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Shadowzone

Originaltitel: Creepozoids__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 1990__Regie: J.S. Cardone__Darsteller: Louise Fletcher, David Beecroft, James Hong, Frederick Flynn, Shawn Weatherly, Miguel A. Núñez Jr., Lu Leonard, Maureen Flaherty, Robbie Rives u.a.

Shadowzone Banner

Shadowzone Cover

Das Cover zu “Shadowzone”

No Trespassing. Ein Sicherheitszaun wackelt unter dem Einfluss eines zusammenbrauenden Sturms. Er ist das erste sichtbare Anzeichen der militärischen Kulisse, die diese frühe Full-Moon-Produktion prägt, dient zugleich aber auch als eine Art Absperrband für das stark abgeriegelte Filmset. „Shadowzone“ spielt hauptsächlich unter Tage in einem Labor; keine Fenster, kein Sonnenlicht. Die einzigen Lichtquellen stammen von Leuchstoffröhren, Computermonitoren und wissenschaftlichen Geräten. Auch sorgen nicht etwa befreiende Zwischenschnitte auf den Himmel über der Station für Druckausgleich; man ist als Zuschauer sozusagen dazu verdammt, die beengende Situation gemeinsam mit den Akteuren durchzustehen.

Schon in den ersten Minuten investiert J.S. Cardone reichlich in den Aufbau von Atmosphäre. Hauptdarsteller David Beecroft trifft erst zum Handlungsbeginn am Einsatzort ein und wird von Labormitarbeitern durch die Kulissen geführt – eine ideale Gelegenheit, zugleich das Publikum mit dem abgesteckten Rahmen vertraut zu machen. Der Regisseur hat offenbar ziemlich gut aufgepasst, als bei „Alien“ oder auch „The Thing“ das Setting etabliert wurde. Mit jeder neu eingeführten Figur reichert er den sozialen Mikrokosmos innerhalb des außergewöhnlichen Szenarios um ein weiteres Puzzleteil an, das es für den angereisten Ermittler von außerhalb zu lösen gilt. Cardone geht dabei erstaunlich behutsam und ohne jede Eile vor. Verdachtsmomente keimen auf, die Skepsis das neugierigen Captains und die Geheimniskrämerei der Wissenschaftler kollidieren eher in codierten Dialogen mit misstrauischen Blicken als in handfesten Auseinandersetzungen. Solche Geduld ist man von günstigen Genre-Produktionen, in denen zumeist Hals über Kopf aus der Hüfte geschossen wird, nicht gewohnt, schätzte man die Geduld der Videotheken-Zielgruppe doch in der Regel nicht allzu hoch ein.

Screenshot 3

So lassen Schauwerte in Form von angreifenden Ungeheuern zwar zunächst auf sich warten, doch als Lohn für die langsame Einführung winken einige interessante Portraits in den Nebenrollen. Frederick Flynn als nervöser Techniker, Lu Leonard als aufbrausende Köchin, Miguel A. Núñez Jr. (“Carnosaurus 2“) als kumpelhafter Computer-Crack, Shawn Weatherly als warmherzige Laborantin, Louise Fletcher (“Der Feuerteufel“) als verbissene Führungskraft und James Hong (“Big Trouble in Little China“) als undurchsichtiger Projektleiter bedienen sicherlich in einem gewissen Maße Klischees, aber gleichzeitig bilden sie durch ihr auffälliges Verhalten je nach Typ Überlebensstrategien angesichts einer Extremsituation ab, ganz wie bei den Vorbildern aus den erwähnten Referenzen. Die Kombination aus Schauplatz und Bevölkerung lässt dann auch alsbald die Frage aufkommen: Wann und wo wird die Lunte zum ersten Mal hochgehen?

Schaut in den Trailer zu “Shadowzone”

Screenshot 2

Es sind dann zwei Millisekunden-Ausschnitte auf eine entstellte Fratze, die kreischend ein Crewmitglied angreift, mit der die Effekt-Schmiede ihre Pforten öffnet, aber bereits vorher wird ein wenig über die Stränge geschlagen. Dass hier nun nicht gerade ein angehender Klassiker gedreht wurde, lässt sich abgesehen von der Armut an eigenen Ideen (gut geklaut ist noch lange nicht selbst erfunden) an einigen Situationen ablesen, in denen das Drehbuch sich dezente Entgleisungen vom Ernst der Lage gönnt. Als James Hong sich mit unserem Helden über die nackte Versuchsperson im Schlafbehälter beugt, nickt er ihm mit wissendem Grinsen zu und murmelt: „Sie gefällt Ihnen, was?“. Damit liest er die Gedanken des Publikums, für welches hier extra eine Nackte wie Dornröschen im Glassarg drapiert wurde (immerhin führte der künstlerische Anspruch so weit, dass man zur Verschleierung einen zweiten Behälter mit einem nackten Mann im Raum positioniert hat, auch wenn der natürlich nicht ganz so oft abgefilmt wird). Später hat Frederick Flynn noch eine Szene, in der er aus lauter Panik ohne sichtbaren Feind ein ganzes Magazin in die Luft ballert, was einen ziemlich cartoonesken Eindruck macht – ebenso wie Lu Leonard, die den ganzen Film über auf Rattenjagd ist, was im Übrigen einen hübschen Verweis auf „Creepozoids“ darstellen könnte, der ebenfalls von Ratten besessen war.

