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Ruckus

Originaltitel: Ruckus__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1980__Regie: Max Kleven__Darsteller: Dirk Benedict, Linda Blair, Richard Farnsworth, Matt Clark, Jon Van Ness, Taylor Lacher, Clifford A. Pellow, Ben Bates, Jerry Gatlin, Bennie E. Dobbins, Bobby Hughes, Ben Johnson u.a.
Ruckus

Action mit Dirk Benedict und Linda Blair: “Ruckus”

Trotz ihres Erfolgs als Kind in „Der Exorzist“ ging es für Linda Blair bald in die Abteilung B-Film, wo sie auch den Stuntman und Second-Unit-Regisseur Max Kleven kennenlernt. In dessen Regiedebüt „Ruckus“ hatte sie eine Hauptrolle und spielte später noch in dessen „Wings of Freedom“ mit.

„Ruckus“ könnte als „Rambo“-Plagiat durchgehen, erschien aber zwei Jahre vor dem Klassiker. Wobei Parallelen nicht auszuschließen sind: David Morrells Romanvorlage zu „Rambo“ erschien schon 1972 und es kursierten im Vorfeld der Umsetzung mit Sylvester Stallone diverse Drehbuchfassungen, weshalb etwas an den Gerüchten dran sein könnte, dass sich „Ruckus“ dort bediente. Die Prämisse jedenfalls erinnert doch arg an „Rambo“. Ein Vietnamveteran schlurft in ein kleines Kaff in den Südstaaten und kriegt es mit den dortigen Gesetzeshütern zu tun. Kyle Hanson (Dirk Benedict) ist jedenfalls vom Krieg gezeichnet, sieht wie ein verwahrloster Hippie aus und bestellt seinen Burger roh, um das Fleisch mit Zwiebeln und Soße zu verspeisen, während er das Brötchen für später einpackt.

Der Drifter erregt die Aufmerksamkeit des reichen Bobby Bellows (Bobby Hughes) – allerdings nicht, weil dieser ihm etwas Böses will, sondern aus einem ganz anderen Grund: Bobbys Sohn war ebenfalls Soldat in Vietnam, wird aber noch vermisst, weshalb er fragen möchte, ob Kyle seinen Sohn vielleicht kennt. Bobby betreut ein paar einfacher gestrickte Einwohner mit der Aufgabe und damit beginnt der Schlamassel: Diese gehen Kyle ziemlich rüde an, was der psychisch Angeknackste gar nicht gerne sieht und mit ein paar blutigen Nasen belohnt. Wenn Kyle mit irrem Blick und regelrecht psychopathischer Attitüde auf diese Provokationen reagiert, dann man mag sich in einem Film wähnen, der noch näher an der Romanvorlage Morrells ist.

Nach dieser Konfrontation blasen die Polizei und die ortsansässige Redneck-Community zur Jagd auf Kyle, der sich zur Wehr setzen kann. Während seiner Räuber-und-Gendarm-Spiele mit den Einheimischen lernt er auch Jenny (Linda Blair) kennen, die Schwiegertochter von Bobby…

Ruckus

Ist es John J. Rambo? Nein, es ist Kyle Hanson (Dirk Benedict)

Schnell verflüchtigt sich im Laufe dieser der Handlung allerdings die Idee, dass Kyle noch abgefuckter als John J. Rambo sein könnte, dass der Film noch näher an Morrells düsterem Roman sein könnte. Denn man die Auseinandersetzung zwischen Kyle und den Dörflern hat tatsächlich bald etwas Spielerisches. Episodisch kommt es zu Aufeinandertreffen, bei denen aber niemand zu Tode kommt: Selbst wenn Boote mir Molotowcocktails beworfen werden, werden die Insassen trotz Explosion und Feuer nicht ernsthaft verletzt, sondern können sich mit einem beherzten Sprung nach der Detonation in Sicherheit bringen. Auch die Auflösung ist dementsprechend simpel und versöhnlich: Bobby und Sheriff Jethro Pough (Richard Farnsworth) sehen, dass ihre Leute zu weit gehen und dass Kyle ein guter Kerl ist, der eh die Oberhand behält, weshalb sie die Rednecks zurückpfeifen und Kyle eine ungenutzte Insel in der Flussmitte überlassen, die Bobby gehört. Dass Kyle diese Insel ganz knorke findet, hatte er glücklicherweise irgendwann Jenny mitgeteilt, sodass man diese Lösung aus dem Hut zaubern kann.

