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Shazam!

Originaltitel: Shazam!__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2019__Regie: David F. Sandberg__Produktion: Peter Safran, Dwayne ’The Rock’ Johnson u.a.__Darsteller: Zachary Levi, Mark Strong, Angel Asher, Jack Dylan Grazer, Grace Fulton, Marta Milans, Cooper Andrews, Faithe Herman, Ian Chen, Jovan Armand, Djimon Hounsou, John Glover, D.J. Cotrona, Meagan Good u.a.
Shazam!

Dwayne ‘The Rock’ Johnson gehört zu den Produzenten von David F. Sandbergs DC-Comicadaption “Shazam!”

Ursprünglich sollte Dwayne ‘The Rock‘ Johnson als Gegenspieler Black Adam bereits in „Shazam!“ auftauchen, doch DC entschied sich für gleich zwei Origin-Story-Film für Held und Hauptgegner respektive. Deshalb ist Johnson bei David Sandbergs Franchise-Starter nur als Produzent an Bord, während der Held hier noch einen anderen Schurken zu besiegen hat.

Dessen Ursprünge deckt der Auftakt ab, der aber zugleich wichtig für die Genese des Helden ist. Im Jahr 1974 jedenfalls sieht Thaddeus Sivana seltsame Symbole in einem Spielzeug, ehe er aus dem Auto, in dem er mit Vater und Bruder sitzt, in die Höhle eines Zauberers (Djimon Hounsou) katapultiert wird, der einen Nachfolger sucht, da seine Macht schwächer wird. Dummerweise besteht Thaddeus den Eignungstest nicht, erliegt der Versuchung, der ihn die sieben in Dämonenstatuen gefangenen Todsünden aussetzen, und wird zurück in seine Welt katapultiert, wo er immer noch der untergebutterte der zwei Söhne ist. Während Thaddeus nun sein Leben lang nach der Macht des Zauberers suchen will, so kennt der Zuschauer bereits die Anforderungen und die Genese des anstehenden Helden.

In der Gegenwart ist Billy Batson (Angel Asher) mit einem superheldengeeigneten Alliterationsnamen gesegnet, sonst aber nicht besonders heroisch drauf: Auf der Suche nach seiner Mutter, die ihn im Kleinkindalter auf dem Rummel verlor, ist er schon aus sechs Pflegefamilien abgehauen und landet nun im Gruppenheim von Rosa (Marta Milans) und Victor Vasquez (Cooper Andrews), wo er den Superheldenfan Freddy Freeman (Jack Dylan Grazer) als Zimmernachbarn bekommt. Ansonsten umfasst die putzige Waisenkinderriege die verschmuste Darla Dudley (Faithe Herman), Videospielfreak Eugene Choi (Ian Chen), Schweiger Pedro Peña (Jovan Armand) und die kurz vorm Collegebesuch stehende Mary Bromfield (Grace Fulton). Jede Menge Alliterationsnamen in der Tradition von Peter Parker und Co., womit man den Meta-Status von „Shazam!“ schon erkennen kann.

Der inzwischen erwachsene Thaddeus (Mark Strong) knackt nach Jahren der Recherche den Code für die Sprung in die Zauberhöhle, wo er die Macht der sieben Todsünden klaut und den geschwächten Zauberer zurücklässt. Der holt mit letzter Kraft eine reine Seele an Bord, der er seine Macht überlässt: Billy. Der kann sich nun in den Superhelden Shazam (Zachary Levi) verwandeln, aber weiß noch nicht so recht, was er mit diesen Kräften anfangen soll…

Shazam!

