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Projekt 12: Der Bunker

Originaltitel: Project 12: The Bunker__Herstellungsland: Spanien__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Jaime Falero__Darsteller: Joaquín Sánchez, Eric Roberts, James Cosmo, Natasha Alam, Timothy Gibbs, Gor Ortega, Gisela Betancort, Tony Corvillo, Antonio de la Cruz u.a.
Projekt 12: Der Bunker

Eric Roberts schaut in einer seiner typischen Nebenrollen in “Projekt 12: Der Bunker” vorbei.

Im Verlaufe des Kalten Krieges rufen die Russen ein neues wissenschaftliches Projekt ins Leben. Codename: Projekt 12. Über die Jahre beginnt das Militär mehr und mehr in dem Projekt mitzumischen. Im Zuge dessen kommt es zu einigen verheerenden Fehlschlägen und man beschließt, das Projekt in einem unterirdischen Bunker zu begraben und die daran beteiligten Wissenschaftler auszuschalten. Drei der Wissenschaftler jedoch entkommen und tauchen lange Jahre unerkannt unter…

In der Gegenwart treffen wir einen der Wissenschaftler wieder. Er nennt sich inzwischen Henderson, lebt in den USA und wurde mit Produkten reich, die die ewige Jugend versprechen. Und da man nie reich genug sein kann, will Henderson das Projekt 12 wieder ausgraben, denn dessen Forschungsergebnisse würden ihm und seiner Firma massiv in die Hände spielen. Blöderweise hat er keine Ahnung, in welchem Bunker das Projekt einst eingeschlossen wurde.

Darum setzt er eine Handvoll Söldner darauf an, seine beiden Wissenschaftlerkollegen von anno dazumal aufzutreiben und ihnen das Geheimnis um den Bunker zu entlocken. Geduldig bahnen sich seine Handlanger ihren Weg zu den Informationen und haben bald alles, was Henderson braucht. Nun gilt es, in den Bunker einzudringen und die wissenschaftlichen Forschungen von damals zu heben. Blöderweise sind die Söldner in den unterirdischen Tunneln des Bunkers nicht allein. Und einer von ihnen spielt obendrein ein falsches Spiel…

Soldaten, dieser Bunker wurde übernommen… von Kapitalisten!

Hach ja, die Prämisse klingt gar nicht mal so verkehrt und ist allemal geeignet, um einen kleinen fiesen B-Kracher zu zünden, der sich relativ ungeniert bei Filmen wie „Outpost 3“ bedient und einige kleine Dosen „Universal Soldier“/„Terminator“ beimischt. Leider macht der spanische Action-Horror-Hybrid nicht viel daraus. Das beginnt schon damit, wie ungelenk und langatmig die ganze Story angeschoben wird. Es dauert mehr als die Hälfte des Filmes, bis man endlich in den unterirdischen Tunneln angekommen ist.

In dieser Zeit kommt weder großartig Spannung auf noch werden einem die Figuren irgendwie nahe gebracht. Es ist bezeichnend, dass der Film erst 20 Minuten vor Schluss so etwas wie eine Bezugsperson darreicht, die einem kurz vorher auch nur wenig sympathisch vorkam. Hinzu kommt, dass die Schauspieler durch die Bank ziemlich schlecht spielen. Allen voran Natasha Alam („True Blood“), die noch nicht einmal gut genug ausschaut, um dieses Defizit irgendwie auszugleichen. Die Dialoge sprühen auch nicht gerade vor Esprit und die Dramaturgie von „Projekt 12: Der Bunker“ wirkt wenig schlüssig.

Projekt 12: Der Bunker

Hey, Towarisch, deine Augen leuchten rot!

Kommt man in Hälfte zwei endlich in den Tunneln des Bunkers an, verspürt man trotz der unlogischen Momente rund um die hochauflösenden Kameras in einem Tunnelsystem aus Kalter-Kriegs-Zeiten ein kurzes Aufblitzen von Hoffnung. Denn das dargereichte Setting hat etwas. „Projekt 12: Der Bunker“ arbeitet nämlich mit klaren Linien und setzt dementsprechend auf ewig lange Tunnel, die niemals abzweigen. Was hätte der Film rocken können, wenn man genau diese Unausweichlichkeit untermalt hätte. Und beispielsweise an beiden Enden Fieslinge aufgestellt hätte und mittendrin die „Helden“ der Chose. Da wäre sicherlich gut Panik aufgekommen, vor allem da sich die Bedrohung in den Tunnelsystemen als unkaputtbar erweist.

