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Silk (1986)

Cirio H. Santiago versucht sich am Cop-Actionkrimi: Die titelgebende Polizistin Silk muss sich in Honolulu vor malerischer Kulisse mit Killern und Drogendealern herumschlagen, was natürlich Anlass für einiges Geballer ist, wenn auch nicht so exzessiv wie sonst bei dem Regisseur.

Originaltitel: Silk__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1986__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Cec Verrell, Bill McLaughlin, Joe Mari Avellana, Frederick Bailey, Nick Nicholson, Sam Lombardo, Bill Kipp, Steve Rogers, Warren McLean, Jack Starr u.a.
Silk

Ein Cop-Actionkrimi von Cirio H. Santiago: „Silk“

Als amerikanische Cop-Actionfilme sich Mitte der 1980er großer Beliebtheit erfreuten, da wollte auch Cirio H. Santiago („One Man Army“) nicht hintanstehen und legt mit „Silk“ die Philippino-Variante zum Genre vor.

Heldin ist Jenny Sleighton (Cec Verrell), bloß Silk genannt, der härteste Bulle von Honolulu, das hier natürlich mal wieder kostengünstig von den Philippinen gedoubelt wird. Als ein paar Übelwichte einen Überfall tätigen und die Polizei in Schach halten, da ist sie natürlich zur Stelle, während der Rest der Uniformträger glatt am Verzweifeln ist. Nach getaner Arbeit begucken sich die Täter natürlich samt und sonders die Radieschen von unten, da ist Silk kaum anders als ihre männlichen Genrekollegen.

Doch viel zu feiern gibt es nicht, denn ein paar fieselige Drogenhändler betreiben ihr illegales Geschäft auf Hawaii, und wenn im Drogengeschäft gehobelt wird, dann fallen Leichen anstelle von Spänen. Außerdem findet man Leiche eines vor längerer Zeit verstorbenen Mannes, der aber laut Behördenunterlagen noch putzmunter ist…

Silk

Jenny Sleighton (Cec Verrell), genannt Silk, ermittelt

Wie es sich für derartige Kriminalstoffe gehört laufen die Fäden natürlich an einem Punkt zusammen und selbst die Morde an Prozessbeteiligten in einem anderen Verfahren werden mit in die Auflösung eingestrickt. Doof nur, dass diese Einzelfäden lange Zeit parallel laufen und gegen Ende mit einem kaum befriedigenden Twist nur notdürftig miteinander verzwirbelt werden, der nicht unbedingt in einem Handbuch für gutes Geschichtenerzählen zu finden wäre. Anderes lässt sich dagegen gut vorhersagen, vor allem wer wohl mit den Killern im Bunde ist, die freigelassene Kriminelle an akuter Klingenvergiftung sterben lassen, wird vom Film so offensichtlich angedeutet, dass sich jedes Mitraten erübrigt.

So plätschern die Ermittlungen vor sich hin, in welche rivalisierende Gangs, ein freischaffender Drogenhändler, zwei Veteranen-Auftragsmörder und andere Gestalten verstrickt sind, ohne dass der Film dabei besonderen Wert auf Kohärenz oder Spannung legen würde. Zwischen den Ermittlungen klackert eine hölzerne Romanze zwischen Silk und ihrem Cop-Lover mit absehbarem Ende daher, für den die Polizistin das streng zurückgekämmte Haar auch mal gelegentlich mädchenhafter frisiert. Ansonsten ist Silk natürlich ein harter Hund, was der Titelsong mit typischem Eighties-Sound freudig besingt; nur im Finale lässt sich die achso harte Heldin dann auf ärgerlich banale Weise kidnappen, als hätte Santiago seiner starken weiblichen Hauptfigur auf die letzten Meter dann doch misstraut.

Silk

Honulu, 10.30 Uhr, die Luft ist bleihaltig. Die Frisur sitzt.

Zwischendrin gibt es auch ganz brauchbare Action, die allerdings hin und wieder unter typischen Santiagoproblemen leidet: Manches Shoot-Out ist etwas statisch und der Schnitt eher begrenzt dynamisch, wodurch „Silk“ Potential verschenkt. Schick dagegen sind ein paar Autostunts, etwa wenn Silk und ein Kollege von zwei Killern angegriffen werden, zurückschlagen und dabei einen formschönen Überschlag des Schurkenvehikels verursachen. Ansonsten bietet „Silk“ trotz der nicht immer gelungenen Inszenierung solides Geballer und Gekloppe, nicht so exzessiv wie andere Santaigo-Filme, aber dafür vor hübscher Inselkulisse. An einer Stelle sieht man übrigens ein Poster für „Ark of the Sun God“ im Hintergrund, der von Santiagos italienischem Low-Budget-Genrefilmer-Kollegen Antonio Margheriti inszeniert wurde, der es allerdings meistens etwas schwungvoller krachen ließ als Santiago.

Mit Cec Verrell („Jungle Force“) ist auch nicht unbedingt ein Ausbund an Charisma in der Hauptrolle zu sehen. Sie wirkt zwar durchaus glaubwürdig in der Hauptrolle, bleibt aber auf keinerlei Weise in Erinnerung, was man leider auch über den Rest der Belegschaft sagen kann, der aber eh zum großen Teil bloß Stichwortgeber ist. Zum Cast gehört auch Santiago-Regular Frederick Bailey („Die Todesinsel“), der auch das Drehbuch von „Silk“ schrieb.

Nicht zuletzt dank der schönen Kulisse und einiger brauchbarer Action- und Stuntszenen kann „Silk“ bei seiner kurzen Laufzeit zwischendurch unterhalten, auch wenn typische Santiago-Inszenierungsschwächen und ein desinteressiert abgespulter, leicht konfuser Plot verhindern, dass sein Beitrag zum Cop-Reißer ein wirklich gutes B-Movie wird. Ein Film, der ebenso schnell weggeguckt wird wie man ihn wieder vergisst.

Die deutsche, ab 18 Jahren freigegebene Videofassung von Starlight ist ungekürzt und entspricht der Unrated-Fassung. Diese ist inzwischen auch in den USA auf Blu-Ray bei dem Label Code Red erschienen.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: Starlight__FSK Freigabe: ab 18__Geschnitten: Nein__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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