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Savage Dog

Originaltitel: Savage Dog__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Jesse V. Johnson__Darsteller: Scott Adkins, Marko Zaror, Juju Chan, Cung Le, Vladimir Kulich, Keith David, Charles Fathy, Matthew Marsden, Sheena Chou, Luke Massy, Aki Aleong u.a.
Savage Dog

In Jesse V. Johnsons „Savage Dog” kicken die Martial-Arts-Größen Scott Adkins, MarkoZaror und Cung Le mit

Viele (B-)Actionregisseure zeigen Interesse an Geschichte und historischen Gefechten, darunter sowohl Isaac Florentine als auch sein Kollege Jesse V. Johnson. Während Florentine derartige Leidenschaften meist nur in kurzen Momenten, z.B. der Auftaktszene von „Ninja: Shadow of a Tear“, ausleben konnte, wagt Johnson mit „Savage Dog“ die Verbindung von Actionfilm und historischem Hintergrund.

„Savage Dog“ spielt in Indochina im Jahre 1959. Hierhin hat es viele Weltenbummler und halbseidene Gestalten verschlagen, denen der Boden in der westlichen Welt zu heiß wurde, darunter der Ex-Nazi Hans Steiner (Vladimir Kulich), der dort nun illegale Zweikämpfe veranstaltet. Zu den Fightern gehört auch der irische Strafgefangene Martin Tillman (Scott Adkins), den Steiner schließlich freilässt, als der MI6-Mann Harrison (Matthew Marsden) unangenehme Fragen stellt – dieser möchte Martin nämlich vor ein englisches Gericht bringen, doch Steiner leugnet ihn zu kennen. Währenddessen zieht der Vietnamkrieg herauf, weshalb Steiner und seine Getreuen (teilweise frühere Nazi-Kollaborateure aus Spanien und Frankreich) noch Geld machen wollen, ehe Indochina im Chaos versinkt.

Martin beginnt nach seiner Freilassung in der örtlichen Bar von Valentine (Keith David) als Türsteher zu arbeiten, wobei er Isabelle (Juju Chan), Valentines Adoptivtochter, näherkommt. Auch hiermit kommt „Savage Dog“ seinem Regisseur und seinem Hauptdarsteller entgegen: Sowohl Johnson, der schon mit Filmen wie „Charlie Valentine“ entsprechende Ambitionen zeigte, als auch Adkins können sich vom reinen Actionfilm wegbewegen und zumindest für eine kurze Weile eine Liebesgeschichte inszenieren, in der sich zwei versehrte Menschen näherkommen, die beide mit ihrer Vergangenheit hadern und keinen Abschluss finden. Dabei mag „Savage Dog“ nicht allzu sehr in die Tiefe gehen, doch baut die Romanze souverän genug ein, dass sich sowohl Adkins als auch Johnson abseits von Krawall behaupten können.

Als Martin bei seiner Arbeit jedoch einen von Steiner angeheuerten Boxer niederschlägt, stehen dessen Leute vor der Tür und bringen ihn dazu mehr oder minder freiwillig wieder in den Ring zu steigen. Martin folgt den Anweisungen, doch eines Abends gibt es ein folgenschweres Unglück…

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Martin Tillman (Scott Adkins) ganz romantisch mit Isabelle (Juju Chan)…

„Savage Dog“ mag in einzelnen Momenten über den normalen Genrereißer hinausgehen, in Sachen Dramatik kann er dann aber doch nicht ganz zu Teil 2 und 3 der „Undisputed“-Reihe mit dem gleichen Hauptdarsteller aufschließen. Stattdessen ist er doch eher Genreware, die im ersten Teil dem Turnierfilm der Marke „Bloodsport“ verhaftet ist, ehe sich der Film in Hälfte zwei dann zum beinharten Rachefilm wandelt. Die menschlichen Schicksale der Außenseiter an allen Fronten treten eher in den Hintergrunde für eine genretypische Geschichte, die Johnson als beinharten, brutalen und recht geerdeten Reißer erzählt. Dementsprechend sind die Farben des Films nie zu knallig, der Look immer etwas erdig und gritty, passend zum eher rauen, bodenständigen Ton der erzählten Geschichte passt.

