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Shrew’s Nest

Originaltitel: Musarañas__Herstellungsland: Spanien__Erscheinungsjahr: 2014__ Regie: Juanfer Andrés, Esteban Roel__Darsteller: Macarena Gomez, Nadia de Santiago, Luis Tosar, Hugo Silva, Carolina Bang, Asier Etxeandia, Silvia Alonso, Gracia Olayo, Josean Pérez u.a.
Shrew's Nest

Der spanische Horrorfilm “Shrew’s Nest” wurde von Alex De La Iglesia produziert.

Die Wände der Wohnung zweier spanischer Schwestern haben schon viel gesehen: Den Tod der geliebten Mutter. Den Missbrauch der großen Schwester Montse durch den Vater, der den Verlust der Ehefrau nie verwinden konnte und ihre „Gegenwart“ in der Tochter zu spüren meint. Das Verschwinden des Vaters. Die Angst Montses vor der Außenwelt, die sie regelmäßig mit Morphium betäuben muss. Und das Erwachsenwerden der kleinen Schwester…

Der 18. Geburtstag der jüngeren Schwester bildet die Initialzündung des spanischen Psychothrillers „Shrew’s Nest“: Montse arbeitet in den eigenen vier Wänden erfolgreich als Schneiderin und auch ihre kleine Schwester verdient inzwischen Geld für den kleinen, sehr gottesfürchtigen Haushalt. Das Idyll, das aufgrund des Kontrollzwanges Montses für die kleine Schwester nur ein scheinbares ist, wird zerstört, als es eines Tages an der Tür klopft.

Als Montse öffnet, liegt ihr Nachbar Carlos vor der Tür. Er sei die Treppe hinabgestürzt und habe sich das Bein gebrochen. Zunächst will die von der Männerwelt enttäuschte Montse Carlos und dessen Schicksal aussperren und verschließt die Tür vor dem Hilfesuchenden. Doch dann fasst sich Montse ein Herz und zerrt den inzwischen Ohnmächtigen in ihre Wohnung. Sie verabreicht ihm ihr Morphium und pflegt seine Wunden so gut sie kann.

Am nächsten Tag erwacht Carlos, bedankt sich herzlich bei Montse und bringt ihr etwas entgegen, was diese noch nie von Männern erfahren hat: Respekt. Sie errichtet mehr und mehr ein Lügengebäude, um Carlos an sich zu binden. Doch ihre jüngere Schwester, die zunächst von Carlos gar nichts mitbekommt, rät Carlos immer wieder, aus der Wohnung zu fliehen. Als er begreift, wie verrückt Montse wirklich ist, ist es längst zu spät…

„Shrew’s Nest“ macht vor allem zu Beginn alles richtig: Er lässt seine Story atmen, ohne zu viel zu verraten, was ihm gegen Ende sogar ein paar Twists ermöglichst. Und er konzentriert sich voll und ganz auf seine beiden starken weiblichen Darstellerinnen und lässt diese ihre Charaktere zu überzeugendem Leben erwecken. Diese sind irgendwann so lebendig, dass man gegen Ende sogar Mitleid mit Montse hat, obwohl bereits vor ihrer Mutation zur blutrünstigen Furie längst klar ist, dass die junge Spanierin eine Persönlichkeitsstörung hat und psychisch mehr als nur ein wenig angeknackst ist.

Shrew's Nest

Montse hatte es schon als Teenagerin nicht leicht…

Interessant ist, dass „Shrew’s Nest“ schon zu Beginn mit Brüchen arbeitet. So wird der Film scheinbar aus Sicht der jüngeren Schwester erzählt – sogar inklusive Erzählerstimme aus dem Off! Nur um kurz darauf komplett die Perspektive von Montse einzunehmen. Nicht nur mit solchen Kniffen zieht einen der Film in seinen Bann und schließt einen mit dem gebeutelten Carlos in die vier Wände des einzigen Schauplatzes des Filmes ein. Dieser wird nur für sehnsüchtige Blicke aus dem Fenster und einen kurzen Besuch in Carlos’ Wohnung kurzzeitig „verlassen“. Ansonsten wird die Eskalation ausschließlich in Montses Wohnung voran getrieben. Und das äußerst konsequent.

