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Puppet Master – Das tödlichste Reich

Originaltitel: Puppet Master: The Littlest Reich__Herstellungsland: Großbritannien, USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Sonny Laguna, Tommy Wiklund__Darsteller: Thomas Lennon, Michael Paré, Udo Kier, Nelson Franklin, Charlyne Yi, Barbara Crampton, Tina Parker, Matthias Hues, Jenny Pellicer, Kennedy Summers u.a.
Puppet Master – Das tödlichste Reich Mediabook Cover

“Puppet Master – Das tödlichste Reich” suppt ordentlich durch!

Die „Puppet Master“-Reihe ist ja eigentlich das Baby von Charles Band. Der berühmt berüchtigte Vielfilmer wollte sich Ende der 1980er Jahre an den Erfolg von „Chucky“ dranhängen und legte mit seinen Filmen um Toulon und dessen Killerpuppen einen in den Videotheken höchst einträglichen Hit hin. Auf bislang elf Teile brachte es das „Puppet Master“-Franchise. Zumindest, wenn man das Crossover mit den Band’schen „Demonic Toys“ namens „Dämonische Spiele – Puppet Master vs. Demonic Toys“ ausklammert. Und damit nicht genug: Band treibt die Anzahl mit dem von ihm höchstselbst inszenierten Film „Puppet Master: Blitzkrieg Massacre“ noch weiter nach oben!

Da verwunderte es kaum, dass er allen, die an den Lizenzen des Franchises interessiert waren, einen großen Vogel zeigte. Bis Dallas Sonnier vor ihm stand. Der hatte unter anderem „Stone Cold“ Steve Austins Filme „Hunt to Kill“, „Damage“ oder „The Package“ auf den Weg gebracht und fiel zuletzt vor allem durch seine Kooperationen mit S. Craig Zahler auf. In dessen Filme „Bone Tomahawk“, „Brawl in Cell Block 99“ und „Dragged Across Concrete“ hatte Sonnier Geld gepumpt.

Sonnier gelang es, einen besonderen Deal mit dem Full-Moon-Chef Charles Band anzuleiern. Band behielt alle Rechte an seiner Reihe. Was auch weitere „Puppet Master“-Filme aus seinen Händen bedeutete. Sonnier hingegen durfte sich der Figuren bedienen. Zumindest solange, wie er sie in eine Art eigenes Paralleluniversum verpflanzte. Einen Handschlag später holte sich Sonnier Zahler als Drehbuchautor ins Boot und der verfasste folgende Geschichte.

Edgar Eastons Bruder ist vor einer Weile gestorben. Viel hat er seiner Familie nicht hinterlassen. Als sich Edgar eines Tages im ehemaligen Kinderzimmer seines Bruders umschaut, findet er eine eigenartige Puppe. Eine Puppe, die nicht nur megagruselig ausschaut, sondern auch über extrascharfe Gimmicks verfügt. Als Edgar im Netz recherchiert, was es mit der Puppe auf sich hat, stolpert er über die Geschichte von Andre Toulon. Dessen berühmte Puppen sollen auf einer Andre-Toulon-Con versteigert werden. Und erste Preisvorhersagen lassen Edgar aufhorchen.

Mit seinem Chef und guten Freund Markowitz sowie seiner neuen Perle Ashley reist Edgar gen Andre-Toulon-Con und hofft auf den großen Reibach. Doch vor Ort mehren sich bald die seltsamen Ereignisse. Neben Edgars Puppe verschwinden noch mehr der Versteigerungsobjekte. Und irgendwann türmen sich in dem teils grotesk geschmacklosen Gebäude die Leichen.

Schaut in “Puppet Master – Das tödlichste Reich” hinein

Kenner der „Puppet Master“-Reihe werden schon früh im Film aufhorchen. Dann nämlich, wenn sich Andre Toulon, gespielt von Udo Kier, als homophober Rassist outet. Kurz darauf wird seine gesamte bislang bekannte Backgroundgeschichte auf links gedreht. Oder besser auf rechts. Denn im Gegenteil zu Charles-Bands-Version ist der Schöpfer der Mörderpuppen kein Opfer der Nazis, vielmehr ist er ein Handlanger derselben. Und seine Puppen üben sich auch nicht im Nazis-Meucheln, wie sie es in den Axis-Teilen mit Wonne taten. Stattdessen sind sie selbst kleine Nazi-Bastarde.

Dementsprechend politisch unkorrekt geht es dann auch in „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ zu. Denn Publikumslieblinge wie Blade, Tunneler und Pinhead vergehen sich in der Folge vornehmlich an Lesben, Schwulen, Schwarzen und Juden. Und das mit einer bislang unbekannten Blutrünstigkeit. Kehlen werden aufgeschnitten, Gedärme klatschen aus aufgeschlitzten Bäuchen und Extremitäten werden abgetrennt. In zwei ultrakrass ausgekosteten Szenen rütteln die Macher noch heftiger an den Grenzen des guten Geschmackes. Da darf ein blutigst Enthaupteter sich selbst ins Gesicht pinkeln. Und einer schwangeren Frau widmen sich die Puppen dergestalt, dass sie durch deren Vagina in ihren Bauch eindringen, aus selbigem herausbrechen und auch noch den Embryo herausreißen.

