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Silk 2 – Hart wie Seide, sanft wie Stahl

Originaltitel: Silk 2__Herstellungsland: USA/Philippinen__Erscheinungsjahr: 1989__Regie: Cirio H. Santiago__Darsteller: Monique Gabrielle, Jan Merlin, Peter Nelson, Maria Claire, Ken Metcalfe, Joe Mari Avellana, Bon Vibar, Joseph Zucchero, Robert Ginnaven, David Light, Jeff Griffith u.a.
Silk 2

In Cirio H. Santiagos Sequel “Silk 2” gibt nun Monique Gabrielle in der Titelrolle den Schurken Saures

Drei Jahre nach „Silk“ drehte Cirio H. Santiago („Firehawk“) noch eine Fortsetzung zu seinem Cop-Actionkrimi, die aber keinerlei Verbindung zum Vorgänger hat: Selbst die Hauptrolle wurde in „Silk 2“ umbesetzt, der einfach eine neue Episode im Leben der toughen Polizistin erzählt.

Jenny ‘Silk‘ Sleighton (Monique Gabrielle) ist immer noch auf Honolulu tätig und stürmt – da ist sie ganz der Action-Cop der 1980er – mit ihrem Partner Chris Meadows (Bon Vibar) im Alleingang ein Gebäude, in dem Geiseln gefangen gehalten werden, weil Warten auf die Spezialeinheit blöd ist. Natürlich begucken sich die Schurken danach samt und sonders die Grasnarbe von unten, während weder den Geiseln noch dem Cop-Duo etwas passiert ist. Also haben wir neben dem obligatorischen Action-Opener den (erneuten) Beweis für Silks Kompetenzen, während ihr väterlicher Kumpel Chris etwas vom Ruhestand faselt, was im Polizei- und Actionfilm immer eine ganz schlechte Idee ist.

Derweil verfolgt Kunstexperte Hancock Gish (Jan Merlin) einen sinistren und unnötig komplizierten Plan, um an ein paar japanische Schriftrollen zu kommen, die unheimlich viel wert sind, während ein paar Fälschungen davon in seinem Museum aufhängen lässt, die er als echt darstellt. Aber der Japaner Kashi Hashimura (Joe Mari Avellana) bekommt die Sache spitz und ruft Chris an, den er aus früheren Zeiten kennt und der ihm noch einen Gefallen schuldet. Also ermittelt Chris, bezieht Silk aber nur so semi ein und es passiert dann, was in solchen Filmen in solchen Situationen immer passiert. Allerdings dauert es rund eine halbe Stunde bis Chris dann sein Leben vor Silks Augen aushauchen muss, damit ein Anlass für Rache da ist, aber immerhin hat man so noch mehr gemeinsame Scharmützel mit Hancocks Schergen zu bestehen.

Silk hat nun einen toten Partner, aber immerhin eine der Schriftrollen in ihrem Besitz. Sie versucht diese zu Kashi zu bringen, gleichzeitig die Schurken zu jagen und Rache zu üben. Derweil suchen die Fieswichte auch nach ihr und der Schriftrolle…

Dass Drehbuchautor Robert King nicht nur B-Filme wie diesen, „Bloodfist“ oder „Das Nest“ schrieb, sondern danach erst nach Hollywood kam, wo er unter anderem „Red Corner“ und „Die Piratenbraut“ verfasste, ehe er die erfolgreichen TV-Serien „The Good Wife“ und „The Good Fight“ erschuf, muss man nach „Silk 2“ erst einmal verdauen. Denn das Drehbuch des Santiago-Films ist ein Kraut-und-Rüben-Kuddelmuddel, in dem nichts so wirklich Sinn macht: Warum fingiert Hancock einen Überfall auf die Kuriere, wenn er die Schriftrollen einfach im Museum austauschen könnte? Warum wissen Kashi und sein Sidekick Tony (Peter Nelson) quasi ohne vor Ort zu sein, dass die Schriftrollen gestohlen wurden, dass sie durch Fälschungen ausgetauscht wurden und dass Hancock hinter der Sache steckt? Warum lassen sich diverse Figuren auf Treffen ein, die ganz eindeutig eine Falle sind? Und warum lässt Silk die wertvolle Schriftrolle einfach in ihrem Hotelzimmer, wenn sie stundenlang außer Haus ist und weiß, dass die Schurken danach suchen?

