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Prom Night – Eine gute Nacht zum Sterben

Originaltitel: Prom Night__Herstellungsland: USA/Kanada__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Nelson McCormack__Darsteller: Brittany Snow, Scott Porter, Jessica Stroup, Dana Davis, Collins Pennie, Kelly Blatz, James Ransone, Brianne Davis, Kellan Lutz, Mary Mara, Ming-Na Wen, Johnathon Schaech, Idris Elba, Linden Ashby u.a.
Prom Night - Eine gute Nacht zum Sterben

Im “Prom Night”-Remake müssen Nachwuchsstars wie Brittany Snow, Kellan Lutz und Jessica Stroup um ihr Leben fürchten

Irgendwann hatte man im Rahmen der ganzen Horror-Remakes der 2000er die Klassiker größtenteils durchgenudelt, also sah man sich auch in der zweiten bis dritten Reihe des Genres nach neuverwurstbarem Material um. Dabei fiel der Blick auf Filme wie „My Bloody Valentine“, „April Fool’s Day“ und eben „Prom Night“, den Nelson McCormick 2008 neu auflegen durfte.

Das Original war schon kein sonderlich toller Film, auch wenn es immerhin fast schon archetypisch die Regeln des Slasherfilms verkörperte. Das Remake ist eine dermaßen freie Neuinterpretation, dass eigentlich nur das Wirken eines Killers rund um den Abschlussball als Gemeinsamkeit bleibt. Den sehen wir auch direkt zu Beginn in einer Erinnerung von Heldin Donna Keppel (Brittany Snow): Der von ihr besessene Lehrer Richard Fenton (Johnathon Schaech) sucht im Liebesrausch ihr Heim auf und killt ihre Familie, da vermeintliches Hindernis auf dem Weg zum Beziehungsglück, was nur Donna überlebt. Drei Jahre später lebt Donna nun bei Tante und Onkel, bewältigt das Erlebnis mittels Therapie und geht zur Highschool, wo sie kurz dem Abschluss(ball) steht.

Ein einfacher Schulball in der Aula wie im Original reicht dem Remake nicht, stattdessen hat die örtliche Zickenqueen Crissy Lynn (Brianne Davis) über reiche Eltern und Connection ein schniekes Hotel für das Event gesucht, in dem sich die Schüler auch gleich einmieten können. Donna hat zusammen ihrem Boyfriend Bobby Jones (Scott Porter), ihren besten Freundinnen Lisa Hines (Dana Davis) und Claire Davis (Jessica Stroup) sowie deren Freunden Ronnie Heflin (Collins Pennie) und Michael Allen (Kenny Blatz) eine Suite gemietet, weshalb Regisseur McCormick (auf dessen Konto auch das „Stepfather“-Remake geht) sich auch an Shots der edlen Absteige weidet.

Dummerweise bricht zu diesem Zeitpunkt Fenton aus der Psychiatrie aus und hat trotz Therapie immer noch kein gesünderes Liebesverständnis entwickelt. Er schleicht sich in das Hotel ein und killt alle, die ihm vors Messer laufen oder seiner Liebe sonstwie im Weg stehen könnten…

Prom Night - Eine gute Nacht zum Sterben

Protagonistin Donna Keppel (Brittany Snow) mit ihren besten Freundinnen Claire Davis (Jessica Stroup) und Lisa Hines (Dana Davis)

Schon das Original war ein lahmer Film, der den Zuschauer lieber mit Disco-Musik beschallte als einen vernünftigen Spannungsbogen aufzubauen, aber immerhin ein Whodunit um einen rachsüchtigen Killer schuf, der Vergeltung für einen vergangenen Todesfall suchte. Selbst dieses Rätselraten fällt hier flach, da der Killer von Anfang an bekannt ist. „Prom Night“ wird danach allerdings noch öder, denn rund zwei Drittel des Films bestehen daraus, dass die Kiddies im Ballsaal des Hotels Blech reden, während sich einzelne Schüler oder Bedienstete in die Suite von Donna und Clique begeben, um dort von Fenton weggeslasht zu werden. Denn dessen grandioser Plan besteht über weite Teile des Films einfach darin im Zimmer auf Donnas Ankunft zu warten. Tanz- und Musikszenen gibt es dann hier auf dem Abschlussball, natürlich mit zeitgenössischer R’n B-, Indierock- und Popmucke, bei der sich sogar Tokio Hotel auf den Soundtrack verirrt haben, aber wenigstens wird die Tanzerei nicht ganz so sehr ausgewalzt wie im Original.

Das macht den Film nicht besser, denn „Prom Night“ spult das Einmaleins des Slasherfilms in besonders keimfreier und langweiliger Art ab. Bestes Beispiel sind die Mordszenen, die größtenteils im Off stattfinden und weder in der PG-13-Kinofassung noch in der Unrated wirklich derbe sind – die härteste Szene (Blut spritzt nach einem Kehlenschnitt) ist in beiden Fassungen sogar identisch. Aber die Gestaltung der Kills ist schon langweilig, da es die Leute, von denen man es erwartet, zu dem Zeitpunkt erwischt, an den man es erwartet, und erst im letzten Drittel läuft überhaupt irgendwer mal vor dem Killer weg anstatt wahlweise schreiend oder fassungslos guckend stehenzubleiben und dann sein Leben auszuhauchen. Dass hier noch nicht einmal kreativ gekillt wird (okay, hätte auch nichts zu sehen gegeben, wenn es nicht immer nur das Messer gewesen wäre) und sich der Mörder noch nicht einmal maskiert (es sei denn eine ins Gesicht gezogene Kappe reicht) unterstreicht die Einfallslosigkeit der ganzen Chose nur noch.

