Wir zelebrieren Actionfilme, die rocken!

Rogue Hunter

Originaltitel: Rogue__Herstellungsland: Großbritannien, Südafrika, USA__Erscheinungsjahr: 2020__Regie: M.J. Bassett__Darsteller: Megan Fox, Philip Winchester, Calli Taylor, Jessica Sutton, Lee-Anne Liebenberg, Brandon Auret, Adam Deacon, Sisanda Henna, Greg Kriek, Kenneth Fok u.a.

In unserer Videokritik stellen wir euch den Actionfilm „Rogue Hunter“ mit Megan Fox ausführlich vor. Unter der Videokritik gibt es jetzt auch die Kritik zum Nachschmökern.

Video: Kritik zu „Rogue Hunter“ – Actionfilm mit Naturschutzbotschaft und Megan Fox

Die Jägerin wird zur Gejagten

M.J. Bassett, die nach Filmen wie „Deathwatch“ oder „Solomon Kane“ mit dem missglückten DtV-Sequel zu „Silent Hill“ eine echte Bauchlandung hingelegt hatte, dank ihrem Engagement für die Serie „Strike Back“ aber bei jedem Actionfan ein Stein im Brett hat, kommt ursprünglich vom Tierfilm. Zu dem wollte sie zwar nicht zurück, aber sie hatte große Lust, einen Film zu drehen, der Naturschutz zum Thema hat und selbigen unterhaltsam verpackt. Etwa in Form eines Action-Abenteuerfilmes.

Also setzte sie sich mit ihrer Tochter Isabel auf den Hosenboden und schrieb mit ihr das Drehbuch zu „Rogue Hunter“. Obschon man mit Megan Fox („Transformers“) einen echten Star für das Projekt gewinnen konnte, musste Bassett ihren Film klein halten und ihn unabhängig produzieren. Das geringe Budget merkt man dem Streifen hier und da auch überdeutlich an.

Alles dreht sich um die hochdekorierte Rangerin Samantha O’Hara. Die wird vom Gouverneur eines afrikanischen Landes engagiert, um dessen entführte Tochter aus den Händen der Miliz Al-Schabab zu befreien. Mit einer Handvoll Söldner gelingt es Sam zügig, das Mädchen zu loszueisen, doch der Rückzug aus der Gefahrenzone läuft vollkommen schief. Der zur Abholung geschickte Helikopter wird vom Himmel gebombt und unser Heldentrupp muss von einer sehr erhöhten Position den gefährlichen Sprung in ein reißendes Gewässer wagen.

Um diesen Sprung zu überleben, müssen die Mannen um Sam ihre Waffen, ihre Schutzwesten und diverse Ausrüstungsgegenstände zurücklassen. Was sie freilich im Kampf gegen die sie verfolgende Miliz extrem schwächt. Auf ihrer Flucht vor den blutrünstigen Lumpen kehren die Söldner irgendwann in einer ehemaligen Löwenfarm ein. Was sie nicht ahnen: Ein ehemals in der Farm gehaltener und misshandelter Löwe streift rund um die Farm herum. Und er hat Lust am Töten. Mann um Mann dünnt er die Mannschaft von Sam aus. Und auch die Al-Schabab rückt immer näher.

Schaut in den Actionfilm mit hohem Löwenanteil hinein

Das ist eine Schande und muss endlich aufhören! (M.J. Bassett)

Eine Infotafel nach „Rogue Hunter“ macht eindeutig klar, dass die gerade erlebten 105 Minuten Film zwar frei erfunden waren, die Löwenfarmen aber tatsächlich existieren. Hier würden Löwen gezüchtet, um sie hernach zu schlachten und ihre Felle und Knochen in die ganze Welt zu verkaufen oder um sie wohlsituierten Jägern als Beute vor die Flinte laufen zu lassen. Kleine Löwen würden an Streichelzoos vergeben werden, um sie, sobald sie größer geworden sind, ebenfalls zu schlachten und ihre Überreste zu verschachern. Dass bei derartigen Zuständen M.J. Bassett der Kamm schwillt, glaubt man gerne.

