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Replicas

Originaltitel: Replicas__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Jeffrey Nachmanoff__Darsteller: Keanu Reeves, Alice Eve, Thomas Middleditch, John Ortiz, Emily Alyn Lind, Emjay Anthony, Nyasha Hatendi, Aria Lyric Leabu, Amber Rivera, Sunshine Logroño u.a.
Replicas DVD Cover

Keanu Reeves möchte “Replicas” seiner toten Familie erstellen.

Nachdem sich Keanu Reeves ein wenig rar gemacht hatte, feierte er mit „John Wick“ ein furioses Comeback. Seitdem ist der sympathische Mime wieder deutlich präsenter, bedenkt abseits des Superkiller-Franchises aber eher kleinere Filme mit seiner Gegenwart. „Siberia“ oder “Knock Knock” seien genannt. Denen ist leider kaum Erfolg beschieden. Ganz im Gegenteil. Die 30-Millionen-Dollar-Produktion „Replicas“ beispielsweise legte eine katastrophale Bauchlandung am Boxoffice hin. Zu Recht?

Will Forster ist mit seiner Frau und den gemeinsamen drei Kindern nach Puerto Rico gezogen, um hier sein Wissen in Sachen Neurowissenschaften in die Praxis umzusetzen. Sein Arbeitgeber, das Unternehmen Bionyne, versucht, neurale Daten aus dem menschlichen Hirn in synthetische Körper zu übertragen. In der Folge ist Will damit beschäftigt, das Bewusstsein gefallener Soldaten ins „Hirn“ eines Roboters einzuspeisen. Kein leichtes Unterfangen.

Denn das synthetische Gehirn will das menschliche Bewusstsein einfach nicht annehmen. Die Folge: Die Roboter zerstören sich zumeist nach wenigen Sekunden selbst. Immer wieder versucht Will sein Glück, doch es will und will nicht funktionieren. Um die eigenen grauen Zellen mal durchzulüften, will er mit seiner Familie einen Bootsausflug unternehmen. Doch auf dem Weg zu dem Familienurlaub verunglückt Familie Forster.

Dem verzweifelten Vater kommt angesichts der toten Körper seiner Frau und Kinder eine verhängnisvolle Idee. Er will mit den Mitteln und Technologien von Bionyne seine Familie klonen und das Bewusstsein des jeweiligen Familienmitgliedes in dessen Klon transferieren.

Schaut in “Replicas” mit Keanu Reeves hinein

Ob es wohl eine gute Idee ist, den Geist eines gefallenen Soldaten in einen Roboter zu transferieren, der zum einen nicht fixiert und zum anderen übermenschlich stark ist? Warum fällt es niemandem auf, wenn ein Neurowissenschaftler mal eben Dutzende Autobatterien in der Nachbarschaft klaut? Glaubt wirklich irgendjemand, man könne Millionen Dollar teure Klon-Ausrüstung alleine und in einer Nacht-und-Nebel-Aktion in den heimischen Keller transportieren und niemand bemerkt etwas? Und (ich halte mich komplett spoilerfrei, nach Ansicht des Filmes wisst ihr, was ich meine) wieso besteht im Film das 3 statt 4 Problem?

Von Beginn an schießt „Replicas“ einen fiesen Logikbock nach dem anderen. Und da hat man das ganze Gewese um die wissenschaftliche Arbeit von Will Forster und deren Machbarkeit noch gar nicht in Betracht gezogen! Vor allem zu Beginn sitzt der Zuschauer infolgedessen unentwegt mit einem großen „Warum“ auf der Stirn vor der Glotze und bekommt diverse logische Lücken einfach nicht geschlossen. So fällt es wirklich schwer, in die moderne Frankenstein-Variante und ihre Figuren hineinzufinden.

Replicas mit Keanu Reeves

Will Forster steht vor schwierigen Entscheidungen…

Und das ist wirklich schade. Denn wenn „Replicas“ sich eingegroovt und der Zuschauer sich damit abgefunden hat, dass der Film eben unter diversen Drehbuchunzulänglichkeiten leidet, konfrontiert Regisseur Jeffrey Nachmanoff seine Hauptfigur Will und den Zuschauer mit wirklich schrecklichen Entscheidungen. Die man im Leben nie fällen würde wollen. Und die teils erschreckende Konsequenzen zur Folge haben. Um einen wirklichen moralischen Diskurs der Marke „Darf der Mensch Gott spielen?“ drückt sich „Replicas“ zwar. Trotzdem machen manche Einfälle des Drehbuchs wirklich nachdenklich. Und so schwelen die großen Fragen rund um das Klonen und dessen ethische und moralische Vertretbarkeit zumindest spürbar im Hintergrund.

