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Security – It’s Going to Be a Long Night

Originaltitel: Security__Herstellungsland: Bulgarien, USA__Erscheinungsjahr: 2017__Regie: Alain Desrochers__Darsteller: Antonio Banderas, Ben Kingsley, Liam McIntyre, Chad Lindberg, Gabriella Wright, Cung Le, Mark Rhino Smith, Bashar Rahal, Jiro Wang, Velimir Velev u.a.
Security Deutsches DVD Cover

Antonio Banderas gibt in “Security” den schlagkräftigen und treffsicheren Helden.

Eddie ist vor einem Jahr bei den Marines ausgeschieden. Seitdem läuft es für ihn nicht rund. Er findet keinen Job und hat solche Angst, dass ihn das beständige Scheitern zu seinen Ungunsten verändert, dass er sich mehr und mehr von seiner Familie entfremdet. Am Tiefpunkt angelangt gibt ihm eine Arbeitsvermittlerin endlich eine Chance. Zwar springt nur ein Mindestlohn-Job heraus, aber Eddie will die Chance unbedingt ergreifen.

Noch am gleichen Abend tritt er seinen neuen Job als Wachschutz einer gigantischen Mall an. Die Ridgeway Mall liegt zwischen zwei größeren Städten, in denen die Gangkriminalität seit Jahren ungebremst grassiert. In der Folge verwundert es Eddie wenig, dass ihn in der Mall bereits vier Kollegen erwarten. Nachdem er in seinen Job eingewiesen wurde, geht Eddie dann auch schon seinen ersten Kontrollgang.

Da klopft urplötzlich ein Kind gegen eine Tür und begehrt panisch um Einlass. Eddie öffnet ihr. Die Kleine stammelt, dass sie verfolgt werde und bricht in Eddies Armen zusammen. Der bringt das Mädchen zu seinen Kollegen, als auch schon ein älterer Mann an einem anderen Eingang der Mall klopft. Er gibt an, der Vater der Kleinen zu sein. Man sei im Streit auseinandergegangen und er mache sich Sorgen, wo sie sei. Eddie spürt sofort, dass mit dem Mann etwas nicht stimmt und stellt misstrauische Fragen.

Irgendwann lässt der Mann leicht genervt die Maskerade fallen und bietet den Wachschutzmännern mehr als 1 Million Dollar, wenn sie ihm die Kleine aushändigen. Doch Eddie und seine Kollegen denken gar nicht daran. Das könnte sich als großer Fehler erweisen, denn der Mann hat eine ganze Armee an brutalen, schwer bewaffneten Söldnern dabei. Bald brechen die ersten Schüsse und die unbewaffneten Wachschutzmänner um Eddie müssen die Gegebenheiten der Mall nutzen, um sich ihrer Haut zu erwehren. Mit selbstgebastelten Bomben, Pfeil und Bogen und ähnlichen improvisierten Waffen ziehen sie in den Kampf…

Schaut in Security, einem actionreichen Mix aus „Das Ende“ und „Stirb Langsam“, hinein:

„Security“ von Alain Desrochers bietet prächtige, absolut auf das Wesentlichste herunter gebrochene Action, irgendwo zwischen Belagerungsthrillern wie „Assault on Precinct 13“ und Falscher-Mann-zur-falschen-Zeit-am-richtigen-Ort-Actionern wie „Stirb Langsam“ verortet. Dabei hat das Drehbuch von „Security“ keinerlei überflüssiges Fett auf den Rippen. Alles arbeitet auf die finale Konfrontation zwischen Eddie und dem Anführer der Söldnerarmee hin und schert sich einen Dreck um Charakterentwicklung oder sonderlich intelligente Dialoge. Ein überzeugendes Motiv für die Söldner und deren Anführer liefert „Security“ aber dennoch. Und einen starken Helden…

Der wird überzeugend von Antonio Banderas gegeben. Der scheint sich aktuell in der Rolle des Verlierers, der sich noch einmal behaupten muss (siehe auch „Black Butterfly“), sehr wohl zu fühlen. Er legt seinen verzweifelten Marine angenehm menschlich an und wirkt vor allem in den Interaktionen mit der (zum Glück kein Stück nervenden) Kleinen sehr nahbar. Die Figuren um Banderas’ Eddie werden dagegen nur grob umrissen. Das ist besonders für Ben Kingsley („Collide“) ein wenig schade, da der Mime sichtlichen Spaß an seinem Fieswicht hat und dringend ein paar gute Szenen mehr benötigt hätte.

Security Antonio Banderas als Eddie

Ex-Marine Eddie hat es endlich geschafft einen Job zu finden.

