen beglücken. Sein Plan: Den neuen Star Milo gegen seinen erfahrensten Gladiator Atticus antreten lassen. Was er zunächst nicht ahnt: Seinem römischen Verhandlungspartner Corvus sind die Gladiatoren-Rangeleien ziemlich egal. Er ist vielmehr scharf auf des Kaufmanns Tochter und macht eine Zustimmung zu den Bauplänen von einer gemeinsamen Zukunft mit Cassia abhängig. Doch diese ist längst in den Gladiator Milo verschossen. Dem würde eine Konfrontation mit Corvus nur gelegen kommen, immerhin schlachtete dieser einst seine Familie ab…

Pompeii

Milo und sein bester Kumpel Atticus.

Wenn man „Pompeii“ (ich halte mich einmal an die Schreibweise des Films) betrachtet, erkennt man schon, was Regisseur Paul W.S. Anderson („Resident Evil: Retribution“) mit seinem Film vorschwebte. Eine ordentliche Ladung Romantik hier, viel Standesdünkel-Heckmeck da und ein Eisberg in Form eines riesigen Vulkans. Dazu noch ein wenig Sandalen-Film-Action und schon ist der leicht variierte Titanic-Wiedergänger fertig. So der allzu offensichtliche Plan. Leider ist ein Anderson noch lange kein Cameron und so geht „Pompeii“ früh die Puste aus.

Dabei haut Anderson in dem finalen Drittel wundervoll auf die Pauke. Präsentiert einen entfesselten Vulkan, der mit lautem Getöse eine ganze Stadt unter seinen Innereien begräbt und dank megastarker Special Effects Schauwert um Schauwert auffährt. Das Problem ist nur: Das Riesenspektakel, es mag nicht mitreißen. Und das liegt daran, dass Anderson es bereits in den ersten Minuten verbockt. Fast schon sklavisch hakt er die Katastrophenfilmklischees ab. Und das so hölzern und steif, dass man an allen Ecken und Enden die Papierseiten des Drehbuchs rascheln hört. Zudem agiert Anderson in Bezug auf seinen Hauptdarsteller, den Vulkan, vollkommen antiklimaktisch. Sein Vulkan kündigt seinen Ausbruch nicht an, indem er von den kleinen Warnsignalen kommend immer spektakulärer wird, nein, Anderson geht es genau andersherum an. Gleich in der ersten Szene lässt er den Boden aufreißen, die Erde beben und drückt den Zuschauer in den Sitz. Und wo man sich nun eine Steigerung der Warnsignale erhofft, rieselt fortan nur noch Sand von der Decke und wackelt mal ein wenig die Inneneinrichtung der Häuser Pompeiis.

Pompeii

Der Vesuv, eigentlicher Hauptdarsteller von “Pompeii”.

Bricht der Vulkan dann aus, beendet er die Leben von echten Drehbuchleichen. Das Buch von Janet Scott Batchler, Lee Batchler und Michael Robert Johnson ist so leblos und blass geraten, dass man von allen Figuren rein gar nichts erfährt. Man mag auch gar nicht mehr von einer funktionalen Figurenzeichnung reden, denn diese Figuren sind wirklich vollkommen gesichtslos. Was insofern schade ist, dass sich die Hauptdarsteller durchaus bemühen, ihren Figuren so etwas wie Leben einzuhauchen. Doch gegen die ab und an arg schwülstigen Zeilen, peinlichen Fremdschämmomente (Die Pferdeflüsterer-Einlagen sind ganz ganz übler Kitsch) und nichtssagenden Worthülsen kommen sie in den seltensten Fällen an. Und so bleibt vieles in dem Film, auch und vor allem die große Liebesgeschichte, nichts weiter als eine Behauptung. Eigentlich schaffen es nur zwei Darsteller, in dem mit Kit Harington („Game of Thrones“), Carrie Anne-Moss („Sabotage“), Emily Browning („Sucker Punch“) und Jared Harris („Ein Vater zuviel“) eigentlich ziemlich gut besetzten Film, so etwas wie Glanzlichter zu setzen: Zum einen wäre da Kiefer Sutherland („Renegades“) zu nennen, der mit seiner Gift und Galle spuckenden Performance zwar einen fiesen Übelwicht entwerfen darf, von dessen Eindimensionalität aber ordentlich ausgebremst wird. Zum anderen wäre da der irre charismatische Adewale Akinnuoye-Agbaje („Shootout“) als Atticus, der als Ruhepol des Filmes eine echte Bereicherung ist und es extrem gut versteht, den etwas farblosen Kit Harington als Emo-Gladiator Milo in den gemeinsamen Szenen mitzuziehen.

