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Rampage – Anklage Massenmord

Originaltitel: Rampage__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1987__Regie: William Friedkin__Darsteller: Michael Biehn, Alex McArthur, Nicholas Campbell, Deborah Van Valkenburgh, John Harkins, Art LaFleur, Billy Green Bush, Royce D. Applegate, Grace Zabriskie, Carlos Palomino, Roy London u.a.
Rampage - Anklage Massenmord

In William Friedkins „Rampage“ muss sich Staatsanwalt Michael Biehn mit einem Serienkiller auseinandersetzen

Obwohl William Friedkins „Leben und Sterben in L.A.“ ein Kassenerfolg war, drehte er in der Folgezeit kleine Filme, die entweder direkt fürs Fernsehen bestimmt waren oder von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen wurden, wie beispielsweise „Rampage“.

Die Mischung aus True-Crime-Serienkillerfilm und Gerichtsdrama basiert William P. Woods Roman, der sich wiederum auf den Fall des realen Mörders Richard Chase bezieht, dessen Tun hier allerdings noch für die Fiktionalisierung gepimpt wurde. Hier heißt der Killer Charlie Reece (Alex McArthur), trinkt gern das Blut seiner Opfer und überfällt auch Personengruppen: In der Auftaktsequenz fällt ihm bereits ein dreiköpfiger Haushalt etwas älterer Menschen zum Opfer, wobei Friedkin nicht in die Manierismen des Slasher-Kinos verfällt, sondern nur wenig von dem grausigen Geschehen zeigt, viel der Zuschauerphantasie überlässt.

Die eigentliche Hauptfigur ist jedoch der junge, liberale Staatsanwalt Anthony Fraser (Michael Biehn), ein ausgesprochener Gegner der Todesstrafe und gerade auf dem aufsteigenden Karriere-Ast befindlich. Er folgt den Polizisten bei ihren Ermittlungen, vor allem als Reece eine weitere Familie überfällt, die Mutter tötet und den jüngsten Sohn entführt, ehe der Vater und der ältere Bruder nach Hause kommen. Das Aufspüren von Reece‘ Versteck gehört in diesem Zuge zu den eigenwilligsten des Films, wenn Drehbuch, Regie und Ausstattung quasi jedwede psychische Macke (Nazi-Verehrung, Blutlust, sexuelle Abartigkeit usw.) in diesem Bau reflektiert sehen möchten, aber trotzdem immer nur an der Oberfläche kratzen, wenn es um die Kategorisierung von Reece geht.

Dabei ist dies einer der Hauptpunkte des Films: Sobald man Reece nach Ende des ersten Filmdrittels festsetzt, bereitet Anthony seine Anklageschrift vor und fordert gar die Todesstrafe. Die Verteidigung hingegen möchte verminderte Schuldfähigkeit oder sogar Schuldunfähigkeit aufgrund von psychischer Erkrankung fordern…

Rampage - Anklage Massenmord

Anthony Fraser (Michael Biehn) ist Gegner der Todesstrafe

Keine schlechte Idee für ein Figurendilemma: Ausgerechnet ein Gegner der Todesstrafe fordert selbige im Gericht. Teilweise aus Karrieregründen, teilweise aufgrund des Schocks im Angesicht eines besonders grausamen Verbrechens. Ein junger Familienmensch, der sich mit abgeschlachteten Familien befassen muss. Die Erkenntnis, dass dieser Fall ihn nicht nur als Anwalt, sondern auch als Mensch prägen wird. Da ist es dann schon etwas enttäuschend wie wenig „Rampage“ am Ende daraus macht: Viel zu wenig wird der Einfluss des Falls auf Anthony gezeigt, das moralische Dilemma erscheint auch nie zu brisant für ihn zu sein. Stattdessen steht bald eher die Frage im Raum: Ist Reece bekloppt genug oder doch schuldfähig?

