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Poseidon Rex

Originaltitel: Poseidon Rex__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Mark L. Lester__Darsteller: Brian Krause, Anne McDaniels, Steven Helmkamp, Candice Nunes, Berne Velasquez, Gildon Roland, Pulu Lightburn, Remo, Phillip Coc, Serapio Chun u.a.
Poseidon Rex

Bevor Mark L. Lester mit den “Dragons of Camelot” absoff, ließ er den “Poseidon Rex” von der Leine!

Tausendsassa Jackson Slate sitzt in der Klemme. Er soll für einen miesen Lump einen seit Ewigkeiten verschollenen Maya-Schatz auftreiben. Ansonsten droht eine massive Bleivergiftung. Jackson wähnt das Schiff, das den Schatz einst transportierte, auf karibischem Meeresboden. Im sogenannten Blue Hole. Ein gigantisches Senkloch inmitten des Ozeans. Als Slate zum Boden des Blue Holes taucht, entdeckt er tatsächlich das Schiff, begraben unter zig Tonnen Sand und Gestein. Dieses gilt es weg zu sprengen. Doch bei der Sprengung geht etwas schief und etwas Gigantisches wird geweckt…

Nämlich der Poseidon Rex, das größte Raubtier der Geschichte, das mit einem Mordshunger gesegnet ist und ein Menschlein nach dem anderen verzehrt. Ehrensache, dass Slate es als seine Aufgabe versteht, dem Biest zu zeigen, wer in der Nahrungskette wirklich ganz oben steht…

„Poseidon Rex“ von Mark L. Lester („The Base“) steht ganz in der Tradition der zuletzt so zahlreich auf den Markt geworfenen Creature Features um riesige Kreaturen, die durch einen dummen Zufall geweckt werden und in der Folge Amok laufen. Man denke an Streifen wie „Amphibious“, „Sharktopus“, „Supergator“ und ähnlichen Unsinn. Dabei habe ich bewusst Titel gewählt, die nicht aus der „The Asylum“-Schmiede stammen, sondern eher aus der SyFy und Roger Corman Ecke kommen. Denn während die Asylum Produktionen irgendwann einfach total überdrehen und zu einer Art Hypertrash mutieren (man denke nur an „Sharknado 2“ und das Hai-Surfen), etablieren die Corman und SyFy Flicks meist ein bestimmtes Trashlevel und ziehen das dann konsequent bis zum Ende durch. So eben auch „Poseidon Rex“. Der wirft ein riesiges, urzeitliches Viech in die Waagschale, lanciert etwas „erklärenden“ Pseudounsinn drumherum und reduziert seine Handlung auf simpelstes „Mensch jagt Viech, während Viech Menschen jagt“ Gedöhns.

Und das bekommt Mark L. Lester ganz gut hin. Schade ist allerdings, dass sich der Humor von „Poseidon Rex“ rein aus seiner Dummheit nährt, während der Film aus sich selbst heraus so gar nicht lustig ist. Das macht dann freilich logische Fehler umso unverzeihlicher. Wenn man etwa einen seit Jahren verlassenen Army-Stützpunkt entert und dort im frei zugänglichen Waffenlager noch Raketenwerfer und Sturmgewehre inklusive Munition vorfindet, ist das schon arg dämlich. Und wenn Slate gegen Ende mit einem Flugzeug startet, um, so der Plan, das Viech zu ködern, stattdessen aber nur nutzlos in der Gegend herumfliegt, weil das Drehbuch den zuvor gefassten, tollkühnen Plan offensichtlich vergessen hat, ist man dann doch ein Stück weit genervt. Und man ist auch nicht bereit, dies dem Film zu vergeben. Er wollte ja ernst sein…

Auf technischer Seite regieren Licht und Schatten. Gedreht wurde in dem zentralamerikanischen Staat Belize, der am Karibischen Meer liegt. Das nutzt Mark L. Lester für tolle Bilder tiefblauer Gewässer und schöner Strände. Und auch die Unterwasserbilder sind echt gelungen. Im Übrigen ist „Poseidon Rex“ einer dieser dummen Filme, bei dem Taucher mit dem Mundstück der Atemflasche im Mund miteinander reden, als hätten sie Walkie Talkies in den Mundstücken versteckt. Aber hey, Trash muss so sein. Doch fernab der Gewässer wird es dann doch arg billig. Die Häuser sehen allesamt arg heruntergekommen aus. Eine Army-Base besteht aus einer Lagherhalle mit zwei Computerbildschirmen und anstelle des Insellebens von Belize bekommen wir irgendwelche Trampelpfade im Hinterland zu sehen.