Santiago drückt derweil in dem gerade einmal 75 Minuten langen Film ordentlich aufs Gas, damit man solche Fragen lieber erst gar nicht stellt. Das klappt in der ersten Hälfte gut, wenn sich Silk von einem Scharmützel zum nächsten bewegt, wird in der zweiten Hälfte aber schwieriger. Urplötzlich wird da noch die Touristin Holly (Maria Claire) als Sidekick eingeführt, was zu semilustigen Sprüchen seitens Hollys Reisegruppe und etwas verunfallter Buddy-Comedy führt. Außerdem vergucken sich Silk und Tony in Nullkommagarnichts, was zwar nicht wirklich Sinn macht, aber zu einer Liebesszene mit Ultraweichzeichner, Zeitlupe und schmalziger Dudelmusik führt. Achja, eine Duschszene mit anschließendem Schurkenüberfall und halbnacktem Kickboxen gibt es für die Heldin auch noch zu durchstehen.

Monique Gabrielle („Deathstalker II“) mag zwar weniger hartgesotten als Cec Verrell aus dem Vorgänger daherkommen, hat dafür aber etwas mehr Charisma und bleibt dadurch eher in Erinnerung. Peter Nelson („Stirb langsam 2“) und Maria Claire („Slumber Party Massacre III“) neigen als Sidekicks zum Overacting, Jan Merlin („Der Gladiator“) ist als Fiesmöpp bestenfalls im Okay-Bereich und dazu gibt es noch zwei Santiago-Regulars: Joe Mari Avellana („When Eagles Strike“) gibt den Hüter der Schriftrollen, Ken Metcalfe („Hells Angels in Vietnam“) den Polizeichef, der die Klischees des Copaction-Vorgesetzten der 1980er auf elf hochdreht. Sein Captain ist strohdumm, behindert Silk bei ihren Recherchen und erweist sich selbst nach dem Verlust ihres Partners (die Beerdigungsszene ist stilecht im Regen und in Zeitlupe) noch als unsensibles Trampeltier.

Aber für einfallsreiche Figuren, tolle Geschichten oder große Schauspielkunst schaut man ja auch keine Cirio-H.-Santiago-Filme, sondern für die Action. Und die ist im brauchbaren Bereich, liefert Ballereien, Nahkämpfe, Autojagden und am Ende eine überraschend gut getrickste Gebäudeexplosion. Inszenatorische Feinheiten fehlen, bei Szenen wie dem Sprungkick durch die Windschutzscheibe eines Autos wird Hauptdarstellerin Monique Gabrielle offensichtlich gedoubelt, während sie an anderer Stelle sogar recht überzeugend selbst hinlangt. Kleinere Härten wie ein Stichwerkzeug in den Hals oder einen Kopfschuss gibt es zu bewundern, in der ersten Hälfte kommt die Action auch in guter Schlagzahl, während „Silk 2“ gegen Ende nachlässt. So könnte das obligatorische Abräumen unter den Henchmen des Oberschurken am Ende ausführlicher sein, aber ganz solide ist das Gehaue und Geballer schon.

Insofern ist „Silk 2“ etwas besser als sein Vorgänger, aber immer noch kein Ruhmesblatt des Actionkrimis. Die Hausmannskostaction ist durchaus brauchbar und das Tempo hoch, der wirre Plot, die meist mäßigen Darstellerleistungen und einige Hänger zwischen Actionszenen bremsen den Spaß an „Silk 2“ dann doch aus.

Starke:

Weltweit ist „Silk 2“ bisher anscheinend nur auf VHS erschienen. In Deutschland kommt diese von RCA/Columbia und ist ab 16 Jahren freigegeben. Über eventuelle Schnitte ist mir nichts bekannt, aber ich weiß auch nicht, ob diese Version ungekürzt ist.

© Nils Bothmann (McClane)

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Copyright aller Filmbilder/Label: RCA/Columbia__FSK Freigabe: ab 16__Geschnitten: Unbekannt__Blu Ray/DVD: Nein/Nein

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