Hier eben noch verschärft dadurch, dass Will Klone erschaffen will, deren Erinnerungen er manipulieren muss, will er mit ihnen irgendwann ein sorgenfreies Leben leben. Aber selbst diese Problematik einer idealisierten Kopie der Realität wird nicht weiter hinterfragt. Zumal Will im Film alles nur mit sich allein ausmacht, Fragen seines Kollegen abwiegelt und seine Legitimation für sein Handeln gegenüber dem Publikum ausschließlich aus dem menschlich nachvollziehbaren Grund zieht, seine Familie wiederhaben zu wollen. Wodurch sich der Zuschauer hier und da in echten Zwiespälten wiederfindet. Durchaus auch im Nachdenken begriffen. Was andeutet, dass „Replicas“ in seinen besten Momenten durchaus funktioniert.

Alice Eve soll geklont werden.

Sie gilt es zu retten…

Aber so wirklich rund läuft das ganze Konstrukt nicht. Weshalb sich „Replicas“ nach einem milden Twist gegen Ende auch in einen seltsamen Thrillerteil flüchtet, der nicht wirklich funktionieren will. In dem nun erhöhten Tempo muss „Replicas“ nichts mehr erklären, reißt stattdessen gleich noch einige Fragen mehr auf und mündet in ein Finale, das sich einfach nur absurd anfühlt. Verschenkt.

Die Schauspieler mühen sich derweil ordentlich. Vor allem Keanu Reeves („John Wick: Kapitel 2“) macht sowohl als empathielos und rein logisch agierender Wissenschaftler als auch als trauernder Familienvater einen guten Job. Hier und da hätte man ihn sich aber noch ein wenig gefühliger gewünscht. Seine Co-Stars (etwa Alice Eve („Das Jerico Projekt“) oder John Ortiz („Peppermint“)) sind weitgehend kaum mehr als Stichwortgeber, einzig Thomas Middleditch („Once upon a Time in Venice“) vermag ein paar Duftmarken als Wills Kollege Ed zu setzen.

Keanu Reeves in Replicas

Wird der Klon (rechts) lebensfähig sein?

Technisch kann man „Replicas“ keinen Vorwurf machen. In den Laborszenen präsentiert der Film klare, kalte Szenerien, im Zuhause von Will Forster arbeitet er mit warmen Farben. Der Hochglanzlook gefällt, die in besonders prekären Situationen dominierenden schrägen Einstellungen geben der Optik immer mal wieder einen gewissen Kick. Die weitgehend überzeugenden Effekte reichen von animierten Robotern bis zu detailreichen Hologramm-HUDs und geben dem optisch ansonsten sehr geerdet wirkenden Film eine glaubwürdige futuristische Note.

“Replicas” verschenkt viele Möglichkeiten

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der viele interessante Fragen aufwirft, ohne sich selbst selbigen zu stellen. Das muss er natürlich auch nicht. Vor allem dann, wenn er den Zuschauer herausfordern möchte. Der hat derweil aber mit ganz anderen Problemen zu kämpfen. Immer wieder reißen gewaltige Logikpatzer aus dem Filmerlebnis heraus. Immer wieder holpert „Replicas“ in seiner Dramaturgie. Weitgehend oberflächlich bleibend mündet der Film in einem uninspirierten Thrillerteil, der die strukturellen Probleme nur noch mehr verdeutlicht. Und trotzdem hat „Replicas“ seine Momente, manche sind sogar durchaus clever. Und auch die emotionaleren Momente des Science-Fiction-Streifens wissen zu gefallen. Das Ergebnis unterhält solide. Die Durchschlagskraft eines „Ex Machinas“ zum Beispiel winkt aber maximal aus der Ferne.

Knappe:
5 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 9. Mai 2019 von Concorde Home Entertainment und ist mit einer FSK 16 uncut. Ein kleines Making of und eine B-Roll erlauben Blicke hinter die Kulissen der Entstehung von „Replicas“. Einige Deleted Scenes ergänzen die Extras und hätten teils hervorragend in den Film gepasst und manche Lücke geschlossen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Concorde Home Entertainment__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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