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Shooter

Originaltitel: Shooter__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2007__Regie: Antoine Fuqua__Darsteller: Mark Wahlberg, Michael Peña, Danny Glover, Kate Mara, Elias Koteas, Rhona Mitra, Jonathan Walker, Louis Ferreira, Tate Donovan u.a.
Shooter

Shooter Mark Wahlberg Antoine Fuqua

Ein Scharfschütze und sein Späher liegen in Äthiopien unweit einer Öltrasse in Stellung. Ihr Auftrag: Den Rückzug eines US-Army Konvois absichern. Ein simpler Job, so scheint es. Plötzlich meldet der Späher einen feindlichen Jeep mit auflafettiertem MG. Kurz darauf brechen zwei Schüsse und die Schädel der Jeepfahrer zerbersten. Der Scharfschütze waltete seines todbringendem Amtes. Da rückt auch schon der US-Armykonvoi an. Genau in diesem Moment kommt ein Konvoi feindlicher Fahrzeuge über eine Hügelkuppe. Gerade noch rechtzeitig kann der Späher seinen Scharfschützen darauf hinweisen. Dieser schickt nun blitzschnell Todesschuss um Todesschuss ins Ziel. *blam* *blam* Kopfschuss *blam* Kopfschuss, Mörserfeuer der Gegner *blam* Kopfschuss *blam* MG Feuer eines Hubschraubers *blam* *blam* *blam* …

Heute, wenige Monate später, lebt der Scharfschütze Bob Swagger zurückgezogen und fernab jeglicher Zivilisation im amerikanischen Hinterland und versucht die Ereignisse in Äthiopien so gut es geht hinter sich zu lassen. Das ist leichter gesagt als getan, denn auf einmal stehen die Angestellten einer Regierungsbehörde vor ihm und bitten ihn um Hilfe. Er soll einen Anschlag auf den Präsidenten der Vereinigten Staaten für sie planen und durchspielen. Mit den daraus gewonnen Informationen will man einen von Unbekannten angekündigten Anschlag auf den wichtigsten Mann der Welt vereiteln. Die Attentäter wollen den Präsidenten laut Ankündigung aus einer Entfernung erschießen, aus der bis auf Bob Swagger nur wenige in der Lage sind, einen tödlichen Schuss abzufeuern. Swagger willigt nur widerwillig ein, wurde er doch einst in Äthiopien von genau der Regierung im Stich gelassen, die ihn jetzt braucht. Doch als er erst einmal Blut geleckt hat, kann er der Regierungsbehörde alle wichtigen Informationen liefern, die sie brauchen, um das Attentat zu vereiteln. Am Tage des Anschlages ist auch Bob Swagger zugegen und stimmt die Aktionen der zugreifenden Einheiten aufeinander ab. Gerade will er den Befehl zum Zugriff geben, als ein Schuss bricht. Der Präsident bricht scheinbar getroffen zusammen. Just in diesem Moment des Schocks wird auch Swagger getroffen. Ungläubig dreht er sich um und sieht hinter sich einen Cop, der erneut auf ihn schießt. Swagger kracht durch ein Fenster auf die offene Straße. Der Cop ballert weiter auf ihn. Swagger flieht schwer verletzt und findet sich plötzlich in einer landesweiten Hetzjagd wieder, in deren Verlauf er bezichtigt wird, der Attentäter gewesen zu sein. Swagger muss nun all seine Kraft daran setzen, seine Unschuld zu beweisen. Dass dabei Diplomatie bei einem Mann wie Swagger keine große Rolle spielt, wird seinen Gegnern nur zu schnell bewusst …

Shooter ist im Grunde genau das, was wir Actionfans seit Ewigkeiten aus Hollywood erwarten. Die Rückbesinnung auf das testosteronerstarrte Old School Actionkino der 80er und 90er Jahre. Schon nach den eingangs beschriebenen ersten 10 Minuten von Shooter lehnt man sich als Actionfan breit grinsend und zufrieden in seinen Sessel zurück. Hier zerplatzen die Köpfe, spritzt das Blut, steigen Explosionswolken gen Himmel und dröhnt die Tonspur, dass dem Zuschauer die Hosenbeine von der Bassurgewalt flattern. Dazu die gewohnt fette Optik eines Antoine Fuqua mit genialen Zeitlupeneinlagen und schon ist der erste Actiontraum in Shooter perfekt. Danach wird dann recht ruhig und gelassen die eigentliche Handlung losgetreten. Diese ist – wie vom 80er Jahre Actionkino gewohnt – alles andere als kompliziert oder überladen und wird straight und geradlinig abgespult. Auf Aktion folgt Reaktion, störende Nebenhandlungen gibt es nicht und die gesamte Grundidee erinnert sowohl an den B-Filmknaller “Most Wanted” als auch an den Ringo Lam Streifen “The Suspect”, die vom Grundkonstrukt her eigentlich genau die gleiche Geschichte erzählen. Das Einzige, was sich im Grunde unterscheidet, sind die verschwörerischen Hintergründe, die zu dem Attentat führten und die Swagger gemeinsam mit dem Publikum erst allmählich offen legen muss. Dabei gerät Shooter im Mittelteil eher zu einer “Art auf der Flucht”. Sprich, er wird zu einem Who Don’it Thriller, in deren Verlauf sich der Held Klarheit über die Hintergründe verschaffen muss und gleichzeitig immer darauf bedacht ist, sich seiner Haut zu erwehren. Dieser Abschnitt erfindet nun den Begriff der Spannung nicht unbedingt neu, hält den Zuschauer aber mühelos bei der Stange und bietet genug Entertainment, um eventuellem Leerlauf vorzubeugen.

