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Project X

Originaltitel: Project X__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Nima Nourizadeh__Produktion: Joel Silver u.a.__Darsteller: Thomas Mann, Jonathan Daniel Brown, Oliver Cooper, Dax Flame, Nichole Bloom, Martin Klebba, Miles Teller, Sam Lant, Alexis Knapp, Alex Rose Wiesel, Rick Shapiro u.a.
Project X

Eine Party eskaliert und ihr seid live dabei: “Project X”

Nicht erst seit den Diskussionen um den Diebstahl geistigen und künstlerischen Eigentums in Zeiten der digitalen Revolution oder “berühmter” Doktorarbeiten bestimmter Gelfrisuren werden immer wieder Stimmen laut, dass generationenübergreifend die Missachtung fremden Eigentums zugenommen und bedenkliche Dimensionen erreicht hat. Wer sich nur zu gerne von diesen Theorien beeinflussen lässt, der sollte lieber einen großen Bogen um „Project X“ machen, das sich als Opus Magnum dieser Bedenken erweist und für kollektiv offen stehende Münder sorgen könnte. Vor allem, wenn gegen Ende die Vorgartenterroristen und Hauptfiguren des Streifens für ihre Entfesslung der Anarchie als Helden gefeiert werden und dies auch noch sichtlich genießen.

Andere wiederum könnten diesen Hang zur fröhlichen Political Uncorrectness einfach nur als herzerfrischend empfinden. Oder als Antwort des Produzenten Todd Phillips auf die vermehrt geäußerten Wünsche der Millionen Hangover Fans endlich einmal sehen zu dürfen, was Stu, Alan und Phil in ihren offensichtlich wilden Partynächten wirklich alles erlebt haben. Spätestens wenn in „Project X“ ein ganzer Straßenzug in Flammen aufgeht, Löschhubschrauber Einsätze fliegen, berittene Polizei anrückt, Nebel- und Rauchschwaden das Party“kriegs“gebiet einhüllen und scharf geschossen wird, erinnert man sich an den genialen Moment in „Hangover II“, wenn die Partytiger im Suff einen Straßenaufstand in Thailand anzetteln. Doch hey, warum beginne ich eigentlich beim Ende?

Also: Thomas will seinen 17. Geburtstag begehen. Seine Eltern haben sich für das Wochenende auch bereits abgemeldet und eine Party wurde abgesegnet. Allerdings im kleinen Rahmen. Dummerweise macht Thomas den Fehler, seinen Kumpel Costa zu sehr in die Planungen zu involvieren. Dem schwebt nämlich eine Riesensause vor, immerhin müssten beide endlich mal ordentlich einen wegstecken und ein etwas cooleres Image wäre auch nicht verkehrt. Also holt man noch Buddy JB ins Boot und macht erste Besorgungen für die Party. Schon währenddessen übernimmt Costa immer mehr die Führung und ein zunehmend ohnmächtigerer Thomas kann nur noch dabei zusehen, wie seine eigentlich kleine Geburtstagsparty immer größer zu werden droht. Flott besorgt man auch etwas Gras und klaut dem Drogendealer einen Gartenzwerg. Ein verhängnisvoller Fehler …

Am Partyabend werden dann Thomas schlimmste Albträume wahr. Costas Werbung hat mehr als nur eingeschlagen. Am Ende des Abends zerstören 1500 – 2000 Partygäste die heimelige Vorstadtidylle, der Wagen von Thomas Vater landet im Pool, ein Kleinwüchsiger wird in den Ofen geschoben, Genitalien werden ordentlich durchgeboxt und nackte Titten und Geschlechtsverkehr allerorten lassen Sodom und Gomorra wie ein lächerliches Pfadfinderzeltlager erscheinen. Und dann ist da ja noch der Dealer, der wirklich unbedingt seinen Gartenzwerg zurückhaben will …

Sehr flott fühlt man sich bei „Project X“ an die Bilder und Berichte erinnert, als eine junge Dame zu ihrem 16. Geburtstag ungewollt ganz Facebook zur Party lud und mehr als eine Handvoll dem Aufruf folgten. Ebenso gerät in „Projekt X“ (auch dank Werbung mittels moderner Kommunikationsmittel) eine gemütliche Poolparty zum höllischen Inferno, bei dem Tausende Besucher irgendwann total ausklinken und von nichts und niemandem mehr unter Kontrolle gebracht werden können. Diese fatalen Entwicklungen reicht uns Regisseur Nima Nourizadeh in dieser Joel Silver Produktion als Found Footage Film, was den Ereignissen einen enorm realen Anstrich verleiht, meint man doch einem Partyvideo zuzusehen, das live vor Ort gedreht wurde und das im Nachgang noch um diverse Handyvideos anderer Gäste vor Ort erweitert wurde. Dabei widersteht der Regisseur den teils schon extrem festgefahren wirkenden technischen Klischees des Found Footage Filmes. „Project X“ ist nicht schwarzweiß, nicht grobkörnig, es wird nicht gewackelt und geschwenkt, dass man fast einen Drehwurm bekommt, und die Gegenwart der Kamera wirkt nie erzwungen oder unglaubwürdig.