Auch in Sachen Action geht „Savage Dog“ diesen Weg stilistisch weiter. Viele Kämpfe sind eher klassisches Bare-Knuckle-Boxing mit gelegentlichem Knie- und Fußeinsatz, weshalb man wenige von Adkins‘ Kicks sieht (und gesprungene nur ganz selten) – Johnson spart sie vor allem für die letzten Zweikämpfe auf, in denen sich Adkins mit Cung Le und Marko Zaror auseinandersetzen muss. Doch vergleicht man einmal das Aufeinandertreffen von Adkins und Zaror in „Undisputed 3“ mit ihrer Begegnung hier, so fallen die stilistischen Unterschiede deutlich auf. Doch hier kommt es nicht nur zum Martial-Arts-Einsatz, sondern es sprechen auch die Macheten und die Schießprügel, was sich auch im Härtegrad des Films niederschlägt: Blutige Einschüsse, abgehackte Köpfe und weggeballerte Hände gibt es zu verzeichnen, sobald die Lage ernster wird und die Konfrontationen auf Leben und Tod ausgetragen werden. Die Fightchoreographie von Johnsons Weggefährten Luke LaFontaine („The Last Sentinel“) ist gelungen, auch wenn es der durch und durch überzeugenden Action noch an den ganz großen Highlights mangelt, aber das passt gleichzeitig auch zum eher nüchternen Stil des Films.

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…und eiskalt im Rachemodus

Wovon „Savage Dog“ ebenfalls profitiert, ist sein Figurenkabinett. Die tiefsinnigsten aller Charaktere sind es nicht, doch mit wenigen Pinselstrichen sind sie gut getroffen – sei es nun der alte, weise Valentine, der auch als Off-Erzähler fungiert, der Opportunist Steiner, der trotzdem gelegentliche Anflüge von Ehrgefühl und Bedauern hat, oder der sadistische Jean-Pierre Rastignac (Marko Zaror), der unterlegene Gegner gerne mit dem Messer filetiert. Auch die Locations des tatsächlich in Vietnam gedrehten Films tragen zum Flair bei, womit sich „Savage Dog“ seiner konventionellen Handlung zum Trotz von vieler anderer B-Ware abheben kann.

Als Johnson-Regular ist Keith David („The 5th Commandment“) dabei und spielt mal wieder eine Mentorenrolle mit Charisma und Gravitas, während Scott Adkins („Eliminators“) auch mit irischem Akzent als Ex-IRA-Terrorist und romantischer Held überzeugt. Am Ende steht gar der Beginn einer (möglicherweise) wunderbaren Freundschaft zwischen ihm und einem früheren Gegenspieler, ganz in der Tradition von „Casablanca“. Vladimir Kulich („Der 13te Krieger“) schafft es auch die Facetten seines Bösewichts, die über Stereotypen hinausgehen, zu betonen, während Marko Zaror („Fist of God“) als Psycho und Cung Le („Dragon Eyes“) als weitgehend stummer Handlanger eher in den Actionszenen überzeugen, darstellerisch dagegen nicht ganz so. Juju Chan („Crouching Tiger, Hidden Dragon: Sword of Destiny“) schlägt sich brauchbar als romantische Partnerin an Adkins‘ Seite, wird im Laufe des Films aber immer weiter an den Rand gedrängt. In einer Nebenrolle hält außerdem noch Aki Aleong („Pound of Flesh“) sein bekanntes Gesicht kurz in die Kamera.

Wer Scott Adkins mal ohne die spektakulären (Sprung-)Kicks sehen will, die vor allem seine Boyka-Rolle in den „Undisputed“-Sequels so beliebt machten, der bekommt den Actionstar als romantischen Helden und späteren Racheengel hier in der etwas bodenständigeren Version zu sehen. Dadurch fehlen der Action zwar ein wenig die einprägsamen Highlights aus der erwähnten Reihe, doch ansonsten ist „Savage Dog“ ein zwar stellenweise recht konventioneller, aber erfrischend roher und recht temporeicher Reißer, der vor allem von seinen Originalschauplätzen in Vietnam und den einprägsamen Figuren lebt. Und sogar der romantische Part gelingt Jesse V. Johnson und seinem Hauptdarsteller so gut, dass er den Film nicht ausbremst.

„Savage Dog” ist hierzulande bei ACME/WVG Medien auf DVD und Blu-Ray erschienen und ungekürzt ab 18 Jahren freigegeben. In Sachen Bonusmaterial gibt es Trailer und den Soundtrack.

© Nils Bothmann (McClane)

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