Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Red Dawn

Originaltitel: Red Dawn__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2012__Regie: Dan Bradley__Darsteller: Chris Hemsworth, Adrianne Palicki, Josh Hutcherson, Josh Peck, Isabel Lucas, Jeffrey Dean Morgan, Connor Cruise, Edwin Hodge, Alyssa Diaz, Will Yun Lee u.a.
Red Dawn

Nordkorea besetzt in “Red Dawn” die USA. Eine Handvoll Teenager wehrt sich vehement …

Beginnen wir mit einem Blick zurück. In die seligen 80er. Da gab es doch tatsächlich einen Film, der sich traute, vom Einmarsch der Russen in good ol’ America zu fabulieren. Klar, dass sich der Invasion jemand entgegenstellen würde. Leider war das aber kein muskelbepackter Superstar a la Sylvester Stallone oder Arnold Schwarzenegger, der in einem straighten Actioner klar Schiff macht. Nein, kommende Superstars sollten mit dem Film aufgebaut werden. Charlie Sheen, Patrick Swayze, C. Thomas Howell, … ok, unter der Regie von Machismo-Regisseur John Milius konnte da trotzdem eigentlich nicht viel schief gehen. Eigentlich. Das Ergebnis  hieß „Die rote Flut“, war übelste, erzreaktionäre, dumme Actiongrütze, die mit fetten Bildern über ein Nichts an Story hinwegzutäuschen versuchte.

Und nicht einmal das gelang, denn „Die rote Flut“ war einfach nur seltsam zerfahren, wollte nicht packen, endete mit dem wohl unbefriedigendsten Showdown der Actionfilmgeschichte und machte eigentlich nur in dem Guerillakriegabschnitt halbwegs Laune. Langer Rede kurzer Sinn: Das für 2009 angekündigte Remake des Filmes konnte eigentlich nur besser werden. Doch schnell gab es wieder Problemmeldungen. Der Film wurde mehrfach verschoben, um das Feindbild des Streifens zu ändern, hieß es. Dann bretterte John Milius das coole, atmosphärisch ungemein dichte Game „Homefront“ raus, das all das hielt, was „Die rote Flut“ einst versprach! In der Hoffnung, dass der Film ebenso gut werden könnte wie das Spiel, wuchs die Vorfreude aufs Remake definitiv an … doch schon kurz nach dem Kinostart hagelte es heftigste Verrisse … zu Recht?

Red Dawn

Die Kids starten einen Guerillakrieg …

Von der zerfahrenen Story des Originals bleiben eigentlich nur die wichtigsten Charaktere und die Grundprämisse erhalten: Die USA sehen sich einer Invasion eines kommunistischen Staates gegenüber. Diesmal sind es nicht die Russen, sondern die Norkoreaner. Zum Kaufstart von „Red Dawn“ bekommt das Feindbild des Filmes einen besonders brisanten Einschlag, denn so intensiv wie aktuell hat Nordkorea in den letzten Jahren kaum auf wilder Max gemacht. Erstaunlicherweise macht „Red Dawn“ aus dem Feindbild gar nichts. Weder nutzt man es für ironische Spitzen noch zum Abfeiern diverser Klischees – dazu nimmt man sich selber auch viel zu ernst. Genau wie einst das Original und das, obwohl die Ausgangslage abstruser kaum sein könnte, oder glaubt wirklich jemand, dass heutzutage ein Staat derart unbemerkt in einem anderen einfallen könnte? Die Nordkoreaner sind einfach nur da, um sich umlegen zu lassen, weshalb man sich schnell fragt, warum man nicht wie bei „Tomorrow, When The War Began“ einfach auf staatenlose Halunken setzte.

