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Rage – Tage der Vergeltung

Originaltitel: I Am Wrath__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Chuck Russell__Darsteller: John Travolta, Christopher Meloni, Amanda Schull, Rebecca De Mornay, Sam Trammell, Luis Da Silva Jr., Patrick St. Esprit, Doris Morgado, Melissa Bolona u.a.
Rage

John Travolta auf Rachefeldzug in “Rage” alias “I am Wrath”

Stanley Hill hat vor seinen Jobs für diverse Autohäuser de facto nicht existiert. Er ist ein Geist… Actionfans wissen jetzt sofort Bescheid: Stanley Hill hat nämlich sehr wohl eine Vergangenheit. Als Spezialagent oder als Mitglied eines Special-Ops-Teams… Die Kerle, die ihn in einer Tiefgarage brutal überrumpeln und in seinem Beisein seine Frau Vivian abstechen, ahnen davon freilich nichts. Und auch sonst scheint ihnen das Schicksal hold zu sein, denn die örtliche Polizei schert sich einen Dreck um den Mord und lässt einen von Stanley eindeutig identifizierten Täter einfach laufen.

Das kommt Stanley mehr als seltsam vor, immerhin war seine Frau eine enge Vertraute des amtierenden Senators. Also beginnt er auf eigene Faust zu ermitteln. Schnell muss er feststellen, dass der Mord an seiner Frau kein Zufall war und dass die Drahtzieher keineswegs nur kleine Junkies von der Straße sind. Gemeinsam mit seinem Kumpel Dennis schickt er sich an, die Schuldigen zu finden und zu richten…

Kevin Costner („3 Days To Kill“), Liam Neeson („Taken“), Sean Penn („The Gunman“) und Pierce Brosnan („The November Man“) haben es vorgemacht. John Travolta („Die Entführung der U-Bahn Pelham 1 2 3“) reiht sich nun mit „I am Wrath“ alias „Rage – Tage der Vergeltung“ in diese Liste alternder Superstars ein, die auf ihre alten Tage noch einmal ihre knallharte Seite entdecken. Dabei wuchtet sich Travolta durch einen hinlänglich bekannten Rache-Plot, der keinerlei Innovationspreise verdient hat, aber den Genrefan zumindest solide und geradlinig bedient.

Langweilig wird es in den 90 Minuten Laufzeit nie, die eine oder andere echte Überraschung hätte „Rage“ aber definitiv gut zu Gesicht gestanden. Interessant wäre auch gewesen, wenn das Drehbuch des Streifens durchgängig auf die großartige Chemie zwischen John Travolta und Christopher Meloni („Wie ein weißer Vogel im Schneesturm“) gesetzt hätte. Die beiden geben ein prächtiges Gespann ab und vor allem Meloni darf neben dem angeschlagenen Charakter Travoltas ein paar nette Sprüche ablassen und ordentlich auf die Pauke hauen.

Rage

Stanley Hill ist auf der Suche nach den Mördern seiner Frau.

In der aktuellen Form verliert „Rage“ aber immer ein wenig an Drive, sobald Meloni mal wieder aus der Handlung fliegt und Travolta alleine unterwegs ist. Auch und vor allem dank leider arg bemüht wirkender Charaktermomente für Stanley, die immer ein wenig aufgesetzt und zu gewollt wirken. Hier kann Travolta dann zwar darstellerisch mehr zeigen, aber eigentlich hätte man ihn dann doch lieber beim Wüten gesehen.

Rage

Wo Stanley hinlangt, brechen Genicke wie Zweigchen.

Denn Travolta macht in der Action eine gute Figur. Darf auch mal rüde hinlangen und austeilen und setzt ein paar knochentrockene Headshots, die diverse Lumpen vorzeitig aus dem Leben reißen. Dabei wird überwiegend geballert oder dürfen die Fäuste fliegen. Spektakulärere (eine Autoexplosion mal außen vor) oder komplexere Momente hat es dabei eher weniger. Problematisch ist, dass Regisseur Chuck Russell ausgerechnet im Showdown die Action weitgehend ausspart und nur die Folgen der Taten Stanleys zeigt, anstatt selbigen mal richtig losholzen zu lassen. Die tatsächlich zu sehenden Actionszenen sind in der Folge zumeist kurz und knackig gehalten und setzen eher auf rüden Realismus als auf durchchoreografierte Action-Ballette.

Das ist freilich nur konsequent, weil auch der gesamte Look des Streifens etwas Abgespacktes, Raues und Dreckiges atmet. Hochglanz ist dem Steifen in jedweden Szenen fremd und die abgeranzten Locations, in denen etwa die Gangster des Streifens hausen, unterstreichen das Karge und Triste von „Rage“ nur, lassen den Film aber meines Erachtens auch immer mal wieder ins Billige kippen.

Apropos Gangster: Je weiter „Rage“ voranschreitet, umso größer wird der Kreis der Lumpen. Das ist insofern schön, weil Stanley Hill sonst nur drei Gegner aus dem Weg zu räumen hätte, sorgt in diesem Falle aber auch dafür, dass ein echt hassenswerter Widerling fehlt und der Oberboss so spät enttarnt wird, dass er keine Bedrohlichkeit entwickeln kann. Außerdem werden ausgerechnet die Mörder von Stanleys Frau (gespielt von einer kaum zu erkennenden Rebecca De Mornay („Blind Side“)) erstaunlich lapidar aus dem Weg geräumt. In Summe macht dies den ganzen Rachefeldzug von Stanley nie so wirklich befriedigend.

Rage

Stanleys Buddy Dennis räumt genauso effektiv auf.

Das Ergebnis ist ein leider wenig mitreißender Rachethriller nach Schema F, der nicht ein einziges Mal aus dem Durchschnittsbrei des Actionthriller-Genres herauszuragen weiß. Okay, John Travolta ist als Rächer überzeugend, angenehm körperlich unterwegs und seine Szenen mit Christopher Meloni sind wirklich cool und echte Pluspunkte des Filmes. Auch weiß die ruppige, handgemachte Action durchaus zu gefallen. Aber ausgerechnet diese Asse dürfen nur selten stechen: Es wird nicht oft genug geballert, Meloni taucht leider nur sporadisch im Film auf und Travolta darf den Racheengel nie so wirklich von der Leine lassen. Ich hätte vor allem Regisseur Chuck Russell, der nach „The Scorpion King“ mal eben 14 Jahre lang keinen Film mehr gedreht hat, ein bedeutend spektakuläreres Comeback gewünscht.

5 von 10

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 7. Oktober 2016 von dem Label Ascot Elite und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten. Leider hat John Travolta nicht seine übliche Synchronstimme. Irritierenderweise klingt er hier wie Tommy Lee Jones, was leider gar nicht auf Travolta passt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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