Ganz im Gegenteil. Denn Nourizadeh drückt einem Nebencharakter eine vernünftige Kamera in die Hand und verortet den Charakter direkt als nicht trinkenden und nicht kiffenden Gothic, den die gebotene Partyszenerie, die er auf Weisung Costas hin abfilmen soll, eher zu langweilen scheint. Die Folge ist ein erstaunlich filmisches Partyvideo, das in seinen besten Momenten an die Musikvideovergangenheit Nourizadehs erinnert, was durch die megafette, hitverdächtige Soundtrackkompilation des Streifens, die von Metallica über Daft Punk bis Kanye West reicht, nur unterstrichen wird. Und so wird man eigentlich nur durch direktes in die Kamerasprechen und Momente, in denen der Kameragoth an Spiegeln vorbeigeht, daran erinnert, dass „Project X“ zur Found Footage Klientel gehört.

Der Found Footage Ansatz kommt auch der Art und Weise entgegen, wie „Project X“ erzählt wird. Denn da man hier einem vor Ort gedrehten Partyzeugnis zuschaut, gibt es keinerlei Nebenschauplätze, die die Handlung irgendwie aufblähen könnten. „Project X“ bleibt ausschließlich bei seinen Figuren und verlässt sich durchweg auf die Zuspitzung der Ereignisse. Dabei schraubt er sich irgendwann zwar auch in unglaubwürdige, allerdings auch extrem konsequente Höhen. Konsequent insofern, dass der Film irgendwann wirklich jedwede Moral und Hemmungen fahren lässt und – und dafür muss man ihm einfach dankbar sein – jedweden Moment der eventuellen moralischen Läuterung seiner Protagonisten mit einem „Fuck You“ spätestens zur Hälfte des Filmes hinwegfegt. Denn freilich versucht Thomas schon, das heimische Haus zu beschützen und gibt ab und an auch die Partybremse, doch einen schönen Augenaufschlag einer schönen Dame später sind auch diese Anstrengungen wieder egal. Und so endet „Project X“ – und hier erkennt man die Handschrift Phillips wieder – niemals in den so typischen Mustern amerikanischer Komödien, die vor allem gegen Ende zu gerne jedwede Komik fahren lassen, um herum zu moralisieren und sich päpstlicher zu geben als der Papst. Und genau deswegen wirkt das Partyvideo „Project X“ auch so real, weil es eben nicht versucht, irgendwelchen gewohnten Storypfaden zu folgen.

Doch in einen Bereich verlässt sich „Project X“ nicht auf diese Stärke, leider. Dabei handelt es sich um eine Romanze von Thomas, die auch noch unbedingt an dem Abend ausgetragen werden muss und die wiederum nun genau das macht, was „Project X“ sonst nicht macht: Sie gehorcht den gängigsten, langweiligsten, ausgelutschtesten Klischees Hollywood und ist daher so vorhersehbar und öde, wie sie nur sein könnte. Zudem bremst sie den Film immer mal wieder aus und impft ihm das ein, was er vorher so beherzt über Bord schickte: Moral. Pfui Deibel!

Allerdings spürt man auch recht früh, dass dieser Storypart nicht umsonst gesetzt wurde. Der – verunglückte – Versuch eines Coming of Ages Momentes kurz vor Ende des Filmes erhärtet diesen Eindruck nur noch. „Project X“ hat nämlich ein gewaltiges Defizit zu verzeichnen: Die drei Partytiger sind einem einfach irre unsympathisch. Man hat mehr Mitleid mit dem Hund des einen – der allerdings auch wirklich schwer rockende Momente abbekommen hat – als mit den ziemlich seltsamen „Helden“, die auch im Umgang miteinander sehr eigenwillige Verhaltensweisen an den Tag legen. Spätestens hier kann „Project X“ dann den Hangoverguys nicht einmal ansatzweise das Wasser reichen.

Was bleibt, ist eine Anarchokomödie, die diese Bezeichnung wirklich mal verdient hat und sich ausschließlich auf die Eskalation ihrer eigentlich simplen Grundidee konzentriert, um dies bis zum Exzess auszukosten. Vor allem gegen Ende erreicht „Project X“ ein Level, bei dem einen wirklich das Lachen im Hals stecken bleibt. Hätte sich der Regisseur noch um ein paar sympathischere Charaktere bemüht und die blöde Lovestory rausgelassen, man hätte nicht wirklich viel zu meckern gehabt. Dabei verleiht vor allem der in diesem Fall wirklich interessante Found Footage Ansatz dem ganzen Unternehmen einen zusätzlichen Reiz, der den Zuschauer zum einen mitten in die Party hineinkatapultiert und endlich mal megaedel ausschaut und zum anderen der ganzen Choose genau den realistischen Anstrich gibt, den es braucht, um den Film zu einer Art modernen Reallifehorrorfilm zu machen. Man muss ja nur vergessen, einen Haken zu setzen und schon sind alle Facebook“freunde“ da – zum „Feiern“. Schöne neue Welt …

Der Film wurde inzwischen von Warner Home Video veröffentlicht. Auf Blu Ray kommt er zusätzlich im verlängerten Extended Cut!

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner Home Video__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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