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Rogue One: A Star Wars Story

Originaltitel: Rogue One: A Star Wars Story__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2016__Regie: Gareth Edwards__Darsteller: Felicity Jones, Diego Luna, Alan Tudyk, Donnie Yen, Jiang Wen, Mads Mikkelsen, Ben Mendelsohn, Forest Whitaker, Riz Ahmed, Jimmy Smits, Genevieve O’Reilly u.a.
Rogue One: A Star Wars Story

Im „Star Wars“-Spin-Off „Rogue One“ jagen unter anderem Felicity Jones, Diego Luna und Donnie Yen als Rebellentruppe den Bauplänen des Todessterns hinterher

Ein Extended Universe zu „Star Wars“ gab es schon zu den Zeiten von George Lucas, da meist ausgelagert in Comics, Videospiele und Romane. Als die Franchise-Rechte an Disney gingen, wurde das meiste davon für ungültig erklärt, während man selbst sein Extended Universe aufbaute, dieses Mal auch mit Kinofilmen, welche die Wartezeiten zwischen den neuen Episoden der Saga verkürzen sollen.

„Rogue One“, das erste offizielle Spin-Off der Reihe, soll nun die Geschichte nachliefern wie die Pläne für den Todesstern in den Händen von Prinzessin Leia landeten. Wichtiger Faktor hierbei ist der Todessternkonstrukteur Galen Erso (Mads Mikkelsen), der damals bewusst eine Schwachstelle in die Vernichtungsmaschine einbaute, nicht zuletzt da Imperiale Orson Krennic (Ben Mendelsohn) ihn mit vorgehaltener Knarre zur Zusammenarbeit. Galens Tochter Jyn floh und wurde von dem Rebellen Saw Gerrera (Forest Whitaker) aufgenommen, während ihre Mutter sich an einer Ein-Frau-Rettungsaktion ihres Mannes gegen eine ganze Horde imperialer Truppe versuchte und für diesen Mangel an Umsicht konsequenterweise auch den Fangschuss kassierte. Nicht besonders klug, aber hey, ein bisschen Drama und die nötige Backstory-Wunde für die Heldin muss sein.

Sprung ein paar Jahre in die Zukunft: Trotz aller Verzögerungsversuche Galens werkelt man den Todesstern nun im Endstadium zurecht, während Jyn (Felicity Jones) als Kriminelle zweifelhafte Berühmt- bzw. Berüchtigtheit erlangt hat. Die Rebellen wollen sie freilich nutzen um an ihren Vater und dessen Wissen heranzukommen. Zusammen mit dem Rebellenleader Cassian Andor (Diego Luna) und dem umgebauten Imperial-Roboter K-2SO macht sie sich auf zu ihrem ehemaligen Ziehvater Saw, der den imperialen Deserteur und Kampfpiloten Bodhi Rook (Riz Ahmed) bei sich hat, der wiederum eine Botschaft Galens bei sich hat. Bei diesen kurzen Auftritt macht Saw Gerrera, eine mit reichlich Cyberersatzteilen gepimpte Mischung aus Freiheitskämpfer und Terrorist, dessen Nachnahme nicht ganz unzufällig nach Guerilla klingt, schon drehbuchtechnisch keine sonderlich gute Figur, sondern auch Forest Whitaker zeigt, dass er es rund 16 Jahre zuvor für eine gute Idee hielt sich durch „Battlefield Earth“ zu chargieren, woran sein Overacting erinnert. Dabei machte Whitaker jüngst auch in Genrefilmen wie „Zulu“ oder „Southpaw“ schauspielerisch eine gute Figur.

