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Revenge of the Green Dragons

Originaltitel: Revenge of the Green Dragons__Herstellungsland: Hongkong, USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Andrew Lau, Andrew Loo__Darsteller: Justin Chon, Kevin Wu, Harry Shum Jr., Ray Liotta, Jin Auyeung, Shuya Chang, Carl Li, Leonard Wu, Eugenia Yuan, Celia Au, Michael Gregory Fung, Alex Fox u.a.
Revenge of the Green Dragons

Brutale Bandenkriminalität in “Revenge of the Green Dragons”

2002 hatte Andrew Lau mit seinem Co-Regisseur Alan Mak vorgelegt: Der clever konstruierte, mordsspannende Thriller „Infernal Affairs“ machte die Filmwelt staunen. So sehr, dass sich sogar Meisterregisseur Martin Scorsese anschickte, für den amerikanischen Markt ein Remake zu lancieren. „Departed“ brachte Scorsese dann den lange erhofften Oscar und die westliche Welt schien vollkommen vergessen zu haben, dass es ein gelungenes Vorbild für das stark gespielte US-Spiegelbild gab. Zumindest Scorsese selbst schien die Hersteller des Originals nicht vergessen zu haben.

Und so schoss er für Andrew Laus vorwiegend in den USA inszenierten Bandenthriller „Revenge of the Green Dragons“ ordentlich Geld zu. Lau inszenierte daraufhin mit seinem Co-Regisseur Andrew Loo, der auch am Skript mitschrieb, einen Film über die organisierte Kriminalität – ganz nach dem Vorbild von Martin Scorseses Mafiaepen a la „Casino“ oder „Good Fellas“. Nur dass man eben die Mafia durch chinesische Gangs ersetzte. Das Ergebnis ist viriler und flotter als die Scorsese-Dramen, dafür aber auch deutlich oberflächlicher.

Diese Geschichte handelt von der Ankunft in Amerika. Aber es ist keine Geschichte, die vom glücklichen neuen Leben erzählt… Nein, so eine Geschichte ist das nicht…

In den 1980er Jahren werden die USA förmlich überflutet von chinesischen Einwanderern. So auch New York, dessen Chinatown irgendwann schier überfließt, weshalb die neuen Zuwanderer nach Flushing, einem Stadtteil von Queens, ausgelagert werden. Darunter auch die beiden Kids Sonny und Steven. Während sie sich zu Beginn aus der exponentiell wachsenden Unterwelt des Viertels und den wild wuchernden Bandenstrukturen heraushalten können, rutscht Steven irgendwann doch unverschuldet mitten in die Szene hinein.

Revenge of the Green Dragons

Sonny mit seiner großen Liebe.

Und er schafft es, auch Sonny von dem Vorteil, am oberen Ende der Nahrungskette zu stehen, zu überzeugen. Unerwarteterweise legt Sonny einen deutlich eindrucksvolleren Aufstieg hin als Steven und taucht so bald bedeutend tiefer in die Strukturen der Green Dragons ein. Die machen das meiste Geld damit, Chinesen für Unsummen ins Land zu schleusen. Doch irgendwann will Paul Wong, der geschniegelte Chef der Gang, mehr. Man steigt ins Drogengeschäft ein und wird immer rabiater in der Wahl seiner Mittel. Dabei tötet Steven irgendwann ausgerechnet einen Weißen. Während man vorher mit dem Töten anderer Chinesen noch unter jeglichem Radar agierte, weil das schlichtweg keinen interessierte, haben die Green Dragons von nun an die Cops und einen hartnäckigen FBI Agenten an den Hacken…

„Revenge of the Green Dragons“ basiert auf dem gleichnamigen Artikel des Autors Fredric Dannen. Er berichtete darin von der chinesischen Bandenkriminalität in Queens, stellte sie in Relation zu dem deutlich umfangreicheren Treiben in Chinatown und deutete an, wie diese Banden die Ängste und Hoffnungen der chinesischen Einwanderer ausbeuteten, um diese noch weit nach ihrer illegalen „Immigration“ abzukassieren. Auch diese Einwanderungsproblematik wird in dem Film immer mal wieder angedeutet, dabei vor allem die Ohnmacht der Amerikaner, wirklich etwas dagegen zu tun bzw. sie in geordnetere/legale Bahnen zu lenken.