Rund um ihre Kritik an diesen Zuständen, die auch im Film immer mal wieder verbal anklingt und mittels blutiger Bilder eindrücklich untermalt wird, lanciert Bassett eine Art Kriegsabenteuer, in das sie mit einer großen Actionszene einsteigt. In der dürfen Samantha und ihre Gefolgsleute zeigen, was sie drauf haben. Dabei sterben die Anhänger der Miliz dank saftigen Headshots wie die Fliegen. Leider werden in dieser Szene auch schon die finanziellen Einschränkungen offensichtlich. Das Blut stammt samt und sonders aus dem Rechner, die Handgranaten haben die Wucht von besseren Chinaböllern und allgemein fehlt es an Aufwand. Zumindest gefällt eine Hubschrauberexplosion und auch ein sich komplett überschlagendes Auto rockt.

Rogue Hunter mit Megan Fox Explosion

Es scheppert einige Male in “Rogue Hunter” – handmade!

Nach diesem knalligen Auftakt mit anschließender Raftingtour ohne Boot kommen unsere Helden in der Löwenfarm an. Hier versucht „Rogue Hunter“ dem Zuschauer die Figuren zumindest ansatzweise nahe zu bringen. Was wenig bis gar nicht gelingt. Die Worthülsen, derer sich die Figuren bedienen, sind abgedroschen und leer. Was sie zu sagen haben, interessiert niemanden. Obendrein verhalten sich die befreiten Geiseln vollkommen hirnamputiert und labern einen Müll, dass sich die Balken biegen. Kurzum: Mit Ankunft auf der Löwenfarm muss der Zuschauer ein wenig leiden.

Zumal sich die bereits in der Pre-Title-Sequenz kurz präsentierten Löwen sehr rar machen. Und ist das für die Handlung wichtige Tier zu sehen, verstören sein CGI-Look ebenso wie seine seltsam unrunden Bewegungsabläufe. Was man der Regisseurin zugute halten muss, ist, dass sie von den Anfangsminuten abgesehen bewusst auf echte Tiere am Set verzichtete. Wie sie im Audiokommentar erklärt, wäre es ihrer Meinung nach sehr heuchlerisch gewesen, wenn sie echte Tiere dem Stress am Set ausgesetzt hätte, nur um dann zu kritisieren, dass ebenjene Löwen in Löwenfarmen nicht artgerecht behandelt werden würden.

Leider sind die Platzhalter für das echte Tier aufgrund des dünnen Budgets kaum mehr als das: Lückenbüßer. Schlimmer noch: Den Attacken der Raubkatze geht jedwede Wucht ab. Zumal sie immer urplötzlich über Opfer und Zuschauer hereinbrechen. So etwas wie einen Spannungsaufbau kennt „Rogue Hunter“ in Bezug auf die Tierattacken leider gar nicht. Und da einen die Figuren auch nicht wirklich jucken, sieht es mit der Spannung durchweg entsprechend schlecht aus.

Megan Fox als Samantha in "Rogue Hunter"

Megan Fox gibt ganz überzeugend die Heldin von “Rogue Hunter”.

Während man also zunehmend entgeistert auf dem heimischen Sofa sitzt und vor allem den Geiseln den Tod wünscht, legt Bassett auf einmal den Hebel um. Denn plötzlich gelingen „Rogue Hunter“ in seinem letzten Drittel richtig gute Szenen! Megan Fox etwa darf im Rabiat-Modus beherzt Kehlen durchschneiden und cool choreographiert Lumpen umnieten. Ein Teammitglied mit Miliz-Hintergrund mutiert zur charakterlich hochinteressanten Nebenfigur und wird von Sisanda Henna auch noch fabelhaft gespielt. Die anrückende Al-Shabab sorgt für viel Rambazamba und echte Explosionen. Die Headshot-Maschinerie läuft warm.