Egal, auf jeden Fall besetzen die Nordkoreaner in „Red Dawn“ strategisch wichtige Punkte in den USA. Warum darunter auch Spokane, ein kleines Städtchen im amerikanischen Hinterland, fällt, bleibt genauso egal wie die Motive der Nordkoreaner für die Invasion. Auf jeden Fall ist man in Spokane aber mächtig angepisst über die Invasion und probt den Aufstand. Genauer: Die Teenager der Stadt proben den Aufstand. Als „Wolverines“, benannt nach dem Football-Team der Stadt, starten sie einen heftigen Guerillakrieg gegen die Besatzer und ermutigen so Freiheitskämpfer in der ganzen USA gegen die Nordkoreaner aufzubegehren.

Red Dawn

Chris Hemsworth als Mann der Tat in “Red Dawn”

Dabei gerät die Heldenparty deutlich größer als im Original. Eine Form von Charakterzeichnung kann man aber nur den beiden Brüdern Jed und Matt Eckert zuschreiben. Und selbst deren Figuren wirken recht lieblos am Reißbrett entworfen. Der Ex-Marine (Jed) hier und der egoistische kleine Bruder (Matt) da. Ihre Interaktionen beschränken sich auf einen langweiligen und zu gewollt wirkenden Bruderkonflikt und die Mannwerdung von Matt im Schatten des souveränen großen Bruders. Ein Mehr an Drama sollte man sich von „Red Dawn“ nicht erwarten. Und der Film gibt auch gar nicht vor, irgendwie mehr Interesse an seinen Figuren zu haben. Deshalb widmet er sich lieber deren Ausbildung zu etwas zu souveränen Superkriegern und fokussiert zu seinem eigenen Vorteil extrem stark auf den Guerillakriegpart.

„Red Dawn“ verstrickt infolgedessen seine Charaktere in immer neue Scharmützel mit den Nordkoreanern und macht schon bei deren Invasion klar, dass hier deutlich mehr auf die Pauke gehauen werden soll als im Original. Und so fliegen schon in den ersten Minuten Häuser in die Luft und setzt es coole Autostunts. Danach werden die „Wolverines“ eben von Jed ausgebildet und zu Guerillakriegern gemacht und unmittelbar darauf explodieren schon die ersten gepanzerten Kriegsmaschinen, diverse Nordkoreaner und einige Immobilien leinwandfüllend und in fetten Bildern. „Red Dawn“ leistet sich dabei keine großen Verschnaufpausen. Sobald die Actionwelle angerollt ist, gehen in flotter Abfolge immer neue Actionszenarien vonstatten und lassen so keinerlei Langeweile aufkommen. Diese sind sehr geerdet inszeniert. Wackelkamerabilder bleiben dabei genauso außen vor, wie ein Overload an CGI Effekten. Und trotzdem bekommt man in Hochhausfoyers einfahrende Panzer ebenso zu sehen wie Miniguns und Panzerfäuste im funkensprühenden Einsatz und unter Artilleriebeschuss zerberstende Häuserfronten. Die Schauwerte der flott und zügig inszenierten Action stimmen also auf den Punkt. Einzig an Härte fehlt es. Die PG 13 Ausrichtung schmerzt in diesem Film genauso wie im bodycountintensiven Original.

Da schon früh im Film eine Situation etabliert wird, die zu einer Vendetta-Szenerie hinführt, ist beim Remake auch sehr früh klar, worauf der Film hinauslaufen soll. Ein großes Plus im Vergleich zum Original, das irgendwie immer recht ziellos vor sich hinplätscherte. Mit Auftauchen von Jeffrey Dean Morgan (Der „Supernatural“ Mime übernahm Powers Boothes Part aus „Die rote Flut“) wird ein weiteres Storyelement etabliert, das dem Film spürbar zu einem runden Ende verhelfen soll. Man sucht nun eine Art McGuffin, das in seiner Funktion stark an die Enigma aus dem zweiten Weltkrieg erinnert. Und so schafft es „Red Dawn“ tatsächlich, ein ordentliches Ende zu lancieren, das nicht annähernd so stark in der Luft hängt wie jenes in „Die rote Flut“. Leider verwehrt man dem Actionfan im Zuge dessen aber einen richtig fetten Showdown und lässt den Film actiontechnisch ausklingen, wie man ihn begann: Mit mehreren kleinen Actionscharmützeln, die auch von den gebotenen Highlights her die bisherigen Szenen nicht mehr überbieten.