Etwa eine Stunde vor Schluss geht Swagger in die Offensive und tritt mir nichts dir nichts drei Showdowne los, in deren Verlauf er gemeinsam mit einem Gefährten ordentlich bei den Bäd Asses ausmistet und dem actionaffinen Publikum einen Schauerabgang nach dem anderen abtrotzt, denn Swagger, einmal von der Leine gelassen, lässt wahrlich nichts anbrennen. Da braucht man Napalm “nur für das untere Geschoss”, werden Rohrbomben gebaut, mit denen man ganze Landstriche befriedet, wird mit dem Messer punktgenau geschlitzt und setzt der Scharfschütze selbst mit der Handfeuerwaffe ausschließlich derbe Kopfschüsse. Nebenher gehen diverse Autos und Hubschrauber in Flammen auf, werden Häuser bis auf die Grundmauern abgerissen und setzt es inmitten bleihaltigster Luft Sprüche wie:

Was fühlst du als erstes, nachdem du einen Zivilisten erschossen hast?
Den Rückstoß der Waffe …

Shooter ist Action pur. Ein gigantischer B-Film aufgeblasen auf das Format eines A-Filmes mit teils grandiosen Schauwerten. Alleine das Setting von Showdown Nummer zwei in eisigen Gebirgslagen ist absolut genial und bietet freilich ausreichend Gelegenheit für roten Lebenssaft auf weißem Untergrund. Dazu riesige, vor sich hin wabernde Wolkenfelder und ein paar kreisende Bruckheimer Hubschrauber und schon ist man wieder mit sich und der Welt zufrieden. Verantwortlich für die Schauwerte ist freilich Antoine Fuqua, der hier wirklich aus den Vollen schöpft. Tolle Naturpanoramen als Hintergrund für blutspritzende Action, edle Zeitlupeneinlagen, eine extrem satte Farbpalette, eine unaufgeregte (sprich wackelfreie), unglaublich souveräne Kameraführung und mittendrin ein Held, der in Zeitlupe und um sich ballernd durch Nebelwolken bricht oder sich seelenruhig und in Slow Mo von riesigen Explosionsherden entfernt. Hier gibt es wahrlich einiges fürs Auge und auch die Ohren werden ordentlich bedient, denn Mark Mancina liefert einen wuchtigen Score ab, der an seine Genregroßtaten wie Speed oder Bad Boys erinnert und immer prägnant vor allem die Actionszenen mit einem basslastigem Soundfundament unterfüttert.

Inmitten dieser technischen Perfektion punktet Mark Wahlberg mit unglaublicher physischer Präsenz und trotz Schwergewichten wie Danny Glover oder Ned Beatty in Nebenrollen ist Shooter einzig und allein seine Show. Mit Bravour erfüllt er den Part des einsamen Wolfes, der sich, einmal in die Ecke gedrängt, auf seine Stärken besinnt und in den Angriff über geht. Sehr viele schauspielerische Feinheiten muss er dabei nicht transportieren, denn wie der Film selbst ist seine Rolle freilich auch eher eine Art Relikt aus vergangenen Zeiten. Gefühlig muss er beispielsweise so gut wie nie werden und wenn, geht’s eh nur darum, die aparte Kate Mara zu beglücken und für die würde sicher jeder gerne mal den Gefühlsmensch rauskehren. In den körperlichen Disziplinen punktet Wahlberg dann ungemein und man nimmt ihn den waffenversierten und fitten Haudegen mehr als nur ab. Kurzum: Wahlberg muss eigentlich “nur” den Film auf seinen breiten Schultern tragen und das schafft er dank seines sehr sympathisch wirkenden Charakters Bob Swagger mühelos. Den Rest des Castes kann man attestieren, dass die Darsteller ihre Rollen ebenfalls überzeugend mit Leben füllen, wirkliche schauspielerische Großtaten allerdings komplett ausbleiben. Sehr gut hat mir noch Michael Peña gefallen, der – zuletzt verschüttet mit Nicolas Cage in World Trade Center – erneut mit einer ordentlichen Leistung punkten kann und einen überzeugenden Buddy für Bob Swagger abliefert. Obendrein scheint die Chemie zwischen ihm und Wahlberg hervorragend gestimmt zu haben, denn man sieht beiden an, dass sie Spaß am gemeinsamen Dreh hatten. Hinsichtlich der Schauspieler und ihrer Figuren muss ich persönlich feststellen, dass ich es gerne gesehen hätte, wenn man für Bob Swagger eine echte Nemesis in Form eines richtigen Motherfuckers aufgebaut hätte, mit dem sich Swagger dann ein richtig derbes Duell hätte liefern können. Insbesondere Elias Koteas Figur hätte dafür viel Potential geboten, wird aber unter Wert verkauft. Vielleicht ist da auch einiges dem Rotstift zum Opfer gefallen, denn Shooter ist schon ohne Swaggernemesis wahrlich kein kurzer Film, was sich glücklicherweise niemals in Langweile oder Leerlauf manifestiert.

Was bleibt ist ein optisch perfekter B-Film im Gewand eines A-Filmes, der die wichtigsten Tugenden des Old School Actionkinos transportiert: eine schlüssige und unkomplizierte Handlung, handgemachte, teils richtiggehend brachiale Action und ein sympathischer Held, der teilweise in Machismo erstarrt. Man kann nur hoffen, dass die Figur des Bob Swagger im Kino zum Serientäter mutiert. Potential dafür wäre unzweifelhaft vorhanden, da es bereits zwei weitere Romane um den Scharfschützen gibt …

In diesem Sinne:
freeman

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