Billy Batson als Teenager mit seinem Sidekick Freddy Freeman (Jack Dylan Grazer)…

Mit seiner Rolle als Held wider Willen in „Chuck“ sowie als Fandral in „Thor – The Dark World“ und „Thor – Tag der Entscheidung“ hatte sich Zachary Levi schon reichlich Nerd-Credibility erspielt, die er hier nun wunderbar einsetzen kann. Zwar hat er sich für „Shazam!“ ordentlich im Fitnessstudio aufgepumpt, sieht aber immer noch wie ein Nerd aus, der zufällig in den Körper eines Superhelden geraten ist – womit er hervorragend in die Rolle passt. Mark Strong als Superschurke ist ebenfalls eine Bank, wirkt aber etwas unterfordert – vielleicht deshalb, da er in Werken wie „Sherlock Holmes“ und „Kick-Ass“ bereits ähnliche Parts mit mehr Ausstrahlung verkörpern durfte. Als jugendliches Freundesduo, das sich zusammenraufen muss und einige Höhen wie Tiefen zu meistern hat, spielen sich Asher Angel („On Pointe“) und Jack Dylan Grazer („Es“) launig die Bälle zu, während Marta Milans („Shame“) und Cooper Andrews („Criminal Squad“) als verständnisvolles Ersatz-Elternpaar das heimliche Herz des Films sind. Auch die Clique der Jungdarsteller machen einen guten Job, während Djimon Hounsou („Captain Marvel“) unter gefühlten drei Tonnen Make-Up einfach nur da ist, sonst nichts. Für eine nette Gastrolle schaut unter anderem noch der leider zu wenig gefragte Adam Brody („Dschungelcamp – Welcome to the Jungle“) vorbei.

An der Besetzung kann man bei „Shazam!“ also wenig mäkeln, doch leider bleibt der Film recht halbgar, was man wohl dem Script von Henry Gayden („Earth to Echo“) anlasten muss. Das schwankt zwischen verschiedenen Ansätzen, die nicht so ganz miteinander harmonieren wollen. Erster Pfeiler ist die komödiantische, reflexive Herangehensweise an das Superheldengenre, die man aber bei „Kick-Ass“, „Deadpool“ und Konsorten schon wesentlich ausgeprägter hatte. „Shazam!“ spielt in einer der Welt der Comicleser, weshalb Billy nicht lange mit dem Schicksal hadern muss, sondern auf amüsante Weise von Freddy angeleitet wird, wenn er seine neuen Kräfte erforscht. Natürlich macht auch das veränderte Alter etwas aus: Eine der ersten Amtshandlungen im Shazam-Körper ist schließlich der Kauf von Bier. Das ist alles ganz witzig, wiederholt sich mit der Zeit aber arg: Wenn Shazam zum x-ten Mal guckt, was für Kräfte er hat oder über seine Fähigkeiten erstaunt ist, dann hat man das Gefühl, dass „Shazam!“ einem stets den gleichen Witz von neuem erzählen möchte.

Shazam!

…und als Shazam (Zachary Levi)

Gleichzeitig ist „Shazam!“ auch ein Coming-of-Age-Familienmärchen, das natürlich um Weihnachten herum spielt. Der selbstsüchtige Billy muss sowohl als Teenager als auch als Shazam lernen mal an andere zu denken, es geht viel um Familie – sei es die Ersatzfamilie im Gemeinschaftshaus oder Billys Suche nach der Mutter, die der Film auf unerwartete Art auflöst. Dieser Moment ist dann auch einer der menschlich berührendsten Punkte des Films, während „Shazam!“ ansonsten oft haarscharf am Kitsch vorbeischrammt oder sich gleich mitten hineinsetzt. Gerade die kulleräugige Darla und ihr Harmoniebedürfnis sind sinnbildlich für einen Film, der die Werte gleich mit dem Holzhammer predigt, und dessen Saulus-zum-Paulus-Wandlung des Helden nicht nur wegen des Feiertagsszenarios an Charles Dickens und seine Weihnachtsgeschichte erinnert.

Jedoch beißt sich dieses Familienmärchen dann mit jenen Aspekten des Films, bei denen klar wird, dass „Lights Out“- und „Annabelle 2“-Regisseur David Sandberg seine Wurzeln im Horrorfilm hat. Denn die sieben Todsünden in Dämonenform sind für jüngere Zuschauer wohl etwas zu gruselig und beißen in einer Szene auch schon mal Leuten den Kopf ab. Das ist für sich gelungen, sieht mit der Make-Up- und Effektarbeit richtig stark aus, wirkt aber neben dem Familienmärchen wie ein Stilbruch. Außerdem bringen die Todsünden noch ein Problem in der inneren Logik des Films mit: Da wird ein Gegner Shazams im Showdown immer wieder gasförmig, sobald der Held ihn schlagen will, wodurch er quasi unbesiegbar erscheint. In einer folgenden Schlägerei verzichten die Todsünden einfach auf diesen offensichtlichen Trumpf und lassen sich stattdessen einfach windelweich prügeln werden.

