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Savaged

Originaltitel: Savaged__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Michael S. Ojeda__Darsteller: Amanda Adrienne, Rodney Rowland, Marc Anthony Samuel, Rick Mora, Ronnie Gene Blevins, Kyle Morris, Natalie Sutherland, Willow Hale, John Charles Meyer, Peter Sherayko, Brionne Davis u.a.>
Savaged

“Savaged” – ein wilder Mix aus “I spit on your Grave” und “The Crow”.

Die junge Zoe ist in einem Oldtimer quer durch Amerika unterwegs, um ihren Schatz zu besuchen. Sie genießt vor allem die unberührten Seiten Amerikas sichtlich. Doch die schöne Zeit ist jäh vorbei, als plötzlich ein schwer verletzter Indianer vor ihr auf der Strecke auftaucht. Zoe bringt ihren Wagen gerade noch zum Stehen und sieht, dass der Mann auf der Straße zusammenbricht. Des Weiteren wird sie Zeugin, wie ein anderer Indianer von ein paar Typen in einem Pick Up gejagt wird und letzten Endes an der Stoßstange des Gefährtes wortwörtlich zerplatzt. Zoe schaltet nun sofort und versucht den Indianer, den sie beinahe überfahren hätte, zu retten. Sie zerrt ihn in ihr Auto, doch sie kommt nicht mehr dazu, davon zu rasen. Die Kerle haben sie längst erreicht und stechen den Indianer eiskalt ab. Zoe selbst wird verschleppt und in eine Hütte verbracht.

Mittels Stacheldraht an ein Bett gefesselt macht sie nun ein wahres Martyrium durch, vergehen sich die offenkundigen Rassisten doch mehrmals an ihr. Dann beschließen sie, die junge Dame aus dem Weg zu räumen. Zwar kann Zoe flüchten, kommt aber nicht weit und wird ebenfalls abgestochen. Verschachert in der Wüste wird sie von einem Schamanen aufgefunden, der meint, in ihrem Körper noch ein Fünkchen Leben wahrzunehmen. In einem Ritual will er ihre Lebensgeister wieder erwecken. Doch er erweckt etwas ganz anderes, das sogleich in Zoes Körper fährt…

Savaged

In der Wüste verscharrt, fährt ein Geist eines Apachenhäuptlings in Zoe.

Dabei handelt es sich um den Geist eines vor langer Zeit ermordeten Apachen-Häuptlings, der bei dem Ritual gespürt hat, dass die Mörder von Zoe die Nachkommen von brutalen Indianer-Schlächtern waren. Der Geist sinnt nun auf Rache und befriedigt im Grunde nebenbei die Rachegelüste von Zoe. Die hat derweil mit ganz anderen Problemen zu kämpfen, denn sie ist eigentlich längst über den Jordan gegangen und nurmehr eine Hülle für den wütenden Geist. Die Folge: Zoe bzw. dem Geist in ihr bleiben nur wenige Stunden Zeit, bis die Verwesung eine Fortführung des Rachefeldzuges unmöglich macht. Derartige Einlagen und freilich das gesamte Indianer-Zauber-Brimborium verpassen dem wüsten Genremix aus Action-, Horror- und Untotenstreifen einen schrägen Trashtouch, der sich durch den gesamten Film zieht, dabei aber so gewollt wirkt, dass er den Film nie ins Lächerliche zieht, sondern für eine etwas andere, eine leicht angeschrägte Atmosphäre sorgt. Ohne diese Momente wäre „Savaged“ eine ziemlich derbe Schlachtplatte geworden, die vermutlich auch ihren Reiz gehabt hätte, aber vermutlich nicht ganz so gut funktionieren würde, wie es der Film nun tut.