Der Film selber kann aus seiner interessanten Ausgangslage leider nicht viel machen. Das liegt vor allem daran, dass ihm ein echter Fokus fehlt. Meint man zu Beginn, dass „Revenge of the Green Dragons“ auf Sonny und Steven abgestellt sei, spielen beide irgendwann gar keine Rolle mehr. Dann tauchen sie plötzlich wieder auf, eine Frau stößt hinzu. Und wieder werden die beiden unwichtig. Selbst wenn Steven beinahe umgebracht wird, spielt das ganz schnell keine Rolle mehr. Irgendwann betreten ein paar Cops und FBI Agent Bloom die Szenerie. Doch auch sie bleiben nur Statisten. Dann werden die Green Dragons immer größer und booten andere Gangs aus. Doch sogar das ist unwichtig für den Film, der fokussiert lieber wieder auf Steven und Sonny, nur um sie hernach wieder fallen zu lassen.

Revenge of the Green Dragons

Ray Liotta hat nur eine kleine Nebenrolle.

So fehlt dem Film nicht nur ein erzählerisches Zentrum, ihm fehlt auch das Herz. Denn in diesem wilden Hin und Her erfährt man von keiner der handelnden Personen mehr als den Namen. Niemand wächst einem in diesem wilden Kaleidoskop an Figuren ans Herz. Weder Sonny noch Steven noch sonst irgendwer. Was natürlich verheerend ist für die Spannungskurve. In der Folge schaut man einfach nur zu. Wird nicht getouched. Bleibt emotionslos ob der Ereignisse. Die dramatischer kaum sein könnten: Da werden die Lieben der vermeintlichen Hauptfiguren gekillt, andere Sympathieträger werden hintergangen und am Ende steht auch noch ein Unhappy Ending, das vermutlich richtig geknallt hätte, wäre man in die Welt der Green Dragons mehr hineingezogen worden.

Daran haben vor allem die Darsteller hart zu schlucken. Die durch die Bank sehr junge Besetzung bietet interessante Gesichter auf, die allesamt mit viel Engagement bei der Sache sind und wirklich ausgeklügeltere Charaktere verdient hätten. Bekannter sind eigentlich nur Sonny-Darsteller Justin Chon, der bereits in den „Twilight“-Filmen Biss zeigen durfte, und Paul Wong Darsteller Harry Shum Jr., den man aus „Glee“ kennen könnte. Der prominenteste Name im Cast gehört zweifellos Ray Liotta („Cop Land“). Der darf als FBI Agent Bloom aber leider nicht viel zum Treiben beitragen und bestreitet eher ein paar kleinere Cameos.

Revenge of the Green Dragons

Sonny lernt auf die harte Tour, dass Kriminalität kein Zuckerschlecken ist.

Als Ausgleich für die diversen Makel bieten Andrew Lau und Andrew Loo in ihrem souverän bebilderten, stark in Richtung gelb und braun farbkorrigierten Streifen Tempo satt. Die Green Dragons schwätzen nicht, die Green Dragons handeln. Und das stürmisch, teils unbedacht und immer mit einer Prise Leichtsinnigkeit. Die Folge sind immer neue, teils heftige Gewalteruptionen, in denen die Gegner der Gang von Kugeln förmlich durchsiebt werden. Von Action im eigentlichen Sinne kann man bei „Revenge of the Green Dragons“ allerdings nicht sprechen, denn es branden nie Shootouts auf und es setzt keine Prügeleien. Die Konfrontationen sind kurz, brachial und ähneln eher Hinrichtungen…

„Ich bin der amerikanische Traum“ (Die Chefin hinter den Schleuser-Aktionen)

Im Grunde ist „Revenge of the Green Dragons“ eine Geschichte des Scheiterns. Das Scheitern des amerikanischen Traums vom “Better Way of Life”. Anhand der Green Dragons bekommen wir gezeigt, wie manche darauf reagierten, dass ihre Träume von einem besseren Leben nicht aufgingen. Auch im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nicht. Sie wurden einfach zu Opportunisten. Sie nahmen die Erfüllung ihrer Träume selber in die Hand. Mit aller Gewalt und entgegen einer Gesellschaft, die ihnen vornehmlich Geringschätzung entgegenbrachte. Es ist schade, dass „Revenge of the Green Dragons“ nicht mehr aus dieser Anlage macht und sie einer wenig fokussierten Erzählweise und wenig involvierenden Charakteren opfert. Allgemein hätte man sich mehr Einflussnahme des Produzenten Scorsese gewünscht, denn hinter der Geschichte der Green Dragons steckt deutlich mehr Potential als Andrew Lau und Andrew Loo in der erstaunlich kurzen Laufzeit zu Tage fördern konnten. Einen kurzweiligen Einblick in eine faszinierende Subkultur bietet der Film aber allemal und das wirklich mörderische Tempo des virilen Streifens lässt keinerlei Langeweile aufkommen.

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint von Koch Media und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Einige kleine Featurettes erlauben einen Blick hinter die Kulissen der Dreharbeiten, bleiben aber leider auch eher an der Oberfläche.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Koch Media__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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