Puppet Master – Das tödlichste Reich mit Blade

Blade, rechts am Rand, auf der Suche nach einem neuen Opfer.

Auch und vor allem in Hinsicht auf den schlussendlichen Bodycount sind die klassischen „Puppet Master“-Filme im Vergleich definitiv Krabbelgruppe Kindergarten. „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ legt nach circa 25 Minuten eine echt krasse Schlagzahl hin. Das Schöne: Die derben Effekte sind durch die Bank handgemacht. Kein CGI-Shot trübt das Vergnügen. Hier und da sieht man aber auch, dass die Macher budgettechnisch reichlich limitiert waren. Da werden die sympathischen Retrotricks ein wenig zu durchschaubar.

Die Story ist im Vergleich zum Gemetzel eher blutleer. Am interessantesten sind die Einlagen, die die bislang bekannte Storyline variieren und umkehren. Gerade der erste „Puppet Master“ wird hier doch teilweise extrem durch die Mangel gedreht und abgewandelt, damit man sich weit genug von Charles Bands Filmen entfernt. Immerhin war das ja eine Grundlage, damit „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ überhaupt entstehen durfte.

Puppet Master – Das tödlichste Reich

Edgar mit seiner Perle kurz vor dem Besuch der Toulon Con.

Wo der Film allerdings zu punkten versteht, ist der angeschlagene Humor. Hier kommt es dem Film sehr zupass, dass die Hauptdarsteller Thomas Lennon (Edgar) und Nelson Franklin (Markowitz) echte Vollblutkomiker sind. Die beiden werfen mit derart trockenen Pointen um sich, dass einem teils das Lachen im Halse steckenbleibt. Flankiert werden die beiden von der megasüßen Jenny Pellicer (Ashley), die nicht nur hübsche Hupen sondern auch ein gutes Timing mitbringt und neben den beiden Hauptdarstellern mühelos bestehen kann.

In den Nebenrollen fährt „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ aus B-Sicht ordentlich auf. Barbara Crampton („You’re Next“), die schon im altehrwürdigen ersten „Puppet Master“ zu sehen war, macht als Flintenweib ordentlich Laune. Michael Paré („Concrete War“) darf einen seltsamen Sheriff spielen. Udo Kier („Dracula 3000“) gibt wie bereits erwähnt Andre Toulon und Matthias Hues („Showdown in Manila“) ist als von einem Minihitler ferngesteuerter Hüne eine echt schräge Einlage des Filmes.

Michael Pare im Puppenhorror

Michael Pare gibt einen leicht undurchschaubaren Sheriff.

In technischer Hinsicht beschleicht einen schnell der Eindruck, Drehbuchautor Zahler habe deutlich mehr als nur mit seinen geschriebenen Zeilen auf den Film eingewirkt. Die schwedischen Regisseure Sonny Laguna und Tommy Wiklund inszenieren nämlich sehr zahlerisch. Es dominieren lange, schnittlose Einstellungen. Der Film hat dadurch ein irre getragenes Tempo. Selbst wenn die Puppen irgendwann aufdrehen und losmetzeln, wirkt der Film nie überhastet oder gar schnell. Die melancholische, immer leicht antiklimaktisch wirkende Filmmusik unterstreicht diesen Eindruck nur.

Das sorgt für eine relative eigene Atmosphäre, der aber leider echte Spannung reichlich abgeht. Dazu ist der Film zu sehr Nummernrevue und Schlachtplatte. Zumindest sorgt das Hotel mit seinen teils herrlich geschmacklosen Zimmern für optische Abwechslung und versöhnt mit dem Umstand, dass der Film insgesamt nur wenige Schauplätze zu bieten hat.

“Puppet Master – Das tödlichste Reich” entpuppt sich als hübscher Neustart

Was am Ende bleibt, ist ein Film, um den Freunde der Political Correctness einen großen Bogen machen sollten. „Puppet Master – Das tödlichste Reich“ ist alles andere als geschmackssicher. Der Humor ist derb, das Gemetzel heftig und die zahlreichen Anspielungen auf Holocaust und Genozid sind sicherlich nicht jedermanns Sache. Kann man sich damit irgendwie arrangieren, bekommt man eine krass blutige Neuinterpretation einer bekannten Geschichte geboten, die insgesamt leider ein wenig zu offensiv offen endet. Zumindest dürften so Fortsetzungen eine abgemachte Sache sein. Und die dürfen gerne kommen. Vielleicht wird so Charles Band sogar angestachelt, an der Qualität seiner eigenen „Puppet Master“-Filme zu drehen?

06

In Deutschland verwehrte die FSK dem Film nicht ganz unerwartet die Freigabe. Das Label Pierrot Le Fou ging daraufhin zur Spio/JK. Hier holte man sich deren leichtes Siegel ab. Den Film veröffentlichten sie sodann uncut als Mediabook. Dieses enthält den Film auf DVD und Blu-ray, hat neben Interviews auch ein Settagebuch zu bieten und kommt zudem mit einem hübschen Booklet.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Pierrot Le Fou__Freigabe: Spio/JK__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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