Doch auch diese Chance lässt der Film fahren. Und er schafft es nicht einmal, seine Bedrohung eindrücklich in Szene zu setzen. Alle Konfrontationen zwischen den Söldnern und den im Bunker vor sich hinvegetierenden Supergegnern laufen nach dem gleichen Schema ab: Supergegner bleibt regunglos stehen, Söldner ballern alle Kugeln auf ihn ab, Supergegner wird unblutig durchlöchert, fällt um und ist wenige Momente später verschwunden… Keine Dynamik, keine physischen Momente, nichts. Die beste Actionszene ist darum auch eine Konfrontation zwischen dem „Heldensöldner“ und dem Fieswicht im Team. In einem Waschraum setzt es dann ein hübsches Feuergefecht, eine nette Explosion und eine machomäßig blöde Keilerei, die toll choreografiert ist und einige dumme Oneliner im Gepäck hat.

In dieser Szene bekommt man kurz zu spüren, wie „Projekt 12: Der Bunker“ auch hätte aussehen können. Doch der verzettelt sich stattdessen in immer neuen Tempounstimmigkeiten, langweiligen Tunnel-Latschereien und seltsamen Charakterentwicklungen, die niemals schlüssig wirken. Zumindest ist der Film technisch kompetent in Szene gesetzt. Sowohl in den Tunneln als auch außerhalb inszeniert Regisseur Jaime Falero klar und sauber. In den Tunnelsystemen behindert die glatte Optik zwar ein wenig den Atmosphäre-Faktor, lässt den Film aber trotzdem durchweg sehr wertig wirken (einige suboptimalen Effektshots seien dabei ausgeklammert). Der vor allem gegen Ende aufkommende Synthie-Score macht ebenfalls richtig Laune und hätte gerne deutlich präsenter sein dürfen.

Projekt 12: Der Bunker

Böse guckender, untoter Russe!

Genau wie das titelgebende Forschungsprojekt 12 selbst. Denn wenn dieses endlich im Film angekommen ist, macht der einfach die Schotten dicht und hangelt sich zu einem ziemlich blöden Schlussgag. Hauptdarsteller desselben ist Eric Roberts („The Condemned 2“) in einer für ihn aktuell typischen Kleinstrolle, in der er ein paar Sätze zur Handlung beiträgt und ansonsten der Cutter dafür sorgt, dass es wirkt, als sei Roberts die gesamten Dreharbeiten über vor Ort gewesen, obwohl er in Wirklichkeit kaum mehr als zwei Tage am Set verbracht haben dürfte. Zumindest wirkt sein süffisantes Spiel deutlich engagierter als ähnliche Winzauftritte des Vielfilmers.

Was am Ende bleibt, ist ein Idealbeispiel für die Redewendung um die verschenkten Chancen. Ein flotterer Einstieg, eine atmosphärisch dichte Tunnelhatz, besser umgesetzte, wuchtige Action und etwas mehr Mut zu schrägen Szenen (wie das beknackte, mies getrickste Schlussbild um Projekt 12 und dessen Welteroberungspläne) und schon hätte „Projekt 12: Der Bunker“ richtig abgehen können. So bleibt kaum mehr als eine wenig involvierende, mit der Zeit immer langatmiger werdende, schlecht gespielte Trashidee, die niemals durchstartet, aber zumindest ein paar coole Einzelszenen auffährt, die richtig gut funktionieren.

„Projekt 12: Der Bunker“ ist unter dem Titel „Project 12: The Bunker“ bereits in UK auf DVD zu haben und kommt von dem Label 101 Films, ungeschnitten mit einer Freigabe ab 15. In Deutschland ist der wenig brutale Streifen ungeschnitten ab 18 freigegeben und kommt am 11. August 2016 von Tiberius Film/Sunfilm auf DVD und Blu-ray.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Tiberius Film/Sunfilm__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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