Das handelt William Friedkin dann durchaus solide ab, scheint seiner Prämisse aber nicht ganz zu trauen. So wird das Drama noch mit Mordszenen Marke Horrorfilm erweitert, obwohl der Film (wie bereits erwähnt) nicht ganz so zeigefreudig wie dessen Genrevertreter ist, zwischendrin sorgt ein Ausbruchsversuch für ein wenig Action und weitere Morde, wird aber nur begrenzt überzeugend in die eigentliche Handlung integriert. Bei den Ermittlungen und der Jagd auf den Mörder, auch den actionreicheren Szenen, schlägt sich Friedkins Genreerfahrung aus „French Connection“, „Cruising“ und „Leben und Sterben in L.A.“ positiv nieder, doch im Grunde stehen all diese einzelnen Bestandteile nur nebeneinander, ein stimmiges Ganzes mag nicht so recht draus werden.

Rampage - Anklage Massenmord

Charlie Reece (Alex McArthur) ist ein mehrfacher Mörder

Das ist ein wenig schade, denn das Gerichtsdrama ist an sich reizvoll und bedient sein Genre gut: Anklage und Verteidigung halten eingängige Plädoyers (eindrucksvoll jene Szene, in der Anthony demonstriert wie lang es dauerte bis ein Opfer starb), versuchen sich bei ihren Manövern gegenseitig auszubooten und legen gleichzeitig das Für und Wider im Umgang mit psychisch gestörten Straftätern dar, wobei zusätzlich ja im Raum steht inwieweit Reece‘ Erkrankung seine Schuldfähigkeit mindert. Leider reißen die zahlreichen Schlenker in andere Plotstränge (und dabei teilweise auch andere Genres) immer wieder aus dem Fluss heraus, den „Rampage“ bei der Beschreibung der Verhandlung aufbaut. Da „Rampage“ übrigens erst fünf Jahre nach seiner Fertigstellung einen amerikanischen Verleih fand und William Friedkin seine Einstellung zur Todesstrafe bis dahin überdacht hatte, bekam der Film in Amerika ein abgeändertes Ende spendiert, während in anderen Teilen der Welt der ursprüngliche Schluss erhalten blieb.

Michael Biehn („Timebomb“) verkörpert den im Zwiespalt mit sich selbst befindlichen Staatsanwalt sehr überzeugend und wird der facettenreichen Rolle durchaus gerecht, soweit das Drehbuch ihn denn lässt. Alex McArthur („…denn zum Küssen sind sie da“) dagegen stellt den Serienkiller bei aller Klischeehaftigkeit recht charismatisch dar, auch wenn seine schauspielerische Bandbreite hier weniger gefragt ist als die von Biehn, und Nicholas Campbell („Jungleground“) gibt als Verteidiger einen würdigen Gegenpart für Biehn ab. Die Nebendarsteller dagegen liefern routinierte Leistungen ab und bleiben meist im Hintergrund, so etwa Deborah Van Valkenburg („Straßen in Flammen“) als Anthonys Ehefrau Kate, einzig und allein Art LaFleur („Mit stählerner Faust“) als Cop kann noch Akzente setzen.

Interessante Thesen zu Schuldfähigkeit und Geisteskrankheit, eine gute Besetzung und William Friedkins sichere Regie – eigentlich besitzt „Rampage“ sehr viel Potential, doch es wird nicht voll ausgenutzt angesichts des Drehbuchs, das zwischen Gerichtsfilm, Gewissensdrama und harten Horror- und Cop-Action-Momenten schwankt, aber kein Genre so wirklich zu bedienen weiß. Kein schlechter Film, aber dann doch nicht rund genug, dass der Funke vollends überspringt.

Bisher ist der Film nur auf VHS erschienen, wobei die amerikanische Fassung ein anderes Ende hat als die europäischen, da der Film dort erst verspätet veröffentlicht wurde und Friedkin zu dem Zeitpunkt seine Meinung zur Todesstrafe geändert hatte. Das deutsche Video ist ungekürzt.

© Nils Bothmann (McClane)

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