Prom Night - Eine gute Nacht zum Sterben

Der irre Mörder Richard Fenton (Johnathon Schaech) geht für seine große Liebe über Leichen

Ansonsten haben wir dann den wohlmeinenden, mit dem Fall betrauten Detective Winn (Idris Elba), der durch Filmgott Zufall natürlich über große Teile des Films keinen Anruf zu Donna hinbekommt, der sie sofort aus der Gefahrenzone bringen würde. Immerhin ist der wenigstens kompetent, denn das Drehbuch lässt anderen Figuren, vor allem seinen Polizeikollegen, eine bemerkenswerte Dummheit angedeihen. Wenn die Cops zum Showdown das Anwesen von Donnas Onkel und Tante bewachen und wissen, dass der Killer auf dem Weg dorthin ist, dann tun sie dies aber so nachlässig, dass sie sich wahlweise umschleichen oder meucheln lassen. Wie genau das funktioniert, weiß man Ende auch nicht, denn das Anrücken des Killers findet mal wieder im Off statt, damit Donna einen Hui-Buh-Aufwacheffekt haben kann. Aber auch sonst hat die Logik hier Urlaub: Da zofft sich Lisa mit der unausstehlichen Crissy darüber, wer denn nun Ballkönigin wird, verschwindet dann aber kurz vor Bekanntgabe des Ergebnisses mit ihrem Freund aufs Zimmer für ein ausgiebiges Schäferstündchen. Bei ihrem Männe kann man das verstehen, der hat – neben Poppen – einen guten Grund dafür, aber bei Lisa ist es einfach nicht nachvollziehbar.

Noch dazu sind alle Beteiligten hier selbst für einen Slasherfilm ziemlich austauschbare Pappkameraden, fast komplett bar jeder Persönlichkeit oder interessanter Charakterzüge. Dadurch ist dem Publikum selbst das Final Girl ähnlich egal wie das Zimmermädchen, das nur kurz auftritt, um vom Killer gemeuchelt zu werden. Nur vereinzelte Brüche mit Klischees fallen dann positiv auf. So macht Rick Leland (Kellan Lutz), der Freund von Queen Bitch Crissy, nicht nur nicht bei deren Sticheleien nicht mit, sondern versteht sich ganz gut mit Donnas Clique und erweist sich als feiner Kerl. Vielleicht fällt diese Variation auch nur so auf, weil der Rest dermaßen aus abgefrühstückten und besonders öde dargereichten Stereotypen besteht.

Auch schauspielerisch ist „Prom Night“ größtenteils Nullniveau. Dass sich Idris Elba („Fast & Furious: Hobbs & Shaw“) an diesen Quatsch verschwendet, mag in der Rückschau überraschend sein, aber trotz seiner Durchbruchrolle in der HBO-Serie „The Wire“ war er zum damaligen Zeitpunkt erst noch dabei auch im Filmbereich so richtig Fuß zu fassen. Elba zieht sich achtbar aus der Affäre und ist neben Ming-Na Wen („Agents of S.H.I.E.L.D.“) als Therapeutin und Linden Ashby („Iron Man 3“) als Donnas Onkel eines der bekannteren Gesichter im Post-Teen-Alter. Weniger achtbar sind dagegen die Leistungen der Jungdarsteller, gerade Hauptdarstellerin Brittany Snow („Bushwick“) spielt gerade einmal auf Soap-Niveau und taugt nicht als neue Scream Queen. Auch der Rest ist kaum besser, abgesehen vielleicht von Jessica Stroup („Jack Reacher – Kein Weg zurück“) und Kellan Lutz („The Osiris Child“), die aber beide kaum Screentime haben. Ein weiterer großer Ausfall ist Johnathon Schaech („Reprisal“), dessen verkniffene Psychopathendarbietung meist eher unfreiwillig komisch und nie in irgendeiner Form bedrohlich herüberkommt.

„Prom Night“ dürfte neben „April Fool’s Day“ eines der unsäglichsten Slasher-Remakes sein, zumal Nelson McCormicks Film noch nicht einmal so richtig krude oder sonstwie daneben ist, was ihm ja wenigstens noch ein Alleinstellungsmerkmal geben würde. Diese Neuauflage ist einfach nur keimfreier, öder, größtenteils schlecht gespielter, inhaltsarmer Flachsinn ohne Figurenzeichnung oder filminterne Glaubwürdigkeit. Ein paar ansatzweise gebrochene Klischees und ein paar zahme Mordszenen ziehen den Karren da auch nicht mehr aus dem Dreck.

Während im Kino die PG-13-Fassung lief, gibt es auf der deutschen DVD und Blu-Ray von Sony nur die Unrated-Version von „Prom Night“. Im Pay-TV oder bei manchen Streaming-Anbietern kann man allerdings wieder die PG-13-Fassung vorfinden. Das Bonusmaterial auf DVD und Blu-Ray umfasst entfallene Szenen, ein alternatives Ende, Blooper, Trailer, ein Making Of und Featurettes.

© Nils Bothmann (McClane)

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