Cassian, Jyn, Bodhi und K-2SO erfahren durch diese Botschaft von der Schwachstelle des Todessterns und wo sie zu finden ist und machen sich, inzwischen noch den blinden Fighter Chirrut Imwe (Donnie Yen) und dessen Kumpel Baze Malbus (Jiang Wen) im Gepäck, auf zu den Rebellen. Doch das Imperium ist eine stetige Gefahr für ihre weitere Mission…

Rogue One: A Star Wars Story

Rebellin Jyn Erso (Felicity Jones) hat einen persönlichen Groll gegen das Imperium

Ganz so radikal ist die Neuausrichtung von „Rogue One“ nicht, gerade im ersten Drittel: Rebellen mit ermordeten Verwandten und daraus resultierendem Groll gegen das Imperium kommen vor, man rauft sich zu einer Zweckgemeinschaft zusammen und ohne Humor geht es auch nicht, vor allem in den Sprüchen von K-2SO. Chirrut als an die Macht glaubender Stockkämpfer ohne erkenntliche Jedi-Kräfte bürstet immerhin das Klischee des allwissenden asiatischen Meisters etwas gegen den Strich, aber manchmal wirken die Gags eher forciert – eventuell ein Resultat der Nachdrehs, aber das ist reine Spekulation. Manchmal beißen sich die Gags auch mit den Bildern von Massenzerstörung und Kriegsszenen, die ihre Helden stellenweise wesentlich unmittelbarer in die Auslöschung von Städten, Planeten und Zivilisten werfen als die vorigen „Star Wars“-Filme. Gerade eine Schlacht in einer Wüstenstadt auf dem Planeten Jedha erinnert an Bürgerkriegsszenen aus dem Nahen Osten.

Allgemein tun sich im ersten Drittel einige Probleme auf, denn zwar setzt „Rogue One“ durchaus auf markige Archetypen, so bleiben diese doch weniger einprägsam als viele ihrer Pendants aus den Vorläufern. Die meisten bleiben Stichwortgeber und/oder figurgewordene Plotfunktion, während mancher Ansatz nur unzureichend entwickelt wird, etwa der Fanatismus von Cassian, der einen nutzlos gewordenen Informanten eiskalt exekutiert und damit auch dem Heldenimage der Rebellen einen Kratzer verpasst. Aber es bleibt mehr oder minder dabei, denn bei der nächsten Gelegenheit tut er dann das Richtige. So bleibt dann nur die Frage, ob irgendeiner und wenn ja, wer es von den Helden schafft, wobei natürlich Jyn und Cassian als Quasihauptfiguren, zwischen denen auch ein minimaler romantischer Funke springt, die besten Chancen haben. Aber in vielerlei Hinsicht ist „Rogue One“ erfreulich konsequent was das Handeln mit dem Figureninventar umgeht.

Rogue One: A Star Wars Story

Intergalaktisches Buddy-Duo: Baze Malbus (Jiang Wen) und Chirrut Imwe (Donnie Yen)

Derart drastische Einschnitte kommen allerdings im späteren Filmverlauf und da steigert sich „Rogue One“ zunehmend. Das zweite Drittel erinnert an Men-on-a-Mission-Kriegsabenteuer wie „Das dreckige Dutzend“ oder „Die Kanonen von Navaronne“, hier eben in der „Star Wars“-Sci-Fi-Variante und bietet durchaus launige Commando- und Spionagekost im Sternenkrieg, bei der die Truppe auch nach und nach mehr Profil gewinnt, man manches Figurendilemma besser versteht und die Charaktere trotz einer weiter bestehenden Oberflächlichkeit dem Zuschauer näher kommen. Der Humor wird weniger, beschränkt sich eher auf Sprüche und Frotzeleien untereinander, die ein Himmelfahrtskommando erträglicher machen sollen, wie bei den genannten Vorbildern.

Im letzten Drittel schwenkt „Rogue One“ dann vollends auf den versprochenen Kriegsfilm im „Star Wars“-Universum und liefert ein furioses Finale, das den Rest des Films überstrahlt. Neben einer gewohnt guten, aber nicht herausragenden Raumschlacht gibt es eine lange Schlachtsequenz auf dem Planeten Scarif, Typ tropisches Inselparadies. Den Härten eines echten Kriegsfilms versagt sich auch „Rogue One“ und ist seiner Darstellung weggeballerter und weggesprengter Rebellen und Stormtrooper kaum anders als seine Vorgänger, jedoch befinden sich mehr inhaltliche Motive des Kriegsfilm im Finale: Das Taktieren im Kampf gegen eine Übermacht, der Kampf im Rückzug, die Heldenopfer, die Sabotageakte, die Unterstützung der Infanterie durch Flieger und Kampfmaschinen wie AT-ATs. Dabei fackelt Regisseur Gareth Edwards („Godzilla“) ein furioses Sci-Fi-Actionwerk ab, auch wenn die beiden vorigen größeren Spektakelszenen des Films durchaus etwas hermachen – aber gegen den Showdown verblasst der Rest des Films in vielerlei Hinsicht.

