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Return of the Warrior

Originaltitel: Tom yum goong 2__Herstellungsland: Thailand__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Prachya Pinkaew__Darsteller: Tony Jaa, Marrese Crump, JiJa Yanin, Petchtai Wongkamlao, Dan Chupong, Vince Makiling, Ujal Thapa, Eddie Ruiz, Edgar Vargas, John Dang, Jawed El Berni, RZA u.a.
Return of the Warrior

Tony Jaa is back in “Return of the Warrior”

2003 kam Tony Jaa mit seinem Film „Ong Bak“ wie aus dem Nichts und beanspruchte in einer Hauruck-Aktion den Martial-Arts-Thron für sich. 2005 legte er mit seinem Meisterstück brachial nach: „Revenge of the Warrior“ gilt noch heute vielen als Referenz in Sachen knallhartes Martial-Arts-Kino. Kein Wunder bei großartigen Szenen wie der schnittlosen Freudenhauskeilerei oder dem brachialen Showdown, in dem Jaa gefühlt 50 Goons über die Klinge springen lässt. Doch danach ging es extrem abwärts. Während „Ong Bak 2“ noch einigermaßen anguckbar war, liefen Jaa seine Passionsspiele im dritten Teil vollkommen aus dem Ruder. Sein seltsames Verschwinden und Untertauchen bei Mönchen noch während der Dreharbeiten zu Teil 2 schadeten seinem Ruf obendrein. Jaa wirkte angeschlagen, ja ausgeknocked von den Erwartungen an seine Person.

Teil 2 von „Revenge of the Warrior“, gedreht in 3D, sollte es nun für Jaa richten. Doch auch dieser Film zerschellt an den Erwartungen. Und das mit Nachdruck…

Kham lebt seit den Ereignissen in „Revenge of the Warrior“ ein friedliches Leben mit seinem Elefanten, dem er vor einigen Jahren das Leben gerettet hatte. Doch seltsame Geschäftsleute wollen ihm seinen tierischen Kumpel unbedingt abkaufen. Kham verzichtet dankend, doch die Fieslinge zögern nicht lange und entführen den Dickhäuter. Kham dreht sofort frei und schreitet zur Befreiung seines Kumpels. Doch bei dem Fiesling angelangt, liegt der schon tot im eigenen Saft. Dessen Töchter und die anrückende Polizei verdächtigen freilich sofort Kham als Täter. Der kann zwar fliehen, wird nun aber von allen gejagt. Mit dem Mut der Verzweiflung nimmt er die „Herausforderung“ an und versucht, herauszufinden, wer der eigentliche Mörder des Elefantendiebes war und wohin sein Elefantenkumpel nun eigentlich verschwunden ist. Was er nicht ahnt: Ein noch mieserer Miesling hat den Elefanten in seinen Besitz gebracht, um Kham zwingen zu können, für ihn Mordanschläge auszuführen…

Return of the Warrior

Tony Jaa langt endlich wieder hin!

Ja, es geht wieder um die Suche nach einem Elefanten. Nein, die eingewobene Verschwörungsgeschichte um einen Landstrich, der um Unabhängigkeit kämpft, macht die Story nicht komplexer, stört glücklicherweise aber auch nicht groß. Dafür fragt man sich permanent, was die eingeflochtene Substory um den Kampfzirkel des Bösewichts dem Film bringen soll. Zumal damit auch Storyeinlagen verknüpft sind – wie jene um einen offensichtlich undercover eingeschleusten Kämpfer irgendeiner staatlichen Institution – , die komplett im Nichts verlaufen. Ärgerlicher als das ist allerdings der Bösewicht. Ok, RZA („The Man with the Iron Fists“) mag in bestimmten Kreisen einen guten Ruf haben, aber als Endgegner von Jaa? Wirklich? Oh weh… Da ist es fast unerheblich, dass manche Nebenrolle brutal overacten darf, vielen Figuren echte Handlungsmotivationen fehlen und der unvermeidliche Petchtai Wongkamlao („TJ – Next Generation“) wieder mit an Bord ist.

Doch hey, die Geschichten und die Charaktere spielten bei den Jaa-Vehikeln nie eine große Rolle. Aufs Maul sollte es geben und dass so spektakulär wie möglich. Bei „Return of the Warrior“ bedeutet das, dass die thailändischen Stuntman ungefähr um Minute 20 herum richtig durch- und abdrehen. Halsbrecherisch wie eh und je setzt es in der 15minütigen Sequenz einen präzisen Stunt nach dem anderen, bis man irgendwann nur noch fassungslos mit dem Kopf schüttelt ob des Todesmutes. Wenn da die Räder verschiedener Motorräder um Haaresbreite am Kopf von Jaa entlang zischen oder ihn im „Vorbeifliegen“ sogar treffen, fragt man sich, wie sehr man seinen Star noch gefährden kann. Der lässt in dieser Szene von seinen Martial-Arts-Fähigkeiten nicht viel durchblicken, verlässt er sich doch vollends auf seine Körperbeherrschung und das präzise Timing der Stuntcrew. Die kracht durch Dächer, fliegt von Brücken, stürzt Hauswände hinab und darf gegen Wände und Mauern krachen.

Return of the Warrior

Jaa prügelt sich als Kham durch aller Kroppzeugs!