Ein weiterer großer Pluspunkt des Filmes ist die Anlage der Figur der Zoe. Diese wird von der hinreißenden Amanda Adrienne so zart, so fragil und lebenslustig gegeben, dass es für den weiteren Verlauf des Filmes gar nichts ausmacht, dass ihre Figur nicht groß vorgestellt wird. Man fiebert dennoch vorbehaltlos mit ihr mit. Auch bei dem sich anschließenden Rachefeldzug bewahrt sich Zoe zwischen ihren Auftritten als Rachegeist ihre Verletzlichkeit, was durch ihre Taubstummheit freilich noch ein Stück weit potenziert wird. Leider wird Zoe insgesamt etwas zu oft und zu konsequent von dem Geist übernommen, wodurch sie förmlich zu einer Rachegöttin mutiert, die nichts und niemand aufhalten kann. Erstaunlicherweise kommt Zoe selbst in den ruhigen Momenten nie ins Hadern wegen ihres Tuns. Und dem Film scheint das auch nicht wichtig zu sein, verschiebt er mit fortschreitender Laufzeit den Fokus doch deutlich in Richtung ihrer Opfer/Peiniger. Dennoch verliert man nie die Bindung zu ihrer Figur. Ein gewichtiger Grund dafür: Der prächtig funktionierende Subplot um ihren Lover, der seine Zoe zu suchen beginnt und dem man unbenommen abnimmt, dass er für sie durch die Hölle gehen würde. Das führt vor allem gegen Ende zu einigen großartigen, anrührenden Szenen, die man in diesem Film nicht wirklich vermutet hätte. Etwa wenn Zoe ihr arg ramponiertes Äußeres vor ihm verstecken will, als fürchte sie, er würde sie so nicht mehr lieben. Und natürlich das absolute emotionale Highlight des Filmes kurz vor dem Schlussbild, bei dem auch so mancher Hardcore-Action-Fan ein Tränchen im Knopfloch verdrücken dürfte.

Savaged

Zoe mutiert daraufhin zur Rachefurie…

Allgemein hat der Film großes Glück mit seinen Darstellern, was sich auch und vor allem in den Bösewichtern manifestiert. Diese transportieren zwar diverse Redneck-Klischees, werden aber von sehr charismatischen Darstellern verkörpert, die ihren Figuren teilweise richtig stark Leben einzuhauchen vermögen. Allen voran Rodney Rowland („Space“) und Tom Ardavany, die beide sehr coole, sehr überlegt handelnde Bösewichter entwerfen und wie alle anderen Fieslinge von „Savaged“ auch niemals ins Overacting, ins Hysterische, ins Herumschreiende verfallen. Leider blickt der Film aber kaum hinter die Charaktere und ihre Motive, sondern verlässt sich hier ein wenig zu sehr auf seinen gewollten Trashappeal und das wenig subtil eingeführte Fremdenhassmotiv.

Der daraus entstehende Vorteil für „Savaged“ besteht in einer Story, die kein Fett ansetzt und mit ordentlichem Tempo von Bäddieableben zu Bäddieableben hetzt, um dabei keinerlei Anflug von Langeweile aufkommen zu lassen. Die Szenen, in denen Zoe die Sau rauslässt, sind hart und direkt umgesetzt und haben einige splattrige Momente zu bieten. Da werden Gedärme aus Körpern gerissen, Köpfe abgeschlagen, Billardqueues durch Schädel getrieben und Körper mit Kettensägen zerteilt. Auch Tomahawks und Pfeil und Bogen spielen bei den vielen indianischen Einsprengseln natürlich eine blutspritzende Rolle. Vor allem die Verstümmelungen an Zoe haben eine ganz eigene, intensive, den Zuschauer schmerzende Dimension. Ein guter Beleg dafür, wie hervorragend die Figur der Zoe funktioniert. Die Actionmomente bieten kleinere Keilereien in verschiedenen Settings (unter anderem auf der Ladefläche eines dahin rasenden Pick Ups), definieren sich aber meist über ihre derben Finisher und weniger über große Actionschauwerte. Problematisch für die Spannungskurve im Film ist, dass man recht schnell erahnt, wann es wohl welchen Charakter erwischen wird. Auch verlaufen die Konfrontationen zunehmend gleichförmig, da die Bäddies der besessenen Zoe nichts entgegenzusetzen haben.