Shazam!

Auge in Auge mit dem Schurken, Dr. Thaddeus Sivana (Mark Strong)

Der Showdown hat aber noch ein weiteres Problem: Obwohl er im Vergleich zu den Endschlachten von Werken wie „Avengers: Age of Ultron“ oder „Man of Steel“ regelrecht klein skaliert ist, so kommt er doch nie auf den Punkt, ist überlang und repetitiv in seiner Held-contra-Monster-Klopperei, da helfen auch ein paar putzige Sidegags nichts. Tatsächlich ist die Action in „Shazam!“ in erster Linie Standardware, sich prügelnde Überwesen, die sich als reine CGI-Kreaturen durch Bretterbuden und Hauswände kloppen, ohne Bodenhaftung oder physikalische Nachvollziehbarkeit. Da fängt Shazam beispielsweise einen fallenden Bus an der Windschutzscheibe auf, nicht am Metallrahmen, aber die Scheibe hält das aus – obwohl sie schon durch fallende Fahrgäste beschädigt ist. So gefallen bei den Actionszenen eher parodistische Einlagen: Etwa wenn Shazam seinen Gegner mit einer Batman-Puppe bewirft („Get him, Batman!“) oder man sich auf einem in den Boden eingelassenen Riesenkeyboard duelliert – ein Verweis auf „Big“, eines der offensichtlichen Vorbilder von „Shazam!“.

Derlei Anspielungen finden sich immer wieder in dem DC-Comic-Abenteuer: „Rocky“, der wie „Shazam!“ in Philadelphia spielt, zollt man gleich mehrfach Tribut (unter anderem mit einer Variation von „Eye of the Tiger“), während die Mythologie hinter den Kräften von Gut und Böse wild katholische Todsündenlehre mit griechischer Göttermythologie mischt. An anderer Stelle lässt man die Hommage gleich ganz bleiben und geht direkt zum dreisten Klau über: Den gezeichneten Abspann voller Frechheiten mit Ramones-Musik unterlegt kennt man aus „Spider-Man: Homecoming“.

So wirkt „Shazam!“ dann trotz guter Einfälle etwas unausgegoren und das ist schade. Denn gerade die Ideen den Superhelden mal explizit als Fremdkörper zu zeigen findet auch visuell Einzug in den Film: Wurden Heroen wie Batman, Superman und Wonder Woman in den jüngsten DC-Adaptionen in weniger farbenfrohen, natürlicheren Outfits auf die Welt losgelassen, so leuchtet Shazams Anzug übermäßig rot, ist sein Outfit stets als (begrenzt praktisches) Kostüm erkennbar, sind seine Muskeln so extrem aufgepumpt, dass selbst Aquaman und Captain America blass würden. Damit verschreibt sich „Shazam!“ auch visuell einem kindlicheren Blickwinkel, in dem Superhelden bonbonbunte, übermenschliche Lichtgestalten sind – ein Gegensatz zu Filmen wie „Man of Steel“ und „Batman v Superman“, die selbst den Mann aus Stahl noch erden wollten.

Manchmal ist das Ganze also auch weniger als die Summe seiner Teile: Weihnachtsmärchen, Coming-of-Age-Geschichte, Superheldenparodie und Horror-Elemente haben hier alle etwas für sich, bilden in „Shazam!“ leider ein etwas unausgegorenes Ganzes, der tollen Besetzung zum Trotz. Dass der Showdown auch nicht enden wollendes, öde Superwesengekloppe wird, nimmt auch nicht gerade für Sandbergs Film ein – da hatte die Kombination von Horrorregisseur und Superheldenstoff in DCs vorigem „Aquaman“ wesentlich besser funktioniert.

Warner bringt „Shazam!“ am 4. April 2019 mit einer Freigabe ab 12 Jahren in die deutschen Kinos.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Warner__FSK Freigabe: ab 12__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein, ab 4.4.2019 in den deutschen Kinos

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