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Rogue Hostage

Originaltitel: Rogue Hostage__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2021__Regie: Jon Keeyes__Darsteller: Tyrese Gibson, Christopher Backus, John Malkovich, Michael Jai White, Brandi Bravo, Luna Lauren Velez, Holly Taylor, Zani Jones Mbayise, Carlos S. Sanchez u.a.
Rogue Hostage mit Michael Jai White

“Rogue Hostage” wirkt trotz namhafter Besetzung sehr billig.

Tyrese Gibson („Fast & Furious 9“) wollte wohl auch mal einen „Stirb Langsam“-Klon mit seiner Gegenwart beehren. Also nahm er selbst etwas Geld in die Hand und produzierte eine Variante, die in einem Supermarkt spielt. „Red Hour“ sollte das gute Stück ursprünglich heißen, wird aber zumeist als „Rogue Hostage“ vermarktet.

Bei Kyle Snowden läuft es aktuell nicht besonders. Seine Frau hat ihn und die gemeinsame Tochter verlassen, sein Job als Sozialarbeiter schlaucht enorm und sein nerviger Stiefvater lässt ihn mehr als einmal wissen, für was für einen Loser er ihn hält. Zudem hat Kriegsveteran Kyle traumatische Erinnerungen an seine Einsätze. Was nicht weiter verwundert, nietete er bei einem gar einen seiner Kameraden um.

Als Kyle bei seiner Arbeit die Verantwortung für einen kleinen lateinamerikanischen Flüchtling übernimmt und dem etwas Warmes zu essen versorgen will, wird der Laden, den er dafür ansteuert, von drei Maskierten überfallen. Die wollen Kyles Stiefvater, der den Laden in seiner Funktion als Abgeordneter gerade eröffnet hat, zu einem Statement erpressen, das dessen Karriereende als Politiker bedeuten würde. Zudem wollen sie den Laden in die Luft sprengen.

Das kann Kyle natürlich nicht zulassen. Er wendet sich gegen die Geiselnehmer, die allerdings noch andere Ziele als die behaupteten zu verfolgen scheinen.

Schaut in den Actionfilm mit Michael Jai White hinein

„Rogue Hostage“ kann nicht von sich behaupten, ein irgendwie originelles Die-Hard-Rip-Off zu sein. Dazu halten sich Drehbuch und Regie zu sklavisch an die altbekannten Vorgaben und bedienen sie leider nicht sonderlich gelungen. So dauert es beispielsweise viel zu lang, bis der Geiselpart endlich angerollt ist. Der als extrem weinerlich etablierte Held nervt. Das Gewese um die eigentlichen Motive der Geiselnehmer ist so lachhaft wie unspannend. Und allgemein sind einem die Charaktere durch die Bank komplett egal.

Auch das Wichtigste an einem Stirb-Langsam-Klon funktioniert in „Rogue Hostage“ nicht: Die Action. Die ist durchgehend viel zu klein skaliert. Man hat das Gefühl, der Schauplatz, eine Art 1-Euro-Shop, darf keinerlei Schaden nehmen. Explosionen oder fette Shootouts sind dementsprechend nicht existent. Zudem wirken die wenigen Actionmomente schlecht im Timing, unrund und wenig patent in Szene gesetzt. Der zögerliche Held, der eigentlich niemanden mehr erschießen will, trägt nicht viel zur Besserung der Wahrnehmung der Action bei.

Was gefällt, ist, dass Kyle Snowden sich, nachdem er irgendwann eingesehen hat, dass es ohne Abmurksen nicht funktionieren wird, bei der Wahl seiner Mordwerkzeuge beinahe durchgehend an den im Laden vorhandenen Produkten bedient. Ein „Equalizer“ kommt dabei zwar nicht herum, aber wenigstens lässt man den Helden nicht nur stumpf mit gewöhnlichen Waffen hantieren.

Tyrese Gibson wirkt aufgrund der Anlage seiner Figur wenig glücklich als Actionheld. Er spielt okay, aber irgendwie mag man ihn als John-McClane-Wiedergänger nicht ernst nehmen. Auch weil seine Figur ein wenig zu sehr mit Problemen zugeschüttet wirkt. Als sein Stiefvater changiert John Malkovich („Code Ava“) zwischen Overacting und gelangweiltem in der Gegend Herumstehen.

Luna Lauren Velez („The First Purge“) wirkt als Chefin des überfallenen Ladens taffer als unser Held. Und Actionman Michael Jai White darf als Bodyguard von Malkovichs Figur kein Actionman sein. Nach „Assault on Station 33“ ein weiterer „Stirb Langsam“-Verschnitt, der Whites Fähigkeiten leider total verschenkt. Christopher Backus („Unter Freunden“) bleibt als Superschurke leider total farblos.

In optischer Hinsicht wirkt „Rogue Hostage“ – auch angesichts des einigermaßen namhaften Casts – erschreckend billig. Es gibt keinerlei optische Finessen oder Kameraideen zu entdecken. Selbst der für aktuelle Produktionen obligatorische Drohnenflug ist so spektakuläre wie der Arsch von der Kuh. Zumindest kommt das Setting des Supermarktes einigermaßen glaubwürdig rüber. Dessen Konzept als Billigladen gibt aber den Look vor.

John McClane würde von „Rogue Hostage“ abraten

Regisseur Jon Keeyes wirkt gerade in Sachen Action wenig sattelfest und präsentiert zahlreiche Szenen, die man als Fan eigentlich nicht mehr sehen will. Wenn etwa der Held den Bösewicht umgehauen hat, ihm die Waffe abnimmt und dann einfach wegrennt, fragt man sich schon, wie dumm ein Held eigentlich sein kann. Dazu gesellen sich Bösewichter, die aufgrund des niedrigen Gegneraufkommens zwei- bis dreimal umgebracht werden müssen, bevor sie wirklich über den Jordan gehen. Doch selbst wenn man derartige Fails ausblenden würde, kann die unspektakuläre, unblutige (von einem saftigen Headshot abgesehen), schlecht choreografierte und lahm in Szene gesetzte Action niemand hinterm Ofen hervorlocken.

Der öde, dafür seltsam viel schwitzende Held, ein egaler Bösewicht, kaum Spannung, ein immer verschleppt wirkendes Tempo und eine seltsame Grundbilligkeit tragen dann das Ihre zum Nichtgelingen des Filmes bei. Wer Die-Hard-Action im Supermarkt sucht, dem sei daher lieber eine Sichtung von „Breakaway – Ein knallharter Coup“, „Point Blank – Over and Out“ oder „Security“ empfohlen. Allesamt nicht perfekt, aber deutlich unterhaltsamer und patenter in Szene gesetzt als „Rogue Hostage“.

2 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erschien am 9. Dezember 2021 von Tiberius Film / Sunfilm. Die scheinen nach dem Ende ihrer Kollaboration mit Sony in Nameless aufgegangen oder von jenen übernommen worden zu sein. Der Film ist mit einer FSK 16 uncut und die Datenträger haben keinerlei Extras zu bieten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Nameless__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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