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Sickle

Originaltitel: Sickle__Herstellungsland: USA__Erscheinungsjahr: 2013__Regie: Robert Conway__Darsteller: Kane Hodder, Tiffany Shepis, Rena Riffel, Dan Higgins, Dustin Leighton, Owen Conway, Taryn Maxximillian Dafoe, Jason Spisak, James Brown, Anthony Casanova u.a.
Sickle

Kane Hodder jagt Tiffany Shepis in “Sickle”

Vier junge Leute ziehen die Inhaber eines russischen Stripclubs ab und veranstalten bei ihrem Raubzug ein kleines Massaker an den Gästen des Etablissements. Mit einer Reisetasche voller Geld treten sie die Flucht gen Mexiko an. Leider ist der zum Fahren eingeteilte Dopehead der Gruppe zu blöd, gen Süden zu fahren und so landet man in einem seltsamen Kaff namens Redstone. Hier sind alle Bewohner ein klein wenig zurückgebliebener und bewaffneter als im Rest des Landes. Allen voran der hünenhafte Sheriff Sickle, der mit einer gleichnamigen Waffe (Sickle = Sichel) schon in der Pre-Title-Sequenz ein paar unsympathische Spacken über den Jordan geschickt hat. Und obwohl unsere vier Helden dem Sheriff und seinen Schutzbefohlenen nicht einmal etwas getan haben, werden sie nun fein säuberlich einer nach dem anderen abgemurkst. Und da vier Mann ein wenig zu wenig Kroppzeugs wären, schauen die bestohlenen Russen auch mal in Redstone vorbei…

Freilich auch, um sich abmetzeln zu lassen. Allgemein wird in Redstone alles weggemetzelt, was sich bewegt. Wohl um die innere Ordnung der Stadt nicht zu gefährden. Denn freilich wird in Redstone dem Inzest gefrönt und werden die Leichen gut gewürzt und medium durchgebraten verzehrt. Kennt man ja nicht anders. Und so grast „Sickle“ ein Klischee nach dem anderen ab und hangelt sich von Mordszene zu Mordszene, ohne auch nur ein Fünkchen Spannung entflammen zu lassen. Das liegt vor allem daran, dass einem die Charaktere im Film durch die Bank unsympathisch und egal sind und deren Ableben so beliebig inszeniert wird, dass „Sickle“ es nicht einmal in den Mordsequenzen schafft, so etwas wie Beklemmung oder simple Jump Scares zu generieren. Kurzum: Seien es die vier Diebe oder die Redstone Bewohner, keine der Parteien will einem irgendwie nahe gehen.

Und dennoch hat der Film durchaus einen gewissen Unterhaltungswert. Das liegt vor allem an seiner Form. „Sickle“ ist vor allem optisch die anvisierte Hommage an die Grindhouse Filme: Laufrollenschäden, Verschmutzungen, Tonsprünge, nervöser Bildstand, mal übersteuerte, mal kaum gesättigte Farben, harte Kontraste und schrecklich abgerissene Schauplätze sorgen dafür, dass man sich während dem Gucken von „Sickle“ regelrecht schmutzig fühlt. Die Szenenübergänge sind herrlich aggressiv gestaltet: Mal erblickt man Klebstellen, mal gibt es kurze, brutal schnell geschnittene Impressionen von Gewalttätigkeiten, mal nur Schreie von der Tonspur. Zwischen den Szenen macht sich also Terror breit. In den Szenen selbst verschwindet er dann wieder peu a peu. Schade an dem Grindhouse Look ist, dass er außerhalb von Redstone kaum Anwendung findet. Hier regiert eine billige HD Optik, die mit dem Rest des Filmes gar nicht zusammenpassen will. Sehr billig sind auch die Special Effects geraten. Diese rekrutieren sich durchweg aus Splattereffekten und bestehen fast immer aus irgendwelchen Gedärmen, die aus offenen Wunden fallen.

Dazu ein abgehackter CGI Kopf, ein paar Schusswunden und ein in ein Gesicht gerammter Absatz und schon hat man alle Sehenswürdigkeiten von „Sickle“ beisammen. Hier hätte man ruhig mehr auf die Pauke hauen können, wenn … ja wenn mehr Geld da gewesen wäre. Doch an dem scheint es an allen Ecken und Enden gefehlt zu haben. „Sickle“ wirkt schon sehr billig. Die Schauplätze variieren kaum. Ein Wohnwagen hier, eine Tankstelle da, von dem Stripschuppen bekommt man auch nichts zu sehen. Alle Szenen, die in Autos spielen, greifen zurück auf billige Rückprojektionen. Witzigerweise werden in den auf die Fenster projizierten Bildern Grindhouse-Filmfehler eingebaut, im Autoinnenraum selber aber herrscht sauberer HD Look vor. So richtig zusammenpassen will hier also gar nichts.

