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Shadow Warriors 2 – Rache um jeden Preis

Originaltitel: Shadow Warriors II: Hunt for the Death Merchant__Herstellungsland: USA/Kanada__Erscheinungsjahr: 1999__Regie: Jon Cassar__Darsteller: Hulk Hogan, Shannon Tweed, Carl Weathers, Martin Kove, Mike White, Gerard Plunkett, Lisa Schrage, Dale Wilson, Jenny-Lynn Hutcheson, Eli Gabay, Mark Gibbon, Emmanuelle Vaugier, Ken Kirzinger u.a.
Shadow Warriors 2

Billigaction mit Hulk Hogan, Shannon Tweed und Carl Weathers: „Shadow Warriors 2“

Der erste „Shadow Warriors“-Film, „Attack on Devil’s Island“, hatte an schon keine Begeisterungsstürme unter B-Actionfans ausgelöst, war aber anscheinend erfolgreich genug ein Sequel mit gleicher Regie und Besetzung zu ermöglichen.

Bevor allerdings die Haupthandlung so richtig losgeht (wenn man bei diesem Film überhaupt davon sprechen möchte), dauert es erst einmal eine geschlagene halbe Stunde, in der das Team um die Söldner Mike McBride (Hulk Hogan), Hunter Wiley (Shannon Tweed) und Roy Brown (Carl Weathers) ein Kind aus Österreich befreien muss, das dorthin von seinem Vater entführt wurde. Nach einer Actionszene der Güteklasse Solala, immerhin unter Einbeziehung einer Seilbahn, befindet man sich wieder auf amerikanischen Boden und der Spross in den Armen der dankbaren Mutter, was alles null mit der eigentlichen Geschichte zu tun hat.

Denn ein fiesliges Subjekt, das Mike noch von früher kennt, ist wieder aufgetaucht und hat vor mit Giftgas den großen Terroristenotto loszumachen. Der gute Mann hat sein Gesicht durch eine Operation inzwischen verändert, aber Mike ist er einzige Mensch, der ihn immer noch erkennen könnte. Weil er einen Adlerblick hat oder warum auch immer, das Drehbuch schweigt sich aus. Weil Mike ein toller Typ ist und anscheinend mit übermenschlicher Intuition gesegnet, trabt er auch schon wenige Szenen später in genau das richtige Terrorcamp in nahen Osten, wo sich der angeblich so geheimniskrämerische Schurke versteckt.

Shadow Warriors 2

Mike McBride (Hulk Hogan) mit Wumme und Wallemähne

Weil Mike aber die Hybris hatte ohne Verstärkung aufzutauchen, wird er vom Fieslingen mit einem Supervirus vergiftet. Zum Glück kennt der Rest vom Team eine Abkürzung in Richtung Wüste und taucht nur wenige Minuten später zur Rettung auf, obwohl Mike ja schon Stunden vor ihnen dorthin ging. Der Lump entkommt und muss gefunden werden, damit man Mike das Gegengift verabreichen und ein Loslassen des Virus auf Seattle verhindern kann…

War der erste „Shadow Warriors“ schon keine Großtat, so ist beim Sequels alles noch einmal ein bis zwei Güteklassen schlechter. Während sich die Ungereimtheiten und logischen Klöpse in hirnbetäubender Fülle stapeln, kann der Film noch nicht einmal mit seiner Prämisse Spannung erzeugen: Die Vergiftung Mikes macht sich immer dann bemerkbar, wenn es dem Drehbuch gerade passt, während er kurz darauf immer noch effektiv prügelt und schießt. Seine Vendetta und persönliche Bindung zum Schurken wird so kurz abgehandelt, dass sie vollkommen egal ist, während seine Teamkameraden null Raum zugesprochen bekommen, weshalb es dem Zuschauer dann auch schnurz ist, wenn Hunter zwischendurch bangend feststellt, dass ihre Tochter in Seattle ist. So funktionieren dann die simpelsten Drehbuchkniffe wie die Deadline (durch Mikes Vergiftung) und Steigerung des Risikos (durch Hunters bedrohte Tochter) schon nicht, während der Film sich mit hohlen Dialogen aufhält und Nebenfiguren wie den leicht durchgedrehten Waffenmeister Andy Powers (Martin Kove) mit reichlich Spielzeit bedenkt, obwohl diese nichts zur Handlung beitragen.

Shadow Warriors 2

Mike und seine Mitstreiter; Hunter Wiley (Shannon Tweed), Roy Brown (Carl Weathers), Andy Powers (Martin Kove) und Derek (Mike White)

Während sich die Handlung von „Shadow Warriors 2“ dann garantiert spannungs-, humor- und ironiefrei bis hin zum erwartbaren Schurkenexitus dahinschleppt, macht selbst die Action wenig her. Gänzlich unblutige und reichlich hüftsteife Shoot-Outs werden mit schlapp choreographierten Kampfszenen abgewechselt, in denen gerade Hauptdarsteller Hulk Hogan sichtlich gedoubelt wird, da man ihn meist von hinten sieht und die lange Matte auf dem Kopf den Stuntman effektiv verdeckt. In den Ballereien kippen zwar reichlich Statisten um, doch Jon Cassar filmt das bar jeder Dynamik ab und lässt im Gegenzug Raum für reichlich absurde Blödheiten: Mikes Taktik beim alleinigen Sturm auf das Terrorcamp etwa besteht darin, freistehend mit zwei M60 um sich zu holzen und keine Deckung zu suchen, während die terroristischen Radaubrüder ihn umzingeln, brav danebenschießen und sich im Gegenzug gern treffen lassen. Immerhin beherrscht Mikes Verstärkung in dieser Szene die Kunst der Bewegung und heizt mit Vehikeln durch die Reihen der Übelwichte, während sie diese niederballern, was dann auch die einzige halbwegs sehenswerte Actionszene des Films ist.

Hulk Hogan („Rocky III“) war wohl eh nur dabei, damit man ein paar arme Wrestlingfans zur Ausleihe bewegen konnte, denn in der Action wird er ja viel gedoubelt und sein Schauspiel ist ziemlich grausig. Shannon Tweed („Unheimliche Begegnung“) schlägt sich okay und wird weniger voyeuritisch als im Vorgänger in Szene gesetzt, hat aber noch weniger zu tun als dort, während der total verschenkte Carl Weathers („Action Jackson“) den Rest der Belegschaft an die Wand spielen würde, würde das Drehbuch ihn nur lassen. Martin Kove („Karate Tiger 7“) albert als Waffenmeister dezent nervig herum, der Rest vom Fest ist blass bis egal, was leider auch auf Gerard Plunkett („Sucker Punch“) als Oberfiesling zutrifft.

„Shadow Warriors 2“ ist selbst für B-Actionverhältnisse schludrig gescriptet, mau gespielt, lahmarschig inszeniert und noch nicht einmal in den Actionszenen besonders aufregend. Ein, zwei Ballereien bietet zwar (reichlich anspruchsloses) Vergnügen zwischendurch, aber dafür den Rest der Gurke ertragen zu müssen, das ist kein guter Deal.

Nachdem dieses harmlose B-Filmchen auf Video noch ab 18 Jahren freigegeben war, erschien die DVD ungekürzt mit FSK 16, was wesentlich angemessener ist. Das Bonusmaterial ist mit Biographien und einer Bildergallerie ähnlich dürftig wie der Film an sich.

© Nils Bothmann (McClane)

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