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Prince of the City

Originaltitel: Prince of the City__Herstellungsland: Malaysia__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Roslan Hussin__Darsteller: Julian Cheah, Michael Madsen, Aaron Aziz, Jehan Miskin, Tara Wallace, Nabihan Yaacob, Wan Hanafi Su, Himanshu Bhatt, Kenji Sawahii, Yank Kassim u.a.
Prince of the City

Michael Madsen scheint sich seine aktuellen Projekte so auszusuchen, wie sie mit seinem Urlaubsplan zusammenpassen. Diesmal zog es ihn nach Malaysia, wo er nebenbei “Prince of the City” drehte.

Als Jaggol Sibuya, Chef eines malaysischen, weltweit agierenden Unternehmens in Kuala Lumpur, beschließt, vom Tagesgeschäft zurückzutreten und einen Nachfolger an die Spitze seines Unternehmens zu lassen, kommt es zu einer handfesten Überraschung. Denn nicht Jaggols eigentlicher Sohn Putra sondern sein Adoptivsohn Prince soll von nun an die Geschicke der Firma leiten. Obwohl sich Putra nach außen hin sehr souverän ob dieser Entscheidung gibt, brodelt es spürbar in ihm. So braucht es nur wenig Zureden eines örtlichen Verbrecherbosses, um ihn davon zu überzeugen, Prince abzuschießen. Putra entsinnt eine Intrige, an deren Ende Prince als Mörder gebrandmarkt aus dem Land fliehen muss und Jaggol vor seiner Zeit das Zeitliche segnet.

In seinem französischen Exil wird Prince von Carlton angesprochen. Ein zwielichtiger Halunke, der die „geheimen“ Geschäfte – etwa Drogenschmuggel – von Jaggols Unternehmen überwachte. Er stachelt Prince an, sich zurückzuholen, was ihm gehört und Putra ordentlich eins auszuwischen…

„Prince of the City“ hat eigentlich alles, um als Beitrag aus Malaysia zum Thema Heroic Bloodshed durchzugehen: Freunde, die zu Feinden werden, Intrigen, Lügen, Mord und ganz viel Ehrgefühl. Dazu eine so simple wie funktionale Rachegeschichte und fertig ist der Actionhit. Nun ja, zumindest fast. Denn nur weil man diverse Topoi eines Genres zu bedienen vermag, ist es letztendlich doch die Umsetzung ebenjener, die über Wohl und Wehe eines Filmes entscheidet. Und da sieht es wiederum eher schlecht aus.

Das Hauptproblem ist der unfassbar blasse, langweilige und sich offensichtlich selbst anödende Hauptdarsteller Julian Cheah, dem es nicht einmal ansatzweiße gelingt, so etwas wie Involvement seitens des Publikums zu erzeugen. Ganz im Gegenteil: Eigentlich ist einem vollkommen Latte, ob Prince seinen Adoptivvater rächen kann und seine Führungsposition wieder erlangt. Der Darsteller des Bösewichts sieht zumindest besser aus als sein Antagonist, kann aber nicht für einen Cent schauspielern und verschwindet kurz nach der Einführung sang- und klanglos aus dem Film, um erst im Showdown wieder aufzutauchen.

Des Weiteren dauert es eine gefühlte Ewigkeit, bis die sich von Weitem abzeichnende Grundsituation endlich etabliert ist. Und selbst jetzt gelingt es „Prince of the City“ nicht, Spannung aufzubauen oder an Fahrt zuzunehmen. Eigentlich nehmen nun nur die Auftritte von Michael Madsen („Piranhaconda“) zu, der als Carlton durchaus so etwas wie Schauspiellust versprüht, letztlich aber auch nur overacted und einen wenig souverän wirkenden Charakter entwirft. Einzig die Tatsache, dass man nicht so recht weiß, was eigentlich wirklich auf Carltons Agenda steht, erzeugt durchaus etwas Spannung, wird aber wenig subtil nach dem Showdown aufgelöst.

Bis zu diesem Aufeinandertreffen schreitet der Film sehr hakelig voran. Prince wird gezeigt, wie man killt und untertaucht, dann werden ein paar Schergen von Putra gekillt und schon steht man auf dessen Anwesen und nietet alles und jeden um. Die dabei gebotene Action ist genauso saft- und kraftlos wie in den vorhergehenden Minuten. Die wenigen Fights wirken schwach choreographiert und noch schwächer inszeniert. Spektakuläre Aktionen sucht man vergeblich. Die Shootouts arbeiten zwar mit handmade Effekten, geraten aber nicht ansatzweise so exzessiv, wie jene der großen Heroic Bloodshed Vorbilder. So ist der Showdown auch innerhalb weniger Sekunden vorbei und „Prince of the City“ am Ende. Wortwörtlich…

Hier stellt der Zuschauer fest, dass der Film durchaus gut ausgesehen hat, man sich insgesamt aber mehr Bilder von Kuala Lumpur gewünscht hätte. Zwar drehte man nicht an den letzten Ecken der Millionenmetropole, die schönen Seiten der Stadt spart man aber ebenso weitgehend aus. Die Innensets geraten allerdings durchaus ansprechend und der dialoglastige Film wird von den auf echtem Filmmaterial gedrehten Widescreenbildern durchaus aufgewertet. Dafür ist der zu hörende Score, für den gleich drei Mann verantwortlich zeichneten, eine einzige rührselige Suppe geworden. Was letzten Endes bleibt, ist ein Film, der zwar diverse Heroic Bloodshed Motive bedient, diese aber nicht zu einem spannenden und mitreißenden Ganzen zusammenzusetzen vermag. Die lausige Dramaturgie, die schwachen Darsteller und die emotionslose deutsche Synchronisation brechen dem Film früh das Genick. Die wenigen Actionszenen können leider auch nichts reißen und ein Michael Madsen in Overactinglaune ist nicht unbedingt ein Kaufargument…

Die deutsche DVD/Blu-ray kommt von Starmovie und ist mit einer harschen FSK 18 Freigabe (entgegen unserer Coverabbildung oben, die von einer FSK 16 Freigabe kündet) uncut.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Starmovie__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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