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Sector 4 – Der gefährlichste Ort der Welt

Originaltitel: Sector 4__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2014__Regie: Olivier Gruner__Darsteller: Olivier Gruner, Salman Bokhari, Steven Dell, Eric Roberts, Tino Struckmann, Michelle Jubilee Gonzalez, Jillian Alysse, Lex Quarterman, Nash Gruner, Orna Azarly u.a.
Sector 4: Extraction

Olivier Gruners “Sector 4”

Die Black Knights sind Söldner, die ihre Dienste meistbietend verkaufen. Ihr neuester Auftrag führt sie nach Afghanistan, in den Sektor 4. Das gefährlichste Fleckchen Erde, wo Al-Qaida nach Belieben schaltet und waltet. Hier soll man Mohamed Asan, den drittwichtigsten Terroristenführer der Welt, ausschalten. Doch die Mission geht gründlich schief. Vor Ort befinden sich deutlich mehr Al-Qaida Kämpfer als angenommen und anscheinend hat niemand die in unmittelbarer Nähe stationierten amerika- nischen Truppen darüber informiert, dass ein vierköpfiges Söldnerteam in Sektor 4 agiert. So gerät das Team bei einem ungeplanten Luftangriff der US-Armee vollkommen unter die Räder, muss sich in ein Höhlensystem flüchten und wird samt und sonders von Mohamed Asans Männern gefangen genommen.

Nur Anführer Nash kann irgendwann der Gefangenschaft entkommen und ist sich sicher, dass seine Kameraden von Al-Qaida getötet wurden. Wieder daheim ange- kommen trägt er schwer an der Last der Verantwortung für die fehlgeschlagene Mission und zieht sich mehr und mehr von seiner Familie zurück. Da erhält er plötzlich ein Video via E-Mail. In selbigem bedrohen Al-Qaida Kämpfer seine offensichtlich noch lebenden Kameraden. Verbissen stürzt sich Nash in ein knochenhartes Training und bereitet alles vor, um seine Kameraden auf eigene Faust zu befreien…

Regie, Hauptrolle, Produktion: Olivier Gruner. Sogar die Story stammt von ihm. Ein Workflow, der schon bei „Re-Generator“ vollkommen in die Hose gegangen ist, weshalb man auch „Sector 4: Extraction“ eher reserviert begegnet. Doch im Vergleich zu seinem wirklich gurkigen Regiedebüt mutet seine zweite Arbeit hinter der Kamera weitaus filmischer an. „Sector 4: Extraction“ hat beispielsweise nämlich wirklich eine Geschichte. Diese mag zwar extrem minimalistisch sein, trägt allerdings den Film und mutet im Vergleich zu der „Re-Generator“-Vollkatastrophe richtiggehend geradlinig und zwingend an. Auch sind die Dialoge bei weitem nicht so hirnverbrannt und wenn Nash mit seiner Ex-Frau darüber diskutiert, dass ihm neben seinen verschollenen Kameraden auch seine Familie mehr und mehr entgleitet, bekommt der Film einen erstaunlich gut funktionierenden, dramatischen Einschlag.

Sector 4: Extraction

Nash trägt schwer am Verlust seiner Söldnerkumpel…

Die Figuren und ihre Motive bleiben allerdings dennoch oberflächlich. Einzig Nash macht so etwas wie eine Entwicklung durch, wenn auch nur eine kleine. Ansonsten sind die Al-Qaida Kämpfer alle fies, die amerikanischen Soldaten und Söldner alle superdufte und die Leute, die mit Krieg Geld verdienen, allesamt suspekt oder zumindest halbwegs mies. Der größte Pluspunkt in Sachen Figuren-Interieur ist jedoch, dass sich Olivier Gruner in „Sector 4: Extraction“ NICHT derart zurücknimmt, wie in „Re-Generator“. Er ist das Zentrum des Filmes und Regisseur Gruner fokussiert vollkommen auf seinen Hauptdarsteller Gruner. Es gibt keine blöden oder gar ablenkenden Subplots um irgendwelche uninteressanten Nebenfiguren und deren Schicksale. Stattdessen begleiten wir Nash von Anfang bis Ende auf seiner letzten großen Mission.

Blöderweise stellt man sich dabei mehrmals die Frage, ob Regisseur und Storyentwickler Olivier Gruner wirklich glaubt, dass ein Actionfilm heutzutage so auszusehen hat wie „Sector 4: Extraction“. Highlight ist dahingehend die Szene, bei der sich Nash mit Knarren eindeckt. Während seine Konversation mit einem Waffenhändler, der einen radebrechenden russischen Akzent vor sich herträgt, noch halbwegs als dummpeinlich lustig durchgehen mag, stellt Nash irgendwann fest, dass er auch ein Auto für die Mission braucht. Anstelle seinen Film voran zu peitschen und das Auto des Waffenhändlers in Nashs Besitz wandern zu lassen, ruft der Waffenhändler einen pakistanischen Verwandten an, der Nash eine Karre verkaufen soll. Nash hockt sich nun in den Wald, schaut Fotos seines Jungen an. Irgendwann kommen dann endlich die Autohändler. Es folgt eine sich ewig ziehende Verhandlungsszene und dann fahren die Händler mit ihrem Auto einfach wieder davon. Und Gruner? Der macht sich zu Fuß auf den Weg. That’s what I call action… NOT!

