Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Re:Born

Originaltitel: Re:Born__Herstellungsland: Japan__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Yûji Shimomura__Darsteller: Tak Sakaguchi, Mariko Shinoda, Takumi Saitô, Orson Mochizuki, Yura Kondo, Masaya Katô, Issei Ishida, Hitomi Hasebe, Akio Ôtsuka u.a.
Re:Born mit Tak Sakaguchi

Tak Sakaguchi zelebriert in “Re:Born” den Zero Range Combat.

2000 debütierte Tak Sakaguchi unter der Regie von Ryûhei Kitamura und der Action-Regie von Yûji Shimomura in dem Splatter-Hammer „Versus“. Während der Film vor allem die Karriere seines Regisseurs Kitamura boostete, blieben dem Actionregisseur und dem Hauptdarsteller ähnliche Weihen versagt. Beide waren fortan nicht arbeitslos. Das mitnichten. Aber der große Durchbruch war ihnen nicht vergönnt. Versuche, diesen zu schaffen, gab es einige. So das Regiedebüt von Shimomura, „Death Trance“, in dem Tak Sakaguchi die Hauptrolle innehatte.

Irgendwann hatte vor allem Tak Sakaguchi die Nase voll und zog sich 2013 offiziell aus dem Schauspielberuf zurück. Das blieb nicht ohne Folgen. Fans des Mimen forderten immer wieder seine Rückkehr und auch er selbst spürte bald, dass er nach wie vor Bock auf Action hatte. Um 2014 kursierten erste virale Clips, in denen Tak Sakaguchi, der sich inzwischen nur noch Tak nannte, seine Rückkehr ins Actiongenre ankündigte. Als Regisseur für die Wiedergeburt „Re:Born“ war sein „Versus“-Actionregisseur Yûji Shimomura bereits an Bord.

Da Tak Sakaguchi nicht irgendwie zurückkehren wollte, sondern mit einem echten Hammer, war ihm daran gelegen, den Leuten etwas Neues zu zeigen. Also ging er bei Yoshitaka Inagawa, dem Erfinder des Zero Range Combat, ein Jahr lang in die Lehre. Der hatte die Kampfsportart aus seinen Erfahrungen als militärischer Ausbilder für Nahkampf entwickelt. Selbige gerät für den fertigen Film, der 2015 in nur wenigen Wochen abgedreht wurde, zu einem sehr zweischneidigen Schwert.

Schaut in “Re:Born” mit Tak Sakaguchi hinein

Zum einen gefällt, dass „Re:Born“ dank des Zero Range Combats darauf setzt, in seinen Martial-Arts-Sequenzen eher bodenständig und mit einem gewissen Sinn für Realität daher zu kommen. Tak Sakaguchis Figur des Toshiro ist infolgedessen immer darum bemüht, möglichst wenig Raum zwischen sich und seinen Gegnern entstehen zu lassen. Die können daher ihre Feuerwaffen so gut wie nie zum Einsatz bringen, weshalb meist Hieb- und Stichwaffen sowie Fäuste und – eher selten – Füße zum Einsatz kommen. Und das in einem krassen Tempo.

Immer wieder werden auch die Gegner selbst zu Waffen Toshiros. Der nutzt sie als Schutzschilde oder stößt sie brachial gegen andere Feinde. Um seine Gegner auszuschalten, kommt meist eine speziell gebogene Klinge zum Einsatz, mit der Tak Sakaguchi den Bodycount ordentlich nach oben treibt. Zudem sind alle Verletzungen durch die Bank handgemacht und durchaus blutig ausgefallen. Wenn man dann noch in Betracht zieht, dass alleine der Showdown gute 40 Minuten läuft, fühlt man sich als Actionfan durchaus verstanden. Von fantastischen Sequenzen wie einem geilen Fight in einer geschlossenen Telefonzelle ganz zu schweigen.

Und dennoch zündet ausgerechnet die Action von „Re:Born“ nie so wirklich. Der realistische Ansatz lässt den japanischen Actionfilm immer wieder hinter Genre-Referenz-Werken wie „The Raid“ oder „Ong Bak“ zurückfallen. Und zwar deutlich. Weil einfach die echten Wow-Momente fehlen. Wenn Tak Sakaguchi zu Beginn des Showdowns etwa 50 Mann meuchelt, ist das irgendwann einfach nur noch repetitiv. Weil die Kills gefühlt alle gleich ablaufen: Ein oder zwei Schläge in die Mittelpartie, Kehlenschnitt, fertig. Natürlich findet Tak Sakaguchi immer wieder gewitzte Wege, um den Abstand zwischen sich und seinen Gegnern zu verkürzen. Doch auch das nutzt sich bald ab und arbeitet zudem dem Realismusansatz des Filmes entgegen. Dabei sei vor allem das immerhin geil aussehende Ausweichen vor heranfliegenden Kugeln hervorgehoben.

Wenig hilfreich ist zudem, dass die Grundstellung der Kampfsportart einen durchaus belustigenden Effekt hat, wirkt Tak Sakaguchi in selbiger doch, als wolle er dem Drunken Boxing huldigen. Zwar wird die Pose und deren Sinn in den Extras ausführlich erklärt, während des Filmes funktioniert sie dennoch eher suboptimal. Highlight des unfreiwilligen Humors ist dabei ganz sicher das Duell zwischen Tak Sakaguchi und dem Erfinder der Kampfsportart, der als Abyss Walker mitspielt. Dieses Duell besteht gefühlt zu 50 Prozent aus dieser Grundpose.

