Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Reprisal

Originaltitel: Reprisal__Herstellungsland: Kanada, USA__Erscheinungsjahr: 2018__Regie: Brian A. Miller__Darsteller: Bruce Willis, Frank Grillo, Johnathon Schaech, Olivia Culpo, Natali Yura, Uncle Murda, Natalia Sophie Butler, Tyler Jon Olson, Wass Stevens, Colin Egglesfield u.a.
Reprisal deutsches DVD Cover

Bruce Willis hat in “Reprisal” kaum mehr als eine bessere Nebenrolle.

Ein cooler Titel wie „Reprisal“, dazu ein actionlastiges Cover und schon hängt der Actionfan an der Angel. Klar, der Name Brian A. Miller („Escape Plan 2“) als Regisseur lässt uns ein wenig zusammenzucken. Vor allem, wenn er auf dem Cover vollmundig als „Action-Spezialist“ verkauft wird. Aber hey, den einen oder anderen durchschnittlich guten Film hat er wirklich auf dem Kerbholz und es spielt Bruce Willis mit… Verdammt, sind wir Actionfans berechenbar.

Jakob arbeitet in einer großen Bank. Es muss anstrengend sein, jeden Tag Tausende Dollar durch seine Hände gleiten zu sehen, während die eigene Familie ständig Geldsorgen hat. Doch Jakob hält eisern durch und lässt sich von den Verlockungen des Geldes nicht verführen. Ganz im Gegensatz zu einem kaltblütig und extrem zielgerichtet vorgehenden Bankräuber, der eines Tages Jakobs Arbeitsstelle überfällt und groß abkassiert. Nach seinem Bruch verschwindet der Täter spurlos.

Und das auf eine Art, die dafür sorgt, dass Jakob selbst durchaus auch als verdächtig dastehen könnte. Dementsprechend nimmt sich das FBI seines Falles an, um festzustellen, ob er wirklich so unschuldig ist, wie er behauptet. Solange wird Jakob verständlicherweise von seinem Arbeitgeber suspendiert. Der seit zehn Jahren ununterbrochen schuftende Mann weiß nun gar nicht, was er mit seiner Zeit anfangen soll. Also tut er sich mit seinem Nachbarn James zusammen. Der war mal Cop und hilft Jakob mit seinem analytischen Vorgehen, selbst dem Bankräuber auf die Spur zu kommen. Was sich zunächst anfühlt wie ein verqueres Hobby, wird schnell zur Obsession für Jakob und bringt seine ganze Familie in Gefahr…

Schaut in “Reprisal” mit Bruce Willis hinein

„Action-Spezialist“ Brian A. Miller bekommt seinen flott mit dem Banküberfall gestarteten „Reprisal“ überhaupt nicht unter Kontrolle. Immer wieder verliert er sich in Nebensächlichkeiten, die wohl seine Figuren vertiefen sollen, stattdessen den Film aber einfach nur zerdehnen und immer langsamer werden lassen. Man könnte auch sagen, dass „Reprisal“ nach dem Überfall in vollkommene Lethargie verfällt. Auch weil vollkommen unklar ist, wo Miller mit seinem Film eigentlich hin will.

Reprisal mit Frank Grillo

Frank Grillo wüsste zu gerne, was “Reprisal” für eine Geschichte erzählen will.

Alles ist möglich: Jakob könnte den Täter jagen, um seine Unschuld zu beweisen. Er könnte den ermittelnden Behörden noch verdächtiger erscheinen. Ja, er könnte sogar dem Vorbild des Bankräubers folgen und selbst eine Bank überfallen. Warum sonst wurde Jakob uns als ewig klamm vorgestellt? Aber “Reprisal” weiß nicht, was er will. So schaut man zunehmend desinteressierter zu, wie es dem Film nicht gelingt, eine konkrete Linie zu entwickeln. Erst wenn Bruce Willis als James stärker ins Boot geholt wird, wird zumindest klarer, dass es dann doch nur die simple Täterverfolgung werden soll. Was nicht bedeutet, dass alle anderen angedeuteten Plottentwicklungen nicht zumindest einmal angerissen werden würden.