Derartige Szenen verirren sich leider einige in den Film und machen nur offensichtlich, dass Gruner mal wieder so gut wie kein Geld verpulvern durfte. Ansonsten hätte er derartigen Fülldreck wohl niemals drehen müssen. Die finanziellen Limitierungen fallen auch bei den Sets auf, die immer gleich aussehen, egal ob die Handlung gerade in Afghanistan oder Amerika steigt. Zudem entpuppen sich alle Explosionen als grottigste CGI-Effekte und von Treffer-Effekten bei den Lumpen ist weit und breit nichts zu sehen. Der billige Digitallook macht den wenig wertigen Eindruck rund. Und wie in „Re-Generator“ lässt Gruner seinen Film und vor allem die Action vornehmlich in dunkler Nacht spielen. Dabei wirken einige Szenen überdeutlich so, als seien sie im Nachgang auf Nacht getrimmt wurden. Das hat einen üblen Bildermatsch zur Folge, bei dem man meistens nicht einmal erahnen kann, was da gerade auf dem Bildschirm passiert. Bei dem kopflosen und mies choreografierten Actiongezappel ist das vielleicht auch gar nicht mal so verkehrt. Nur: „Sector 4: Extraction“ will ja eigentlich ein Actionfilm sein!

Sector 4: Extraction

Als er erfährt, dass seine Buddys noch leben, absolviert er ein eisernes Training, um sie zu befreien.

Blöderweise schürt der Film selbst die größten Erwartungen, was seine Action angeht. Denn im Mittelteil widmet er sich vollkommen dem Training von Nash. Der investiert nämlich einige Zeit in ein Überlebenstraining. Bei selbigem darf sich Olivier Gruner beneidenswert fit präsentieren. Der Typ trägt tatsächlich noch ein Sixpack spazieren! Und damit meine ich kein mit Bier befülltes! Dazu kommt eine endlich mal ordentliche Frisur, ein cooler Bart und eine saugeile Sonnenbrille. Kurzum: Gruner sieht mal richtig cool aus! Und vor allem nimmt man ihm seine Rolle als fitter Söldner vollends ab. Zwar wirkt das Training, als habe man einfach Gruner bei einem Bootcamp-Training abgefilmt, aber es kommt wirklich saucool rüber. Obendrein läuft in dem Abschnitt richtig gute Mucke. Die Folge ist, dass man davon ausgeht, dass Gruner alias Nash all das Gelernte dann auch im Showdown anwenden darf. Leider sieht man davon aufgrund der Optik nichts. Und falls man etwas sieht, wirkt es, als habe Nash alles wieder vergessen. Eigentlich eine echte Schande.

Am Ende bleiben dann leider die Filmfehler mehr im Gedächtnis als der Film selbst. In einer Szene bekommt Olivier Gruner beispielsweise beinahe die Tonangel an den Latz geknallt. Wenn die erwähnten pakistanischen Autohändler mit ihrem Auto wieder die Biege machen, bemerkt man sofort, dass deren Autokennzeichen geblurrt wurde. Vermutlich hatte man vergessen, dem Auto die amerikanischen Kennzeichen abzunehmen. Genial sind auch die Anschlussfehler im Showdown, wenn Gruner von Szene zu Szene mal eine amerikanische Uniform und mal die landestypische Kleidung trägt. Dennoch muss man direkt nach Genuss des Filmes konstatieren, dass Gruner offensichtlich aus einigen Fehlern seines Regiedebüts gelernt hat. Stellt er jetzt irgendwann noch einen Film auf die Beine, der durchgehend bei Tageslicht spielt und etwas mehr Geld kosten darf, könnte das durchaus etwas werden. Denn das Gruner noch fit ist, sieht man in der wenigen Action, die man erkennen kann, durchaus. Zudem kann der Franzose noch mehr als ordentlich kicken! Da Gruner diesmal wenigstens ordentlich auf sich als Hauptdarsteller fokussiert, sei der Film zumindest den Hardcore Gruner-Fans definitiv empfohlen. Zumal man hier seinen Sohn Nash Gruner in einer Nebenrolle zu sehen bekommt. Ebenfalls in einer Nebenrolle dabei: Eric Roberts („The Expendables“). Dieser bestreitet seine Auftritte durchgehend mit Telefon im Anschlag und ist vielleicht insgesamt fünf Minuten im Film zu sehen. Der Twist um seine Figur ist btw. gar nicht mal so übel, wird aber leider vollkommen verschenkt. Um das Ganze mal auf den Punkt zu bringen: Die coole Trainingssequenz im Mittelteil hätte schlicht und ergreifend einen besseren Film verdient. Ein seltsames Fazit, das aber alles über „Sector 4: Extraction“ aussagt.

Eine deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 29. August 2014 von Capitol Film im Vertrieb von Edel und ist ab 16 freigegeben. Diese Review beruht auf der Regionalcode 1 Scheibe von Lionsgate. Diese präsentiert den Film in ordentlicher Qualität und bietet zum besseren Verständnis auch englische Untertitel zum O-Ton. Fun Fact nebenher: Die Untertitel versuchen gar nicht erst den Kauderwelsch der Al-Qaida Darsteller ins Englische zu übersetzen.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Capitol Film/Edel__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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