Dabei hat Montses Fokussierung auf Carlos zu Beginn etwas absolut Rührendes. Es macht richtig Spaß, zuzusehen, wie die in festen Abläufen gefangene graue Maus auflebt. Wie sie für ihren Carlos sogar ihre Platzangst überwinden will. Wie sie versucht, sich zu verändern, um zu einer Frau zu werden, auf die der dandyhafte Spanier stehen könnte. Dabei spürt man aber auch, wie ihre „Liebe zu Carlos“ mehr und mehr zur gefährlichen Obsession wird. Interessant ist auch, dass sich Montses kleine Schwester ebenfalls in den Lebemann verguckt. Wer hier nun einen Zickenkrieg befürchtet, sei entwarnt. Die beiden Regisseure Juanfer Andrés und Esteban Roel brauchen derartige Klischees für ihre Spannungskurve nicht.

Shrew's Nest

Carlos ist der erste Mann, der Montse Respekt entgegenbringt.

Denn sie haben in Carlos einen starken Katalysator, der die Misslichkeit seiner Lage bald selbst erkennt und dementsprechend reagiert. Die Folge ist eine neuerliche Wandlung in Montses Charakter. „Shrew’s Nest“ bekommt nun einen leichten „Misery“ Einschlag (wobei für den Film im Gesamten gesehen Clint Eastwoods „Betrogen“ das eigentliche Vorbild sein dürfte) und Carlos muss gehörig leiden. Das Abrutschen Montses in den Wahn ist nun nicht mehr aufzuhalten. Um diesen ein wenig abzufedern, lancieren die Macher vermehrt eine gehörige Menge schwarzen Humors, der in den großartig getimten „Nörgel-Auftritten“ des verschwunden geglaubten, in Montses Welt aber sehr gegenwärtigen Vaters seine glorreichen Höhepunkte hat. Nicht nur hier scheint dann auch die regulierende Hand des produzierenden spanischen Regie Derwisches Alex De La Iglesia durch.

Doch egal wie sehr „Shrew’s Nest“ gen Showdown auch eskaliert, sich der Kunstbluteinsatz immer weiter nach oben schraubt und die irren Ideen zunehmen, letzten Endes ist der Film die ganz große Bühne für Macarena Gómez („Witching & Bitching“). Deren Montse stellt eine mal wirklich komplexe Figur dar, die Gomez von fragil über knallhart bis komplett durchgedreht eine unfassbare Spannweite an Gefühlszuständen abverlangt, die die Darstellerin mit einer unvergleichlichen Verve zu verkörpern versteht. Nadia de Santiago wirkt dagegen zwar ein wenig blass, allerdings wurde ihre Figur der jüngeren Schwester auch spürbar als erdendes Gegenstück zu Montse entwickelt. Und als solches funktioniert de Santiago großartig.

Shrew's Nest

Als sie merkt, dass sie Carlos nicht haben kann, dreht Montse durch.

Hugo Silva („The Body“) und Luis Tosar („Sleep Tight“) werten den Film mit weiteren großartigen Leistungen auf. Vor allem Tosar als beunruhigend souverän die Szenen sezierender Patriarch ist schlichtweg brillant.

Am Ende bleibt ein zunächst ruhig erzähltes, dann überzeugend eskalierendes, gegen Ende schwarzhumorig brutales Kammerspiel voller Frauenpower. Geadelt durch die grandiose Darstellerleistung von Macarena Gómez, angereichert mit einer absolut stimmigen, sehr schrägen Atmosphäre und gesegnet mit einer ordentlichen Spannungskurve ist der Film obendrein sehr stilvoll in Szene gesetzt, legt permanent an Tempo zu und mündet in ein angenehm wendungsreiches Finale, das sowohl (leider nicht immer unvorhersehbare) Überraschungen als auch tragische Momente überzeugend darreicht. Toll!

Die deutsche DVD/Blu-ray erscheint am 8. Januar 2016 von OFDB Filmworks und ist mit einer FSK 16 Freigabe ungeschnitten.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: OFDB Filmworks__Freigabe: ab 16__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Ja/Ja

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