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Sharknado

Originaltitel: Sharknado__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Anthony C. Ferrante__Darsteller: Tara Reid, Cassie Scerbo, John Heard, Chuck Hittinger, Ian Ziering, Aubrey Peeples, Jaason Simmons, Alex Arleo, Connor Weil, Christopher Wolfe, Adrian Bustamante u.a.
Sharknado

Fliegende Haie gibt es nur in “Sharknado”

„Sharknado“ ist das, was man wohl mit Fug und Recht als echtes Hypeprodukt der sozialen Medien bezeichnen kann. Jeder scheint den Titel zu kennen, jeder kommt auch sofort auf die Punchline „Nuff Said“. Doch wie man in letzter Zeit häufiger beobachten konnte, bedeutet ein gewaltiger Hype nicht auch gleich einen Megaerfolg. So lief „Sharknado“ zwar gut, er performte aber im amerikanischen TV nicht annähernd so, wie man nach dem Hype erwarten musste. Vermutlich auch, weil trotz des Hypes absehbar war, dass man bei „Sharknado“ außer Trash pur nicht viel zu erwarten hatte. Und genau das bekommt man letztlich auch: Trash pur.

„Es regnet Haie!“

Vor der kalifornischen Küste braut sich ein gewaltiges Unwetter zusammen. Dieses fällt so gigantisch aus, dass sich Fin, seines Zeichens Besitzer einer Spelunke am Küstenstreifen von Kalifornien, genötigt sieht, mit ein paar Kumpels gen Beverly Hills aufzubrechen, um seine Exfrau und seine beiden Kinder vor den Wassermassen zu retten. Beziehungsweise vor den Haien, die mit den Wassermassen ins Landesinnere gespült werden. Auf dem Weg zu seiner Familie hält man freilich ganz oft an, da Fin wie eine Art Superheld jeden Menschen zu retten versucht, der ihm während seiner Reise vors Auto springt. Dabei gefährdet er zwar sich und seine Mitreisenden immer wieder, aber hey… Als man irgendwann beim Haus der Ex angekommen ist, muss man bemerken, dass sich das Unwetter zu einem echten „Sharknado“ entwickelt hat! Riesige Wassersäulen türmen sich gen Himmel und transportieren verschiedenste Arten von Haien, die nun auf die Menschheit hernieder regnen.

Wie man diese „Sharknados“ bekämpft, möchte ich hier nicht vorwegnehmen. Nur soviel: Es ist einfach nur hirnverbrannt. Zum Glück nimmt der Film sich selbst nicht wirklich ernst, so dass man ihm diverse Dummheiten gar nicht krumm nehmen mag. Stattdessen ist man erstaunt, dass der Film gar nicht von Anfang an der erwartete Crowdpleaser sein will! Klar, transportiert durch die anfänglichen Flutwellen gibt es Haie an den seltsamsten Orten: Sie attackieren Autos, krachen durch Fenster, plantschen in Swimmingpools oder schwimmen den heimischen Flur rauf und runter. Aber „Sharknados“ gibt es lange Zeit keine. Auch witzig: Unsere Helden wehren sich mit den verschiedensten, durchaus nicht alltäglichen Haibekämpfungsmitteln. Dabei kommen Barhocker ebenso zum Einsatz wie Billard-Queues oder Schrotflinten. Und wenn die Haie zerlegt werden, kommen durchaus Funsplatterqualitäten zum Vorschein. Leider werden diese immer wieder durch „The Asylum“ typische technische Nachlässigkeiten geerdet.

„Der Sturm lässt nach… Es fliegen gerade nicht viele Haie herum!“

Die gesamte Inszenierung von „Sharknado“ hangelt sich von Problemherd zu Problemherd: Flutszenen werden mittels Stockaufnahmen aus echten Flutgebieten inszeniert, auch manch Haischwarm stammt aus irgendeiner Doku zum Thema; lachhafte Rückprojektionen versetzen unsere Charaktere in die Brandherde; diverse Haianimationen sind so mies, dass man sie einfach gesehen haben MUSS; Logik- sowie Anschlussfehler gibt es so viele, wie am Ende Haie vom Himmel regnen und die offensichtlich bei strahlendem Sonnenschein gedrehten und nachträglich abgedunkelten Handlungsszenen wirken einfach nur megabillig. Dass „Sharknado“ trotz dieser Probleme nie baden geht, verdankt der Film seinen diversen schrägen Einfällen. Da werden Haie mit Kettensägen im Flug halbiert, der Held stürzt sich mit Kettensäge in einen heranfliegenden Hai, ein Hai verewigt sich mittels Abdruck vorm Chinese Theatre und irgendwann werden die Haie wie Tauben vom Himmel geschossen. „Sharknado“ wird also mit zunehmender Laufzeit immer absurder und abgefahrener und belustigt gar sehr.

Das liegt auch an seinem Heldenensemble. Ian Ziering („Beverly Hills 90210“) macht als Fin einen wirklich ordentlichen Job. Sein Held ist zu gut, um wahr zu sein, bricht seine eigene Perfektion aber durch manch dummen Spruch gelungen wieder auf. Und seine ungläubigen Blicke im Angesicht der regnenden Haie sind echt Gold wert. Als Flintenweib begeistert sexy Cassie Scerbo die Zuschauer und John Heard („In the Line of Fire“) reizt mit trockenen Kommentaren zu immer neuen Lachern. Jaason Simmons kennen manche vermutlich aus Baywatch und dürfen ihm hier nun dabei beiwohnen, wie ihm Hai um Hai vornehmlich ins Bein beißt. Der absolute Abschuss allerdings ist Tara Reid („American Pie“) als Frau von Fin. Entweder war die Gute bei den Dreharbeiten beständig stoned oder besoffen oder gar beides und hat den Film einfach nicht verstanden. Sie steht meist nur vollkommen nichtssagend in der Gegend rum und sieht dabei richtig – sorry – scheiße aus. Wie kann man seine „Karriere“ nur so humorlos hinrichten?

Doch was kümmert uns dieser Trauerkloß? Spaß wollen wir und den bekommt man durchaus. Leider muss man auch Szenen überstehen, wie jene um die Rettung eines ganzen Busses voller Schulkinder, bei der das Tempo des Filmes vollkommen in die Knie geht und nicht einmal irgendeinen gelungenen oder fiesen Gag präsentiert. Aber auch derartige Szenen vergehen irgendwann (notfalls hilft die Vorspultaste) und dann rollt der Film wieder ordentlich. Witzigerweise ist dieses „One-Idea-Movie“ selbstbewusst genug, genau diese eine Idee lange Zeit in der Hinterhand zu behalten. Doch dann fliegen endlich die Haie, knattern die Kettensägen, fliegen Arme und Beine durch die Gegend, werden herumstehende Menschen von Hammerhaien erschlagen und meint man einer Realverfilmung vom Moorhuhn beizuwohnen … nur eben mit Haien. Ein großer Spaß. Ein dummer Spaß. Ein leider nicht mackenloser Spaß. Aber ein Spaß!

Die deutsche DVD kommt mit einer FSK 16 Freigabe uncut und in ordentlicher Bild- und Tonqualität von Great Movies, wobei freilich vor allem die gute Bildqualität den teilweise schon üblen Flickenteppich aus abgedunkelten Tageslichtszenen, Dokumentationsmaterial, schwachen CGIs und Spielszenen offen legt.

In diesem Sinne:
freeman

Was meint ihr zu dem Film?
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Copyright aller Filmbilder/Label: Great Movies__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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