Savaged

… und kennt keinerlei Erbarmen!

Die Inszenierung des Filmes geht Auteur Michael S. Ojeda (Regie, Drehbuch, Schnitt) insgesamt sehr gut von der Hand. Seine farbentzogenen, meist verblasst sepiafarbenen Bilder wissen absolut zu gefallen. Die schrägen Perspektiven passen zum ähnlich schrägen Grundton des Filmes und die Versuche, „Savaged“ roh, gritty und schmutzig rüber kommen zu lassen, funktionieren erstklassig. Auf inszenatorische Mätzchen verzichtet Ojeda weitgehend, lässt nur hier und da mal eine Zeitlupe oder Freeze Frames einfließen. Auch bei der Wahl seines Soundtracks hatte er eine gute Hand und kann neben tollen Indienummern auch einen schönen Score auf der Habenseite verbuchen. Wo Ojeda leider absolut danebengreift, sind die CGI-Szenen seines Filmes. Anfangs funktionieren diverse CGI-Blutspritzer noch ziemlich gut, mit fortlaufender Laufzeit werden die Effekte aber immer fahriger und durchschaubarer. Gerade im Showdown schleichen sich einige fette Aussetzer ein, die bei von der Decke tropfendem CGI-Blut beginnen und bei einem lachhaft getricksten Car-Stunt aus der Konservendose ihren traurigen Höhepunkt erleben…

Das Ergebnis ist ein Racheactioner, der wie eine Kreuzung aus „I spit on your grave“ und „The Crow“ anmutet. Dabei hält er sich bei dem Rape-Part des Filmes angenehm zurück und zerbricht seine Figur nicht vollends vor dem Auge des Zuschauers. Dafür wird der Revenge-Teil zur Freude des Actionfans lang und breit und vor allem brutal ausgespielt. Dennoch verliert der Film niemals seinen emotionalen Unterbau und generiert inmitten von Blut und Gedärm plötzlich auch wunderschön feinfühlige Momente. Zudem kann sich der Film vollends auf seinen coolen Cast verlassen und die Bilder der amerikanischen Einöde haben ordentlich Flair. Der gewollte Trashappeal des Filmes funktioniert ebenfalls erstaunlich gut und lässt „Savaged“ immer an der Grenze zwischen gutem und schlechtem Geschmack entlang lavieren, ohne ins negative Extrem zu kippen. Doch nicht nur die zunehmend mieser werdenden CGI-Effekte lassen „Savaged“ nicht ganz rund wirken. Der Film hat auch in seiner Handlung diverse Unebenheiten und vor allem viele Klischees zu verzeichnen. Auch ein paar Schauwerte mehr hätten dem Film nicht schlecht gestanden, ebenso wie eine deutlich besser funktionierende Spannungskurve. So lässt „Savaged“ einiges an Potenzial ungenutzt verstreichen. Dennoch ist „Savaged“ ein Film, der letztlich gekonnt auf den Bauch abzielt und diesen auch konsequent trifft, um damit erstaunlich leichtfüßig in der Sparte „Nicht perfekter, aber ziemlich unterhaltsamer, leicht anderer Streifen“ zu enden. Ein Instant Klassiker sieht ganz anders aus, ein schlechter Film aber ebenso.

Der Film erscheint am 15. April 2014 von Ascot Elite auf DVD und Blu-ray. Die FSK 18 Fassung wird gekürzt sein und einige Gewaltszenen, sicherlich aber auch ein paar der menschenfeindlichen Sprüche missen lassen. Doch Ascot veröffentlicht im Rahmen seiner „Cinema Extreme“-Reihe auch die ungekürzte, SPIO/JK freigegebene Fassung.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Ascot Elite__FSK Freigabe: SPIO/JK__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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Categorised in: Reviews, the Horror Pit

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