Darstellerisch beherrscht hysterisches Overacting die Szenerie. Es wird viel geschrieen und mit den Armen gewedelt, Intelligentes wird dabei aber nie geäußert. Egal. Die bekanntesten Gesichter gehören dem „Showgirls“ Nackedei Rena Riffel und der Scream-Queen überhaupt: Tiffany Shepis. Leider schafft die Dame einfach nie den Absprung in besser budgetierte Horrorstreifen und muss ihren wirklich sexy Körper in Cheapos wie „Sickle“ herzeigen. Hier in einer sehr heißen Stripclub-Performance, die – aus der Froschperspektive gefilmt – für hübsche Ausblicke auf die blank ziehende Tiffany sorgt. Die sich im übrigen mit vollem Körpereinsatz vor der Kamera bewegt. Als habe sie nie etwas anderes gemacht als Strippen. Im Rest des Filmes spielt sie durchaus ordentlich und hat eine Art Final Girl Rolle abbekommen. Als „Sickle“ stapft Kane Hodder durch den Film. Eigentlich als Mann hinter der Maske („Hatchet“ oder „Freitag der 13.“) berühmt geworden, darf er hier mal ohne Maske durch die Gegend stapfen, wirkt aber irgendwie so gar nicht bedrohlich. Allerdings ist auch das Schuld des Filmes, der seinen Sickle nie von der Leine lässt und keine einzige der Todesszenen irgendwie länger ausspielt. So taucht Sickle immer am Ort des Geschehens auf, hackt einmal mit seiner Sichel zu und Ende. Hier hätte man viel mehr auf die physische Präsenz des riesenhaften Hodder setzen sollen.

Am Ende bleibt ein Film, der als Hommage an das Grindhouse Kino geplant war und in einigen Minuten dieses Versprechen durchaus einlöst: Der als Running Gag immer mal wieder im Film auftauchende Zombiestreifen „Necro Wars“ sorgt gleich zu Beginn für ein stimmiges Grindhouse Feeling. Auch die Optikspielereien in Redstone erinnern an die Bahnhofskinofilme. Der cool gemachte Vorspann, in dem alle wichtigen Figuren des Filmes mittels Standbild schon angeteasert werden, macht ebenfalls Laune. Und eine nackte Tiffany Shepis ist immer einen Blick wert. Spätestens bei dem umgebauten Polizeiauto von Sheriff Sickle kommt dann eine richtige Grindhousenote auf, so schräg ist die Karre aufgemotzt. Kurzum: Ein paar Ansätze stimmen. Der Rest will allerdings nicht so wirklich funktionieren. Von den Figuren erfährt man nichts. Ihr Ableben ist einem scheißegal. Spannung kommt keine auf. Das optische Grindhousekonzept wird nicht wirklich konsequent und vor allem sinnig durchgezogen. Die Mordszenen werden nicht spannungsfördernd ausgespielt und die Splattereffekte sind billig. Und die Referenzen an Filme wie „Texas Chainsaw Massacre“ wirken durchweg wie gewollt, aber nicht gekonnt. Auch der Soundtrack des Filmes weiß nicht wirklich zu gefallen, da den harten Metalstücken irgendwie jedwede Rhythmik abgeht, was teils katastrophale Auswirkungen auf die untermalten Szenen hat. Und bitte bitte liebe Filmemacher: Schenkt euch endlich diese miesen CGI Mündungsfeuer! Letztlich fällt „Sickle“ in die Kategorie „gut gemeint“ und kann Leuten mit Sinn für billigen und schnellen (der Film kommt über 70 Minuten Nettolaufzeit kaum hinaus) Trash durchaus mal ans Herz gelegt werden. Aber auch nur denen!

Die deutsche DVD/Blu-ray von „Sickle“ kommt am 18. Oktober von dem Label Mad Dimension und ist mit einer FSK 18 Freigabe ungeschnitten. Bis auf ein sehr kurzes Interview mit Kane Hodder bietet diese Scheibe leider keinerlei Extras.

In diesem Sinne:
freeman

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Copyright aller Filmbilder/Label: Mad Dimension__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu-ray/DVD: Ja/Ja

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