Und das Viech? Nunja. Es funktioniert. Es sieht ganz nett aus. Und ein paar Auftritte des Kameraden sind durchaus gelungen. Dafür verdrängt Rexi kein Wasser, hinterlässt keine Fußstapfen an Land und scheint einige Male in der Szenerie zu schweben, weil das Compositing nicht funktioniert. Die Interaktion mit Menschen beschränkte man schlauerweise auf kräftige Happser, so dass Rexis Opfer mit einem Mal verschwinden und nicht noch deutlicher wird, wie schlecht die Kreatur manchmal ins Bild eingefügt wirkt. Lustig sind auf jeden Fall die Reaktionen der Figuren auf Rex. Achtet mal auf die Blicke bzw. die unterschiedlichen Blickwinkel. Köstlich. Auch der Beschuss von Rexi animiert zum Schmunzeln, denn meist schwenken die Leute dann ihre Knarre wild und her und scheinen auf ein schier unendlich breites und ebenso hohes Wesen zu schießen. Die CGI-Mündungsfeuer sehen ebenfalls sehr müllig aus und die Splatter-Effekte sind nicht der Rede wert. Sie stammen vollends aus dem PC und beschränken sich meist auf Blutwolken, die zurückbleiben, wenn Poseidon Rex zuschnappt.

Die Darsteller müssen den Film leider rundweg zu ernst nehmen, weshalb ihre Figuren nie so recht zünden. Nehmen wir Jackson Slate. Prinzipiell hat die Figur vollstes Potential, zu rocken, aber weder bekommt Darsteller Brian Krause (Ja, das „Charmed“-Schnuckel *hust hust*) coole Oneliner zugeschanzt noch darf er actionmäßig einen raushängen lassen. So wird der Held der Chose zum Totalausfall. Ein laufender Witz dagegen ist Anne McDaniels („The Gambler“) als Meeresbiologin Sarah, die man schon aufgrund ihrer wasserstoffblonden Haare nicht ernst nehmen kann und die alle Sexbomben-Klischees erfüllen darf: Dicke Hupen plus ultrakurze Hot-Pants, die von Einstellung zu Einstellung in der Länge variieren, plus vollkommen intelligenzbefreites Dahergelaber. Dennoch mag man sich selbst bei ihr nicht beölen vor Lachen, weil Sarah eben die einzige Figur ist, die in Klischees absaufen und sie voll bedienen darf. Und genau darum wie ein Fremdkörper im Film wirkt. Nichtmal die peinlichen Rastafari-Lumpen des Filmes funktionieren.

Was bleibt, ist ein unterdurchschnittliches, gerüttelt unterhaltsames Creature Feature, dem man am meisten zugute halten muss, dass es sich trotz seiner Grundidee um ein gigantisches Urzeitviech nicht vollends in „The Asylum“ Eskapismus-Gefilde flüchtet. Klar, auch der tierische Held von „Poseidon Rex“ darf mal auf dem Festland herum stampfen und zunehmend größere Appetithappen in Form vollbesetzter Boote zu sich nehmen, dennoch bleibt der Film abgesehen von seiner Grundidee halbwegs bodenständig und will nicht immer noch mehr abliefern. Leider nimmt sich der Film selbst viel zu ernst und auch seine Darsteller vermögen es nicht, die ganze Chose ironisch aufzubrechen. Und wieso sich für einen Mark L. Lester Film keine Bikinischönheiten nackt machen wollen, geht mir auch nicht in den Kopf. Ein paar Hupen müssen doch in so einem Film drin sein! Und ein paar herzhaftere Splatter-Effekte hätten dem Film auch nicht geschadet. Von einem größeren Budget ganz zu schweigen. Was dagegen gefällt sind die tollen Bilder von Belize und freilich diverse unfreiwillig komische Momente. Wenn etwa Rexi auf der Oberfläche des Meeres läuft, nachdem man ihn vorher inszenierte, wie er aus 30-40 Meter Tiefe in Richtung seiner Opfer auftaucht, ist dann schon ganz groß. Oder wird uns Rexi hier als Vorfahre des heutigen Wasserläufers präsentiert? Oder hat er etwa einst Jesus gelehrt wie man übers Wasser wandelt? Fragen über Fragen. Wo bleibt Teil 2? Der könnte nach dem Vollflop „The Dragons of Camelot“ ein Comeback von Mark L. Lester einläuten…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt vom MVL-Medienvertrieb Lauenstein und ist mit einer FSK 16 ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: MVL-Medienvertrieb Lauenstein__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Creature Feature, Reviews

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