Pompeii

Komm Kit, lass uns einen besseren Film machen!

Doch diese beiden Aktivposten sind einfach nicht genug, um den Zuschauer wirklich in den Film eintauchen zu lassen. Beinahe teilnahmslos sieht man folglich im Showdown zu, wie Anderson eigentlich alles richtig macht und ein perfektes Weltuntergangsszenario entwirft. Und auch sonst macht Anderson in der Action eigentlich viel richtig. Zugegeben, sie fällt sehr blutleer aus, vor allem wenn man bedenkt, dass sich der Film lange Zeit auf dem Gladiatoren-Storystrang ausruht, aber sie hat ordentlich Druck und wird von Anderson sehr flott und gut choreographiert in Szene gesetzt. Highlight ist dahingehend freilich die in einer Arena nachgestellte Niederschlagung des Keltenaufstandes. In der Szene kitzelt Anderson auch aus der bis dahin wirkungslosen 3D-Technik einige kleine Kabinettstückchen heraus. Abseits der Action inszeniert Anderson stilsicher und kann sich auf eine großartige Ausstattung und ein äußerst lebendiges Pompeii verlassen, das eindrucksvoll via Rechentechnik zu neuem Leben erweckt wird. Auch der eingesetzte Score passt zu einem ursprünglich episch geplanten Streifen und bedient sich offen bei einigen Themen aus der TV-Serie „Spartacus“!

Rein produktionstechnisch ist also alles da, um aus „Pompeii“ ein richtiges Katastrophenfilm-Epos zu gestalten, aber Anderson ist kein Regisseur, dem große Liebesgeschichten und erst recht großes Drama federleicht von der Hand gingen. Im Gegenteil, lange Zeit quält sich sein seelenloser, kaltlassender Film förmlich dahin und irgendwann hat man das Gefühl, dass die Männerfreundschaft zwischen Milo und Atticus von mehr Zuneigung geprägt ist, als die zwar ausgesprochene, aber nie gespürte bzw. gelebte Liebesgeschichte um Milo und Cassia. Wenn Anderson deren ersten gemeinsamen Kuss herauszögert, bis sich im Hintergrund die genial getricksten Feuerwalzen aufbauen, kann man sich ein peinlich berührtes Lachen nicht mehr verkneifen. Der Todesstoß für einen Film, der diese Szene als emotionales Highlight plante und mit einem geschmacklosen und vor allem nichtssagenden Schlussbild krönt. Doch um fair zu bleiben, sei erwähnt, dass der Ausbruch des Vesuvs eindrucksvoller nicht hätte ausfallen können. Wenn hier Lavabomben und Gesteinsregen auf die Bürger Pompeiis niedergehen, ein riesiger Tsunami Galeeren durch die Straßen der Stadt peitscht und eine alles verzehrende Feuerwand ihren todbringenden Atem über die einst so reiche und lebendige Stadt niedergehen lässt, dann bekommt man eine Ahnung davon, wie „Pompeii“ mit einem vernünftigen Drehbuch und unter der Führung eines versierteren Regisseurs hätte aussehen können. So bleibt zumindest nett bebilderte Unterhaltung für den verregneten Nachmittag.

Der Film läuft ab 27. Februar 2014 in den deutschen Kinos, kommt von Constantin Film und ist mit einer FSK 12 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Constantin Film Verleih GmbH__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 27.2.2014 in den deutschen Kinos

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