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Puppetmaster 3 – Toulons Rache

„Puppetmaster 3“ ist kein Sequel, sondern ein Prequel zum Original. Unter der Regie von David DeCoteau schildert diese Mischung aus Puppenslasher und Rachefilm die Vorgeschichte von Puppenspieler Andre Toulon, der mit Hilfe seiner Kreationen im Berlin des Jahres 1941 den Mord an seiner Frau rächt. Mit dabei: Richard Lynch als wahrlich hassenswerter Schurke.

Originaltitel: Puppet Master III: Toulon’s Revenge__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1991__Regie: David DeCoteau__Darsteller: Guy Rolfe, Richard Lynch, Ian Abercrombie, Kristopher Logan, Aron Eisenberg, Walter Gotell, Sarah Douglas, Matthew Faison, Michelle Bauer, Jasmine Touschek, Eduard Will u.a.
Puppetmaster 3

“Puppetmaster 3” erzählt die Vorgeschichte von Puppenspieler Toulon und seiner Fehde mit den Nazis

Nachdem sich „Puppetmaster“ für den Produzenten Charles Band zum Videothekenhit gemausert hatte, folgten die ersten Fortsetzungen im Jahrestakt. War der zweite Teil noch ein Sequel, so erzählt „Puppetmaster 3“ die Vorgeschichte des Puppenspielers Toulon und seiner höchst lebendigen Kreationen.

Der dritte Teil widmet sich dabei dem gern kolportierten Okkultismusfaible der Nazis, die ja schon in der Auftaktszene des Erstlings als Toulons Feinde vorgestellt wurden. „Puppetmaster 3“ spielt nun im Berlin des Jahres 1941, in dem die Nazis Experimente mit der Wiederbelebung toter Soldaten veranstalten, bei denen Doktor Hess (Ian Abercrombie) federführend ist und die einen leichten „Re-Animator“-Vibe versprühen. Bisher halten die untoten Soldaten, die man als Geheimwaffe an der Ostfront einsetzen will, allerdings nicht durch und kollabieren noch im Labor. Major Krauss (Richard Lynch), der die Forschung überwacht und Resultate sehen will, ist nicht amüsiert. „Puppetmaster 3“ greift mit den Nazi-Experimenten um Supersoldaten und Untote beliebte Popkultur-Mythen auf, die von Captain-America-Comics bis zu Filmen wie „Operation: Overlord“ ausgeschlachtet wurden und werden.

Andre Toulon (Guy Rolfe) ist Puppenspieler in der deutschen Hauptstadt, sympathisiert mit dem Widerstand und bringt Stücke zur Aufführung, in denen er sich über Hitler und dessen Getreue lustig macht. Das zaubert Kindern vielleicht ein Lächeln aufs Gesicht, ist aber ein Wagnis, das der Film gar nicht erst zu erklären versucht. Jedenfalls besucht der puppenspielbegeisterte Leutnant Eric Stein (Kristopher Logan) die Aufführung, gibt Toulon den freundlichen Hinweis sein Programm besser umzustellen und fragt nach den so lebensechten Bewegungen der Puppen – deren Geheimnis der geneigte Zuschauer natürlich schon kennt. Als Toulon ihn barsch abweist, spioniert Stein hinter dem Puppenmeister her und sieht, dass die lustigen Gesellen ganz ohne Schnüre und dergleichen funktionieren.

Als Krauss und Hess von Steins Entdeckung erfahren, wollen sie natürlich nachforschen. Der fiese Krauss wird bei der Durchsuchung von Toulons Eigenheim direkt barsch und erschießt dessen Ehefrau Elsa (Sarah Douglas). Mit Hilfe seiner Puppen gelingt Toulon beim Transport zum SS-Hauptquartier die Flucht und mit diesen Werkzeugen nimmt er von da an Rache für den Tod seiner Frau…

Puppetmaster 3

Andre Toulon (Guy Rolfe) erschafft in diesem Film Blade, das Aushängeschild der Reihe

„Puppetmaster 3“ gilt vielen als bester Teil der Reihe, was wohl auch etwas über die allgemeine Qualität der „Puppetmaster“-Filme sagt, aber insgesamt kann man der These durchaus zustimmen. Dabei spielt vor allem das Setting dieses Puppenslashers eine wichtige Rolle. Nach Berlin 1941 sieht der Film zwar nie so wirklich aus, der erkennbar im (Freiluft-)Studio gedreht wurde und dessen Establishing Shots der deutschen Hauptstadt nach putziger Bastelarbeit ausschauen. Doch trotz dieser Budget-Limitierungen hat das Setting Flair und unterscheidet sich von der Masse der üblicherweise in der Gegenwart (und in Amerika) spielenden Slasher-Filme. Im Originalton sprechen manche Nazis mit deutschem Akzent, hin und wieder sind auch deutsche Sätze zu hören, während die Schurkenbande zwar eindimensional, aber durchaus einprägsam ist: Gerade der Befehle bellende, eiskalt mordende Major Krauss ist ein charismatischer Oberbösewicht.