Die Szene, die manch anderem Actioner als Showdown gereicht hätte, lässt aber schon das große Problem des Filmes erahnen. Hinter allem steckt der unbedingte Wille, alles größer, besser und cooler zu machen. Und genau an diesen Bemühungen scheitert letztlich die ganze Szene. Denn in dem Be- mühen, den Vorgänger zu überflügeln, setzt man vollends aufs falsche Pferd: Schlechte CGIs. Computergenerierte Motorräder und Explosionen sowie auf den 3D-Effekt getrimmte Pixel-Gegenstände, die aus dem Bild ragen sollen und schlecht in den Film integriert wurden, wechseln sich ab mit handwerklichen Komplettausfällen, wie den peinlichen Rückprojektionen in der Szene, in der Jaa auf dem Autodach eines Bösewichtes „surft“.

Keine drei Minuten nach der Szene darf Jaa dann endlich körperlicher werden und mit seinem Hauptkonkurrenten „Nummer 2“ (Marrese Crump, der auch die Fights von „Return of the Warrior“ choreographierte) aneinandergeraten. Leider wird diese Szene immer wieder gestört von den Zwillingen, die den vermeintlichen Mörder Kham jagen und ihm wirklich permanent im Weg herumstehen. Dazu kommen mal starke CGIs (das Setting der Schiffsbaufabrik stammt zu weiten Teilen aus dem PC und sieht genial aus) und mal richtige Peinlichkeiten (die für den 3D Effekt geschwungene Taserpeitsche sei genannt). Zumindest wird dem in Teil eins so unbesiegbar erscheinendem Kham in dieser Szene ordentlich der Nimbus der Unbezwingbarkeit genommen. Ein richtiger Wow-Effekt entsteht aber zu keiner Sekunde…

Danach folgen noch ein paar kleinere Scharmützel, bevor der Film 25 Minuten vor Schluss in den Showdown startet und den Zuschauer in ein irres Wechselbad der Gefühle stürzt. Da darf Jaa in einem U-Bahntunnel endlich mal so richtig Goons verwackeln und langt hier auch ungebremst hin. Doch bevor sich Begeisterung breitmachen kann, kommen wieder seltsame Momente auf. Ein Fight auf elektrisch geladenen Gleisen führt zu einem lächerlich vertonten Fight mit „Nummer 2“, der akustisch an ein Lichtschwertduell bei „Star Wars“ denken lässt und obendrein rein physikalisch gesehen wirklich gar keinen Sinn macht. Dann darf einer der miesesten CGI Züge aller Zeiten durch die Szenerie rasen und auf einmal steht Jaa vor RZA, der irgendwas labert von wegen er sei die perfekte Waffe. Jaa ist davon so beeindruckt, dass er jedwede Gegenwehr einstellt und bis zum Abspann nicht mehr kämpft. Genau, richtig gehört. Seine Begleiter erledigen jetzt alle Mieslinge für Jaa, der ab sofort nur noch zwischen den Stoßzähnen eines Elefanten herumhängt. Ein weiterer mieser CGI-Shot setzt dem Treiben dann die Peinlichkeitskrone auf und… Ende.

Return of the Warrior

Beeindruckende Kulissen fungieren als Stages für die Kampfsporteinlagen.

Was bleibt, ist totale Ernüchterung. Ok, abseits der CGI-Effekte ist „Return of the Warrior“ blitzsauber inszeniert. Schaut fett aus. Und ist flott montiert. Auch die Musik treibt den Film gut an. Langeweile kommt eigentlich auch kaum auf und der deutlich gereiftere Jaa kann zwar immer noch kein Stück schauspielern, wirkt aber weitaus sympathischer als in seinen bisherigen Großkrachern. Und solange Jaa ohne Strick und doppelten Boden arbeiten darf, macht der Film auch Spaß. Doch einer gelungenen Szene stehen hier gleich mehrere misslungene gegenüber. Da darf man beispielsweise in POV Perspektive mal miterleben, wie Jaa eine große Distanz zwischen zwei Hochhausdächern springend überwindet. Eine Szene, die in 3D sicherlich so manchem den Boden unter den Füßen wegreißen wird. Das wird konterkariert von so vielen miesen Pop-Out-Effektszenen und vor der Kamera abgebremsten Schlagbewegungen, die den Zuschauer wohl in Deckung gehen lassen sollen, dass man sich kopfschüttelnd abwenden möchte. Ein weiterer Komplettausfall ist der cool gedachte, aber überhaupt nicht funktionierende Fight in einem komplett in Flammen stehenden Raum.

Und das ist die Crux dieses Filmes. Es ist alles cool gedacht. Es soll alles den Vorgänger toppen. Es soll dem Zuschauer noch mehr geboten werden. Und es scheitert wirklich formvollendet. Keine der lang und breit ausgespielten Actionszenen kickt so richtig, weil sich keine der Szenen auf den geilsten Spezialeffekt überhaupt konzentriert: Und der heißt nun einmal Tony Jaa. Der trifft demnächst in „The Raid 3“ auf die neue große Kampfsporthoffnung Iko Uwais und darf hier beweisen, dass er noch nicht zum alten Eisen gehört.

Die deutsche DVD und Blu-ray (auch als 3D Blu-ray) kommt von Splendid Film und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Splendid Film__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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