Rund um Kingsley positioniert das Drehbuch zum Film großartig übersteigerte Söldner, die sowohl über übermenschliche Kräfte als auch ebensolche Nehmerqualitäten zu verfügen scheinen. Die großkalibrigen Waffen machen beispielsweise Brecher wie die Kampfmaschine Cung Le („Savage Dog“) zu noch unzerstörbarer anmutenden Comicfiguren. Aber den Actionfreund freut das freilich, denn da bekommt der Held ordentlich zu tun!

Und sobald Banderas in dem Film endlich Feuerwaffen in die Hände bekommt, geht er ab wie zu besten „Desperado“-Zeiten! Beidhändig ballernd slidet er über den Boden und nietet die Lumpen um. Aus allen Positionen setzt er tödliche Fangschüsse und im „John Wick“-Stil knüppelt er gerne mal Gegner um, um sie nebenbei noch mit Kugeln vollzupumpen. „Security“ sorgt definitiv für Sabberfäden beim actionhungrigen Publikum. Brennende Kontrahenten, Verfolgungsjagden in der Mall, fiese Kopfschüsse… alles drin, was dem Actionfan Spaß macht. Zudem unterbricht der Film seine Action nur für wenige Momente des Durchatmens und versucht ungefähr ab Minute 30 durchgehend für Bewegung, Tempo und Knalleffekte zu sorgen.

Security Antonio Banderas mit zu beschützendem Kind

Gleich am ersten Arbeitstag von Eddie sorgt ein kleines Mädchen für Unruhe.

Leider darf „Security“ seinen Schauplatz nicht richtig einäschern. Ich hätte mir persönlich ein paar wuchtige Explosionen gewünscht, die den Schauplatz richtig krass umgestalten. Auch hätten ein paar Granaten inmitten der Shootouts für knallige Abwechslung gesorgt. So sorgen zumindest die improvisierten Abwehrmaßnahmen der Wachschutzleute für grimmigen Humor, können aber auch nicht ganz verschleiern, dass der Film insgesamt zwar einen netten Bodycount aufweist, letztlich aber etwas harmlos geraten ist. Die richtig derben Finisher bleiben nämlich aus. Natürlich muss „Security“ kein zweiter „Headshot“ sein, aber letzten Endes hätte man sich das Beseitigen der Comic-Söldner definitiv etwas derber gewünscht. Auch wird die Idee, ausschließlich mit den Gegebenheiten der Mall gegen die Söldner vorzugehen, für meinen Geschmack etwas zu schnell fallengelassen.

Der ausschließlich in einer Nacht spielende Actioner ist technisch absolut tadellos umgesetzt wurden. Die warme Farbgebung verleiht dem Film einen wertigen Look. Die Kamerafahrten bei den Hetzjagden durch die Mall machen Laune. Die Perspektiven stimmen und der Soundtrack peitscht die Handlung gut voran. Es gibt auch ein paar großartige, fast schon ins Opernhafte übergehende Momente der Zerstörung, die mit ihrer Kombination aus Zeitlupensequenzen und alles wundervoll überhöhender Musik Gänsehaut machen. Das einzige Problem ist der Schauplatz selbst. Leider wirkt die Mall arg kulissenhaft. Etwas zu künstlich. Das mag freilich auch an daran liegen, dass sie logischerweise menschenleer ist, trotzdem will sie nicht so wirklich überzeugen.

Security Söldner mit Axt

Das Mädchen hat nämlich gefährliche Söldner im Gepäck!

Was am Ende bleibt, ist ein Film, der sich definitiv wie ein gelungener Rückschritt in die Hochzeit des Actionfilmes anfühlt. Als es noch „in“ war, dass ein kerniger Held im Kampf gegen eine ganze Armee von Lumpen auf einem räumlich stark eingeschränkten Schlachtfeld wütet und die ganze Story ohne jedweden Schnörkel punktgenau auf dieses Szenario abgestimmt war. Bei „Security“ hat man teilweise gar das Gefühl, dass das Drehbuch diesen „reduce to the max“-Ansatz etwas zu krass fährt. Beispielsweise wenn das Schicksal eines Wachschutzmannes eher beiläufig in einem Kameraschwenk abgearbeitet wird. Dazu gesellen sich weitere kleine Probleme: Eher klein skalierte Action, mangelnde Brutalität, ein nervend psychotischer Wachmann, der etwas harmlose Fieswicht,…. Actionfans sei dieser Film dennoch absolut unumwunden ans Herz gelegt. „Security“ ist nicht perfekt, aber er ist definitiv perfekter als ein Großteil der aktuellen B-Actioner mit ihren kruden und überladenen Storys und den ein oder zwei brauchbaren Actionmomenten dazwischen.

7 von 10

Die deutsche DVD / Blu-ray zum Film erscheint am 4. September 2017 von Eurovideo und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: Eurovideo__Freigabe: FSK 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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