Das alles kann natürlich kaum verhehlen, dass „Puppetmaster 3“ unter dieser ansprechenden Verpackung ein herkömmlicher Slasher- und Rachefilm ist, in dessen Verlauf sich Toulon und seine Puppen durch die Reihen der Nazi-Schergen arbeiten. Meist erwischt es den, von dem man es gerade erwartet, zumal die Kills auf den Spaßfaktor ausgelegt sind: Mit den Opfern hat man kein Mitleid, eher im Gegenteil. Das Puppenpersonal umfasst Jester, den Clown mit den vielen Gesichtern, Pinhead, dessen Stecknadelkopf auf einem muskulösen Körper sitzt, den Bohrerkopf Tunneler sowie als (für den Zuschauer) Neuzugang den sechsarmigen Cowboy Six-Shooter. Im Verlauf des Films wohnt man dagegen der Erschaffung zweier alter Bekannter bei: Mrs. Leech, die Blutegel-Spuckerin, und Blade, das Aushängeschild der Reihe mit Messer und Hakenhand. Jedem wird Raum gelassen, was für unterschiedliche, gut getrickste Morde sorgt – ebenfalls im Budgetrahmen ziemlich gelungen sind die Puppen-Effekte, für die David Allen („Demonic Toys“) verantwortlich zeichnet.

Puppetmaster 3

Ein wahrhaft hassenswerter Schurke: Major Krauss (Richard Lynch)

So ist „Puppetmaster 3“ eine kurze wie kurzweilige Mörderpuppensause, die allerdings nicht verhehlen kann, dass Vielfilmer David DeCoteau („Wolves of Wall Street“) im Vergleich zu Erstlingsregisseur David Schmoeller der schwächere Filmemacher ist und die geschickte Kameraarbeit Sergio Salvati fehlt. DeCoteau und sein Kameramann Adolfo Bartoli („Doctor Mordrid“) filmen das alles handwerklich solide, aber ohne großen Einfallsreichtum herunter, profitieren mehr von Setting, gesteigertem Bodycount und reichlich Schauwerten, wenn die Nazis Toulon jagen oder umgekehrt. Erfreulicherweise macht das Drehbuch von C. Courtney Joyner („Die Klasse von 1999“) auch phasenweise mehr als nur die Kills zu verbinden: Man erfährt mehr über Toulon, über die Puppetmaster-Mythologie und über den Erschaffungsprozess der kleinen Mordgesellen, womit der dritte Teil nicht einfach nur das übliche Gemetzel vor anderer Kulisse ist. Und in kleinem Rahmen bricht „Puppetmaster 3“ sogar mit Genre- bzw. Rollenerwartungen. *SPOILER* So ist Hess kein skrupelloser Mengele-Wiedergänger, sondern einfach ein Wissenschaftler, der an die Kraft die Innovation glaubt, seine Talente nur unglücklicherweise den Nazis zur Verfügung stellt und in Toulon einen Seelenverwandten erkennt. Im Gegenzug wird Toulon von einem anderen im Untergrund Lebenden verraten, auch wenn derjenige nur seinen Sohn retten möchte. *SPOILER ENDE* Auch das gab es schon und ist daher nicht gerade bahnbrechend, aber auch etwas anderes als Schema F.

Darüber hinaus profitiert „Puppetmaster 3“ vor allem von zwei Darstellern. Zum einen ist da Richard Lynch („Die Hyänen“), der ja immer für eine Schurkenrolle gut ist und als fieser SS-Mann den Film an sich reißt. Sein Gegenpart ist Guy Rolfe, der bereits im von Charles Band produzierten Puppenhorrorfilm „Dolls“ zu sehen war und Toulon noch in drei weiteren „Puppetmaster“-Filmen spielte. Seine Darbietung als freundlicher Gepetto-Verschnitt, der zum eiskalten Rächer wird, ist ebenfalls ziemlich stark. Ian Abercrombie („Feuerwalze“) als Dr. Hess ist brauchbar, ebenso Walter Gotell („Marschier oder stirb“) als schmieriger General. Kristopher Logan („Demolition Man“) ist zwar eher solala ist, bekommt aber immerhin einen sehr humorvollen Abgang, mit einem Hitler-Bärtchen aus Wagenschmiere im Gesicht. So wird der Führer hier metaphorisch von Toulon und seinen Puppen gekillt.

„Puppetmaster 3“ ist weniger souverän inszeniert als der Erstling und eigentlich nur ein Funslasher, bei dem es fiese Arschgeigen auf kreative Weise dahinrafft. Der Bodycount, die charmanten Tricks, das hohe Tempo, der charismatische Schurke und das Setting im Berlin des Jahres 1941 machen den Film dann aber zu einem vergnüglichen Vertreter der Reihe, der 08/15-Story und der nicht gerade überbordenden Spannungskurve zum Trotz.

Auf VHS war „Puppetmaster 3“ hierzulande gekürzt, weshalb anzunehmen ist, dass auch die ab 18 Jahren freigegebenen DVDs und Blu-Rays von Centurio gekürzt sind, da diese auch den Uncut-Stempel wie beim Erstling missen lassen. Die ungekürzte Fassung ist bei CMV Laservision/AL!VE und ’84 Entertainment auf DVD und Blu-Ray erhält. Diese sind ungeprüft oder mit JK-Freigabe und bieten Trailer sowie ein Behind the Scenes als Bonus.

© Nils Bothmann (McClane)

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