Rogue One: A Star Wars Story

Rebell Cassian Andor (Diego Luna) leitet das Himmelfahrtskommando

Tatsächlich hört „Rogue One“ wenige Minuten vor dem Start des originalen „Krieg der Sterne“ auf und schließt sauber an diesen an. Schließt man die Lücke um die Schwachstelle des Todesstern, so reißt man an anderer Stelle kleinere auf: *SPOILER*Vor allem die beiden Todessterntests stehen im Gegensatz zum Credo aus dem Original-„Star Wars“, dass die Zerstörung Alderans das erste Mal sein soll, dass man ihn in Aktion sieht. Immerhin liefern diese Tests tolle Bilder, sei es die wellenartige Zerstörung Jedhas oder die Flammenwelle, vor der Jyn und Cassian in den Tod gehen. *SPOILER ENDE* Ein Auftritt des sich durch die Rebellen schnetzelnden Darth Vaders in den letzten Minuten ist Fanservice, nett aber verzichtbar, ähnlich wie der Einbau der digital reanimierten bzw. verjüngten Charaktere Tarkin und Leia. Die sind zwar ziemlich gut animiert, sehen aber immer noch nicht täuschend echt aus, was gerade bei Leia stark auffällt.

Schauspielerisch ist vor allem Felicity Jones („Collide“) ein Lichtblick, die trotz wenig entwickelter Rolle „Rogue One“ über manche Holprigkeit zu tragen weiß und die Rebellin mit persönlichem Ballast als starke Heldin und Kämpfernatur anlegt. Mads Mikkelsen („Hannibal“) leistet in seinen wenigen Szenen Beachtliches, während Ben Mendelsohn („The Place Beyond the Pines“) seinen eindimensionalen Schurken hübsch hassenswert anlegt. Donnie Yen („xXx 3 – Die Rückkehr des Xander Cage“) schlägt sich okay, wird in Sachen Martial Arts aber (mal wieder) unterbeschäftigt, auch wenn er und Jiang Wen („Let the Bullets Fly“) ein launiges Buddy-Duo abgeben. Routiniert ohne zu glänzen ist Diego Luna („Blood Father“), während ein hampeliger Riz Ahmed („Jason Bourne“) in seiner lieblos geschriebenen Rolle auf verlorenem Posten steht. Jimmy Smits („Kalifornia Nightmare“) schaut mal wieder Bail Organa vorbei und in der Originalfassung spricht erneut James Earl Jones („Best of the Best“) Darth Vader.

„Rogue One“ liefert die Neujustierung von „Star Wars“ im Spin-Off-Rahmen, wenn auch nicht allzu radikal. Allerdings braucht der Film mit seinen eher flachen Charakteren und seiner holprigen Einführung um den richtigen Tritt zu finden, ehe er erst als Men(-and-Women)-on-a-Mission-Abenteuer und später als waschechter Sci-Fi-Kriegsfilm zu liefern weiß und sich stetig steigert. Alles andere als perfekt, aber ein Fingerzeig wie die Spin-Offs neue Akzente setzen könnten. Und das Finale ist ein wirklicher Kracher.

„Rogue One“ läuft seit 15. Dezember 2016 in den deutschen Kinos und ist ungekürzt ab 12 Jahren freigegeben. DVD und Blu-Ray sind auf den 31. Mai 2017 terminiert. Auf Blu-Ray wird es, wie in vielen Kinos, eine 3D-Variante geben. Sonderlich großen Effekt hat es allerdings nicht und trägt wenig zum Film bei.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Walt Disney__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 15.12.2016 in den deutschen Kinos

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