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Predestination

Originaltitel: Predestination__Herstellungsland: Australien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Michael Spierig, Peter Spierig__Darsteller: Ethan Hawke, Noah Taylor, Sarah Snook, Christopher Kirby, Madeleine West, Jim Knobeloch, Freya Stafford, Tyler Coppin, Cate Wolfe, Elise Jansen, Lucinda Armstrong Hall u.a.
Predestination

Wer war zuerst da? Die Henne oder das Ei? “Predestination” hievt diese Frage auf ein vollkommen neues Level.

Ein sehr androgyner Gast betritt eine Bar. Der Kerl hinter der Theke verwickelt den Gast in ein Gespräch. In dessen Verlauf bietet der Gast dem Barkeeper eine Wette an. Er verkündet, dass er ihm eine Geschichte erzählen werde, die er so garantiert noch nie gehört habe…

Die Geschichte beginnt auf den Stufen eines Waisenhauses. Hier findet die Heimleitung ein ausgesetztes Baby auf. Dieses tauft man auf den Namen Jane. Jane wächst fortan behütet in dem Waisenhaus auf und lernt sich durchzusetzen. Einmal erwachsen tritt sie einem Programm bei, dass Frauen für Weltraumflüge fit macht. Immerhin bräuchten die Astronauten auch etwas Abwechslung. Jane ist Feuer und Flamme für das Programm, wird aber eines Tages unvermutet aus selbigem geschmissen.

Sie schlägt sich mit diversen Jobs durchs Leben, bis sie erstmals einen Mann trifft, der sie vollständig macht. Der das hässliche Entlein, für das Jane sich immer hielt, versteht und die junge Frau akzeptiert, wie sie ist. Doch Janes angeblicher Traummann verschwindet eines Tages sang und klanglos. Allerdings hat Jane kaum Zeit, wütend zu sein, denn sie ist unverhofft schwanger von ihrem Liebsten. Bei der Entbindung stirbt sie beinahe, doch die Ärzte retten sie. Allerdings müssen sie dazu Janes Geschlecht ändern. Aus Jane wird John. Und als wäre dies nicht schon schlimm genug, wird auch noch ihr Baby aus dem Kreißsaal entführt…

Am Ende der Story weiß der Barkeeper, wer ihm da gegenüber sitzt. Es ist Jane bzw. John. Bis zu diesem Punkt schlug der Film schon einige Volten und gab sich leicht angeschrägt. Denn das Leben von Jane/John ist definitiv kein gewöhnliches. Doch diese Story ist nur der Anfang von „Predestination“. Denn dieser startet erst so wirklich durch, wenn der Barkeeper folgenden verhängnisvollen Satz gesprochen hat:

„Wenn ich Ihnen diesen Mann brächte, der Ihr Leben zerstört hat. Und wenn ich Ihnen garantieren könnte, dass Sie davonkommen… Töten Sie ihn?“

Predestination

Barkeeper oder doch viel mehr? Ethan Hawk darf erst ab der zweiten Filmhälfte aufdrehen.

Ab sofort spielen ein skrupelloser Bombenleger, Zeitreisen und Zeitmanipulationen sowie deren Folgen die Hauptrollen in „Predestination“, der bis hierher schon clever erzählt war, nun aber noch einmal deutlich nachlegt und diverse Story-Wendungen bereithält. Nicht alle davon sind unvorhersehbar, treten sie dann allerdings ein, ist man dennoch baff. Weil die Spierig Brothers unverhofft konsequent die Trümpfe ihrer Story ausreizen und keine Kompromisse eingehen. Selbige beruht im Übrigen auf einer Kurzgeschichte von Robert A. Heinlein („Starship Troopers“): „All you Zombies“ heißt das gute Stück und dreht sich rund um Zeitreise-Paradoxien. Und mit ebenjenen spielt nun auch „Predestination“ in einem reizvoll retrofuturistischen Setting, das Zukunftselemente wie Zeitreisen fest in den 80er Jahren verankert und am liebsten noch weiter zurück in die Vergangenheit reist, um dort die Zukunft in „Minority Report“-Manier zu richten.

Dreh-und Angelpunkt ist dabei Sarah Snook („Sleeping Beauty“), die als Jane/John eine absolut famose Schauspielleistung abliefert und mit ihrem präzisen Spiel sogar ihren Co-Star Ethan Hawke mehr als einmal an die Wand drückt. Ihr geht dabei die Rolle der von sich überzeugten und gleichzeitig verletzlichen jungen Jane genauso leicht von der Hand wie der verbitterte, zutiefst vom Leben enttäuschte John. Ethan Hawke („Gesetz der Straße“) wird vor allem in der ersten Hälfte zum Zuhörer degradiert, legt in der zweiten Filmhälfte aber deutlich zu und macht den Film, der trotz umfangreicher Besetzung als Zweipersonenstück sehr treffend umschrieben ist, richtig rund. Von den restlichen Darstellern bleibt eigentlich nur Noah Taylors („Mindscape“) Performance ansatzweise in Erinnerung.

Predestination

John oder Jane? Wer weiß das schon so genau?

Die Spierig Brothers inszenieren ihren Film sehr farbsatt und setzen dabei vor allem auf erdige und warme Brauntöne. Dabei setzen sie ihren Film in aller Breite in Szene. Lassen ihre Story atmen und setzen auf eine elegante, beinahe elegische Kameraarbeit. Langsame Schwenks und lange Einstellungen dominieren den Film. Action kommt dabei kaum auf. Auch die Effekte sind trotz der Zeitreisethematik sehr subtil gesetzt und fallen großteils gar nicht auf. Die Regisseure stellen ihre in „Undead“ und „Daybreakers“ aufgezeigten inszenatorischen Fertigkeiten vollends in den Dienst ihrer Story und machen genau damit alles richtig. Der tolle Soundtrack von Peter Spierig rundet den audiovisuellen Hochgenuss trefflich ab.

Was am Ende bleibt, ist der Film zu dem Henne-Ei-Paradoxon, der zudem fragt, welche Rolle eigentlich dem Hahn in dieser Konstellation zukommt. Das Ergebnis ist ein grandios verschachtelt erzähltes, zum Ende hin immer spannenderes, wild fantasierendes, toll gespieltes und technisch tadellos umgesetztes Filmerlebnis. Leider ahnt man die eine oder andere Wendung immer einen Ticken zu früh. Gleichzeitig wird man von den verblüffend konsequent umgesetzten Volten auf immer neue Mindfuck-Touren geschickt, während denen man das bisher Gesehene immer wieder aufs Neue hinterfragt und in neue Zusammenhänge bringt. Nur die Henne-Ei-Problematik, die löst auch „Predestination“ nicht…

Die deutsche DVD/Blu-ray zum Film erscheint am 5. Februar 2015 von dem Label Sunfilm/Tiberius Film und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Sunfilm/Tiberius Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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