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Serbian Scars

Originaltitel: Serbian Scars__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2008__Regie: Brent Huff__Darsteller: Vladimir Rajcic, Michael Madsen, Mark Dacascos, Steve Agnew, Bojana Brankovic, Claudia Christian, Jack Dimich, Joe Estevez, Brent Huff, Predrag Jovanovic u.a.
Serbian Scars

Mark Dacascos und Michael Madsen wuchten sich durch “Serbian Scars”

Alex lebt mit seiner Geliebten Suzana eine Romeo und Julia Variante, ist er doch Christ und sie Muslime. Eine Verbindung, die vor allem Suzanas Familie nicht gerne sieht. All das wird egal, als Alex in ein Krankenhaus beordert wird, wo sein sterbender Vater liegt. Er leidet an einer Anämie und benötigt eine Knochenmarkspende eines direkten Verwandten. Leider ist Alex nur ein Adoptivkind, doch er weiß von Peter, seines Adoptivvaters wahres Kind, das vor Jahren mit der Mutter aus dem Kosovo in die USA geflohen ist. Also bricht Alex gen Chicago auf und sucht Peter, ohne zu wissen, dass er einer Intrige des Terroristen Dreg aufgesessen ist, der Alexs Vater benutzt, um an eine geheime Formel zu gelangen, die Millionen Menschen das Leben kosten könnte.

“Serbian Scars” kann wohl mit Fug und Recht als Herzensprojekt von Vladimir Rajcic betrachtet werden, der sowohl am Drehbuch mitwirkte als auch als Produzent Geld in das Projekt und seine daraus resultierende Hauptrolle als Alex steckte. Im Angesicht des Endergebnisses hätte es derartigen Aufwand sicherlich nicht gebraucht, denn “Serbian Scars” ist trotz des Herzblutes seines Hauptinitiatoren nur ein unterdurchschnittlicher Thriller geworden, der vor allem an seinem arg ungelenken und unspektakulären Drehbuch scheitert. Denn weder gelingt es jenem Spannung in den Film zu pumpen noch eine wirklich packende Geschichte zu lancieren. Dabei ist das Hauptproblem, dass das Drehbuch die großen Zusammenhänge zu früh auf den Tisch packt. Das ist umso trauriger, da die ersten 30 Minuten durchaus ganz spannend geraten sind, wird hier doch noch nicht mit offenen Karten gespielt und schweben einige Fragezeichen in der Luft. Das hat sich dann fünf Minuten später großflächig erledigt und verschiedene Versuche, mittels einem ambivalent aufgestellten Figureninterieurs so etwas wie Wendungen in den Film zu bringen, verpuffen vollends, denn dazu sind die Figuren einfach zu klischiert und zu oberflächlich angerissen. Spätestens, wenn der anfangs angeschnittene Romeo und Julia Ansatz vollkommen im Nirvana verläuft, gibt man es vollkommen auf, hier irgendwelche interessanten Figurenkonstellationen zu erhoffen.

Zumindest wird wenigstens Mark Dacascos ordentlich eingeführt. In einer nach Ostblock aussehenden Seitenstraße “Chicagos” zimmert er einem osteuropäischem “Chicagoer” ordentlich eine aufs Fressbrett und zeigt ein zwei hübsche Drehkicks. Ein Moment, der, nach 30 Minuten Film lanciert, durchaus Hoffnung macht, dass “Serbian Scars” irgendwann den Finger zieht und durchstartet. Doch dieser Zwischenspurt verläuft ebenfalls im Sand. Gleich danach dominieren wieder recht inhaltsleere Dialoge den Streifen und wird einem im Zusammenspiel von Dacascos und Rajcic auf dem Silbertablett serviert, wie uncharismatisch Rajcic doch ist und wie ungeeignet, einen eigenen Film zu tragen. Zumindest wird er fortan vom sympathisch aufspielenden Dacascos flankiert, der aber keinerlei Actionakzente mehr setzen darf. Selbst sein zweiter Fight im Showdown ist nur ein übler Stinker.

Das gilt im Übrigen durchweg für die Action. Brent Huff, bisher überwiegend als sehr unfähiger Darsteller diverser C-Z Produktionen aufgefallen, gibt hier den Regisseur und weiß ganz anscheinend nichts von wirklich packender Actionchoreografie. So verpufft jede halbwegs flotte Einlage seines Filmes dank ungelenker Kamerastandorte und schlimmer Shootout Choreografien vollkommen. Für Blutbeutel war auch kein Geld da und alle Actionszenen laufen nach dem gleichen Schema ab: Bäddie rennt die Treppe runter, wird unspektakulär umgeballert, fällt die restlichen Stufen runter und *zack*, kommt der nächste Bäddie die Treppe runter. Wirklich großartig Brent! Genauso toll wie dein übles Schauspiel als CIA Agent. Allerdings ist er da in guter Gesellschaft, denn alle anderen Nebendarsteller spielen auf dem gleichen üblen Niveau. “Babylon 5” Ex Star Claudia Christian kann da ebenfalls nix reißen. Aber warum sollte sie auch, vermutlich war sie von den üblen Hinterhöfen und langweiligen Ostblocksettings genug angepisst. Und in ebenjenen ersäuft “Serbian Scars”, der – wie bereits angedeutet – auch noch auf lachhafte Weise versucht, dem Zuschauer weiß zu machen, diverse Szenen würden in Chicago spielen.

Schade ist es eigentlich nur um Mark Dacascos, der vollkommen verheizt wird, und um Michael Madsen, der hier so gut spielt, dass man es kaum glauben kann. Er adelt den Film mit einer Performance, die selbiger überhaupt nicht verdient hat. Seinem Mr. Blonde aus Tarantinos “Reservoir Dogs” gleich darf er wieder sprücheklopfend Männer foltern, diverse Henchmen über den Haufen ballern und diverse verrückte Welteroberungspläne schmieden, die sich gewaschen haben. Obendrein sieht Michael fit aus wie nie und er hat wirklich sichtlich Spaß an seinem zunehmend überdrehendem Dreg. Dafür wird er “belohnt” mit dem vermutlich unwürdigsten Ende eines Bösewichtes überhaupt … Wie gesagt, eine Schande, dass Michael genau für so einen Film seine (overactende) Spielfreude wiederentdeckt …

Was bleibt ist ein Stinker, der storytechnisch zunächst interessant beginnt und dem Zuschauer einige interessante Happen zum Anfüttern hinwirft, dann aber viel zu früh die Hosen herunterlässt und sich davon nicht mehr erholt. Spannungsfrei und zunehmend langatmig wuchtet er sich von einem Ostblocksetting zum anderen, ist gestraft mit einem luschigen Hauptdarsteller und will auch actiontechnisch nie zu Potte kommen. Wären da nicht ein irre gut aufgelegter Michael Madsen und ein gewohnt solider Mark Dacascos, dieser Film wäre nur für die Tonne …

In Holland erschien eine ab 16 frei gegebene DVD von dem Label bbi … In Deutschland ist noch keine Veröffentlichung abzusehen.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
Zur Filmdiskussion bei Liquid-Love

Copyright aller Filmbilder/Label: bbi__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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