Denn mit Jenny findet Kyle seine potentielle große Liebe, die ihm nicht nur gut zuredet, sondern auch eine Dusche und frische Klamotten verpasst, womit er nicht nur wie aus dem Ei gepellt aussieht, sondern auch direkt seine psychopathischen Attitüden ad acta legt. Praktischerweise kommt im Laufe der Handlung noch die Info rein, dass Jennys Ehemann tatsächlich tot ist, da steht dem jungen Glück nichts mehr im Wege. Wobei all diese Belanglosigkeiten, die so etwas wie eine Handlung ergeben sollen, eh nur Teil der Stuntshow sind, die „Ruckus“ zelebriert: Wenn Kyle und Jenny sich besser kennenlernen, dann machen sie einfach einen Ausflug aus Geländemotorrädern und vollführen meterweite Sprünge, das gilt wohl als Gipfel der Romantik in diesem Film.

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Jenny Bellows (Linda Blair) kann Gefühle bei dem gestörten Veteranen wecken

Aber vielleicht ist es auch ganz gut, dass sich „Ruckus“ nicht an großen Romantikdarstellungen versucht, denn dafür sind die Leistungen von Regie und Darstellern viel zu grobschlächtig. Max Klevens hakeliger Handwerkerinszenierung fehlt es an Finesse, während sich die Redneck-Darsteller einen Stiefel als Bauerntrampel mit dickstem Südstaatenakzent, geringer Bildung und unzureichender Körperhygiene zusammenchargieren. Richard Farnsworth („Proxima Centauri 3“) als gutherziger, umsichtiger Sheriff und Bobby Hughes als gutherziger, umsichtiger Großgrundbesitzer verkörpern ebenfalls das pure Klischee, während Linda Blair („Savage Streets“) trotz nomineller Hauptrolle auch kaum mehr als Staffage bleibt. Denn der Film dreht sich nur um Dirk Benedict („Scavenger Hunt“), der allerdings auch nur zwei Gesichtsausdrücke mit sich herumträgt: Entweder ein kerniges Zahnpastalächeln oder den psychopathisch-verkniffenen Gesichtsausdruck bei und vor Kampfhandlungen.

Allerdings ist die Besetzung der Hauptrolle mit dem „A-Team“-Star eigentlich ziemlich konsequent, denn die stuntzentrierte Action des Films erinnert an genau solche TV-Serien der 1980er: Es kommt niemand ernsthaft zu Schaden, aber für reichlich Autocrashs, Stunts und Explosionen ist gesorgt. Die Schießprügel sprechen nur kurz, denn Schusswaffeneinsatz würde ja Verletzte oder Tote nach sich ziehen. Ein paar Prügeleien aus der Welt des Kirmesboxens gibt es aber auch zu sehen, vor allem aber sind die Stuntleute gefragt und die liefern dann auch ganz gut: Ineinanderkrachende Autos mit teilweise abrasierten Dächern, metertiefe Stürze und ordentlich Pyrotechnik sorgen zwischendurch für Laune, auch wenn das Ganze so offensichtlich als Stuntshow angelegt ist als säße man bei einer Darbietung der Karl-May-Festspiele. Im Hintergrund tönt gerade bei den Verfolgungsjagden ein penetranter Südstaaten-Banjo-Soundtrack, als kämen gleich Burt Reynolds oder die Dukes of Hazzard um die Ecke, aber mit Subtilität oder Klischeevermeidung hat „Ruckus“ eh nicht viel am Hut.

Das Ergebnis ist dann „Rambo“ in der „A-Team“-Variante: Harmlose Action mit vielen, durchaus schick anzusehenden Stunts, aber eingepackt in eine egale und vollkommen banale Handlung, die kaum überdecken kann, dass ihr einziger Zweck darin besteht die einzelnen Set-Pieces zu verbinden bzw. die Zeit dazwischen zu überbrücken. Mau gespielt und grobschlächtig inszeniert ist „Ruckus“ auch, sodass das Ganze als Stuntshow leidlich unterhaltsam ist, als richtiger Film aber doch zu viele Defizite hat.

In Deutschland hat Starlight den Film in Kooperation mit Astro und United Video auf DVD veröffentlicht. Die DVD ist ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben und bietet zwei Versionen von „Ruckus“ an: Die reguläre Uncut-Version und eine integrale Langfassung, in der auch zusätzliche Szenen aus den deutschen VHS-Veröffentlichungen eingefügt wurden. Diese Szenen unterscheiden sich qualitativ von den regulären und liegen auch nur auf Deutsch vor, weshalb der Film dann in die deutsche Synchro in diesen Passagen wechselt, wenn man ihn im O-Ton schaut. In Sachen Bonus gibt es einen Audiokommentar von Max Kleven, Dirk Benedict, Linda Blair und Richard Farnsworth, Trailer, Artworks sowie Filmschnippel (verschiedene Vorspänne, Schnittfehler usw.).

© Nils Bothmann (McClane)

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