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Sex oder stirb – Cherry Falls

Originaltitel: Cherry Falls__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2000__Regie: Geoffrey Wright__Darsteller: Brittany Murphy, Michael Biehn, Gabriel Mann, Jesse Bradford, Jay Mohr, Douglas Spain, Keram Malicki-Sánchez, Natalie Ramsey, Candy Clark, Amanda Anka, Kristen Miller, Michael Weston, DJ Qualls u.a.
Sex oder stirb

In Geoffrey Wrights erstem und bisher einzigem US-Film spielt Michael Biehn mit

Angekündigt wurde er als böser, andersartiger Slasher, doch das Ergebnis fiel bei „Cherry Falls“ relativ 08/15 aus, was nicht nur an einigen Querelen lag, durch die der Film sich zum Erhalt des R-Ratings quälen musste.

Immerhin der Auftakt invertiert ganz amüsant das übliche Klischee des rummachenden Paares, das zur Strafe für seine unmoralischen Anwandlungen vom Killer verhackstückt wird. Auch hier muss das jugendliche Paar dran glauben, jedoch weil beide noch Jungfrau sind. Damit dreht „Cherry Falls“ den Spieß um, denn sonst sind es ja genau jene Teens, die sich als potentielle Final Girls (und seltener Final Boys) anbieten.

Anfangs will Brent Marken (Michael Biehn), der Sheriff des Städtchens Cherry Falls, dies aber noch geheim halten, ahnt er doch bereits die Konsequenzen. Zumal seine Tochter Jodie (Brittany Murphy) auch gerade ins paarungsfähige Alter kommt, mit dem Freund aber gerade Schluss gemacht hat. Sieht aus wie ein potentielles Final Girl und ist es auch, da „Cherry Falls“ die restlichen Charaktere kaum einführt – dagegen hatten die Cliquen von Laurie Strode, Nancy Thompson und Sidney Prescott noch wirklich viel Charaktertiefe.

Jedoch bekommen die High School Kids bald heraus wie der Hase läuft und planen eine große Entjungferungsparty, um sicher zu sein. Derweil findet Jodie heraus, dass ein totgeschwiegenes Geheimnis etwas mit den Morden zu tun haben könnte…

Sex oder stirb, Michael Biehn

Jodie (Brittany Murphy) und ihre Clique suchen nach einer Lösung um dem Jungfrauenkiller zu entgehen

Letztendlich ist das Killen von Jungfrauen gar nicht so revolutionär wie angekündigt, schließlich interessieren die Opfer im Slasherfilm wirklich nur selten und der Bodycount ist so niedrig, dass es eh kaum etwas ausmacht. Die Menge an Morden macht sicher keinen guten Slasher per se aus, doch die geringe Zahl an Opfern wird in „Cherry Falls“ noch durch die einfallslose Inszenierung derselben verschlimmert; allenfalls in der Auftaktszene kann Geoffrey Wright mal so etwas wie Spannung generieren. Die Fraktion der Gorefreaks darf angesichts der MPAA-Querelen auch in die Röhre gucken, da das meist nur noch im Off stattfindet und nur hier und da ein netter Effekt zu verbuchen ist.

Das wäre ja alles weniger schlimm, wenn „Cherry Falls“ wenigstens als vernünftiges Whodunit überzeugen könnte. Viele Verdächtige gibt es jedoch eh nicht, sodass der Killer bereits in Rekordzeit erraten ist. *SPOILER* Nach dem Geständnis der damaligen Vergewaltigung verdichtet sich dies dann zur Gewissheit, denn besagter Verdächtiger ist die einzige Person im passenden Alter, die das entstandene Kind sein könnte. *SPOILER ENDE* Zudem ist mal wieder vergangenes Übel Grund für die Morde, da hat sich seit den 1980ern nicht viel geändert, wenngleich immerhin die Begründung, warum die Opfer (zumindest zu Beginn des Films) Jungfrauen sind, überraschend durchdacht daherkommt.

Sex oder stirb

Sheriff Brent Marken (Michael Biehn) fahndet nach dem Killer und hat Angst um seine Tochter Jodie

Leider mag „Cherry Falls“ angesichts kaum vorhandener falscher Fährten kaum thrillen, zumal der Film nach ewig langer Einführungsphase ruckartig in die Überführung des Killers und den obligatorischen Showdown mündet. Dieser ist schon arg unlogisch, wenn eine versammelte Horde Jugendlicher vor einer einzelnen Person mit Messer die Treppen herunter flüchtet und sich gegenseitig fast tot trampelt, anstatt den Killer einfach durch die schiere Masse zu besiegen. Und wenn eine Polizistin dem Mörder dann beidhändig ballernd den Arm abschießt, dann ist „Cherry Falls“ dann endgültig im Bereich des Trashigen angekommen.

Der englische Ausdruck dafür jemanden zu entjungfern, „to pop someone’s cherry“, ist an sich schon im Originaltitel „Cherry Falls“ enthalten, doch Geoffrey Wright hat noch ein paar Anspielungen für alle parat, denen das zu hoch war und der deutsche Verleih gab gleich noch den Titelzusatz „Sex oder stirb“. Bei soviel Unsubtilität kommt der Versuch einer Attacke gegen amerikanische Prüderie leider reichlich bemüht daher, auch wenn „Cherry Falls“ immerhin in dem Bereich ein paar nette Szenen hat, wenn einige sich bei der Annäherung ans andere Geschlecht in der Praxis ganz anders verhalten als in der Theorie, wenn sie mit ihren Freunden labern.

Weniger berauschend hingegen sind die Schauspielerleistungen. Brittany Murphy („Drive“) kauft man ihre Rolle einfach nicht ab, was angesichts ihrer immensen Screentime nicht gerade gut für den Film ist. Jay Mohr („Jerry Maguire“) kann ebenfalls kaum Akzente setzen, die Nebendarsteller sind ähnlich blass, bloß Michael Biehn („Rampage“) kann noch etwas aus seiner Rolle herausholen, die allerdings recht klein ausgefallen ist.

Was als ironischer, harter Schocker gedacht war, entpuppt sich als laues Lüftchen: Gelegentlich mal eine satirische Spitze und zwei, drei ordentliche Schockeffekte stehen einem vor sich hin dümpelnden Script, einem vollkommen verhauenen Showdown und größtenteils mäßigen Darstellerleistungen gegenüber – nur was für die ganz hartgesottenen Slasherfans.

Starke:

Die deutsche DVD von „Cherry Falls“ ist mit FSK 16 ungekürzt und kommt von Kinowelt. Das Bonusmaterial bietet lediglich Trailer, ein paar Starinfos als Texttafeln und eine kurze Featurette.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Kinowelt__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Ja

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