In der zweiten Hälfte des Showdowns legt die Action minimal zu. Hier holt Tak Sakaguchi auch mal extrem deftige Kicks und etwas derbere Finisher raus, doch auch hier wird man den Eindruck nicht los, dass der Film irgendwie immer mit gezogener Handbremse fährt. Da nimmt man zwischengeschobene, kurze Shootouts fast schon übermäßig dankbar an. Und da die Action nie so wirklich zündet, schaut man auch beim Rest des Filmes etwas zu genau hin. Sehr zu Ungunsten von „Re:Born“.

Beginnen wir bei der praktisch nicht vorhandenen Story. Diese erzählt von Toshiro, der mit seiner kleinen Adoptivtochter Sachi ein beschauliches Leben als Ladenbesitzer irgendwo in der japanischen Provinz lebt. Doch man spürt, dass Toshiro immer mit dem Blick in den imaginären Rückspiegel lebt. Etwas scheint ihn zu verfolgen. Und natürlich ist dem auch so. Phantom, ein ehemaliger Vorgesetzter bei einem streng geheimen Projekt, ist hinter Toshiro her und will ihn am liebsten tot sehen. Dafür schreckt er nicht einmal vor der Entführung von Sachi zurück.

Was Phantom antreibt, erfährt man nie. Warum er so sauer auf Toshiro ist, bleibt ebenfalls unklar. Warum dann die besten Mannen von Phantom mal für und mal gegen ihn arbeiten, erklärt „Re:Born“ ebenfalls nicht. Allgemein tut man dem Actionfilm keinen Gefallen damit, überhaupt mal nach dem Warum zu fragen, denn dann fällt „Re:Born“ schon spektakulär in sich zusammen. Was durchaus schade ist, da vor allem Tak Sakaguchi als Toshiro ordentlich Charisma versprüht und seine Rolle urst cool anlegt.

Eine halbwegs plausible Story um diesen Charakter lanciert und eigentlich hätte nichts mehr schiefgehen können. So wird man von „Re:Born“ nie wirklich abgeholt. Und selbst wenn die entzückende Sachi entführt wurde, kommt keinerlei Spannung auf, einfach weil Toshiro da längst so übergroß gezeichnet wurde, dass man ein Scheitern der Rettungsmission gar nicht mehr in Betracht zieht. Und genauso übermächtig kracht Toshiro dann auch in die Reihen der Mannen von seinem ehemaligen Boss Phantom.

Optisch sieht man „Re:Born“ immer an, dass Regisseur Yûji Shimomura kein großes Budget verwalten durfte. Er und sein Star bezeichnen „Re:Born“ darum auch als Independent Film und so fühlt er sich auch an. Die Farbpalette ist karg, die rauen Bilder sind schmucklos. Die Settings fallen eher funktional denn schön aus. Zumindest kommt im Showdown etwas Nostalgie auf, denn das hier aufgefahrene Waldsetting erinnert schon stark an „Versus“. Dass mit Kenji Kawai ein wahrer Meister seines Fachs („Ip Man“) die Musik zum Film geschrieben hat, hört man tatsächlich erst in der zweiten Hälfte des Showdowns – was definitiv zu spät ist.

“Re:Born” verpasst die Chance, zum Actionklassiker zu werden

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der Leute vereinte, die für das Actiongenre brennen. Die Großes vor hatten. Und am Ende auf hohem Niveau scheiterten. Die extrem dünne Story will den Zuschauer niemals so recht packen. Spannung kommt inmitten der häufig ins Leere laufenden Andeutungen niemals auf. Auch gelingt es einfach nicht, die Hauptfigur Toshiro trotz starken Darstellers derart als Mythos zu stilisieren, wie es beispielsweise „John Wick“ so genial gelang. So wird der Film schnell auf seine Action reduziert, da er ansonsten nicht viel zu bieten hat.

Und die Action rockt schon. Keine Frage. Der Bodycount ist irre. Die Umsetzung der Action mit dynamischer Kameraarbeit, intelligenten Schnitten und präzise gesetzten Slow-Motions ein Volltreffer. Aber die Reduzierung auf die Kampfsportart „Zero Range Combat“ funktioniert nicht. Diese mag zwar sehr realistisch anmuten und wird in ein paar Szenen auch wirklich optimal abgefeiert (neben der Telefonzellen-Einlage sei die Fahrstuhlszene genannt), aber es fehlt ihr einfach an Wow-Momenten. An Momenten, die die Kinnlade nach unten klappen lassen. So läuft die Action relativ „beliebig“ durch, wiederholt sich, zieht sich irgendwann gar und will einfach nicht richtig krachen. Schade. Und so bleibt „Re:Born“ maximal ein Platz im Mittelfeld. Zumindest hat Tak Sakaguchi wohl wieder Blut geleckt und einige weitere Filme in der Pipeline. Vielleicht schafft er ja doch noch den Actionman-Durchbruch?

6 von 10

„Re:Born“ wurde als sehr hübsches Mediabook von dem Label Midori Impuls in Deutschland auf den Markt geworfen. Dieses enthält den Film als DVD und Blu-ray in der japanischen Originalfasssung mit deutschen Untertiteln. Ein Booklet liefert interessante Informationen zum Film. Die Datenträger beinhalten die viralen Clips, mit denen Tak Sakaguchi seine Rückkehr ins Filmbusiness ankündigte, und ein Interview mit Regisseur und Hauptdarsteller vom JFF in Hamburg, wo beide ihren Film präsentierten.

In diesem Sinne:
freeman

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