Ganz nebenbei wird jetzt die Naturschutzbotschaft eingewoben, die ganze Story um den blutigst wütenden Löwen bekommt einen ganz anderen Dreh und die beiden Bromance-Charaktere Joey und Bo rocken richtig einen raus. Und sie singen nebenbei auch noch einen Hit von den Backstreet Boys! Spätestens wenn Megan Fox folgende Zeile raushaut, rockt „Rogue Hunter“ richtig geil: „Jetzt kannst du dich entscheiden, welche Bitch dich töten soll.“ Natürlich werden die Effekte nicht besser, das CGI-Blut nervt nur noch und wirklich spannender wird der Film auch nie, aber er klingt tatsächlich bedeutend besser aus, als er begonnen hat.

Film mit Löwen von M.J. Bassett

…und Action!

Darstellerisch geht Megan Fox als Anführerin der Söldner durchaus in Ordnung. Zwar schwitzt sie hier und da einfach zu perfekt und während ihre Männer meist mit Dreck in der Fresse herumrennen, bleibt sie immer strahlend rein, vollkommen unglaubwürdig wirkt sie aber nie. Was das Drehbuch auch gekonnt abfedert, indem es nicht nur Sams Männer sondern auch die Geiseln die Anführerrolle und Fähigkeiten des Charakters Sam immer wieder hinterfragen lässt.

Eine sichere Bank ist Philip Winchester („Strike Back: Retribution“) als Joey, der hier mit Bo-Darsteller Kenneth Fok für die lustigen Momente des Streifens sorgt. Und dass er ganz nebenbei taffe Action kann, weiß jeder „Strike Back“-Fan. Auch die restlichen Darsteller funktionieren gut, für die Fieswichter hätte man sicher aber charismatischere Gestalten gewünscht. Nur die Darstellerinnen der Geiseln sind ein kompletter Totalausfall. Vorneweg: M.J. Bassetts Tochter Isabel, die katastrophal mies spielt.

Optisch sieht man dem in Südafrika gedrehten „Rogue Hunter“ seine Budgetlimitierungen nicht an. Der Sepialook in den Tagesszenen gefällt, das bei Nacht spielende Finale ist ordentlich ausgeleuchtet und die dynamische Kamera macht nicht nur in der Action Laune. Auch der Score zum Film ist als gelungen zu bezeichnen und die Gore-Effekte im Film sind echt gelungen. Die Wunden der Raubtieropfer sehen teils wunderbar schlotzig aus. Auch eine fiese Machetenwunde im Arm eines Charakters schaut reichlich derb aus.

„Rogue Hunter“ funktioniert erst in seinem Finale

Im Audiokommentar zum Film erfährt man, dass „Rogue Hunter“ komplett chronologisch gedreht wurde. Und irgendwie hat man den Eindruck, dass man dem Film genau das auch anmerkt. Sprich: Zu Beginn übten alle Beteiligten noch und steigerten sich dann bis zum Ende immer weiter in ihre Aufgabe hinein. Zumindest wäre das eine Erklärung für die vorliegende Dramaturgie, die einen zu Beginn so gar nicht packt, unausgereift wirkt und mit vielen Baustellen sowie inhaltsleeren Dialoghülsen bombardiert, nur um am Ende richtig tolle Szenen zu lancieren, die man dem Film so überhaupt nicht mehr zugetraut hätte.

Das wirklich gelungene, breit ausgewalzte und mit viel Action präsentierte Finale rettet „Rogue Hunter“ dann ebenso den Hals wie seine hehren Absichten, die den Film tatsächlich nie überstrahlen, aber alleine schon aufgrund des Schauplatzes immer allgegenwärtig wirken. Rechnet man dann noch ein, dass der Film kaum etwas kosten durfte, ist man fast bereit, ihm alles zu verzeihen. Aber auch nur fast. Immerhin muss man schon gut 70 Minuten überstehen, bevor man von dem Film dann doch noch positiv überrascht wird.

05 von 10

Der Actioner ist ab dem 26.2.2021 bei verschiedenen VoD-Plattformen zu erstehen. Ab dem 5.3.2021 präsentiert ihn Leonine gemeinsam mit SquareOne auch auf DVD und Blu-ray. Ungeschnitten mit einer Freigabe ab 18 und mit Extras wie Interviews und gleich zwei Audiokommentaren.

In diesem Sinne:
freeman

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Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Leonine / SquareOne__Freigabe: FSK 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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