Red Dawn

Egal ob Mann oder Frau, alle müssen gegen die Nordkoreaner ins Feld ziehen …

Schauspielerisch sollte man sich von dem Film nicht viel erwarten. Die Darsteller hetzen von Actionszene zu Actionszene. Für große Charaktermomente ist keinerlei Platz. So entscheiden tatsächlich Äußerlichkeiten und Taten der Figuren über Sympathie und Antipathie beim Zuschauer. Am meisten gefällt Chris Hemsworth („The Avengers“) als Jed, da er viel wuchtige physische Präsenz in den Ring wirft und als Actionman eine ziemlich gute Figur macht. Dafür muss er aber auch ein paar ganz üble Dialogzeilen vom Stapel lassen. Immerhin will in einem Film wie diesem ordentlich Pathos und Patriotismus untergebracht werden. Dagegen nervte mich Josh Pecks („ATM“) Darbietung als rebellischer, dickköpfiger Teenie ziemlich. Adrianne Palicki („G.I. Joe – Die Abrechnung“) und Isabel Lucas („Transformers 2”) sorgen für ordentlich Eye Candy, werden vom Drehbuch aber komplett alleine gelassen. Und Josh Hutcherson („Die Tribute von Panem“) kommt wie Jeffrey Dean Morgan gefühlt nie im Film an.

Machen wir uns nichts vor: „Red Dawn“ ist kein Film für den Kopf. Ganz im Gegenteil. Wie schon das Original ist er übelste, erzreaktionäre, dumme Actiongrütze, zugekleistert mit Patriotismus satt. Das Feindbild ist simpelster, schwarz-weiß-gemalter Kokolores, Ambivalenz kennt „Red Dawn“ nicht. Die Charaktere sind übelste Reißbrettfiguren, die man politisch korrekt bunt durchmischte und die man teils haarsträubenden Unsinn sagen lässt. Die Schauspieler müssen sich darauf beschränken, viel zu rennen und zu ballern und die Drehbuchautoren wurden offensichtlich nur angehalten, alle Vernunft und Logik fahren zu lassen und möglichst viel Action in wirklich erstaunlich wenig Laufzeit zu pressen. Die Hauptaufgabe von „Red Dawn“ besteht also spürbar darin, auf den Magen bzw. das Kind in uns allen zu zielen, das einfach nur Lust am Zerstören hat. Und das gelingt wahrhaft formidabel! Die Action hat Zug, Wucht und einige echt tolle Bilder zu bieten. Das Tempo des Filmes ist hoch und wenn es auch nur ansatzweise zu lahmen scheint, holt Regisseur Dan Bradley die Actionkeule raus. Dabei fokussiert er gekonnt auf die größte Stärke des Originals, nämlich den Kampf von David (Wolverines) gegen Goliath (Nordkorea) im Guerillakriegformat. Und er wetzt diverse Probleme des Originals aus: So ist sein Film ein geradliniges Actionbrett, das nicht in alle Himmelsrichtungen zerfasert UND er präsentiert ein echtes Ende. So richtig die Erfüllung ist der Film aber dennoch noch nicht geworden. „Homefront“ hat aufgezeigt, was hier eigentlich noch möglich wäre, gerade in Sachen Atmosphäre und intensiv vorangetriebener Story.

Die deutsche DVD / Blu Ray kommt von Concorde und ist mit einer FSK 16 uncut. Bild- und Tonqualität rocken und Extrafans werden ebenfalls reichhaltig bedient.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Film__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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