Screenshot 1

Zumeist versucht sich der insgesamt erstaunlich ernste Film allerdings an einem seriösen Ton, was ihm in weiten Teilen auch gelingt. Herauszuheben ist vor allem der wohldosierte, gut variierte Einsatz der Spezialeffekte, für die wohl nicht allzu viel Budget zur Verfügung gestanden haben dürfte, die allerdings den komplexen Anforderungen der Story um Traum-Manifestationen (mit gewissen inhaltlichen Parallelen zu Roger Cormans „Galaxy of Terror“) standzuhalten versuchen. Cardone tut gut daran, gewisse Einfälle des Drehbuchs off-screen zu lösen, wenn er sie on-screen nicht adäquat umzusetzen weiß. Ein Kniff, den er mehrfach einsetzt und der wegen der etablierten Grundatmosphäre durchaus funktioniert.

Als es schließlich aufs Finale zugeht und das Tor in eine andere Dimension in einem Lichtstrahl erscheint, wird sogar die morbide Stimmung aus Cronenbergs „The Fly“ und Barkers „Hellraiser“ gestreift. Louise Fletcher, die über den gesamten Film eigentlich eine eher unstete Leistung zeigt, bekommt hier dieses Glitzern in den Augen, das Jeff Goldblum in der Teleportationskabine und Sean Chapman beim Halten des Würfels hatte.

Für die volle SciFi-Horror-Erfahrung fehlt „Shadowzone“ zwar der Schneid, eigene Wege zu beschreiten und sicherlich auch ein wenig Budget, um die Imagination mit voller Kraft zum Leben zu erwecken. Es ist aber einer dieser Videotheken-Staubfänger, von denen man nicht das Geringste erwartet und die einen dann völlig unvorbereitet einwickeln – dank der soliden Story und des sorgfältigen Spannungsaufbaus.

5 von 10

Informationen zur Veröffentlichung von “Shadowzone”

Release

“Shadowzone” erscheint als Bonusfilm gemeinsam mit “Creepozoids” in der “Full Moon Collection #4”.

“Shadowzone” als Bonus-Film der Full Moon Collection #4

„Shadowzone“ wurde bereits vor rund zwei Jahren von cmv im Rahmen der „Trash Collection“ auf DVD veröffentlicht – offenbar die bis dato einzige digitale Veröffentlichung in Deutschland. Technisch gesehen sorgten Wicked-Vision also nun mit der gerade erschienenen „Full Moon Collection #4“, die eigentlich „Creepozoids“ gebührt, für die Blu-ray-Premiere. Da es sich aber nur um eine Auswertung als Bonus-Film handelt, ist von einem entsprechenden qualitativen Update eher nicht zu sprechen.

Bild und Ton

Zwar liegt mir die DVD nicht zum Vergleich vor, doch hier wurde sicher kein neuer Transfer in Auftrag gegeben, sondern auf HD aufskaliert. Die Bildqualität rangiert maximal im unteren DVD-Mittelfeld. Viele Unschärfen trüben das Vergnügen, die weitgehend dunklen, lichtarmen Sets tragen das ihre dazu bei, dass die Konturen immer ein wenig verwaschen wirken und die Farben ausgemergelt. Auf einem normalen HD-Fernseher mit durchschnittlicher Diagonale lässt sich das Gebotene aber problemlos ansehen. Das Bildformat entspricht mit 1,66:1 der vorausgehenden Veröffentlichung; ältere DVD-Releases aus dem Ausland (USA, UK) weisen hingegen Vollbildformat auf.

Erfreulicherweise wurde beim Ton nichts ausgespart, so dass wir auch bei diesem Bonusfilm zwischen dem Originalton und der deutschen Synchronisation wählen können, ebenso wie zwischen deutschen und englischen Untertiteln. Wie schon beim Hauptfilm gilt auch hier: Beide Spuren sind in DTS-HD MA 2.0 vorhanden, wobei der Originalton wesentlich dynamischer klingt, was vor allem wegen der etwas muffigen Hintergrundabmischung in der Synchro-Variante liegt.

Extras

Zumindest ein Minimum an Extras ist auch für diesen Film dabei: Es gibt den Originaltrailer in Englisch. Außerdem ist die Hälfte des 24-seitigen Booklets im Mediabook für einen Text zu „Shadowzone“ aus der Feder von Christoph N. Kellerbach reserviert. Der Autor beginnt weit vor Entstehung des Films und reicht in seiner Betrachtung auch weit über ihn hinaus, womit er der eigentlichen Produktion die Anmutung einer Durchgangsstation verleiht (die sie natürlich auch war). Er lässt sich von der Vita der beteiligten Personen dazu verleiten, mit dem Verlauf der Filmgeschichte zu fliegen – was in Bezug auf eine filmhistorische Einordnung immer ein legitimes Mittel ist, allerdings zu Wiederholungen führen kann, wenn man es zu oft macht. In Kombination mit dem fokussierten Text zu „Creepozoids“ von Michael Humberg bietet das Booklet aber eine schöne Mischung.

Schade, dass es – womöglich wegen der ungeklärten Materiallage – nicht zu einem separaten Blu-ray-Release von „Shadowzone“ mit verbesserter Bild- und Tonqualität kommen konnte, denn qualitativ steht er dem Hauptfilm in nichts nach; man kann sogar problemlos die Meinung vertreten, dass er ihn übertrifft. So bekommt man aber nun immerhin zwei Filme zu dem Preis, der normalerweise für einen Film aufgerufen wird.

Sascha Ganser (Vince)

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