Langweile ist die Folge. Die Brian A. Miller nie abgefangen bekommt. Erst eine halbe Stunde vor Schluss fällt ihm wieder ein, dass ein „Action-Spezialist“ auch mal Action liefern sollte – oder zumindest mal das Tempo anpassen muss. So legt „Reprisal“ zum Ende hin etwas zu. Wird ein wenig flotter. Hat auch kleinere Ballereien und eine – unpointiert endende – Verfolgungsjagd zu bieten. Ein echter Actioner kommt dabei aber nicht heraus. Zudem häufen sich die Logiklöcher. Vor allem das Agieren des vorher so methodisch vorgehenden Bankräubers spottet irgendwann jeder Beschreibung.

Reprisal mit Bruce Willis

Bruce Willis macht als altgedienter Cop eine ordentliche Figur.

Aus diesen üblen Anlagen kann Frank Grillo („Wolf Warrior 2“) als Jakob nichts herausholen. Er wirkt in vielen Szenen regelrecht verloren und hilflos. Was auch nicht sonderlich verwundert. Bruce Willis („Marauders“) dürfte für seine Szenen wieder kaum mehr als 2-3 Drehtage vor Ort gewesen sein, um sich den Paycheck von den produzierenden Emmett-Furla-Oasis-Films zu sichern. Zumindest verteilt der Cutter Willis’ Szenen so über den Film, dass der seinen Stiefel ordentlich runter reißende Schauspieler durchaus präsent wirkt. An der Action hat er allerdings so gut wie keinen Anteil. Johnathon Schaech („Vice“) kommt als Fieswicht zumindest einigermaßen cool rüber, wird gegen Ende vom Drehbuch aber reichlich verarscht.

Reprisal mit Johnathon Schaech

Johnathon Schaech als fieser Bankräuber.

In technischer Hinsicht fällt sofort auf, dass bei Brian A. Miller immer Bewegung in den Bildern sein muss. Seine Kamera steht nie still: Schwenks, Fahrten, Einzoomen, Auszoomen, Kameraflug. Simple Schuss-Gegenschuss-Szenerien sind seine Sache nicht. So hat „Reprisal“ zumindest optisch eine gewisse Dynamik zu bieten, selbst wenn die Story gerade im Pause-Modus verweilt. In der Action neigt er immer wieder zu einer fahrigen Handkamera. Die soll wohl verschleiern, dass letzten Endes nicht wirklich viel los ist, obwohl gerade „Action“ angetäuscht wird. Der Bodycount ist lächerlich. Wirklich brutal wird’s auch nie. Zumindest verblüfft die Eiseskälte von Schaechs Killer dann und wann. Auch weil sie im Vergleich zum braven Rest ziemlich aus dem Rahmen fällt.

“Reprisal” mit Bruce Willis und ohne Spannung

„Reprisal“ ist ein wenig erquickender Actionthriller. Die Story tritt permanent auf der Stelle und wirkt total ziellos. Die Figuren sind einem durch die Bank kackegal. Die meisten Darsteller revanchieren sich mit öden Standgas-Performances. Bruce Willis spielt mal eben so gut wie gar nicht mit. Das Drehbuch selbst mutiert zusehends zu einem einzigen Logikloch. Dieses verschluckt als erstes jedwede Anflüge von Spannung. Und als wäre all das nicht schon schlimm genug, versagt „Action-Spezialist“ Brian A. Miller auch noch komplett bei der saft- und kraftlosen Action. Am Ende bleibt eine öde Nullnummer, die zumindest nett bebildert wurde. Und selbst die unter den Bildern tönende Musik ist so langweilig, wie der gesamte Film.

2 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien von Splendid Film und ist mit einer Freigabe ab 16 ungeschnitten. In einem zehnminütigen Making Of gibt’s ein paar kleine Blicke hinter die Kulissen. Wer also noch wach sein sollte…

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__ Blu-ray/DVD: Ja/Ja

Tagged as: , , , , , , ,

Wie Viele Actionnerds gibt es?

  • Keine Sorge, du bist mit deiner Vorliebe nicht allein! Uns besuchten bereits 4417277 andere Actionnerds